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"Soldaten sind Mörder"

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15. Das erste Drittel des XX. Jahrhundert und der Krieg

In dem letzten Jahrhundert haben die beiden grausamsten, mit der größten Zahl an Opfern verbundenen, Kriege und Massenmorde stattgefunden. Seit den beiden Weltkriegen hat es noch weit über 100 weitere Kriege gegeben, Welch Wunder, daß aus dem Entsetzen über die Kriegsgreuel weitere Schriftsteller, Politiker und Philosophen aktiv wurden und ihrem Entsetzen Ausdruck gaben: „Soldaten sind Mörder.“

George Bernhard Shaw in seinem Theaterstück „Cäsar und Cleopatra“ 1901:

Und so wird bis zum Ende der Zeiten Mord Mord gebären, und immer im Namen des Rechts, der Ehre und des Friedens, bis die Götter des Blutvergießens müde sind und eine neue Menschenart hervorbringen, die Verstand hat.“

Der russische Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) hatte für den Um­gang mit Militärpersonen folgende Empfehlung:

„Willst Du nicht des Mordens teilhaftig werden, behandele jede Militärperson, wie man einen verwirrten, des Mordes überführten Menschen zu behandeln pflegt.“

Lew N. Tolstoi in seiner Stockholmer Rede vom 4.8.1909:

„Vor uns stehen Millionen bewaffneter, immer besser bewaffneter Menschen, die zu im­mer erfolgreicherem Morden ausgebildet werden! Wir wissen, all diese Millionen Men­schen spüren nicht den geringsten Wunsch, ihresgleichen zu töten, sie kennen nicht ein­mal den Anlaß, aus dem man sie zwingt, zu tun, was ihnen zuwider ist, sie leiden unter ihrer Situation der Ohnmacht und des Zwangs; wir wissen, die Morde, die diese Men­schen zeitweise verüben, werden auf Befehl der Regierungen verübt; wir wissen, die Re­gierungen verdanken ihre Existenz den Armeen. Und wir, die wir den Krieg abschaffen möchten, finden kein zweckmäßiges Mittel zu seiner Abschaffung, als - wen wohl? - den Regierungschefs, die nur durch die Armeen und damit nur durch den Krieg existieren, Maßnahmen vorzuschlagen, die den Krieg abschaffen sollen, was gleichbedeutend damit ist, den Regierungen vorzuschlagen, sich selbst abzuschaffen.

Die Regierungen werden alle solchen Reden nur zu gern ihr Ohr leihen, wissen sie doch, daß derartige Vorhaben den Krieg nicht abschaffen und ihre Macht nicht erschüttern können, sondern im Gegenteil all das noch mehr verschleiern hilft, was sie verschleiern müssen, wenn die Armeen, die Kriege und sie selbst, die über diese Armeen verfügen, fortbestehen sollen. …

Wie sich das Leben von Menschen gestalten wird, die dem Mord abgesagt haben, wissen wir nicht und können wir nicht wissen. Eines steht fest: Menschen, die mit Vernunft und Gewissen ausgestattet sind, werden natürlicher leben, wenn sie sich von diesen Eigen­schaften leiten lassen, als wenn sie sich sklavisch anderen unterwerfen, die den gegensei­tigen Mord befehlen, und daher wird die künftige Gesellschaftsordnung von Menschen, deren Handeln nicht durch Gewalt und Mordandrohungen, sondern durch Vernunft und Gewissen gekennzeichnet ist, auf jeden Fall nicht schlechter sein als die, in der sie jetzt leben.“

Thomas Theodor Heine (1867-1948) führt den Gedanken, daß Krieg und Mord nicht nur an die Institution der Armee, sondern auch der Regierung geknüpft ist, weiter aus:

„Wenn die Staaten die Mordwaffen gegeneinander verwenden, das nennt man dann „Äußere Politik“. Sie verwenden sie aber zur Bedrohung des eigenen Volkes, das nennt man „Innere Politik“. Die Hausfrau braucht Butter, aber sie wird gezwungen, Kanonen zu kaufen. … Ihr einzelne Menschen wollt uns einzelne Menschen ja gar nicht töten. Ihr werdet nur als Masse dazu gezwungen. Von wem ? Von den großen Herren, die die Mordwerkzeuge fabrizieren. Warum ? Weil sie ihre Mordwerkzeuge verkaufen wollen.“

In der sozialdemokratischen satirischen Zeitung „Der Wahre Jacob“ erschien im Jahre 1913 die Zeichnung „Der Amokläufer in Frieden und Krieg. Ein Jahr später stimmten die Sozialdemokraten den Kriegskrediten zu und weitere 85 Jahre dauerte es, bis ein sozi­aldemokratischer Bundeskanzler und ein sozialdemokratischer „Verteidigungsminister“ die Bundeswehr in einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg schickten.



