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Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen

Alles fliegt auf Jagel

(die Überschrift ist aus der Bundeswehrzeitschrift "Y" geklaut)

 

Wie jeder andere Standort der Bundeswehr hat Jagel militärische Aufgaben zu erfüllen. Bei der Bundeswehr heißt das "militärischer Auftrag".

Um diesen Auftrag 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr erfüllen zu können, müssen ausreichendes Personal, also Soldaten und Zivilangestellte, Gebäude, Logistik, Ausrüstung und Waffen vorhanden sein, das Personal ausgebildet sein und der militärische Auftrag auch regelmäßig geübt werden.

Wenn wir uns mit den militärischen Aufgaben von Standorten der Bundeswehr beschäftigen können wir damit aufzeigen, daß:

  1. die Bundeswehr auch in "Friedenszeiten" kriegerische Handlungen begeht.
  2. sie diese kriegerischen Handlungen als "Friedensaktivitäten" verpacken muß, damit sie von einer Krieg ablehnenden Bevölkerung akzeptiert werden.
  3. diese kriegerischen Handlungen in "Friedenszeiten" mit einer freiheitlich demokratischen Rechtsordnung, die sich vom Grundgesetz über die Verfassung, im Straf- und Zivilrecht, in der Europäischen Menschenrechtskonvention bis hin zum Völkerrecht niederschlägt, nicht vereinbar sind.
  4. wir dadurch gute Argumente haben, diese Militäreinsätze als Kriegseinsätze zu benennen, weil es für das Selbstbild von Soldat*innen und Politiker*innen besonders wichtig ist, sich im Rahmen der freiheitlich demokratischen Legalität zu bewegen.

5.      bezogen hier auf Jagel, dem künftigen Standort der sog. Kampfdrohne Heron TP, die Unterscheidung in die Kategorien Militärischer Auftrag (a) im Frieden, (b) in der Krise und (c) im Krieg, wie sie von der Politik und der Bundeswehr noch unterschieden werden, bei weiterer Automatisierung der Kriegsführung durch Drohnen und teilautomatisierten Waffensystemen sich voll und ganz vermischen und damit aufgehoben sind. Übergänge zwischen Auftrag im Frieden und Auftrag im Krieg sind fließend und nicht mehr zu unterscheiden.

Deswegen wird es mit der Teilautomatisierung und Automatisierung von Waffensystemen auch völlig sinnlos, zwischen Aufklärungssystemen und bewaffneten Systemen zu unterscheiden

Die Bundeswehr unterscheidet dennoch in alten Kategorien:

Der militärische Auftrag von Jagel im "Frieden":

Erhalt der militärischen Einsatzbereitschaft mit bemannten und unbemannten Flugobjekten (Tornados und Drohnen).

Beteiligung an militärischen Einsätzen zur Landes- und Bündnisverteidigung.

Beteiligung an militärischen Einsätzen unter dem Mandat der Vereinten Nationen.

Beteiligung an militärischen Einsätzen der NATO.

Durchführung von Aufklärungsaufträgen.

Durchführung von Einsätzen der weiträumigen Signalerfassung und weiträumigen Bilderfassung aus der Luft. (SIGINT = signal intelligence)

Seit 2009: Durchführung von Aufklärungsaufträgen und Flügen im Rahmen der Seekriegsführung aus der Luft.

Seit 2013: Unterstützung der Elektronischen Kampfführung aus der Luft durch signalerfassende Aufklärung feindlicher Radarstationen und Funkstationen. Damit wurde der militärische Auftrag des aufgelösten Jagdbombengeschwaders 32 Lechfeld vom Jagdbombengeschwaders 51 Jagel vollständig übernommen.

2016 Übernahme des Ausbildungszentrums für die abbildende und signalerfassende Aufklärung der Luftwaffe. Damit wurde dieser militärische Auftrag vom Militärflughafen Fürstenfeldbruck vom Jagdbombengeschwaders 51 Jagel vollständig übernommen. Seitdem werden alle Soldaten aller Teilstreitkräfte der Bundeswehr, die mit abbildender oder Signalaufklärung befaßt sind, in Jagel ausgebildet.

