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"Soldaten sind Mörder"

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13. Soldaten und Mörder im 19. Jahrhundert

Jean Paul (1763-1825) schreibt in „Kriegs-Erklärung gegen den Krieg“ (1809), daß das Volk „fast allein die ganze Kriegsfracht auf Quetschwunden zu tragen bekommt“ und „in die Mordlotterie Leiber und Güter einsetzt“

Percy Bysshe Shelley (1792-1822) in „Erklärung der Rechte“ (1812):

„Der Mensch hat kein Recht, seinen Mitmenschen zu töten, und er ist nicht entschuldigt, wenn er es in Uniform tut. Damit fügt er lediglich dem Verbrechen des Mordes die Schande der Knechtschaft hinzu“ (1812)

„Ein Soldat ist ein Mann, dessen Geschäft es ist, Leute zu töten, die ihm nie etwas zuleide getan haben und die unschuldige Märtyrer fremden Unrechts sind. Was auch immer aus der abstrakten Frage werde, ob Kriege zu rechtfertigen sei: Jedenfalls scheint es unmög­lich, daß der Soldat etwas anderes als ein verderbtes, unnatürliches Geschöpf sein kann.“ (1813)

William Ellery Channing, „Über den Krieg“ (1816):

„Die Leiden und der Tod eines einzigen Mitgeschöpfes erwecken oft ein zartes und tätiges Mitgefühl; aber wir hören ohne Erregung der Teilnahme von den Tausenden, die im Kriege jede Art Qual erdulden. Ein einzelner Mord im Frieden geht uns durch das Mark. Die zahllosen Morde des Krieges dagegen werden als eine unterhaltsame Mitteilung ver­nommen.“

Georg Büchner (1813-1837) in „Der hessische Landbote“ (1834):

„Für das Militär wird bezahlt 914 820 Gulden. Dafür kriegen eure Söhne einen bunten Rock auf den Leib, ein Gewehr oder eine Trommel auf die Schulter und dürfen jeden Herbst einmal blind schießen….

Mit ihren Trommeln übertäuben sie eure Seufzer, mit ihren Kolben zerschmettern sie euch den Schädel, wenn ihr zu denken wagt, daß ihr freie Menschen seid. Sie sind die gesetzli­chen Mörder, welche die gesetzlichen Räuber schützen. Eure Brüder, eure Kinder waren dort Bruder- und Vatermörder.“

Henry David Thoreau (1817-1862) schrieb 1849 „über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“:

„Ein allgemeines und natürliches Ergebnis dieses ungebührlichen Respektes vor dem Gesetz sieht man zum Beispiel in einer Kolonne von Soldaten: Oberst, Hauptmann, Kor­poral, Gemeine, Pulverjungen und alles, wie sie in bewundernswerter Ordnung über Tall und Hügel in den Krieg marschieren, wider ihren Willen, je wider ihre gesunde Vernunft und ihr Gewissen - weshalb es ein recht anstrengender Marsch wird und beträchtliches Herzklopfen verursacht. Sie zweifeln nicht daran, daß es ein verdammenswertes Geschäft ist, mit dem sie sich da befassen: sie möchten alle friedlich sein. Aber was sind sie denn eigentlich? Sind sie überhaupt Männer, oder kleine bewegliche Verschanzungen und Waffenlager, und irgendeinem skrupellosen Menschen, der gerade an der Macht ist, zu Diensten? Geht doch einmal zu einem Kriegshafen und seht euch einen Matrosen an, eine Art Mensch, wie nur die amerikanische Regierung sie zustande bringt, ein Ding, das sie mit ihren bösen Künsten aus einem Menschen macht - es ist nur noch ein Schatten und eine schwache Erinnerung von Menschentum, ein Mann, lebendig, aufgebahrt und auf­recht, doch sozusagen schon unter Waffen begraben. … Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern nicht als Menschen, sondern als Maschinen. Sie bilden das stehende Heer und die Miliz, die Gefängniswärter, die Konstabler, Gendarmen etc. In den meisten Fällen bleibt da kein Raum mehr für Urteil oder moralisches Gefühl; sie stehen auf derselben Stufe wie Holz und Steine; vielleicht könnte man Holzmänner her­stellen, die ebenso zweckdienlich wären. Solche Wesen flößen nicht mehr Achtung ein als Strohmänner oder ein Drecklumpen. Sie sind nicht mehr wert als Pferde oder Hunde. Und doch hält man sogar solche Menschen gewöhnlich für gute Bürger.“

Heinrich Heine (1797-1856) in „Französische Zustände“, Vorrede:

„Wir brauchen aus wechselseitigem Mißtrauen keine stehenden Heere von vielen hundert­tausend Mördern mehr zu füttern, wir benutzen zum Pflug ihre Schwerter und Rosse, und wir erlangen Friede und Wohlstand und Freiheit.“

Der russische Philosoph und Publizist Nikolai A. Dobroljubow (1836-1861):

„Bekanntlich unterscheidet sich die Logik des Krieges völlig von der Logik des gesunden Menschenverstandes: Mord wird gepriesen als höchster Heldenmut des Menschen.“

Georg Herwegh (1817-1875) als „Epilog zum Kriege“ (1871):

