Kundgebung am 17.12.2016 vor dem Fliegerhorst Jagel

Bei der Friedensfahrradtour rund um den Drohnen- und Tornadostandort Jagel am 22.7.2017 wies Ralf Cüppers auf die Umweltbelastung durch den ganz normalen Übungsbetrieb hin.

 

Kerosinnebel über Jagel

 

Um den Status "voll einsatzbereit" zu gewährleisten muß jeder Tornadopilot nach seiner Ausbildung mindestens 25 Tiefflugübungen im Jahr und weitere 73 Luft-Boden-Einsätze pro Jahr absolvieren, die auch im Tiefflug stattfinden.

Nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt ergibt sich durch die Verbrennung von Kerosin beim Tornado ein durchschnittlicher Kohlendioxidausstoß von mehr als 12 Tonnen pro Flugstunde bei einem Verbrauch von 5000 Litern oder 4 Tonnen Kerosin.

Wenn ein Tornadopilot pro Übung nur eine Stunde in der Luft wäre, dann sind das bereits das sind über 1200 Tonnen = 1,2 Millionen kg CO2 (mir wird bei jedem "grünen" Einkauf gesagt, wie viele Kg CO2 ich damit eingespart habe, wenn ich mich gegen das umweltschädliche Konkurrenzprodukt entscheide, gegen die 1,2 Millionen nicht der Rede wert). Die Tornados sollen insgesamt etwa 3000 Stunden pro Jahr in der Luft sein, das wäre der Ausbildungsbedarf für 30 Piloten entsprechend 36 Millionen Kg CO2.

An anderer Stelle spricht die Bundeswehr von 5000 Flugbewegungen pro Jahr Das heißt bei 3000 Flugstunden: eine Flugbewegung dauert weniger als eine Stunde. Dann würde aber die Berechnung mit den 5000 Litern = 4000 Kg Kerosin nicht mehr stimmen, denn bei Start und Landung wird vielfach mehr verbraucht als im Gleitflug. Der Startverbrauch beträgt 30 Liter pro Sekunde = 1800 Liter pro Minute oder drei Minuten Aufstieg wie eine Stunde Gleitflug.

Ein vierstündiger Tornadoflug verbraucht 20 000 Liter Kerosin und damit die gleiche CO2-Menge ausgestoßen wird wie von durchschnittlichen KfZ-Pendler*innen in ihrem ganzen Berufsleben. Die Kosten für eine einzige Stunde Tornadoflug betragen 43.000 Euro.

Durch unvollständige Verbrennung entstehen neben Kohlendioxid und Wasser noch weitere Abgaskomponenten. Diese Emissionswerte des Tornado sind laut Quelle (Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 16/5085 Seite 3: Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung auf die Anfrage nach der Umweltbelastung durch Militärflugzeuge der Bundeswehr) angeblich nicht bekannt.

Hatte die "Quelle" keine Chemie in der Schule???

Also ist leicht zu ermitteln, beispielsweise auch bei wikipedia nachzulesen:

Kerosin ist das Mitteldestillat des Rohöls, das enthält etwa in Prozent:

n- und iso-Alkane                  50-53

Monocyclische Alkane           10-16

Dicyclische Alkane    6-9

Tetracyclische Alkane            1,5-4

Alkylbenzole              4-12

Indane, Tetraline                    4-6

Indene                                    0,5-1,5

Naphthalin                             0,1-0,2

Alkylnaphthaline                    7-9

Acenaphthene                        0,5-1,5

Tricyclische Aromaten           0,1-0,9

 

Die Giftwirkung besteht in Leberschäden und chronischen Nervenschäden. Benzol ist zusätzlich krebserregend. Leichte Vergiftungen äußern sich in Schwindelgefühl, Brechreiz, Benommenheit und Apathie. Bei einer schweren Vergiftung kommt es zu Fieber und Sehstörungen bis hin zu vorübergehender Erblindung und Bewusstlosigkeit. Bei der sogenannten Benzolsucht, die beim Einatmen von Benzol eintreten kann, kommt es zu Trunkenheits- und Euphoriegefühlen. Benzol kann bei längerer Einwirkung auf den Organismus zum Tod führen.

