Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen Ostermarsch 2015

Ostermarsch 2015 von Ladelund nach Bramstedtlund.
Von Siglinde Cüppers

Von Bramstedtlund geht Krieg aus

Ostermarsch am Karfreitag 3. April 2015 von der KZ-Gedenkstätte Ladelund zum Eingang des Bunkers der Elektronischen Kampfführung in Bramstedtlund.

Dieser Ostermarsch ist vom Kreis Nordfriesland zunächst verboten worden, mit der unsinnigen Begründung, dass in Schleswig-Holstein am Karfreitag keine Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen stattfinden dürfen. Ein Ostermarschverbot wäre einmalig in der Geschichte der Ostermarschbewegung. Da es sich bei einem Ostermarsch um ein ernsthaftes Anliegen handelt, haben die Veranstalter erfolgreich beim Verwaltungsgericht Schleswig das Demonstrationsrecht durchgesetzt.  Der Streitwert wurde vom Gericht auf 5.000 Euro festgelegt. Das Grundrecht der Versammlungsfreiheit war für jeden der Teilnehmer über 100 Euro wert.  Die Anwalts- und Gerichtskosten muß das Amt Nordfriesland zahlen, wohl über 1000 Euro leider aus Steuermitteln und nicht privat von den verantwortlichen Vertretern des Kreises.

Am Karfreitag um 12.00 Uhr versammelten sich 45 Menschen vor der KZ-Gedenkstätte Ladelund. Zunächst wurde an den Gräbern der über 300 hier ermordeten Zwangsarbeiter Blumen niedergelegt. Ludwig Hecker von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten berichtete über das Leiden und Sterben der hier inhaftierten Zwangsarbeiter aus über 100 Nationen.

Der Ostermarsch bewegte sich über das ehemalige KZ-Gelände, an dem noch ein Graben besichtigt werden konnte, den Zwangsarbeiter als den sogenannten Nordwall gegen die Alliierten ausgehoben haben und Ludwig Hecker berichtete über die Lage und Größe des Konzentrationslagers.

Der Ostermarsch erreichte die Antennenanlage der Elektronischen Kampfführung  in Bramstedtlund und Ralf Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen erklärte, wie diese Anlage funktioniert und dass damit jedes Telefongespräch und jeder Funkspruch  nicht nur abgehört werden kann, sondern auch die Koordinaten des Standortes geortet werden kann, von dem aus das Telefongespräch geführt oder der Funkspruch  abgesetzt wird.  Diese Koordinaten können mit Lichtgeschwindigkeit an Kampfdrohnen gesendet werden, die dann den völlig automatisiert Mordbefehl exekutieren, ohne daß ein Mensch eingreifen könnte.

Zuletzt gelangte der Ostermarsch zur Einfahrt in den Bunker, wo wir von ziviler und uniformierter Militärpolizei und Soldaten der Elektronischen Kampfführung daran gehindert wurden, den Einfahrtsbereich zu erreichen. Am Straßenrand hat sich Siglinde Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in direkter Ansprache an die Soldatinnen und Soldaten der Elektronischen Kampfführung gewandt und sie dazu aufgefordert, die illegalen Abhörmaßnahmen und das Orten von privaten Personen, das Ausspionieren von Funksprüchen und zum Beispiel im Jemen, in Pakistan, in Syrien, Kurdistan und der Ukraine, die Auswertung und Weitergabe der Daten an andere Kampftruppen der NATO,  zu verweigern , wie es die Pflicht von Soldaten in einer Demokratie ist, wenn sie Dienstvorschriften oder Befehle bekommen, die illegal sind und mit denen sie zur Kriegsbeteiligung Deutschlands beitragen, obwohl es keine Debatte oder gar eine Entscheidung  des Bundestages über die Kriegsbeteiligung gegeben hat. Damit hat die Bundeswehr aufgehört, eine „Parlamentsarmee“ zu sein und verfolgt jenseits demokratischer Entscheidung oder Kontrolle eigene militärische Interessen oder läßt sich von Politikerinnen und Politiker dazu mißbrauchen.

Der Ostermarsch endete mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen in der Gedenkstätte mit einem abschließenden Vortrags des Leiters dieser Gedenkstätte über die Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte und die Versöhnungsarbeit, die über die Gräber der ermordeten Zwangsarbeiter mit deren Angehörigen entstanden ist. Die Gedenkstätte Ladelund, ist bereits Anfang der 1950er Jahre entstanden und gehört zu  den ersten Gedenkstätten in der Bundesrepublik.

Wir werden am 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkriegs eine Kundgebung vor der Kaserne der Elektronischen Kampfführung in Stadum  in Nordfriesland abhalten. Diese Kaserne wird gerade umgebaut und erweitert, denn in dieser Kaserne sollen etwa eintausend weitere Soldaten Arbeitsplätze und Unterkünfte finden, denn die Aufrüstung der Elektronischen Kampfführung  soll dort weiter ausgebaut werden.