"Soldaten sind Mörder"

[nächste Seite] [vorherige Seite] [erste Seite]


 

4. Militarismus = Faschismus

Von vielen Schriftstellern und Politikern ist der Faschismus als übersteigerte Form des Militarismus definiert worden: „Volk ohne Raum“, „die Juden sind unser Unglück“, selten sind Kriegsziele und Feindbilder kürzer und prägnanter formuliert worden, als Adolf Hit­ler es getan hat.

Wenn Faschismus eine Steigerung des Militarismus ist, so ist in jedem Militär eine Vor­stufe des Faschismus enthalten. Soldaten sind also potentielle Faschisten.

Noch einmal für die, die das mit dem „potentiell“ bis jetzt noch nicht begriffen haben:

„Mörder sind potentielle Soldaten
Jede Mutter ist eine potentielle Ehebrecherin.
Jeder Vater ist ein potentieller Schläger.
Jedes Kind ist ein potentieller Junkie.
Jeder Politiker ist ein potentieller Puffgänger.
Jeder Zivilist ist eine potentielle Leiche.“
(Henning Venske in der Zeitschrift „Konkret 12/89).

Folglich auch: Jeder Soldat ist ein potentieller Faschist, wie andere Menschen auch, jedoch ist er für die Ideen des Faschismus in gewisser Weise viel anfälliger.

Nirgendwo werden hier und heute junge Männer stärker einem faschistischen Gedanken­gut ausgesetzt, als in unserer Bundeswehr. Dort lernt Mann, auf Befehl zu morden, obwohl man „selbstverständlich“ Bedenken dagegen hat. Dort lernt Mann, daß das Gebiet, daß die Bundeswehr „verteidigt“ größer ist als das Gebiet der Bundesrepublik. Im Kriegshafen Mürwik haben die Kaianlagen Namen: Württemberg, Schlesien und Thüringen liegen nebeneinander. Die Landkarte in der Marineschule zeigt unter den Wappen der Bundesre­publik Deutschland die Grenzen des Nazireiches, nicht nur mit Schlesien, Pommern und Ostpreußen, sondern darüber hinaus auch mit Westpreußen und dem litauischen Gebiet Klaipeda. Erster Kommandant der Marineschule war der Kapitänleutnant der Nazimarine und später Flottillenadmiral der Bundesmarine, aufgrund dessen „Durchhaltebefehles“ noch am 5. Mai 1945 junge Kriegsdienstverweigerer hingerichtet wurden. Revanchisti­sches und faschistisches Gedankengut sind in keiner anderen Bevölkerungsgruppe derart weit verbreitet, wie unter den Soldaten. Wahlanalysen haben gezeigt, daß in keiner Bevöl­kerungsgruppe der Anteil der „DVU“-, „NPD“- „FAP“- und „REP“-Wähler so hoch ist, wie unter Soldaten. Aus den Rohdaten der Studie von Heinz-Ulrich Kohr,2 die vom Sozi­alwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr veröffentlicht wurde, ist leicht auszurechnen, wie sich eine durchschnittliche Bundeswehrhundertschaft zusammensetzen würde: weniger als 1% dezidiert Linke (ein einziger Mann), 4% links von der Mitte, 47% aus der Mitte, 28% rechts von der Mitte und 21%, die sich selbst als Neonazis bezeichnen bzw. die Neo­nazis „ganz gut finden“. (Summe 101 durch Aufrundnungen).

Rechtsextremisten verpflichten sich gerne bei der Bundeswehr, da sie dort die undemo­kratischen Strukturen vorfinden, die sie selbst propagieren. Sie finden sich dort gut zurecht und machen Karriere in höchsten Dienstgraden. Die symbolische Judenverbrennung an der Münchener Bundeswehrhochschule war nur die skandalträchtige Spitze eines Eisberges.

Nach marxistischer Theorie bestimmt das Sein das Bewußtsein eines Menschen. Das Sein des Soldaten: Skrupellosigkeit in Bezug auf Mord und Völkermord, Verantwortungslosig­keit in Bezug auf erteilte Befehle, Unterdrückung persönlicher Freiheiten, Mißachtung der Menschenwürde, Verzicht auf individuelle Grundrechte. Der menschenverachtende Um­gang in den Kasernen ist in den Berichten der Wehrbeauftragten des Deutschen Bundesta­ges nachzulesen. Denken in Bedrohungskategorien und diffuses Feindbilddenken, in psy­choanalytischer Terminologie also Projektionen, führen zu einer Spaltung, nach der die eigene Nation und deren Verbündete natürlich die „Guten“ sind und alle anderen die „Schurkenstaaten“ Das Bewußtsein des Bundeswehrsoldaten kann (nicht muß) daher eine Ausrichtung erfahren, die sich an den faschistischen Ideologien mit allen Begleiterschei­nungen orientiert.

Was also tun, damit möglichst viele junge Männer vor der faschistischen Indoktrination geschützt werden? Da gibt es nur eins: Bundeswehr abschaffen.

Denn eine Armee, die auf Feindbilddenken und Mißachtung der Menschenwürde verzich­ten könnte, die anstelle autoritärer Befehlsstrukturen demokratische Strukturen hätte und individuelle Grundrechte achten würde, wäre schon keine einsatzbereite Armee mehr.



NPD-Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung in Bonn 1998

 


[nächste Seite] [vorherige Seite] [erste Seite]