Gelaufene Aktionen

- Schießübungen im Wattenmeer

Für Schießübungen im Wattenmeer

Keine Mehrheit hat am 28. November im Bundestag ein Antrag der SPD (13/1391) gefunden, Waffenerprobung und Schieß­übungen im Nationalpark schleswig-holsteinisches Wattenmeer zu beenden. Das Parlament folgte damit einer Beschlußempfeh­lung des Umweltausschusses (13/ 5053). Dessen Mehrheit sah keinen Hinweis darauf, daß das Gebiet maßgeblich beeinflußt werde, da Schießübungen nur "gelegentlich und mit geringer Intensität" durchgeführt würden. Die SPD hatte argumentiert, die Erprobung von Waffen in der Mehldorfer Bucht sei nicht mit dem Schutzstatus des Nationalparks schleswig-holsteinisches Wattenmeer und der herausragenden ökologischen Bedeutung dieses einzigartigen Lebensraumes vereinbar.

04.12.1996, wib 21/1996, Seite 16

 

Umweltminister Rainder Steenblock:

Raketentests gehören nicht in den Nationalpark

,,Waffenerprobungen und Raketenabschüsse gehören nicht in den Nationalpark. Die Erprobung von Waffen in Nationalparken ist angesichts der heutigen politischen Landschaft in Europa völlig unverständlich und stellt die Glaubwürdigkeit von National­parken in Frage", erklärte heute (11. November 1997) Umweltminister Rainder Steenblock angesichts des angekündigten Rake­tentests im Wattenmeer. Die drei Meter lange Rakete soll heute von der Bundeswehr zehn Kilometer weit in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hineingeschossen werden. Steenblock drängte Bundesverteidigungsminister Volker Rühe erneut, auf eine endgültige Einstellung der Waffenerprobung im Nationalpark hinzuwirken. DerBundesverteidigungsmi­nister hatte Minister Steenblock in einem Schreiben vom 4. August 1997 zugesichert, daß dieAnstrengungen der Bundeswehr zur Reduzierung der ökologischen Belastungen im Wattenmeer fortgesetzt würden.

Die Erprobungen hatten in den vergangenen Jahren in vielen Fällen massive Störungen der Vogelwelt im Nationalpark zur Folge. Zudem erschweren die Waffentests die Akzeptanz des Nationalparks. Steenblock befrürchtet, daß die glaubwürdige Vermittlung von Schönheit und Einzigartigkeit des Nationalparks erheblichen Schaden nehmen könne, wenn die öffentliche Hand sich einerseits für den Nationalpark einsetze, andererseits aber die Tier- und Planzenwelt in dieser Art und Weise beein­trächtige. Nationalparke seien Schutzgebiete gesamtstaatlich repräsentativer und vor allem internationaler Bedeutung. "Der Umgang mit diesen Gebieten spiegelt die Wertschätzung wider, die wir der Natur entgegenbringen," so Steenblock.

Das Wattgebiet der Meldorfer Bucht wurde schon vor Einrichtung des Nationalparks von der Bundeswehr für

Waffenerprobungen genutzt. Bereits vor einigen Jahren wurde der Umfang der Erprobungen reduziert. Noch immer finden aber an etwa 15 Tagen im Jahr Erprobungen in diesem Gebiet statt. So sind zusätzlich zum heutigen Raketenabschuß weitere Ge­schoßerprobungen mit kleineren Kalibern für die nächsten Wochen geplant. Die Störwirkung geht bei dem Waffentest insbe­sondere auch von der Bergung der Projektile mit Hubschrauber im Tiefflug aus.

11.11.1997 Verantwortlich für diesen Pressetext:

Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten, Claudia Sieg, Pressesprecherin, Tel.: 0431/988-7204

 

Umweltminister Rainder Steenblock: Waffenerprobung im Nationalpark Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer einstellen

Umweltminister Rainder Steenblock forderte heute (21. Dezember 1998) erneut die Einstellung der Waffenerprobung im Na­tionalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Während der Tagung des Schleswig-Holsteinischen Landtages stellte der Umweltminister klar: "Die Erprobung von Waffensystemen und die Schutzziele eines Nationalparks sind nicht miteinander vereinbar. Hier muß endlich ein Schlußstrich gezogen werden. Wir können den Einheimischen und den Gästen nur schwer vermitteln, daß ihre Nutzung und Bewegung im Nationalpark aus Rücksicht auf die Natur eingeschränkt sein soll, während sich die öffentliche Hand - die Bundeswehr - nicht an diese Regeln hält."

Steenblock hatte sich mit seiner Forderung, die Waffentests zu beenden, bereits mehrfach an den Bundesverteidigungsminister gewandt. Nun bat er den Schleswig-Holsteinischen Landtag, die Anträge zur Beendigung der Munitionserprobungen im Natio­nalpark Wattenmeer von 1988 und 1990 zu bekräftigen und sich erneut an die Bundesregierung zu wenden. Er wünschte sich von der Opposition, daß sie sich dieser Forderung anschließe. Schließlich sei es eine CDU-geführte Regierung gewesen, die den Erprobungsplatz eingerichtet habe.