Alexej Maksimowitsch Peschkow, besser bekannt als Maxim Gorkij (1868-1936), be­nennt: „Jeder kapitalistische Krieg ist ein Verbrechen gegen das Proletariat.“

Wie schon zuvor Juvenal und La Bruyère spricht auch Gorkij von „zweibeinigen Wölfen in Menschengestalt“

Und auch für Frank Wedekind (1864-1918) ist Militär und Mensch ein Widerspruch. Sein Gedicht „Diplomaten“ ist im Simplizissimus vor dem ersten Weltkrieg erschienen und bezieht sich demnach nicht auf den NATO-Krieg 1999. In ihm heißt es unter anderem:

„Alle Serben
müssen sterben!
So hat’s zu ihrem Sündensold
der liebe Gott gewollt. …
Ganz besonders zu verhauen
sind die bösen Serbenfrauen! …

Menschen gibt’s dann nirgends mehr,
überall nur Militär!
Ach wie schön ist’s in der Welt!
Wo man hinspuckt, sitzt ein Held.“


Hermann Duncker (1874-1960) war zu einer Zeit, wo sie noch Antikriegspartei war, Sozialdemokrat. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er Gründungsmitglied der KPD:

„Krieg ist Massenmord. Ohne allen romantischen Zauber werden da Millionen zur Schlachtbank geführt, werden Hunderttausende niedergemetzelt“ (1911)

Kurt Tucholsky hatte bereits am 8.5.1912 im „Vorwärts“ ein „Kleines Gedicht mit uner­wartetem Ausgang“ veröffentlicht:
„Was sagen Sie zu unserem Siege?
Wir brachen spielend den Rekord.
Wozu? - Wir brauchen das zum Kriege?“-
„Zum Krieg? - Zum Mord!“

Erich Mühsam (1878-1934) schreibt unter der Überschrift „Das große Morden“:

„Aus verdeckten Gründen schießt man aus Kanonenläufen und Maschinengewehren auf die Stellen, wo man den Feind vermutet, läßt Sprengstoff explodieren und wird selbst von Granatsplittern zerrissen, ohne zu sehen, woher der Mord geschickt ist. Der Kampf von Unsichtbaren gegen Unsichtbare - ist das nicht der furchtbarste Hohn auf alle Men­schenwürde?“

Und im Gedicht „An die Soldaten“ 1912:
„Sauft und betet! Gott erhört
liebevoll der Gläubgen Ruf
Wünscht, daß er den Feind zerstört!
Wenn ihr über Leichen tretet,
dankt dem Herrn, zu dem ihr flehet,
daß er euch zu Mördern schuf.“

Rosa Luxemburg (1871-1919) schrieb in der Frankfurter Volksstimme 1913:

„Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht.“

In diesem Sinne hatte sie auch im September 1913 eine Vortragsreihe in Hanau, Bocken­heim und Fechenheim „gegen Militarismus und imperialistischen Krieg“ gehalten. Sie wurde angeklagt und hatte in ihrer Verteidigungsrede vor der Frankfurter Strafkammer am 20.2.1914 die „gleichzeitige Abschaffung der stehenden Heere in allen Staaten“ gefordert und mit den Worten geendet: „Und nun verurteilen sie mich!“. Am 17. März 1914 sprach sie auf einer Versammlung in Freiburg:

„Parteigenossen! Man hat mich in Frankfurt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil ich eine nach Auffassung des Staatsanwaltes und des Gerichtes verbrecherische Handlung begangen habe. Diese Handlung besteht darin, daß ich den Arbeitern diesseits wie jen­seits der Grenzpfähle zugerufen habe: „Du sollst nicht töten!“ Parteigenossen! Im christ­lich germanischen Reich ist es ein Staatsverbrechen, wenn man dasjenige Gebot der Nächstenliebe, das von so vielen christlichen Kanzeln als ein Gebot der Kirchenlehre gepredigt wird, ernst nimmt und ins Leben einführen will. … Dem Volke durch die einfa­che Tatsache die Augen öffnen, daß es ein verbrecherisches Beginnen ist, Kriege zu füh­ren, Leichenhügel zu errichten, sich gegenseitig zu morden, statt in menschlicher Kultur­solidarität, in Völkerverbrüderung mit allen Nationen und Rassen der Erde den Fort­schritt zu fördern. Es ist kein Wunder, daß in der heutigen Gesellschaftsordnung es als ein Verbrechen gebrandmarkt wird, wenn man gegen den Menschenmord, den Völkermord predigt. Wenn Sie sich die Gesellschaftsordnung näher betrachten, in der wir leben, so müssen sie sich selbst sagen, diese Gesellschaft beruht ja auf dem organisierten Mord, und es heißt ihr die Lebensbasis zu entziehen, wenn man gegen den Mord die besten und edelsten Geister der Menschheit aufruft. … Dieselbe Gesellschaftsordnung betreibt den systematischen Völkermord als das vornehmste Mittel ihrer politischen Entwicklung. Erst jüngst ist von den Regierungen der Balkanstaaten die furchtbare Gesamtsumme der Opfer in jenen Kriegen bekanntgemacht worden, … 140000 Menschen.5 … Wir Sozialdemokra­ten erlauben uns allerdings, der Meinung zu sein, daß es weder der Menschennatur noch dem Kulturfortschritt entspricht, daß die Völker zueinander wie reißende Bestien stehen und von Zeit zu Zeit ihre Konflikte auf dem Wege des blutigen Massenmordes lösen. … Noch ist die Macht bei denjenigen, die sich auf einen Wald von Mordwaffen stützen, um das arbeitende Volk in seinem gerechten Aufstieg niederzuhalten. Noch werden Kriege vorbereitet, noch wird das Parlament beherrscht, und immer mehr Militärvorlagen kom­men, noch wird das Volk bis auf den letzten Tropfen ausgesogen durch den nimmersatten Moloch Militarismus. … Um erst eine Gesellschaftsordnung wahr zu machen, die des Menschengeschlechtes würdig ist, eine Gesellschaft, die keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mehr kennt, die keinen Völkermord kennt, … dazu müssen wir unsere äußersten Kräfte einsetzen, … zum Trotz allen Staatsanwälten, zum Trotz aller militäri­schen Macht.“