„Schwarz, weiß und rot! um ein Panier
Vereinigt stehen Süd und Norden
Du bist im ruhmgekrönten Morden
Das erste Land der Welt geworden
Germania, mir graut vor Dir“

Victor Hugo (1802-1885) stellt 1878 zum hundertsten Todestag von Voltaire fest:

„In vielen Fällen ist der Held nur eine andere Art Mörder. Die Völker lernen begreifen, daß die Vergrößerung einer Missetat sie nicht vermindert, und daß davon, weil Töten ein Verbrechen ist, der Massenmord kein mildernder Umstand sein kann. Daß ein Tedeum nichts daran ändert, daß ein Mörder ein Mörder und vergossenes Blut vergossenes Blut ist. Daß es zu nichts gut ist, sich Caesar oder Napoleon zu nennen und daß man in den Augen des ewigen Gottes das Gesicht des Mörders nicht ändert, weil man ihn anstatt einer Sträflingsmütze eine Krone auf den Kopf setzt. Bekennen wir uns zu den ewigen Wahrheiten: Entehren wir den Krieg!“

Guy de Maupassant (1850-1893) schrieb 1880 in seinem „Schmalzpummel“:

„Der Krieg - sich schlagen! Erwürgen, Niedermetzeln, und wir besitzen heute Schulen, wo man lernt zu töten - auf eine recht große Entfernung zu töten, eine recht große Anzahl auf einmal. … Das Militär ist zu gar nichts nütze! Sie schmarotzen und saugen das arme Volk aus und lernen nichts außer Morden und Metzeln.“

August Strindberg (1849-1912) schrieb noch unter dem Eindruck des deutsch-französi­schen Krieges 1884 die Erzählung „Gewissensqualen - eine Friedensnovelle“. In der direkten Rede an den Oberleutnant persönlich gerichtet heißt es dort:

„Warum kleidet ihr Soldaten euch in prächtige Gewänder mit Gold und leuchtenden Farben? Warum verrichtet Ihr Euer Werk stets mit Musik und fliegenden Fahnen? Tut ihr das nicht, um zu verbergen, was hinter Eurem Handwerk steckt? Wenn ihr die Wahrheit liebtet, würdet ihr in weißen Kitteln gehen, wie die Fleischer, so daß die Blutflecken sehr wohl zu sehen wären; ihr würdet wie die Gesellen im Schlachterladen Messer und Markpfriem bei Euch tragen und Beile, triefend vor Blut und klebrig von Talg! Statt der Musikkorps müßtet ihr immer eine Schar heulender Menschen vor euch her treiben, Men­schen, die durch den Anblick der Schlachtstätte wahnsinnig geworden sind; statt der Fahnen müßtet ihr Leichentücher tragen, und im Troß müßtet ihr Särge mitführen! …
Das ist kein Sieg! Das ist Abschlachtung, hörst Du, Schlächter, das ist Abschlachtung!“

Wilhelm Wundt in der 1886 erschienen Schrift „Ethik“:

„Nur dadurch, daß er den Tatsachen Gewalt antut, kann sich der Intuitionismus mit die­ser Wandelbarkeit des Gewissens abfinden. Die eine Erfahrung, daß es ganze Völker und Zeiten gegeben hat, denen der Mord aus Anlässen, die uns verwerflich erscheinen, nicht als Verbrechen, sondern als ruhmwürdige Tat galt, ist ein zureichendes Zeugnis.“

Gerhard Hauptmann (1862-1945) in „Vor Sonnenaufgang“ (1889):

„Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und den Mord im Krieg zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker zu verachten und selbst, wie es Soldaten tun, mit einem Men­schenabschlachtungsinstrument, wie es der Degen oder der Säbel ist, stolz herumzulau­fen. Den Henker, der dies mit dem Beile täte, würde man zweifelsohne steinigen. Verkehrt ist es, die Religion Christi als Staatsreligion zu haben und dabei ganze Völker zu vollen­deten Menschenschlächtern heranzubilden.“

Die Gründerin der Deutschen Friedensgesellschaft und Friedensnobelpreisträgerin von 1905, Bertha von Suttner (1843-1914) stellt in ihrem Buch „Die Waffen nieder“ zu der Zahl der Kriegstoten fest:

„… das heißt also Morde. Wenn auch der Mörder kein einzelner war, sondern ein unper­sönlich Ding, nämlich der Krieg, so sind es darum nicht minder Morde. Wen traf die Verantwortung? Können denn eines Menschen Schultern stark genug sein, solche Verbre­cherlast zu tragen? Gewiß nicht.“

Peter Rosegger in einem Brief 1891:

Den Krieg wird die Friedensliga nicht aus der Welt schaffen; aber zu manifestieren, daß der Krieg abscheulich und das größte Verbrechen der Welt ist, das ist ihre Aufgabe.“

Und Lew N. Tolstoi (1828-1910) über Patriotismus und Regierung:

„Alle Söhne, Gatten und Väter wurden im Morden unterrichtet, mußten zu unterwürfigen Sklaven eines jeden höheren Vorgesetzten werden und unweigerlich zum Mord derer bereit sein, die zu morden ihnen befohlen wird.“

 


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Zuletzt geändert: 09.07.2006