Die Giftwirkung ist ebenso wie die karzinogene Wirkung auf die Bildung eines karzinogenen Metaboliten zurückzuführen. Im Körper wird Benzol enzymatisch am Ring oxidiert. Das entstehende hochreaktive Epoxid (Arenoxid) reagiert mit zahlreichen biologischen Verbindungen und kann auch das Erbgut schädigen bzw. Protein-Addukte bilden. Das Arenoxid wird weiter zu Phenol metabolisiert. Durch Hydrolasen kann das hochreaktive Arenoxid auch zum trans-1,2-Dihydrobenzol-1,2-diol weiter reagieren.

Toluol, verursacht Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden. Toluol ist fortpflanzungsgefährdend sowie fruchtschädigend.

Naphthalin führt auf der Haut zu starken Reizungen und zur Dermatitis. Naphthalin kann die roten Blutzellen schädigen. Beim Einatmen kann es zu Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und Übelkeit, Erbrechen und Verwirrtheitszuständen führen. Bei Einnahme führt es zu Magen-Darm-Störungen, Atemlähmung, Krämpfen und Tremor. Es ist trotz seiner geringen Löslichkeit in Wasser stark wassergefährdend. Eine Schädigung der Augenhornhaut, der Leber und Nieren ist möglich. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 0,9 bis 5,9 % bildet es explosive Gemische. Eine krebserregende Wirkung wird vermutet.

Naphthalin wurde früher von unseren Großeltern und heute noch von überseeischen Textilkonzernen in geringsten Mengen in Kleiderbehälter, Schränke und Container, eingebracht, um die Kleidung von Mottenfraß zu schützen, auch in kleinsten Mengen ist es für Motten giftig.

 

Also ist das Kerosin am giftigsten, wenn es vernebelt und gar nicht verbrannt wird.

Die Piloten der Tornado Kriegsflugzeuge werden bei Übungen und natürlich auch bei Kriegseinsätzen angehalten, etwa fünf km vor der Landebahn überflüssiges Kerosin abzulassen, um die Landebahn mit weniger Gewicht anzufliegen. Das maximale Landegewicht liegt immer deutlich unterhalb des Startgewichts. Für das Ablassen von Treibstoff muss in der zivilen Luftfahrt immer eine Notfallsituation vorliegen. Wäre die Flugbesatzung nun zum Beispiel aufgrund eines technischen Defekts oder eines medizinischen Notfalls an Bord gezwungen, unmittelbar nach dem Start wieder zu landen, so kann das Landegewicht durch Versprühen von Treibstoff reduziert werden.

In der militärischen Luftfahrt wird vor einer Landung immer abgelassen. Beim Austreten bildet der Treibstoff feinste Nebeltröpfchen mit einer typischen Größe deutlich unterhalb eines Millimeters, die natürlich in unsere Lungen gelangen können.

Das Gebiet für den Treibstoffablass (Dumping Area) sollte daher möglichst eine geringe Besiedelungsstruktur aufweisen (in Deutschland zum Beispiel der Odenwald, die Eifel, das Sauerland, der Westerwald oder die Nordsee, also auch das Gebiet um Jagel) Eine Auflistung der erfassten Mengen an Treibstoff, die über Deutschland in den Jahren 2010 bis 2016 abgelassen wurden, ergeben eine Gesamtmenge von über 3500 Tonnen Kerosin. Das abgelassene Kerosin führt zu Bodenverschmutzung und Grundwasserverunreinigung. Ein Liter Kerosin verseucht 1 Million Liter Grundwasser. Fünf Kilometer vor der Landung in Jagel in Verlängerung der Landebahn nach Nordost bei Landung gegen den Wind und bei dem vorherrschenden Südwestwind das Gebiet um den Bereich von Haithabu.

Laut einer Studie der Universität Cambridge sterben jährlich rund 10 000 Menschen aufgrund von eingeatmeten toxischen Stoffen, die von zivilen und militärischen Flugzeugen abgesondert werden. Dagegen kamen 2010 weltweit in der zivilen Luftfahrt nur 829 Menschen ums Leben. Da zivile Flugzeuge nur in Notsituationen, militärische Flugzeuge immer ablassen, kann man annehmen, daß die meisten dieser Kerosintoten den militärischen Flugzeugen zuzurechnen sind.