Henri Barbusse (1873-1935) schreibt in sein Frontnotizbuch 1915:

„A. hat gesagt, so ein Großangriff sei herrlich anzusehen. Das ist, als wollte eine Kuh sagen, es sei herrlich anzusehen, wie man Massen von Vieh ins Schlachthaus treibt. Ge­nau das wär’s, was sie sagen würde, die Kuh. …. Die Soldaten werden in der Nacht zum Angriff gesammelt. Vor Sonnenaufgang brechen sie auf. Es ist das Erwachen des zum Tode Verurteilten. Drüben, auf der anderen Seite hat man andere Menschen aus dem Schlaf gerissen, um die unter der Last strauchelnden ins Schlachthaus zu treiben.“

Wladimir Majakowski (1894-1930) schrieb in den Jahren 1915-1916 ein Poem „Krieg und Welt“ aus mehr als dreißig Seiten sind wenige Zeilen ausgewählt:

„Gut habt ihrs. Nicht Unglimpf trifft Tote noch Haß;
den Grimm auf verstorbene Mörder, den laß. …
gut habt ihrs, doch ich, wie kann ich durch Front, durch Getös und Schreien
der Liebe den Weg zum Lebendigen bahnen? …
Vernehmt mein Wort: jedermann, auch der unnütze Wicht, hat ein Recht, zu leben;
unbestritten: nicht darf man hinfort ihn in Bunkern und Gräben lebendig verschütten
Ihr Mörder! …
Als die Ärzte, um den Massenmord zu ergründen, eine Leiche aus dem Sarg hoben
da entdeckten sie in der arg zerfetzten Seele des Toten als Goldmikrobe - den Rubel. …
Krieg! Genug! Laß das Morden und Brennen!
Kaum daß mans glaubt: die schon im Aufsprung Enthaupteten wollen immer noch rennen
Wie ein gefällter Baum verblute ich..
Das Brandmal des Menschen: „Mörder“ wird vom Blutsturz hinweggespült. …
Wie ein Baum umgehauen verblute ich -Da bleibt kein Gewalttäter und kein Mordwütiger, die Menschen zu martern, untergangsmutig. Zur Welt kommen wird ein neues Geschlecht,
aufrecht und echt, edler als unser Herrgott und gütiger. …
He! ihr Leute, die ich liebe, die ich hasse, die ich suche, die ich lasse - strömt als Masse durch jene Tür! Denn er, der Freie, nach welchem ich schreie, der Mensch - ist im
Kommen, ich hab ihn vernommen, glaubt mir, vertraut mir: ich bürge dafür!

Die sozialdemokratische, später kommunistische Reichstagsabgeordnete Clara Zetkin (1857-1933) schrieb eine Rede „Wir erheben uns gegen den imperialistischen Krieg“:

„Der Krieg ist nichts als die Erweiterung und Ausdehnung des Massenmordes, dessen sich der Kapitalismus auch im sogenannten Frieden zu jeder Stunde am Proletariat schuldig macht. … Die furchtbare Schändlichkeit des Massenmordes der Völker unterein­ander ist die verbrecherischste, die verrückteste Form der Massenausbeutung des Volkes der Enterbten durch den Kapitalismus. Sind es nicht die Söhne der werktätigen Massen, die getäuscht, verletzt, geblendet gegeneinander geführt werden, um einander abzu­schlachten.“

In anderer Diktion folgt Papst Benedikt XV, er war Papst von 1914-1922 und schrieb zur Zeit des ersten Weltkrieges.