Seit 2016 Auswertung der Einsatzbilder aus den Aufklärungsflügen direkt am Standort Jagel.

Katastrophenschutz.

Demonstration militärischer Präsenz.

Flüge im Rahmen von Amtshilfe der Behörden des Bundes und der Länder.

Ab April 2017 Ausbildungs- und Übungsflüge aller Drohnenpiloten der Heron I, vor allem am Flugsimulator,

Auch die Tornado-Piloten werden ihre Ausbildungs- und Übungsflüge und ihre Waffenausbildung in Jagel bekommen, weil die Ausbildung und Übung auf dem Standort Holoman in den USA aufgeben worden ist.

Der militärische Auftrag von Jagel in der Krise

Erhöhung der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft.

Intensivierung der taktischen Ausbildung zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft.

Einsatzbereitschaft im Rahmen der Krisenbewältigung.

Der militärische Auftrag von Jagel im Kriegseinsatz/Verteidigungsfall

Unterstützung der militärischen Operationen durch Aufklärung der gegnerischen Land- und Seestreitkräfte und ihren Kampfanlagen, Führungs- und Versorgungseinrichtungen.

Zielaufklärung mit Tornados und Drohnen. Zielvernichtung ist nicht ausdrücklich erwähnt, aber dann:

Feststellung der eigenen Waffenwirkung.

Seit 2009 Seekriegsführung aus der Luft mit Bekämpfung von Überwasserzielen mit "Fire and Forget"-Waffen wie GBU, HARM und IRIS T.

Seit 2013 Ortung und Zerstörung feindlicher Radaranlagen und Funkstationen mit HARM.

Dies war zuvor beim Jagdbombergeschwaders 32 in Lechfeld angesiedelt, aber auch hier wurde der militärische Auftrag des aufgelösten Jagdbombengeschwaders 32 Lechfeld vom Jagdbombengeschwaders 51 Jagel vollständig übernommen.

 

Um den militärischen Auftrag erfüllen zu können gibt es in Jagel

 

Drei Aufklärungsdrohnen Heron I

 

Tornado IDS in verschiedenen Varianten:

Tornado IDS als Jagdbomber mit eingebauten Bordkanonen, bewaffnungsfähig mit einem TAURUS=Marschflugkörper und je zwei Sidewinder, HARM= Homing Antiradiaton Missles, oder IRIS T.

Der Tornado IDS ist das einzige Militärflugzeug der Bundeswehr, das auch Kernwaffen tragen kann. Der zweite Standort des Tornados neben Jagel ist Büchel.

Tornado Recce (Recconaissance = Erkennen im Sinne militärische Aufklärung)

Anhang: Tornado-Bewaffnung

Seit 2009 ist der Tornado Recce mit dem Aufklärungsbehälter Recce Lite unter dem Rumpf für optische hochauflösende Bildaufklärung ausgestattet. Recce Lite hat Infrarotsensoren und kann damit auch durch Wolken und Nebel und bei Nacht hochauflösende Bildqualität liefern.

Auch der Tornado Recce ist bewaffnet mit eingebauten Bordkanonen, Sidewinder = Luft-Luft-Lenkflugkörper oder HARM und/oder er trägt auch einen Behälter mit Leichtmetallteilchen, die sich bei feindlicher Annäherung vernebeln und den Recce unsichtbar machen, so dass er verschwinden kann.

Seit 2013 Tornado ECR (ECR= Electronic Combat and Recconnaissance = Elektronische Kampfführung und Aufklärung)

Diese Ausstattung des Tornado IDS ist 2013 mit dem aufgelösten Jagdbombergeschwader 32 Lechfeld nach Jagel gekommen für den militärischen Auftrag:

Luftunterstützung der Elektronischen Kampfführung.

Fähigkeiten des Tornado ECR: Lokalisierung, Identifizierung und Bekämpfung von feindlichen Radaranlagen und radargesteuerten feindlichen Luftverteidigungssystemen mit HARM und IRIS T

Seekriegsführung aus der Luft mit IRIS T und HARM.

