"Soldaten sind Mörder"

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10. Mittelalter

Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburg dichtete im 11. Jahrhundert:

„Seufzen, Wimmern, Jammerklagen!
Schwerter klirren, die mein armes Volk erschlagen,
das die Mörder noch zu höhnen wagen. …
Mord und Tod erwartet, die sich ihm nicht bücken!
Eingeschlungen, was errungen unter Müh und Plagen -
Kannst Du, Herr, kannst du’s ertragen?“

Das humanistische Gedankengut des weisen Chinesen Mo Dse finden wir genau wieder, und zwar eintausendachthundert Jahre später bei dem mittelenglischen Dichter Geoffrey Chaucer (1340-1400), der feststellen mußte:

„So sind ein unrechtmäßiger Tyrann,
ein Räuber und ein vogelfreier Mann
nur dadurch unterschieden voneinander
wie vorgehalten man auch Alexander
daß den Tyrannen, dem zuteil geworden,
durch Heeresmacht die Menschen zu ermorden
und Haus und Heim zu plündern und zu brennen,
wir deshalb fälschlich einen Feldherrn nennen,
weil ein Verbrecher mit nur kleiner Schar
nicht so wie jener Not bringt und Gefahr
und nicht ins Unglück stürzt ein ganzes Land,
wird er ein Räuber und ein Dieb genannt.

 


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