Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen Wehrbeauftragter legt Jahresbericht vor

Frustrierte Söldner

Wehrbeauftragter legt Jahresbericht vor

Sebastian Carlens
Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Bundestages, ist der Kummerkasten der Armee. Der letzte FDP-Mann im deutschen Parlament fungiert als Ombudsmann für die Sorgen und Nöte der Soldaten, bei ihm laufen Klagen aller Art ein. Arbeitslosigkeit droht ihm nicht: Um 20 Prozent stieg die Zahl der Beschwerden gegenüber dem Jahr 2012. Die Truppe ist anspruchsvoll geworden.

Da sind die Auslandseinsätze, die gewisse Strapazen mit sich bringen. In Kabul, mitten in einer Wüste gelegen, entpuppte sich die »extreme Staub- und Sandbelastung« als problematisch; im »Camp Koulikoro« in Mali fehlten die Moskitonetze. An Nachtruhe war da nicht zu denken. In die Türkei mußte ein deutscher Bauingenieur eingeflogen werden, um den Zustand der Gazi-Kasernen zu begutachten. Dort, an der Grenze zu Syrien, sind deutsche Soldaten untergebracht, und das Ergebnis des Fachmannes war ernüchternd: »Gebäude trotz Sanierung insgesamt nicht bewohnbar«. »Erhebliche Probleme traten dort auf, wo deutsche Soldatinnen und Soldaten in vom Gastland gestellten Liegenschaften und Lagern untergebracht waren«, bilanzierte der Bundestags-Wellneßbeauftragte.

Doch wenn es nach Ursula von der Leyen (CDU) geht, wird die Bundeswehr in Zukunft verstärkt international aktiv werden. »Wir können nicht zur Seite schauen«, so die neue Verteidigungsministerin. »Schon allein aus humanitären Gründen«. Solche gibt es vielerorts: in Mali, im Kongo, im Südsudan, in Afrika im allgemeinen. Auch dieser Kontinent hat seine Tücken: Tagsüber kann es dort unangenehm heiß werden, nachts empfindlich kühl. Königshaus, übernehmen Sie!

Großen Kummer bereitet von der Leyen, selbst siebenfache Mutter, die familienunfreundliche Situation beim »Arbeitgeber Bundeswehr«. Es bleibt noch viel zu tun, um den »Dienst an Deutschland« für junge Leute attraktiv zu machen. Vielleicht morgens Dienst im Schützenpanzer, danach kurz ins Spa, nachmittags den Nachwuchs aus dem Feldlager-Waldorf-Kindergarten abholen, abends Antistreß-Yoga. Ganz entspannt zur Weltherrschaft.

»Deutsche Sicherheitspolitik kann heute nicht mehr anders als global konzipiert werden«, heißt es im Papier »Neue Macht – Neue Verantwortung« des Kanzleramts-Thinktanks »Stiftung Wissenschaft und Politik«. Unser Feld ist die Welt, Töten ist Arbeit, Arbeitskraft ist eine Ware, Waren kosten Geld: 92 Euro Tagesaufschlag auf den Sold erhält ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan, im Sudan sind es knapp 80 Euro. Die Bundeswehr von heute ist ein Söldnerheer, das Deutschlands Interessen in aller Welt durchsetzen soll. Das ostentative Gejammere dieser modernen Landsknechte sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie sämtlich freiwillig dabei sind. Kurt Tucholsky nannte sie »Mörder«. Mittlerweile sind sie krankenversichert.

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(c) Junge Welt 2014

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