Seit 1969 finden in der Meldorfer Bucht Schießübungen der Bundeswehr statt. Am 4. Oktober 1990 stellte der Schleswig-Hol­steinische Landtag fest, daß eine militärische Nutzung auch dem Nationalparkgesetz entgegenstehe. Bislang lehnte der Bundes­verteidigungsminister eine Einstellung oder Verlagerung der Waffenerprobungen in weniger empfindliche Gebiete strikt ab. Allerdings erreichte der Umweltminister durch seine Bemühungen eine Reduzierung der Übungen auf etwa zehn Tage im Jahr. Die Einstellung der Schießübungen liegt aus ökologischen Gründen auf der Hand: Vögel werden großflächig vergrämt, wich­tige Rast- und Brutgebiete werden blockiert, und die Hubschraubereinsätze verursachen eine erhebliche Störung der Tierwelt im Nationalpark.

Es sei unbestreitbar, daß sich in den vergangenen Jahren in dem betreffenden Teil des Dithmarscher Speicherkoogs eine cha­rakteristische und schützenswerte Fauna und Flora entwickelt habe. Zum Teil hätten auch Angehörige der Bundeswehr mit ihrer Naturschutzarbeit zu dieser Entwicklung beigetragen. Dafür bedankte sich Steenblock herzlich.

Nichts desto trotz seien hier die ständigen Waffenerprobungen fehl am Platz. Sie stellten ein ökonomisches Hindernis bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Westküstenregion dar. "Feriengäste und Erholungssuchende wollen in einem einmaligen Nationalpark und Schutzgebiet für Pflanzen und Tiere Urlaub machen und nicht in einem militärischen Schießgebiet. Wir ha­ben also nicht nur ökologische sondern vor allem auch ökonomische Gründe, endlich die Einstellung der Waffenerprobungen im Nationalpark zu verlangen", betonte Steenblock. Er hoffe, daß sich die neue Bundesregierung schnellstmöglich für eine Beendigung aller Waffentests im Nationalpark entscheide.

21. Dezember 1998 Verantwortlich für diesen Pressetext: Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten Claudia Viße, Pressesprecherin i.V. Tel.: 0431/988-7204, Telefax: 0431/988-7209, e-mail: pressestelle.munf@landsh.de
Testrakete stürzt ins Wattenmeer

Eine Testrakete der Bundeswehr ist am Donnerstag im Nationalpark Wattenmeer unplanmäßig abgestürzt. Der Flugkörper sei etwa zehn Kilometer vor der Meldorfer Bucht wegen eines Problemes beim Motor innerhalb des Sicherheitsbereiches abge­stürzt, teilte der Leiter der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr in Elpersbüttel (Kreis Dithmarschen), Otto Günther, am Abend mit. Zu Schäden sei es nicht gekommen. Protest gegen die Waffenerprobung im Watt kam von Naturschützern sowie von SPD und Grünen. Sie forderten Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) auf, den Übungsbetrieb im Watten­meer zu beenden.

Nach Angaben von Günther hat sich der Motor der Rakete nur wenige Kilometer nach dem Start in mehrere Teile zerlegt. Alle Teile konnten mittlerweile geborgen werden. Sie würden zur Zeit von Spezialisten untersucht. Von einem mißlungenen Ver­such könne keine Rede sein, da auch solche Ereignisse als normale Versuchsergebnisse zu werten seien, sagte Günther. Bei dem Testflugkörper habe es sich um eine neuartige Hochgeschwindigkeitsrakete gehandelt.

28. 11. 1998 (Quelle: Stuttgarter Zeitung)

 

Dithmarsia nostra floreat

Schluß mit Waffentests im Wattenmeer

Nach 1988 und 1990 behandelt der Landtag heute zum dritten mal die Problematik der Waffenerprobungen in der Meldorfer Bucht. Die Meldorfer Bucht wird seit 1969 zur waffentechnischen Erprobung von der Bundeswehr wie von privaten Unterneh­men genutzt.

Die Genehmigung zur Durchführung von Waffenversuchen gibt es in bis heute unveränderter Form seit den sechziger Jahren mit im Wesentlichen zwei Einschränkungen: Es soll nicht in den Sommer- und Osterferien geschossen werden. Das hat was mit Tourismus zu tun. Die Bundeswehr muß selber dafür sorgen, daß das Schießgebiet und die Schutzzone frei sind. Das hat was mit Sicherheit zu tun. Diese Genehmigung stellt gleichzeitig eine starke Rechtsposition des Bundesverteidigungsministeriums dar, die nur mit dessen Einwilligung zu überwinden ist. Naturschutzfachliche Aspekte spielten damals offenbar keine, jedenfalls keine dokumentierte Rolle.

Durch die Erprobungsaktivitäten wurden immer wieder Störungen der Vogelwelt beobachtet. Von Umweltschützern, allen voran der Deutsche Tierschutzbund, ist insbesondere darauf hingewiesen worden, daß Vögel in der Mauserzeit sehr empfind­lich gegen Störungen seien. Im Wattenmeer brüten, rasten und überwintern gleichzeitig bis zu 1,3 Millionen Vögel. Bei den hunderttausenden von Brandgänsen handelt es sich gar um 80% der Weltpopulation.