„Im Namen des allmächtigen Gottes, im Namen unseres himmlischen Herrn, bei Jesu Christi benedeitem Blute, beschwören wir Euch, endlich dieser grauenhaften Schlächterei ein Ende zu setzen. Bruderblut tränkt das Land und färbt das Meer. Man hört den schrecklichen Donner der Geschütze, die in ihrer Zerstörungswut weder Dörfer noch Städte verschonen, sondern überall Gemetzel und Tod säen. Ihr, die Ihr vor Gott und den Menschen die furchtbare Verantwortung für Krieg und Frieden tragt, erhört unser Gebet, hört auf die väterliche Stimme des Stellvertreters des ewigen und höchsten Richters, dem auch Ihr über Euer öffentliches und privates Tun Rechenschaft ablegen müßt.“

Seltene Eintracht der Kommunistin mit dem Papst: Der Krieg ist eine grauenhafte Schlächterei! Ein dreiviertel Jahrhundert später beschäftigte der „Menschenmetzger“ als Bezeichnung für Soldaten deutsche Gerichte.

Claire Goll 1918 in „Die Frauen erwachen“:

„Du bist ja ein Mörder! … Einer trat heraus, aus dem Begriff Feind, ein Mitmensch bot sich Dir an und Du ahntest den Bruder. Du zerstörtest nicht mehr die Uniform, sondern ein Leben, und mit ihm ein zweites, das seiner Frau, die Frau, die der Schlag treffen wird, darüber, daß du zum Helden geworden bist, zweifacher Mörder!“

Karl Kraus (1874-1936) definiert „kriegsmüde“ mit den Worten:

„Kriegsmüde - das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein, das heißt müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Lüge, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos. War man zu all dem je frisch und munter?“

Alfred Polgar (1873-1955) schreibt 1919 in „Es geht uns gut“:

„Der blutsaufende Götze liegt geborsten. … Kein demütiges Kuschen mehr vor einem roheitseligen Herrn Banditen von Feldwebel. Keine gehorsamsten Mordgedanken mehr vor einem lüstern Schicksal spielenden Kanzlei-Oberleutnant. … Keine Menschen-Ställe mehr, Kasernen geheißen, in besondere Pferche zusammengedrängt: Schlacht-Menschen und schwächere Zug-Menschen, von Hunde-Menschen bewacht, angebellt, gebissen.“

Hans Paasche (1881-1920) bekennt als Kapitänleutnant a.D. seine „Mitschuld am Welt­kriege“:

„Allen leuchtete es ein, daß es recht sei, die Gefangenen zu ermorden. Es gab keine Grenze zwischen Notwehr und Mord. So ist die Seelenverfassung von uns schwachen Menschen im Kriege. Scharfmacherei, Mordlust, Mitleidlosigkeit, Gereiztheit regieren. … Die Zeit wurde größer dadurch, daß gemordet wurde, Leichen über Leichen, Tränen und Blut, Heldentum und Orden - das war große Zeit!“ In seinem Tagebuch schreibt er im November 1916: „Der Krieg kann jetzt nur noch einen Sinn haben: endgültig aufzuräu­men mit den letzten uns anhaften Anschauungen des Militarismus. … zu zeigen, daß die Zeit gekommen ist, in der auch unter Völkern Mord als Mord, Raub als Raub gilt.“ Am 21.5.1920 wurde Hans Paasche von deutschen Soldaten ermordet. Sein „Protest eines Menschen“ wurde im gleichen Monat veröffentlicht, in dem es unter anderem hieß: „Seit mehr als fünf Jahren wird der Mord als eine gute Tat belohnt, wenn er auf Befehl began­gen wird. … Seit dem November 1918 auch dann, wenn nur die Presse der besitzenden Klasse auf einen Menschen zeigt: „Spartakist“.

Leonhard Frank (1882-1961) schreibt unter der Überschrift „Der Mensch ist gut“:

„Ich frage Euch, ist der kein Mörder, der ein unschuldiges Kind so erzieht, daß es erst zum Mörder werden muß, bevor es selbst ermordet wird? Wird der so erzogene Unschul­dige, wenn er einen gleichfalls schlechtberatenen Unschuldigen erschießt, nicht zum Mörder? …

