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Nachruf

Nachruf für Professor Siegwart-Horst Günther

Siegwart-Horst Günther war in der NS-Zeit Mitglied in der Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Häftling im KZ Buchenwald Als Soldat an der Ostfront hatte er Massaker aus Berichten von anderen Wehrmachtsangehörigen wie auch in einem Fall aus eigener Erfahrung erlebt. Aus eigener Erfahrung war ihm der Ruf „Günther, Du schießt ja immer vorbei!“ alltäglich im Gedächtnis geblieben. Es war nicht zuletzt dieser bis zu seinem Tode währende Alptraum, der ihn zur Widerstandsgruppe führte. Er studierte von 1945 bis 1950 Humanmedizin in Jena , außerdem Philosophie und Ägyptologie. Es folgte eine tropenmedizinische Ausbildung . Von 1963 bis 1965 arbeitete er in Lambarene.

Nach dem ersten Golfkrieg hatte Günther als Arzt im Irak Krankheitsbilder festgestellt, die er dort zuvor noch nie beobachtet hatte; unter anderem fielen ihm eine Häufung von Leukämie sowie Missbildungen bei Neugeborenen auf. Als er außerhalb von Basra Kinder mit Geschossen spielen sah, die als Puppen angemalt waren, und eines dieser Kinder wenig später an Leukämie erkrankte und starb, wurde er misstrauisch. Er begann, die Kinder zu befragen, und fand heraus, dass die an Leukämie erkrankten Kinder mit Munition oder in Panzerwracks gespielt hatten und außerdem fast alle Väter von Kindern mit Missbildungen, die jenen nach der Tschernobyl-Katastrophe glichen, als Soldaten an den Panzerschlachten südlich von Basra teilgenommen hatten. Ende 1991 begann Günther, erste Artikel über seine Untersuchungen zu schreiben, in denen er vermutete, die Geschosse seien radioaktiv.

1995 sammelte er einige Stücke der von den USA im Irak verschossenen Uranmunition und ließ sie nach Berlin bringen. Um einen Nachweis zu erbringen, dass es sich bei den Geschossen um DU-Munition handelt, ließ er es in drei anerkannten Laboren in Berlin untersuchen. Diese drei voneinander unabhängigen Labore bestätigten die radioaktive Gefährlichkeit dieser Geschosse. Als dies den Behörden bekannt wurde, wurde er verhaftet. Als Grund wurde ihm „unerlaubter Waffenbesitz und Verbreitung von radioaktivem Material“ genannt. Die Haftstrafe wurde später zu einer Geldstrafe von 3000 DM umgewandelt, deren Zahlung er verweigerte. Er musste daraufhin wieder ins Gefängnis und wurde erst nach einem Hungerstreik wieder aus der Haft entlassen.

Golfkriegssyndrom

Er gilt als der Entdecker und Erstbeschreiber von Erkrankungen, die der Anwendung von abgereichertem Uran in DU-Munition zugerechnet werden. Diese Erkrankungen traten ab Anfang der 1990er Jahre auf.

Günther untersuchte in Ausübung seiner Tätigkeit für eine Hilfsorganisation nach dem Zweiten Golfkrieg von 1991 bis 1995 Kinder im Irak, welche an einer bis dahin unbekannten Krankheit litten. Günther ging davon aus, dass es sich dabei um die Folgen des Kontaktes mit abgereichertem Uran handelte. Er war ferner der Meinung, dass auch das sogenannte Golfkriegssyndrom auf einer solchen Vergiftung beruhe.

Professor Günther erkrankte selbst an Krebs und führt dies auf seinen beruflichen Kontakt mit Uran zurück. Am 17.1.2015 ist er in Husum verstorben.

Professor Dr. Siegwart Horst Günther wäre am 24. Februar 2015 90 Jahre alt geworden.

Wir verlieren mit ihm einen wichtigen Verbündeten im Kampf um die Ächtung der nachhaltigen Kriegführung mit Uranmunition und die Abschaffung des Militärs, werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. Eine ausführliche Zusammenfassung seiner Forschungsarbeit und die politischen Konsequenzen daraus haben wir in einer Broschüre zusammengefaßt, die heruntergeladen werden kann unter:

www.bundeswehrabschaffen.de/cms/bwabschaffen/broschueren/uran/4URANmunition.pdf

Eine Neuauflage in gedruckter Form ist für dieses Jahr vorgesehen.

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Zuletzt geändert: 08.02.2015