Daher sind diese Schießübungen mit dem Schutz des Wattenmeeres und den Naturschutzpark-Zielsetzungen sowie der ökolo­gisch herausragenden Bedeutung dieses Gebietes nicht vereinbar. Nach § 5 der Nationalpark-Gesetze sind Eingriffe im Sinne § 7 Abs. 1 des Landschaftspflegegesetzes (Sprengungen, Bohrungen, wildlebende Tiere durch Lärm oder anderweitig zu beun­ruhigen) nicht zugelassen. Auch in der Winterzeit ist das Gebiet Rast - und Durchzugsgebiet zehntausender Vögel und See­hunde. Dem Nationalpark-Gesetz kann also so lange, wie die Waffenerprobungen stattfinden, nicht genügt werden.

Der Nationalpark soll FFH-Gebiet werden. Militärische Übungen und Waffenerprobungen widersprechen aber neben der FFH-Richtlinie der EU auch der Konvention über die biologische Vielfalt. Auf der 6. trilateralen Regierungskonferenz 1991 in Esbjerg nannten die Umweltminister u.a. die schrittweise Aufgabe des Schießplatzes in der Meldorfer Bucht als politisches Ziel.

Die Bundeswehr hat im Laufe der Auseinandersetzungen um den Zielkonflikt Waffenerprobung-Naturschutz durch freiwillige Beschränkungen nach Besprechungen mit dem NPA eine Reihe von Leistungen vollzogen, die auch unsere Anerkennung fin­den. So wird heute in der Zeit vom 15. März bis zum 15. Oktober nicht geschossen, es herrscht vollkommene Ruhe. Vom 15. November bis zum 15. Februar wird voll und ohne Einschränkungen genutzt.

In der Zeit zwischen den beiden genannten Zeiträumen wird nach Beobachtung des Vogelzuges oder von Rastgruppen einge­schränkt geprobt. Am Anfang jeden Jahres wird die Jahresschießplanung mit der Staatskanzlei besprochen. Auch die Schaffung von Biotopen in den ihr zur Verfügung stehenden Gebieten verdient Anerkennung. u.a. der Einbeziehung dieser Gebiete in die Schutzkonzepte dient der Ergänzungsantrag von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum vorliegenden Antrag des SSW.

Auflösen können diese Maßnahmen den Zielkonflikt natürlich nicht. Zur ganzen Wahrheit gehört auch, daß dieses Schießgebiet aus der Sicht der Waffentechnik eine Reihe einmaliger Vorteile bietet, insbesondere bietet die Seeseite riesige Sicherheitszonen von bis zu 20 x 40 km, was sich in Deutschland nirgendwo anders ergibt. Dazu kommt, daß das Watt bekanntlich weich ist, so daß eine Auswertung des relativ unversehrten Datenspeichers im Geschoßkopf möglich ist.

Die andere Seite der Medaille sind die erheblichen Eingriffe in den empfindlichen Naturraum Wattenmeer. Die Schüsse selber sind als Eingriff schon nicht von Pappe. Das Schußfeld und die Sicherheitszone müssen vorher auch noch untersucht werden. Nach dem Schuß wird der Flugkörper oder das Geschoß geborgen zur Untersuchung. Das Ganze geschieht mit Hubschraubern und Kettenfahrzeugen.

1995 erklärten Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums, daß die Wehrfähigkeit der Bundeswehr bei Schließung des Erprobungsplatzes nicht gefährdet wäre. Die politische Lage hat sich fundamental geändert. Wir sind erstmalig von befreunde­ten Nachbarstaaten umgeben.

Für meine Fraktion ist, das wird niemanden überraschen, in diesem dargestellten Zielkonflikt Naturschutz-Waffenerprobungen im Wattenmeer kein Platz für das Militär. Die Aufwendungen, auch die finanziellen, zum Schutz des Nationalparkes werden durch die Waffenversuche konterkariert. Damit muß möglichst schnell Schluß sein.

Der Abgeordnete Rudolf Scharping hat 1995 mit vielen Fraktionskollegen zusammen in einem Antrag die Bundesregierung aufgefordert, alle Arten der Waffenerprobung und Schießübungen im Bereich des Nationalparks Wattenmeer, umgehend ein­zustellen. Sowohl die Landesregierung, wie auch der jetzige Bundesverteidigungsminister haben also ihren Willen zur Beendi­gung der Waffenerprobungen im "Nationalpark Wattenmeer" bekundet. Dann sollte einer Umsetzung der Beschlüsse nichts mehr im Wege stehen. Wir werden dem SSW-Antrag zustimmen und bitten um Zustimmung zu unserem Ergänzungsantrag.

21.12.1998  Detlef Matthiessen (Bündnis 90/Grüne)


SSW-Antrag zur Beendigung der Schießübungen im Nationalpark Wattenmeer angenommen

Im November 1998 fand im Nationalpark Wattenmeer in der Meldorfer Bucht eine Raketenschießübung der Bundeswehr statt. Daraufhin stellte der SSW einen Antrag im Schleswig-Holsteinischen Landtag, die Schießübungen im Nationalpark Watten­meer zu beenden und forderte die Landesregierung auf, sich bei der neuen Bundesregierung dafür einzusetzen, die Waffen-erprobungen im Wattenmeer so schnell wie möglich gänzlich zu beenden.

Die SSW-Abgeordnete Anke Spoorendonk wies darauf hin, daß es schon mehrfach entsprechende Anträge in den Jahren 1988 und 1990 im Schleswig-Holsteinischen Landtag gegeben hätte, und daß der SSW schon damals die Meinung vertreten hätte, daß mit den Schießübungen Schluß sein müsse.