Höre, ein vielleicht noch klareres Beispiel dafür, was Militarimus ist: Ein Soldat bekommt den Befehl, einen siebzigjährigen Bauern zu erschießen. Das war in Serbien. Der Soldat weiß nicht einmal, weshalb der Alte erschossen werden soll. Der Soldat bekam nur den Befehl, in dem Stand, daß er den Alten in das zwei Stunden entfernt liegende Dorf zu führen und dort zu erschießen habe. Sein ganzes Wesen, das heißt sein eigenes Wesen, empört sich dagegen, diesen vollkommen wehrlosen alten Mann zu erschießen, dessen Verbrechen er nicht einmal kennt, und der auf dem Weg zwei Stunden lang seine Un­schuld beteuert in einer Sprache, die der Soldat nicht versteht und mit Tränen und Ge­bärden, die der Soldat ungeheuer versteht. Zwei Stunden kämpft der Soldat, während er neben dem Opfer über Feld geht, mit seinem Gewissen, hinter dem starr die Pflicht und die Disziplin stehen. Der Soldat hat für sich folgende Lösung gefunden: er schoß zunächst den Alten nieder, und dann sich selbst. Jetzt meinst Du vermutlich wieder: wenn sein Gewissen, der dunkle, wilde Drang nach Wahrheit, nach seinem eigenen Ich, nicht zuließ, den Alten zu erschießen, ohne auch sich selbst zu erschießen, hätte er doch wenigstens nur sich selbst erschießen und den Alten laufen lassen sollen. Aber das wäre ja gegen die Disziplin, wäre ja eine Pflichtverletzung und wäre ehrenrührig gewesen. Das ist eben Militarismus. Nicht die Kanonen, sondern der negative Geist des Zwanges ist der Milita­rismus, den der Soldat als gegen den Geist, gegen das Gewissen, gegen sein eigenes Ich gerichtet empfunden hat und den gleich ihm noch viele empfinden.

Millionen andere haben zwar nicht vor Gott, aber vor ihrem allerdings nur scheinbar vorhandenem eigenen Selbst das Recht, im Dienste dieses Geistes zu kämpfen, Menschen zu ermorden und selbst zu sterben. Denn sie morden in dem guten Glauben, nicht zu mor­den, sondern für ein Ideal zu kämpfen, für ein Vaterland, für den Staat, für eine Gemein­schaft, die es Wert ist, beschirmt und erhalten zu werden. Man hat sie von ihrer frühesten Kindheit an mit diesem Geiste getränkt und gefüttert, ihr eigenes Wesen, ihr Ich in diesem Geiste total ertränkt. Sie sind für ihre Handlungen nicht verantwortlich zu machen. Denn sie konnten zu eigenem Denken, zu der Fähigkeit, sich moralisch zu entscheiden, konnten zu sich selbst, zu ihrem Ich nie kommen: sie sind nicht, sind nicht vorhanden, sind keine Menschen, sondern denkunfähige, seelenlose, unverantwortliche Automaten.

Ernst Thälmann (1886-1944) stellt in einer Rede zum 9. November 1918 fest:

„Vier Jahre imperialistischer Massenmord haben Europa in eine Hölle verwandelt“

Er würdigt die Begründer der KPD-Zeitung „Rote Fahne“, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der „jeden Arbeiter nicht nur in Deutschland, sondern, über die Schützen­gräben hinweg, in allen Ländern mit revolutionärer Begeisterung erfüllte und zum Kampf gegen den imperialistischen Massenmord, für die revolutionäre Beendigung des Krieges anfeuerte.“

Ignaz Wrobel:

„Der Krieg ist eine üble Angelegenheit, und es wird nicht leicht fallen, dem Soldaten klar zu machen, Mord sei erlaubt, ja Pflicht, und das viel geringere Delikt des Diebstahls sei Verbrechen“ (1919)

„Wir hatten alle vergessen - aber jetzt wissen wir es, daß ein Mörder ein Mörder ist, auch wenn er hohe Lackstiefel trägt und ein blonder, schlanker, eleganter und amüsanter jun­ger Mann ist.“ aus: „Der Offizier der Zukunft“ (1919)

„Wie lange noch lassen sich erwachsene Menschen einreden, das eine sinnlose und anar­chistische Organisation zwischen den Staaten das Recht hat, das Leben zu nehmen. Wie lange noch lassen sich Mütter die Söhne, Frauen die Geliebten, Kinder die Väter ab­schießen für eine Sache, die nicht die Kosten für den Mobilmachungsbefehl wert ist? Wie lange noch wird Mord sanktioniert, wenn der Mörder sich nur vorher eine Berufskleidung anzieht, seine Kanonen grau anstreicht, seine Gasbomben von der Kirche einsegnen läßt und sich überhaupt gebärdet, wie der Statist einer Wagneroper.“ (1925)

„Sie sind ermordet worden. Denn man soll sich doch ja abgewöhnen, einen Kollektivtod anders als mit den Worten des Strafgesetzbuches und der Bibel zu bezeichnen, die beide die gewaltsame Tötung eines Menschen durch den Menschen verhindern wollen. Mord bleibt Mord, auch wenn man sich vorher andere Kleider anzieht, um ihn zu verüben.“ (1925)

„Herrgott in Dänemark, welch ein Wahnsinn! Hier war Mord: Mord, dort war Mord ein von den Schmöcken, den Generalen und den Feldpredigern besungenes Pflichtereignis. Hier durfte man nicht - da mußte man.“.(1927)

