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Regionen und Länder


- Afghanistan

26.10.2006 / Ansichten / Seite 8

Nekrophilenverein des Tages: Bundeswehr

 

 
Seit fünf Jahren befinden sich deutsche Soldaten zur »Landesverteidigung am Hindukusch«. Sie beteiligen sich direkt oder indirekt an Massakern, an Folter und Mißhandlung. Dafür wurden sie ausgebildet. Die vierte Waffengattung, die Medien, begleiten das mit Sprüchen über Demokratie, Befreiung der Frauen und Taliban. Dringt Häßliches an die Öffentlichkeit, halten die Helden der Schreibtischfront dagegen.

»Mitten in der Gesellschaft« titelte die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch einen Kommentar von Peter Blechschmidt, der die Bundeswehr »in der Gesellschaft angekommen« sieht. Als sei die Bundesrepublik nicht für die Schaffung einer Armee gegründet worden. Blechschmidt wundert sich: Trotz 28,4 Milliarden Euro für den Kriegsetat, trotz mehr als 60 toter Soldaten bei Auslandseinsätzen in den letzten acht Jahren gibt es keine Aufregung im Land. Die Ruhe könnte auf Blechschmidtsche Kommentare zurückzuführen sein, denn nach ihm sind »deutsche Soldaten die besten Botschafter ihres Landes« und ihr Führungspersonal ist »von einer Qualität, von der manches Wirtschaftsunternehmen nur träumen kann«. Über das neue Weißbuch der Bundeswehr kommen dem Autor fast die Tränen: Es sei Instrument einer »umfassend angelegten, vorausschauenden Sicherheitspolitik« etc. Dann stockt der Schleim, mehr Platz war selbst in der SZ nicht.

Nur Spiegel-Autoren können mehr. Claus Christian Maltzahn merkt voll sittlichem Ernst am Mittwoch bei Spiegel online an: Die »unappetitliche Geschichte« von Bildern mit Totenschädeln passe »bestens ins Bild einer durchgeknallten deutschen Armee, die in Afghanistan langsam, aber sicher die Bodenhaftung zu Verfassung und Grundgesetz verloren hat«. Als hätte der Einsatz je eine rechtliche Bodenhaftung gehabt. Maltzahn fährt fort: »Denn die Würde des Menschen ist im Krieg durchaus antastbar, egal ob bei Mißhandlungen von Gefangenen oder bei Streifenfahrten, bei denen man zum Zeitvertreib Basketball mit Totenköpfen spielt.« So klärt sich endlich das Kriegsziel der Bundeswehr: Wer umgebracht wurde, hat das Recht auf Schutz seiner Würde. Das Recht auf Leben ist zweitrangig. Nekrophile unter sich.

(asc)

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2006/10-26/028.php

(c) Junge Welt 2006

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Zuletzt geändert: 04.11.2006