"Wenn wir die Waffenerprobungen jetzt auch noch unter dem Aspekt der “Pallas”-Havarie betrachten, müssen wir uns doch fragen, inwieweit wir die Natur im Wattenmeer noch weiter belasten wollten," äußerte sich Anke Spoorendonk. Der SSW sei immer dafür eingestanden, daß die traditionellen Nutzungen im Nationalpark auf eine verträgliche Weise fortgeführt werden sollten, “aber wir haben damit nie gemeint, daß Schießübungen als traditionelle Nutzung aufgefaßt werden können”, so Anke Spoorendonk.

Aus Sicht der SSW-Abgeordneten seien Waffentests überhaupt nicht mit den Zielen und Grundgedanken eines Nationalparks zu vereinbaren. Deshalb begrüße der SSW auch die Forderung des Umweltministers an den Bundesverteidigungsminister, die militärische Nutzung im Nationalpark Wattenmeer einzustellen.

Vor dem Hintergrund, daß die SPD-Bundestags-fraktion sich jahrelang erfolglos für eine Beendigung der Waffenerprobungen eingesetzt habe, sei es schon bemerkenswert, daß der Bonner Verteidigungsausschuß in seiner letzten Sitzung nicht einmal ein Moratorium bis zur nächsten Zusammenkunft in dieser Sache verkündet habe. Jedoch hoffe der SSW, daß sich die Bonner Regierung an ihre alten Forderungen erinnern und dementsprechend handeln würde, so Anke Spoorendonk.

Dem Änderungsantrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, das Testgebiet für den Naturschutz auszuweisen, nachdem die Bundeswehr dort abgezogen sei, stimmte der SSW zu.

Der Antrag wurde mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und SSW angenommen.

22.1.1999 SSW-Rundbrief:

 

SHLandtag: Umweltausschusssitzung 26.8.1999 (Protokollauszug)

Wehrbereichsverwaltung, WTD 71

Umdruck 14/3698

Herr Kaeding merkt einleitend an, daß die Wehrbereichsverwaltung dem vorliegenden Gesetzentwurf nicht zustimmen könne, weil er Regelungen enthalte, die erheblich in den Bestandsschutz der Bundeswehr eingriffen und die Belange der Landesver­teidigung außer acht ließen. Im übrigen trägt er den Inhalt der schriftlichen Stellungnahme, Umdruck 14/3698, vor.

Auf die Frage der Abg. Todsen-Reese, ob die Bundeswehr darauf angewiesen sei, die erwähnten Übungen in dem Walschutz­gebiet durchzuführen, schildert zunächst Herr Reelmann die Art der Übungen, die westlich von Sylt abgehalten würden und für die es unter erheblichem Aufwand auch Ausweichmöglichkeiten gäbe. Allerdings sei vor Jahren sehr kostenaufwendig eine Meßplattform auf Sylt errichtet worden, die von der Bundeswehr unterhalten werden müsse und auf die sie auch angewiesen sei.

Herr Nicolaisen vom Flottenkommando Glücksburg ergänzt, daß es im Bereich des Wahlschutzgebiets Seerouten gebe, die die Bundeswehr offenhalten müsse. 90 % des Exports, aber auch des Imports von Rohstoffen würden über See abgewickelt, und die Bundeswehr sei verpflichtet, für den Verteidigungsfall Routen anzubieten, die von Minen relativ leicht freigeräumt werden könnten. Das sei nur möglich, wenn diese Routen ständig kontrolliert und auf Veränderungen abgesucht würden.

Die Übungsflüge mit Luftzielschießübungen, die nun einmal notwendig seien, habe die Marine bereits auf See verlegt, um die Bevölkerung nicht zu stören. Allerdings gebe es auch weiter westlich gelegene Gebiete ähnlicher Größe, für die jedoch sehr lange Anflüge erforderlich würden.

Auf eine Frage der Abg. Fröhlich räumt Herr Reelmann ein, daß in der Tat auf allen Gebieten der Technik zunehmend Compu­tersimulation zur Vermeidung echter Versuche eingesetzt werde. Dies gelte selbstverständlich auch für die Bundeswehr in ho­hem Maße. Auf der anderen Seite sei aber in der Technik ebenso unbestreitbar, daß jede Simulation anschließend durch echte Versuche im Hinblick auf ihre Aussagekraft überprüft werden müsse.

Dem Hinweis der Abg. Fröhlich, daß es nach einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag vom November 1995 mög­lich sei, das Erprobungsschießen und andere Versuche anderswo als in der Meldorfer Bucht abzuhalten, widerspricht Herr Reelmann. Es gebe einen umfangreichen Schriftwechsel, nach dem die Bundeswehr auf dieses Gebiet nicht verzichten könne.

Herr Klaßen ergänzt, daß in der Meldorfer Bucht keine Schießübungen stattfänden, sondern Waffen erprobt würden. Dafür werde ein großer Sicherheitsbereich benötigt, es würden teure Meßgeräte eingesetzt, die leicht wieder aufgefunden werden müßten, um die Daten auszuwerten. Dafür sei das Watt besonders gut geeignet.

Abg. Franzen vermutet, daß die NATO-Verträge ohnehin nicht durch das Nationalparkgesetz beeinflußt werden könnten.