“Der vollkommene Wahnwitz des Krieges muß doch jedem aufgegangen sein, der da etwa im Jahre 1917 auf diesem Bahnhof in Basel gestanden hat. … Hier durftest du nicht. Dort mußtest du. Und wer dieses Murren der Kanonen hörte, der wußte: da morden sie. Da schlagen sie sich tot. Ein halbes Stündchen weiter - da tobte der Mord. Hier nicht. Das hat keiner geschrieben, merkwürdig.“ (1931)

Unter dem Namen Ignaz Wrobel schrieb Kurt Tucholsky (1890-1935), der wie kein andere mit der Aussage „Soldaten sind Mörder“ verbunden wird. Für ihn war diese Aus­sage zweckbestimmt, wie an folgendem Ausschnitt deutlich wird, den er an einen sterben­den Soldaten adressiert:

„Ehe du die letzten Zuckungen tust, junger Mann: Man hat noch nie versucht, den Krieg ernsthaft zu bekämpfen. Man hat noch niemals alle Schulen und Kirchen, alle Kinos und alle Zeitungen für die Propaganda des Krieges gesperrt. Man weiß also gar nicht, wie eine Generation aussähe, die in der Luft eines gesunden und kampfesfreudigen, aber kriegsablehnenden Pazifismus aufgewachsen ist. Das weiß man nicht. Man kennt nur staatlich verhetzte Jugend. Du bist einer von ihnen, so wie Dein Mörder einer von ihnen gewesen ist.“

Richard Aldington (1893-1962) war als Soldat im ersten Weltkrieg verschüttet. Er schrieb in seinem Buch „Heldentod“:

“Wir müssen Sühne leisten, müssen uns lösen von dem Fluch, dem Fluch der Blutschuld … Mord bleibt Mord; ganz gleich, ob individuell oder kollektiv, ganz gleich, ob begangen um eines einzelnen, einer Bande oder einer Nation willen. Wenn ihr den Mord billigt in irgendeiner Form, so verletzt ihr das natürliche Gesetz eines jeden menschlichen We­sens.“

Karel Capek (1890-1938) in „Bomben über der Welt“:

„Niemand wird doch glauben, daß dies der Endzustand der Welt sein und daß das Met­zeln von Frauen und Kindern zum Hauptmittel der internationalen Beziehungen erhoben werde. So barbarisch geht es doch nicht zu in der Menschheit. Wir dürfen fest damit rech­nen, daß die Menschheit die Luftangriffe von heute schlicht und einfach als gemeinen Mord betrachten werde, als eine Art moralischen Amoklauf, dem diese oder jene Nationen zeitweilig verfallen waren, da sie vorübergehend aus der Entwicklung der übrigen Menschheit ausscherten. Es geht doch nicht, daß die Menschen später einmal mit Abscheu und Grauen auf unsere heutige Welt schauen, da sie in ihrer Gesamtheit untätig und wür­delos einer solchen Massenbestialität zugesehen hat.“

In der „Ballade des Vergessens“ schrieb Klabund (1890-1928) die Zeilen:
Millionen krepierten in diesem Krieg,
den nur ein paar Dutzend gewannen
sie schlichen nach ihrem teuflischen Sieg
mit vollen Säcken von dannen …
Deutschland, die sollst die Ermordeten nicht
und nicht die Mörder vergessen!

Kurt Hiller (1885-1972) schrieb 1924:

„Nicht die müssen in den Kerker geworfen werden, die gewillt sind, weder zu töten noch sich töten zu lassen. In den Kerker gehören andere Leute. Unsere Strafgesetzbücher ken­nen schwere Strafen für Aufreizung zum Klassenhaß und zum Mord: was ist die Aufrei­zung zum Klassenhaß gegen die Aufreizung zum Völkerhaß und was der individuelle Mord im Vergleich zu dem organisierten Massengemetzel, das Krieg heißt. Wer z. B. in Deutschland öffentlich anrät, den Krieg vorzubereiten, mag er heißen wie er wolle und General oder Professor sein, der gehört nicht in den Reichstag, der gehört auf keinen Lehrstuhl, der gehört ins Zuchthaus.“

1932 nennt er nicht die Soldaten Mörder, sondern deren Auftraggeber:

„Ich habe mich nie gescheut und werde mich auch in Zukunft nicht scheuen, den Staat, der mit dem Krieg als Mittel der Politik spielt und Ernst macht, einen Mörder-Staat zu nennen; seine Verantwortlichen, mögen sie Kaiser oder Präsidenten, Generale oder Ge­neraldirektoren, Minister oder Parlamentarier sein: Mörder; vor allem die Geschäftema­cher mit dem Krieg: Mörder. Sie führen bewußt den Tod ungezählter herbei.“

Ernst Friedrich schrieb im Juli 1924:

