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- Afghanistan

Krieg im deutschen Sektor

Das "Kommando Spezialkraefte" der Bundeswehr soll in Afghanistan ihren bisher umfangreichsten Einsatz durchfuehren

Frank Brendle

Die Phase des Reue-Zeigens ist vorbei: Zwei Wochen nach dem 8. Mai dreht die deutsche Militaermaschinerie wieder richtig auf. Das "Kommando Spezialkraefte" (KSK) steht nach Berichten von Spiegel online kurz vor seinem "bisher umfangreichsten Einsatz". Ein Voraustrupp des Elitekommandos sei bereits am Pfingstwochenende nach Afghanistan geflogen.



Die Ausweitung der deutschen Besatzungstaetigkeit deutete Kriegsminister Peter Struck schon vor Wochen an. Noch in diesem Jahr solle die Bundeswehr mit der Ausbildung afghanischer Antidrogeneinheiten beginnen. Drogenbarone koennten das als Herausforderung betrachten, so der SPD-Politiker, so dass mit einer zunehmenden Gefaehrdung der deutschen Truppen zu rechnen sei. "Wir sind vorbereitet", verkuendete Struck in der Berliner Zeitung, ohne sich genauer auszulassen. 



Im Hintergrund steht offenbar die wachsende Unzufriedenheit der amerikanischen "Fuehrungsmacht" mit der afghanischen Regierung. Erst an diesem Wochenende berichtete die New York Times, die US-Regierung werfe der Regierung in Kabul vor, bei der Drogenbekaempfung mangelnde Bereitschaft und "keine starke Fuehrung" zu zeigen. Auch deutsche Militaers in den von der Bundeswehr besetzten Stuetzpunkten im Norden des Landes forderten in der Vergangenheit ein entschiedeneres Vorgehen gegen den Drogenanbau. Eine Drogenbekaempfung nach US-Muster ist allerdings, wie das Beispiel Kolumbien zeigt, vorrangig eine militaerische Auseinandersetzung, bei der die Zivilbevoelkerung die Hauptopfer bringen muss, sich aber auch zur Wehr setzen koennte. Der Schwerpunkt des anstehenden Kampfauftrages soll nach Informationen von Spiegel online allerdings im Suedosten Afghanistans liegen. Dort waren die deutschen Kaempfer bis zu ihrem voruebergehenden Abzug vor eineinhalb Jahren schon einmal, um sich an der Jagd auf Osama bin Laden zu beteiligen. Taliban-Kaempfer sind in dem Gebiet heute noch stark praesent, seit Wochen befinden sich die US-Besatzer dort unter verstaerktem Beschuss und haben offensichtlich Verstaerkung angefordert. 



Auf eine offizielle Erlaeuterung des Einsatzes braucht man indes nicht zu warten. Das Kommando Spezialkraefte ist eine Elitetruppe, deren Einsaetze als geheime Kommandosache behandelt werden � selbst gegenueber dem Bundestagsverteidigungsausschuss. Laut Spiegel sind die Obleute der Bundestagsfraktionen nur sehr grob ueber den Einsatz unterrichtet, ohne den genauen Auftrag und den militaerischen Befehl zu kennen.



Dass es sich aber um nichts anderes als um einen "robusten" Kampfbefehl handeln kann, steht nicht zu bezweifeln: "Fuer etwas anderes ist diese Einheit gar nicht ausgebildet", so der Europaabgeordnete Tobias Pflueger gegenueber junge Welt. Geheimgehalten wird auch die Staerke der entsendeten Kampftruppe. Falls sich Struck an den Bundestagsbeschluss zur Mission "Enduring Freedom" haelt, kann er 100 Mann seiner "Spezialkraefte" nach Afghanistan schicken. Zu kontrollieren ist das nicht, wie auch die Zahl der Opfer, Erschossenen und Gefangenen Verschlusssache ist. 



Die Rueckkehr der deutschen Spezialkraefte auf den Kriegsschauplatz ist mit einer Kompetenzerweiterung verbunden: Fiel ihnen bei ihrem ersten Einsatz ueberwiegend die Rolle von Hilfstruppen der USA zu, so sollen sie nun nach Spiegel-Informationen einen eigenen Sektor erhalten, in dem sie selbst Feldherrenvollmachten ausueben koennen. Diese Anerkennung der militaerischen "Qualifikation" durch die USA deutet darauf hin, dass die Bundeswehr auf ihrem Weg zur weltweit anerkannten Militaermacht wieder einen Schritt weiter gekommen ist.


Den Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2005/05-23/001.php

(c) Junge Welt 2005
http://www.jungewelt.de

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Zuletzt geändert: 09.07.2006