Herr Nicolaisen entgegnet, daß die Erprobungen etwa zwei- oder dreimal jährlich stattfänden. Herr Kaeding bekräftigt, daß die rechtliche Position für die Bundeswehr durchaus gesichert sei. Auf der anderen Seite müsse die Bundeswehr aber immer wieder feststellen, daß sie trotz dieser rechtlich gesicherten Position stets erneut in eine Schieflage gebracht werde. Es könne deshalb nicht schaden, wenn die Position der Bundeswehr auch in diesem Gesetz noch einmal festgeschrieben werde, damit sich die Bundeswehr nicht ständig erneut rechtfertigen müsse.

Das Nationalparkgesetz werde irgendwann auch in europäische Rechtsnormen übergeführt werden. Wenn die Bundeswehr dann darin nicht erwähnt sei, werde unter Umständen gegen dieses Gesetz gerichtlich vorgegangen werden müssen.

Abg. Strauß vermutet, daß bei der Einrichtung des Nationalparks im Jahre 1987 Gespräche auch mit der Bundeswehr geführt worden seien. Sie erkundigt sich, ob auch zu der vorliegenden Novelle Gespräche mit der Landesregierung stattgefunden hät­ten.

Herr Kaeding legt dar, daß die Bundeswehr versucht habe, entsprechende Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen zu führen. Die Gesprächspartner seien allerdings nie kompetent genug gewesen. Der Präsident der Wehrbereichsverwaltung I habe seit einem halben Jahr vergeblich versucht, mit dem Umweltministerium ein Gespräch zu führen und Einvernehmen herzustellen. Mit der jetzigen Anhörung unternehme die Wehrbereichsverwaltung einen weiteren Versuch, zu einer einvernehmlichen Rege­lung zu kommen.

 

Clean Hunter stört Vögel und Robben

NATO-Tieffliegereinsätze stören zur Brut- und Seehund-Setzzeit im Wattenmeer - “Clean Hunter" nervt Natur

Trotz langjähriger Proteste der Schutzstation Wattenmeer beharrt die NATO offenbar darauf, den Luftraum über dem Natio­nalpark Wattenmeer als Manövergebiet zu mißbrauchen. Gestern hat die NATO-Übung "Clean Hunter 2001" begonnen, wäh­rend der Tiefflieger wieder donnernd über Kurorte, Seehundbänke und Brutkolonien im Bereich des Nationalparkes Schleswig Holsteinisches Wattenmeer fliegen sollen. "Ausgerechnet zur sensibelsten Zeit im biologischen Jahresgang des Wattenmeeres sind solche Manöver nicht zu verantworten", protestiert Biologe Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer: "Viele See­vogelarten versuchen ihre Brut ungestört zu verrichten und bei den Seehunden hat soeben die Wurfzeit begonnen." Das Manö­ver über dem Nationalpark soll noch bis zum 29.6. andauern. Die Schutzstation Wattenmeer wird jede Störung registrieren und melden.

"Dabei ist Natur und Mensch am Wattenmeer dieses Jahr schon durch das schlechte Wetter arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Da muß die Nato mit ihrem Manöver "Clean Hunter" Vögeln, Robben und Menschen nicht noch zusätzlich auf die Nerven gehen", so Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer. Bereits zweimal gab der überwiegende Teil der bo­denbrütenden Seevögel wegen stürmischer Überschwemmungen ihre Nester dieses Frühjahr auf und in der Seehundauf­zuchtstation Friedrichskoog landeten bereits vor Beginn des Manövers 10 Seehundheuler. Weitere drastische Störungen könn­ten den Brut-und Wurferfolg gefährdeter Arten für dieses Jahr endgültig zunichte machen.

"Verweise der Bundeswehr, es würde sich hier um ein internationales Manöver handeln, dessen Terminierung wegen der übri­gen Natopartner nicht zur Disposition stünde, sind nicht stichhaltig. Schließlich spielen sich die Brutzeit der Vögel und die Setzzeit der Seehunde jedes Jahr europaweit zur gleichen Zeit ab. Zudem ist der sensible Nationalpark Wattenmeer als ein international bedeutendes Schutzgebiet in Europa bekannt. Hingegen werden Natomanöver routinemäßig langfristig geplant und können in weniger sensible Zeiten und Bereiche verlegt werden.", so Koch.

Zwar darf die NATO offiziell nicht unter 1000 m über den Nationalpark hinweg fliegen, aber in öffentlichen Bekanntmachun­gen wurde die Insel-und Halligbevölkerung bereits darauf hingewiesen, "daß mit Störungen durch Hubschrauber und Flugzeug­verkehr zu rechnen ist, der die zulässige Flughöhe unterschreitet."

Vergangenes Jahr hatte sich der Sprecher des alliierten Luftkommandos in Ramstein nach den Beschwerden des Umweltmini­sters zu Luftkämpfen über dem Wattenmeer noch damit entschuldigt, man würde die Nordseeküste ja nur vom eigenen Urlaub und Überflug kennen und nicht wissen, daß es ein sensibles Naturgebiet sei. "Auf solche Ausreden wird man sich dieses Jahr nicht mehr zurückziehen können, wenn es tatsächlich zu drastischen Störungen kommt, so die Schutzstation Wattenmeer. Die Naturschutzgesellschaft fordert ein dauerhaftes Ende militärischer Aktionen imNationalpark.