Krieg dem Kriege
Kriegsverhinderung

Wohl ist das Kapital Ursache jeden Krieges!
Doch Schuld am Kriege sind wir selbst!
An uns Proleten liegt es, Krieg zu führen,
und ebenso liegt es an uns, die Kriege zu verhindern!
Weigert den Dienst!
Erzieht die Kinder so, daß sie sich später weigern, Soldaten und Kriegsdienste zu tun!
… Wir Kriegsdienstgegner müssen endlich allen Glorienschein und allen Hokuspokus mitsamt dem glänzend bunten Flitterkram der Soldateska niederreißen, und das ausspre­chen, was dann noch übrig bleibt:
ein vom Staat bezahlter Berufsmörder
der in staatlich konzessionierten Mörderschulen
(genannt Kasernen)ausgebildet wird,
in Ausübung des schrecklichsten Verbrechens:
des Menschen-Mordes!!!
Bringt das den Kindern bei!
Dann wird das Mädchen, von Natur bestimmt, das Leben fortzupflanzen und zu schützen, das Mädchen wird sich ekeln, mit den Soldaten, seinen ganz natürlichen Feinden - den „Zuhältern des Todes“ - rum zu flirten!
Dann wird der Knabe später nicht den Uniformrock tragen, weil er es weiß: Es ist ein Mörderkittel!
So klar und deutlich müßt ihr denken
und auch handeln,
wollt ihr das Übel an der Wurzel fassen!
Und sollte dennoch wieder ein Krieg ausbrechen, dann konsequent und rücksichtslos:
Krieg dem Kriege!
Der Generalstreik sei die erste Waffe!
Die Männer werden Dienst verweigern!
Das wahre Heldentum liegt nicht im Morden,
sondern in der Weigerung den Mord zu tun!
Füllt lieber alle Gefängnisse und Zuchthäuser,
und alle Irrenanstalten aller Länder,
als für das Kapital zu morden und zu sterben!
Noch ist der letzte schauerlichste Krieg nicht ausgebrochen, der Gas und Gift und Flam­men speien wird auf Menschen, Tiere, Häuser.
Es liegt in unseren Händen, unserer Kraft, dies Ungeheuerlichste zu verhüten, zu verhindern!
Das große und erhabene Beispiel konsequenter Kriegsdienstverweigerer sei uns Vorbild.
Sie haben lieber noch den Tod erlitten für ihr konsequentes „Nein!“, als daß sie selbst zum Mörder wurden!
„Ich will nicht!“
Stärker als Gewalt, als Säbel und Gewehr
ist unser Geist, ist unser Wille!
Sprecht nach der Worte drei: „Ich will nicht!“
Gebt Inhalt diesen Worten und alle Kriege sind in Zukunft unausführbar
Denn was will alles Kapital der ganzen Welt
was wollen alle Könige und Präsidenten machen,
wenn alles Volk in allen Ländern aufsteht mit dem Ruf:
„Wir wollen nicht!“
Und Frauen Ihr:
Wenn Eure Männer denn zu schwach sind, dann schafft Ihr’s!
Zeigt, daß das Band der Liebe zu dem Gatten stärker ist, als der Armeebefehl!
Laßt Eure Männer nicht zur Front!
Hängt Euch den Männern an den Hals!
Laßt Sie nicht los, auch wenn das Abfahrtszeichen gellt!
Reißt alle Schienen auf, stellt Euch vor die Lokomotive!
Frauen schafft Ihr’s,
wenn Eure Männer zu schwach sind!

In Ernst Friedrichs Buch war auch folgende Kinderzeichnung abgedrucht mit der Bildunterschrift: „Der kleine 13jährige Zeichner gab dazu folgende Erklärung:

Der Unterschied zwischen Mörder und Soldat besteht darin, daß der Mörder ein Raub­mörder, ein Lustmörder oder sonst ein Mörder ist. Dieser hat gegen das 5. Gebot gehan­delt, also droht ihm der Tod oder das Gefängnis. Dagegen der Soldat ist auch ein Mörder - ein Berufsmörder - und zwar der größte den es gibt - ein Massenmörder. - Je mehr er mordet, je mehr Ruhm erwirbt er sich. Ihm setzt man den Lorbeer auf, ihm hängt man das Eiserne Kreuz und andere Orden an wegen fingerfertigen Mordens Er, der Soldat, ist der grausamste Mensch, den es gibt, so auf deutscher, wie auf feindlicher Seite. Fluch denen, die ihnen das Morden lehrten und sie dazu veranlaßten. Also sind beide Mörder Krieg bedeutet Morden. Er bringt Hunger, Schmach, Elend, Not, Tod, Sorgen und Schmerzen. Darum laßt ab von dem Morden und kehrt zum Frieden zurück.



De moordenaar

The murderer

Le meurtrier

Der Mörder



Der Unterschied?

La différence?

The difference?

Het verschil?