Der Tornado ECR hat nur eine eingebaute Bordkanone, hat ansonsten wie der Recce den Aufklärungsbehälter und ansonsten wie der Jagdbomber je zwei Sidewinder, HARM oder IRIS T als Fire and Forget Waffensysteme.

An Stelle der zweiten Bordkanone ist er ausgestattet mit neu konzipierten und integrierten ELS (Emitter Locator System) einem unschlagbar fähigen, flexiblen und zuverlässigen und weltweit einzigartigen Verbund von Sensor und Waffe. Das ELS bestimmt die Position und verschiedene andere Parameter eines gegnerischen Radars und weist sie direkt (ohne Umweg über einen menschlichen Entscheidungsträger) dem HARM Suchkopf für die schnelle Bekämpfung zu.

Damit der Suchkopf sein Ziel zerschlagen kann, steuert der Kern der Rakete selbständig auf den Ort zu, der ihm vorher in seine Software eingegeben worden ist, deswegen heißt die HARM Homing Anti-Radation Missle.

Der Tornado kann an Stelle einer Raketenposition mit einem Störsender TSB 7 ausgestattet werden, um feindliche Funk- und Radarsignale zu stören und auszuschalten.

Er vereinigt die signalerfassende elektronische Kampfführung mit Fire and Forget Waffensystemen, die bis zu 150 km selbständig ihr Ziel suchen und bei Zielerkennung in 20 Sekunden zerstören können und dann automatisch in ein eingegebenes Ziel zurück fliegen können.

Seit 2015 sind alle Tornados ECR ausgestattet mit der Software ASSTA 3[i].

(Avionics System Software Tornado in Ada)

Avionik - zusammengesetzt aus Aviatik (von lat. avis = Vogel) und Elektronik bezeichnet die Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggerätes, einschließlich der Fluginstrumente.

Ada Programmiersprache benannt nach Lady Ada Lovelace (1815-1852), der Tochter von Lord Byron und Mitarbeiterin von Charles Babbage, die auch als erste Programmiererin bezeichnet wird.

Mit dieser Software kommandiert das Aufklärungssystem den Piloten, erteilt die Anweisung wohin er fliegen soll, wenn es die Signalwirkung empfängt. Das ist die Umkehr bisheriger Befehlsstrukturen: Das Aufklärungssystem befiehlt dem Piloten und nicht umgekehrt.

Der Pilot bekommt aber keine Information darüber, was das Aufklärungssystem aufklärt, was es erkennt. Denn das schickt seine Erkenntnisse und Ergebnise an die Auswertungsstation und bekommt von da neue Aufklärungsaufträge.

Mit der Software kommunizieren das Aufklärungssystem und das Waffensystem, ohne daß der Pilot daran beteiligt ist und Einfluß darauf nehmen könnte. Das Aufklärungssystem teilt dem Waffensystem mit, wann die günstigste Position erreicht ist, um das Waffensystem auszulösen. Das Waffensystem kommuniziert über die Software mit dem Computer der Bodenstation, ob es losfliegen soll, nicht mit dem Piloten. Dadurch ist der Pilot nur noch derjenige, der dafür sorgt, daß Aufklärungs- und Waffensystem sicher durch die Luft in die Nähe der militärischen Ziele transportiert werden.

Der Tornado ist ein Auslaufmodell. 2022 wird der letzte Tornado die BW verlassen.

Denn wenn der Pilot eines Tornado nur noch die Funktion des Chauffeurs hat, ist er verzichtbar. Die Drohne Heron I übernimmt schon jetzt die Arbeit der Tornados Recce und ECR in einem Luftfahrzeug, ohne daß dafür ein Pilot nötig ist.

Die Drohne Heron I könnte man deswegen auch als eine Weiterentwicklung der Tornados Recce und ECR bezeichnen:

Nun kommt die Elektronische Kampfführung der Bundeswehr ins Spiel, die seit 2013 eine immer größere Rolle spielt.