Watt-ID: 31 : Rendsburg/Husum 19.6.2001 14.45

Für Rückfragen: Lothar Koch, Schutzstation Wattenmeer Tel: 04651/26088, Mobiltel: 01702146225

 

Raketentests im Nationalpark

Seit 1969 schießt die "Wehrtechnische Dienststelle" der Bundeswehr aus dem Speicherkoog bei Elpersbüttel (Kreis Dithmar­schen) auf den Bielshövensand (Meldorfer Bucht). Land und Naturschützer fordern seit Jahren ein Ende der Waffentests im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Trotz aller Proteste sollen auch Ende dieses Jahres wieder Raketen aufs Watt geschossen werden. Der Flugkörper soll dann anschließend per Hubschrauber geborgen werden. "Das Gelände sei ideal. Die Mess-Geräte überstünden den Aufprall unbeschadet. Und im Zielgebiet sind keine Menschen. Das Watt ist gesperrt - aus ökologischen Gründen."

HAMBURGER ABENDBLATT v. 21.11.01

 

Raketentests im Wattenmeer

MELDORF/KIEL dpa  Die umstrittenen Raketentests im schleswig- holsteinischen Wattenmeer sollen heute wieder aufge­nommen werden. Gestern wurden die Waffenerprobungen in der Meldorfer Bucht vor Dithmarschen kurz nach dem Start we­gen Nebels abgebrochen. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium verhandelt seit längerem mit dem Verteidi­gungsministerium, um ein Ende der Raketenerprobungen zu erreichen. Angeblich ist dies derzeit wegen langfristiger Verträge nicht möglich. Proteste von Umwelt- und Tierschützern hatten bereits zwei Mal zu Verschiebungen der Tests in diesem Jahr geführt. Nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer halten sich derzeit etwa 30.000 bis 40.000 Watt- und Wasservögel in dem betroffenen Gebiet auf.

taz Nr. 6606 vom 21.11.2001, Seite 10, 27 Zeilen (Agentur)

 

Dichter Nebel

Die umstrittenen Raketentests der Bundeswehr im schleswig-holsteinischen Wattenmeer sind gestern kurz nach dem Start we­gen Nebels abgebrochen worden. Die Raketenerprobung in der Meldorfer Bucht vor Dithmarschen soll heute erneut in Angriff genommen werden. Nach Protesten von Umweltschützern waren die Waffenerprobungen bereits zweimal verschoben

worden.

taz Hamburg Nr. 6606 vom 21.11.2001, Seite 22, 6 Zeilen

Zukünftige SEAD-Flugkörper

Alfons Erwes: Verbesserungen beim HARM - Zukünftiger SEAD-LFK

Gegenwärtig ist HARM der bei der Bundeswehr eingeführte Lenkflugkörper gegen radargeführte Flugabwehrsysteme. Er ist in erster Linie für den Einsatz durch das Waffensystem Tornado-ECR (Electronic Combat Reconnaissance) der Luftwaffe sowie Tornado IDS (Interdiction Strike) der Marine vorgesehen. Dass HARM bei den heute erwarteten Gefechtsfeldlagen nur noch als begrenzt tauglich angesehen wird, hat seine Ursache darin, dass dieser Lenkflugkörper (LFK) in der Zeit des Kalten Krieges und für die damals geltenden Szenarien entwickelt wurde.

HARM ist dafür ausgelegt, mit Hilfe seines passiven Anti-Radar-Suchkopfes Radarabstrahlung zu erfassen, sie zu analysieren und zu klassifizieren sowie die Richtung zur Emissionsquelle zu peilen. Mit Hilfe der gemessenen Peilwinkel lenkt sich HARM ins Ziel. Schaltet das Ziel jedoch ab, fehlt die Richtungsinformation. HARM fliegt mit der Ungenauigkeit des eingebauten me­chanischen Kreiselsystems praktisch unkontrolliert weiter bzw. geht in einen Gleitflug über und sucht während dieser Phase nach neuen Zielen. Sobald ein solches entdeckt ist, wird es angegriffen.

Zu Zeiten des Kalten Krieges war diese Konzeption sicherlich richtig und logisch. In komplexen Szenarien wie im Golfkrieg, mehr aber noch in Bosnien und im Kosovo, ist dies nicht mehr gültig. In Relation zur Reichweite des Flugkörpers sind feindli­che Radarsysteme oft in enger Nachbarschaft zu Systemen neutraler oder gar eigener Kräfte platziert. Darüber hinaus ist es durchaus möglich, dass auf beiden Seiten der gleiche Gerätetyp verwendet wird, was eine Differenzierung weiter erschwert. Aufgrund der Zielsucheigenschaften des HARM besteht daher zum einen die große Gefahr der Falschzielbekämpfung bzw. von Kollateralschäden, wenn ein angegriffenes feindliches Radar zum Eigenschutz abschaltet. Zum anderen kann nur mit einer großen Anzahl kontinuierlich verschossener LFK HARM die Aufgabe SEAD (Suppression of Enemy Air Defence = Unter­drückung der gegnerischen Luftverteidigung), d.h. Schutz der eigenen Luftangriffsverbände hinreichend erfüllt werden, indem der Gegner zumindest gezwungen wird, seine Radarsysteme abzuschalten, wenn er deren Zerstörung vermeiden will. Bei jedem Folgeangriff ist dann aber die Bedrohung durch eine intakte Luftverteidigung nach wie vor präsent, was erneut einen massiven Einsatz von Anti-Radar-LFK erfordert.