 



De soldaat

The soldier

Le soldat

Der Soldat

Walter Hasenclever (1890-1940) schrieb ein Gedicht, das er Karl Liebknecht widmete:
„Die Mörder sitzen in der Oper
Der Zug entgleist, Zwanzig Kinder krepieren.
Die Fliegerbomben töten Mensch und Tier
Darüber ist kein Wort zu verlieren
Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.
Soldaten verachtet durch die Straßen ziehn
Generäle prangen im Ordensstern
Deserteure, die vor dem Angriff fliehen,
erschießt man im Namen des obersten Herrn.
Auf, Dirigent, von Deinem Orchesterstuhle!
Du hast Menschen getötet. Wie war dir zumut?
Waren es viel? Die Mörder machen Schule.
Was dachtest Du beim ersten spritzenden Blut? …
Das Feld der Ehre hat sich ausgespien
Ich trete in die Königsloge ein
Schreiende Schwärme schwarzer Vögel ziehen
durch goldene Tore ins Foyer hinein
Sie halten blutige Därme in den Krallen
Entrissen einem armen Grenadier
Zweitausend sind in dieser Nacht gefallen
Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.“

Erich Kästner (1899-1974) schrieb im Gedicht„Stimmen aus dem Massengrab“ (1928):

„Vier Jahre Mord, und dann ein schön Geläute!
Ihr geht vorbei und denkt: die schlafen fest.
Vier Jahre Mord, und ein paar Kränze heute!
Verlaßt Euch nie auf Gott und seine Leute!
Verdammt, wenn Ihr das je vergeßt!“

Walter Mehring (1896- ) schrieb 1932:

„Für die Erkenntnis, daß der Massenmord keinem anderen Zweck diene als dem, die Landesgrenzen um einige Kilometer zu verrücken, wird nichts gezahlt. Auch nicht vom Feind. Denn die Zahlungskräftigen aller Länder haben ein Interesse an der Erhaltung des Kriegsgeistes im Gegnervolk.“

und im „Oratorium von Krieg, Frieden und Inflation“:
„So zogen wir, von der Mordkommission zum Erschießen für tauglich befunden -
so zogen wir durch das Brandenburger Tor mit Haubitzen, mit Tanks und Granaten
so zogen aus allen Winkeln von Europa hervor Soldaten - Soldaten - Soldaten
so stampfte ein Erdteil in gleichem Schritt und Tritt
und es zogen Seuchen, Mord und Hunger mit uns mit.“

Alle diese Meinungen sind in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg verbreitet worden. Zahl­reiche Friedensfreunde haben in diesem Sinne argumentiert und ihre Mitmenschen über­zeugt. Wegen der hier vorgestellten Argumentationen gab es keine Gerichtsverfahren. Repressalien gab es gegen Emil Julius Gumbel (1891-1966), bekannt durch seinen Auf­satz „Vier Jahre politischer Mord“, der wegen der Bezeichnung des Schlachtfeldes als „Feld der Unehre“ Berufsverbot als Mathematikprofessor bekommen sollte und gegen Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky wegen des „Weltbühne“-Beitrages „Der be­wachte Kriegsschauplatz“ (hier abgedruckt auf Seite 19 f.). Und wegen dieses Beitrages gab es bekanntlich keine Verurteilung.

Der Friedensnobelpreisträger von 1935, Carl von Ossietzky (1889-1938), der den Tucholsky-Beitrag als Redakteur der „Weltbühne“ presserechtlich verantwortet hatte, kommentierte nach seinem Freispruch zu der Klage des Reichswehrministers:

„Wir Anhänger des Friedens haben die Pflicht, immer wieder darauf hinzuweisen, daß Krieg nichts heroisches bedeutet, sondern daß er nur Schrecken und Verzweiflung über die Menschheit bringt. … Alle haben den Krieg als Mord und das Soldatenhandwerk als Mörderhandwerk bezeichnet. Das Wort Mörder wird hier nicht in einem juristischen, sondern in einem sittlichen Sinn gebraucht. Das ist der ewige Zwiespalt zwischen der Staatsmoral und dem Individuum. Man kann das auf die Formel bringen: dem kleinen Mörder schlägt man den Kopf ab, dem großen setzt man einen Lorbeerkranz auf.“

Der Friedensnobelpreisträger von 1927, Ludwig Quidde (1858-1941) in der Weltbühne 1932 unter der Überschrift: „Die beleidigte Reichswehr“

„Kein vernünftiger Mensch kann doch bestreiten, daß Krieg organisierter Massenmord ist, mag man auch den Ausdruck als Definition des Krieges ungenügend, weil unvollstän­dig finden. In dem Satz „Soldaten sind Mörder“ eine Beleidigung der deutschen Reichs­wehr zu finden, ist wirklich schon der Gipfel der Unvernunft: Der Satz soll doch … den Gedanken, daß der Krieg Mord ist, in besonders scharf geprägter Form zum Ausdruck bringen.“

 


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Zuletzt geändert: 09.07.2006