Für deren Auswertungs- Störungs- und Zerstörungsarbeit ist es effizienter, wenn sie von den Standorten der Radar- und Funkanlagen auch gleichzeitig Bilder bekommt, um auf dem Bild die Umgebung der Standorte zu erkennen, vor allem aber zu erfahren, wenn sich ein Fahrzeug mit einem Funkgerät oder einem Radar entfernt, wohin es fährt, um darüber Informationen für die strategische Langzeitaufklärung zu bekommen. Die Elektronische Kampfführung benötigt für die effektive Auswertung Aufklärungsergebnisse in Echtzeit. Denn Militärfahrzeuge oder Menschen bewegen sich und verändern die militärischen Standorte. Somit ist es logisch nachvollziehbar, wenn der Standort für Drohnen Jagel ist, denn mit dem Tornado ECR gibt es hier schon Erfahrungen im Umgang mit teilautomatisierten Aufklärungssystemen und auch das Personal dafür.

Die Drohne Heron1 funktioniert im Prinzip wie der Tornado Recce und Tornado ECR zusammen. Die Kommunikation geht über die Software direkt zur Auswertungsstation und sie bekommt ihre weiteren Anweisungen auch von dort. Sie kann als Aufklärungsdrohne in Echtzeit Signale wie der ECR erkennen. Sie kann diese Signale auch stören und den Absender der Signale täuschen. Sie kann gleichzeitig in Echtzeit die Bilder von Fahrzeugen, Bunkern, in denen sich Radar- oder Funkstationen befinden, bereit stellen, wie der Recce.

Sie hat eine lange Verweildauerim Einsatzgebiet, muß nicht wie der Tornado ständig betankt werden. Die Heron I ist ein luftgestütztes Aufklärungssystem der Elektronischen Kampfführung der Bundeswehr.

Damit könnte die Bundeswehr doch zufrieden sein, warum sollen nun 2019 die drei Kampfdrohnen Heron TP geleast werden und bis 2025 eine europäische Kampfdrohne unter deutscher Führung gebaut werden und auch von Jagel aus gesteuert werden?

Im Einsatz in Afghanistan hat sich herausgestellt, daß die Drohne Heron I bei schlechten Lichtverhältnissen in der Dämmerung oder bei schlechtem Wetter in großer Höhe nur schlechte Bildqualität liefert, nachts gar keine Bilder liefern kann. Deswegen wurde zusätzlich auch immer der Tornado Recce in Afghanistan eingesetzt, weil er wetterunabhängig ist und nachts gute Bildqualität liefern kann. So gab es die Arbeitssteilung: Die Drohne bei gutem Wetter bis zur Dämmerung und bei schlechtem Wetter und nachts der Recce.

Die Heron I ist unzuverlässig: Eine Heron I ist zum Feind übergelaufen und nach Pakistan geflogen. Eine war so sehr mit Bilder machen beschäftigt, dass sie dabei gegen eine Felswand geflogen ist. Eine dritte ist verschwunden.

Diesen unbefriedigenden Zustand soll die Heron TP beseitigen.

Sie kann in größerer Höhe als die Heron1 fliegen.

Sie hat verbesserte Sensoren zur Bildaufklärung.

Sie kann vielseitig bewaffnet werden, wie der Jagdbomber Tornado IDS, der keine Aufklärungsbehälter tragen muß.

Sie vereinigt alle Möglichkeiten des Tornados IDS in einem unbemannten Flugobjekt

 

2018/2019 werden auch die fünf Eurofighter und deren Besatzung und Bodenpersonal vom Militärflughafen Fürstenfeldbruck nach Jagel kommen, da dieser Standort aufgelöst wird.



[i] ASSTA = Avionics System Software Tornado in Ada

Avionik - zusammengesetzt aus Aviatik (von lat. avis = Vogel) und Elektronik bezeichnet die Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggerätes, einschließlich der Fluginstrumente.

Ada Programmiersprache benannt nach Lady Ada Lovelace (1815-1852), der Tochter von Lord Byron und Mitarbeiterin von Charles Babbage, die auch als erste Programmiererin bezeichnet wird.

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Zuletzt geändert: 25.02.2017