Nach Presseberichten wurden beispielsweise im Kosovo-Konflikt allein durch die deutsche Luftwaffe 236 HARM verschossen von insgesamt weit über 1.000 eingesetzten HARM-Flugkörpern.

Verbesserungen beim HARM

Durch schrittweise Fortentwicklung des Anti-Radar-Flugkörpers HARM, vor allem des Suchkopfes und der Missions-Software (HARM B/-C mit Software Block II/IIIA u. IV/V) wurde immer wieder versucht, den Flugkörper an die modernen Einsatzer­fordernisse anzupassen. Aktuell wird von den USA zusammen mit den europäischen Nutzerstaaten Deutschland und Italien ein HARM-Verbesserungsprogramm unter der Bezeichnung "HARM Precision Navigation Upgrade" (HARM-PNU) durchgeführt, an dem auf industrieller Seite der US-Konzern Raytheon Systems Company (RSC) zusammen mit dem deutschen Unternehmen Bodenseewerk Geräte Technik (BGT) und der italienischen Firma Alenia Marconi Systems (AMS) beteiligt sind. Nach Ab­schluss der Entwicklung soll nach jetziger Planung Mitte 2003 die Entscheidung zur Serienfertigung getroffen werden und die Auslieferung der Umrüstsätze dann bis ca. Ende 2007 abgeschlossen sein. Der Entwurf für eine Produktionsvereinbarung (Memorandum of Agreement - MOA) wird zur Zeit zwischen den Nationen ausgearbeitet und verhandelt.

Im Rahmen des PNU-Programms werden die ungenauen mechanischen Kreisel durch ein modernes Präzisionsnavigationssy­stem, bestehend aus einer mit Laserkreiseln bestückten IMU (Inertial Measurement Unit = Inertiales Messsystem) und einem GPS-Empfänger ersetzt. Der Flugkörper erhält so die Fähigkeit, seine absolute Position in einem erdfesten Koordinatensystem zu bestimmen. Damit können dem LFK Bereiche vorgegeben werden, in denen er ausschließlich aufschlagen darf, sogenannte Missile Impact Zones (MIZ) oder aber Gebiete, in denen er keinesfalls aufschlagen darf, sogenannte Zones of Exclusion (ZOE). Diese Zonen werden während der Missionsplanung festgelegt und programmiert. Bei richtig durchgeführter Missions­planung wird dadurch die Gefahr von Kollateralschäden oder des Angriffs auf eigene Stellungen verringert. Die Annahme, die PNU-Modifikation verbessere die Treffwahrscheinlichkeit oder Treffgenauigkeit, trifft allerdings nur unter ganz bestimmtem Voraussetzungen zu. Die Faktoren hierfür hängen in erster Linie und nach wie vor von der Fähigkeit des Suchkopfes ab - der HARM-Suchkopf aber ist bei abgeschaltetem Ziel wirkungslos.

Zukünftiger SEAD-LFK

Wegen der auch weiterhin vorhandenen Einsatzdefizite des HARM erarbeiten die drei am PNU-Programm beteiligten Nationen in einer "Technologie Evaluation and Assessment - Arbeitsgruppe" die Anforderungen an einen zukünftigen Anti-Radar-LFK, der HARM in absehbarer Zeit ergänzen bzw. ersetzen könnte. Der abschließende Entwurf des operationellen Forderungsdoku­mentes soll ca. Mitte des Jahres 2001 vorliegen. Unabhängig davon hatten die deutsche Luftwaffe und Marine bereits früher ihre taktischen Forderungen formuliert und festgeschrieben. Die nationalen und internationalen Vorstellungen sind weitestge­hend deckungsgleich. National wird zur Zeit das weitere Vorgehen entsprechend dem vorgegebenen Prozedere des zukünftig anzuwendenden CPM 2001 (Customer Product Management) angepasst.

ARMIGER repräsentiert das deutsche Konzept eines Anti-Radar-Lenkflugkörpers neuer Technologie als Nachfolger des bei Luftwaffe und Marine eingeführten HARM- Flugkörpers. ARMINGER ist charakterisiert durch das vorgesehene regelbare, hochenergetische Staustrahl-Triebwerk, den Dual-Mode-Suchkopf "ARAS" mit Passiv-Radar-/ Infrarot-Endanflugsensor sowie durch das GPS-gestützte Inertial-Navigations-System mit neuronalem Autopilot. Flugkörper dieser neuen Generation können ab Ende des Jahrzehnts zur Verfügung stehen:

Kaliber  200 mm

Länge  4.000 mm

Startmasse  220 kg

Gefechtskopfmasse  20 kg

Geschwindigkeit  Ma 3+

Reichweite  >> 150 km

Sucher, Lenkung  Dual Mode mit GPS/INS

Antrieb  Regelbarer Staustrahlantrieb

ARMIGER erlaubt - wie schon HARM in der Version PNU - den Einsatz auch unter restriktiven "Rules of Engagement" durch vordefinierte MIZ und ZOE. Mit Hilfe seiner modernen GPS-gestützten Navigations-Messeinheit kann der Flugkörper die eigene Position im Raum bestimmen (Geographic Specificity). Er ist so in der Lage, vorprogrammierte Verbotszonen (ZOE) zum Schutz der Zivilbevölkerung/eigener Truppen zu meiden bzw. Landesgrenzen (AOR) nicht ungewollt zu überfliegen. Damit ist gewährleistet, dass die Bekämpfung feindlicher Radar-Stellungen nur auf die dafür erlaubten Zonen (MIZ) beschränkt bleibt. HARM in der Version PNU hat aber wegen seines nur Mono-Mode-Suchkopfes (passiv Radar) nach wie vor das Pro­blem, bei der Bekämpfung abgeschalteter feindlicher Radarstellungen relativ erfolglos zu sein. Hier lassen sich erst durch einen Dual-Mode-Suchkopf, wie er für ARMIGER vorgesehen ist, die notwendigen Verbesserungen erreichen.

Mit dem - neben dem Passiv-Radar-Sensor - vorhandenen bildverarbeitenden IR-Endanflugsensor ist es möglich, per Bilder­kennung die deutliche IR-Signatur eines Radargeräts ausnutzen, wodurch das Ziel auch ohne Radarabstrahlung sicher identifi­ziert, angesteuert und zerstört werden kann. Anders als HARM wird ARMIGER nicht von einem Raketenmotor angetrieben werden, sondern von einem luftatmenden, regelbaren Staustrahltriebwerk mit vier symmetrischen, invertierten Lufteinläufen. Dies verleit ihm eine überlegene Reichweite bei hoher Durchschnittsgeschwindigkeit im Überschallbereich.

Ziel eines zukünftigen Anti-Radar-Flugkörpers ist es, gegnerische Luftverteidigungsstellungen nachhaltig auszuschalten. Dazu muss der im Flugkörper integrierte Anti-Radar-Sensor anhand der einfallenden Radarabstrahlung den Emitter detektieren und den Flugkörper im Zusammenwirken mit GPS/Inertial Messeinheit (IMU) bis zu einem "Hand-Over-Punkt" führen, an dem dann der Endanflugsensor, im Falle von ARMIGER ein IR-Sensor, die weitere Kontrolle übernimmt und den Flugkörper aus der Endphase heraus sicher in den vorausgewählten Zielpunkt steuert.

Seit einiger Zeit wurden Radargeräte mit Sendefrequenzen deutlich unter 1 GHz (UHF- und VHF-Bereich) wegen deren ab­nehmender Verbreitung nicht mehr als relevante Bedrohung angesehen. Das Stören (Jamming) dieser Systeme galt im Bedarfs­fall als geeignetes und ausreichendes Gegenmittel. Die jüngsten Konflikte im europäischen Raum haben jedoch gezeigt, dass Radarsysteme, die im niederen Frequenzband arbeiten, eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellen. Auch diese Systeme müssen daher in einem zukunftsorientierten Flugkörperkonzept berücksichtigt werden. Die Anforderungen an die Antennen­baugröße für derartige Anti-Radar-Sensoren sind dabei allerdings gegenläufig zu den Größenanforderungen an heutige, mo­derne Flugkörper, was eine anspruchsvolle technische Herausforderung bedeutet.

Untersuchung und Entwicklung der Technologie für den Dual-Mode-Suchkopf "ARAS" sowie u.a. Lenk- und Regeleinheit neuer Technologie (neuronaler Autopilot) erfolgen in eigenständigen Programmen und werden auf Flugkörperebene zusam­mengeführt. In einem Demonstratorprogramm, das vertraglich zur Zeit bis Ende 2002 terminiert ist, sollen in geboosteten Freiflugversuchen mit programmierten Schüssen erste Systemnachweise erbracht werden. Parallel dazu wird eine weitere Er­probungsphase zur Durchführung gelenkter Schüsse vorbereitet. Nach heutiger Abschätzung könnte das Vorhaben ab 2005 - zusammen mit internationalen Partnern - in eine Entwicklungsphase einmünden.

TRAR Dipl.-Ing. Alfons Erwes ist seit 1975 im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung und war bis vor kurzem als Vor­habenmanager zuständig für HARM-PNU und ARMIGER.

"europäische Sicherheit": http://www.europaeische-sicherheit.com/ES01-07-02.htm

 

Bundeswehr will Testrakete im Wattenmeer starten

Meldorf (dpa/lno) - Die Bundeswehr will heute im schleswig- holsteinischen Wattenmeer erneut eine Test-Rakete starten. Der Abschuss diene der Erprobung der neu entwickelten Hochgeschwindigkeitsrakete "ARMIGER", bestätigte am Dienstag ein Sprecher der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen in Eckernförde. Der Jungfernflug des Flugkörpers fand im November letzten Jahres ebenfalls in der Meldorfer Bucht vor Dithmarschen statt.

dpa/regioline vom 05.02.2002 08:49

 

 

Der Flugkörper Armiger hat erfolgreich  seinen ersten Testflug in der Meldorfer Bucht absolviert. Der Flugkörper Armiger (Anti-Radiation Missile) der Firma BGT Bodenseewerk Gerätetechnik befindet sich in der Entwicklung. Er hat eine Länge von 4 m, Kaliber 200 mm, Reichweite ca. 100 km, Geschwindigkeit Mach 2-3 und besitzt eine GPS/INS/neural network autopilot-Steuerung mit einem RF/IIR-Suchkopf. Besonderes Merkmal ist seine hohe Geschwindigkeit. Der Flugkörper vermag, luftge­stützte Frühwarnsysteme, aber auch taktisch-ballistische-Raketenstartsysteme punktgenau auszuschalten.

Soldat und Technik, Februar 2002: