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Westliche Wertegemeinschaft kooperiert mit afghanischen Drogen-Gangstern

Vorwort von Ralf Cüppers:

Als vor mehr als zwanzig Jahren die afghanische Regierung die
sowjetische Regierung um militärische "Hilfe" bat, konnten die
Drogenabhängigen in der Bundesrepublik die Folgen sofort spüren.
Unmittelbar, nachdem sowjetische Truppen die Kontrolle über den
Flughafen von Kabul übernommen hatten, stiegen die Haschisch- und
Heroinpreise spürbar an. Der Afghanistan-Krieg war von Beginn an auch
ein Krieg gegen bzw. um Drogen. Und es zeigte sich: Das Drogenproblem
ist mit militärischen Mitteln nicht zu lösen.
Die Bundesregierung hatte diejenigen "Freiheitskämpfer" unterstützt, die
gegen die damalige afghanische Regierung und die sie unterstützenden
sowjetischen Truppen kämpften. Gulbuddin Hekmatyar wurde sogar von
Kanzler Kohl empfangen. Dabei war es schon damals bekannt, daß
ebendieser einer der bedeutendsten Drogenhändler weltweit ist. Im Jahre
1986 sah ich auf einer Friedenskonferenz einen kurzen Diavortrag eines
Frankfurter "Grünen"-Politikers, der auf Einladung afghanischer
"Freiheitskämpfer" das Land bereist hatte. Es war plattester
Antikommunismus: dort, wo die afghanische Regierung und die sowjetischen
Truppen herrschten, wäre Zerstörung, Wüste, würde das Land nicht bebaut
(unterstrichen mit einem Bild erodiertem Bodens). Aber dort, wo die
Freiheitskämpfer die Kontrolle hätten, wäre alles grün und würde
gedeihen. (Unterstrichen mit einem Bild satten Grüns). Obwohl ich die
Pflanzen schon identifizieren konnte, fragte ich den "Grünen"-Politiker,
ob er denn wüßte, was dort angebaut würde. Lange Pause der Verlegenheit,
dann "Das Land sei doch bekannt für den "schwarzen Afghanen". Ich
daraufhin: "Wenn ich vorher behauptet hätte, daß sich die afghanischen
"Freiheitskämpfer" durch Drogenhandel finanzieren, hätte es mir wohl
keiner geglaubt." Daß nach dem Sieg der "Freiheitskämpfer" über die
Regierung der Demokratischen Volkspartei der Krieg weiterging, ist
leicht zu erklären: die verschiedenen Gruppen kämpften um
Einflußsphären, Anbauanteile und Absatzmärkte für ihre Drogen.
Die kapitalistische Connection westlicher Abnehmerländer zu den
afghanischen antikommunistischen Drogendealern ist mindestens 20 Jahre
alt. Rainer Rupp weist aus aktuellem Anlaß darauf hin.




Westliche Wertegemeinschaft kooperiert mit afghanischen Drogen-Gangstern

                                               (von Rainer Rupp)

                                                

Nach neusten Angaben der Vereinten Nationen wurde dieses Jahr der
weitaus größte Teil des in Afghanistan
produzierten Opiums in Gebieten angepflanzt, die von der sogenannten
Nord Allianz kontrolliert werden.
Ausgerechnet diese Nordallianz wird nun von den USA und ihren Alliierten
der "westlichen Wertegesellschaft" als Hauptverbündete gegen die bösen
Taliban umworben und unterstützt.  Die Nord Allianz soll für die USA und
Großbritannien die Kastanien aus dem Feuer holen und die Hauptlast der
zu erwartenden verlustreichen Bodenkämpfe gegen die Taliban tragen, um
so die anglo-amerikanischen Kommandoeinheiten zu entlasten, die die Bin
Ladens Truppe in ihren Verstecken aufspüren sollen.  Bedenken gegen eine
systematische und enge Zusammenarbeit mit organisierten Drogengangstern
und Mörderbanden hatte jedoch die Führungsnation der westlichen
Wertegesellschaft noch nie gehabt.  "Er ist ein Hurensohn, aber er ist
unser Hurensohn", hatte schon Präsident Roosevelt wohlwollend über den
berüchtigten mittelamerikanischen Diktator Somoza gesagt, dessen Clique
mit Unterstützung Washingtons besonders brutal über Nicaragua
herrschte. 

Wenn es darum ging, amerikanische Interessen durchzusetzen hatte
Washington noch nie Probleme mit
Hurensöhnen, Massenmördern oder Drogengangstern zusammen zu arbeiten.
In letztere Kategorie fallen die
von den USA neu entdeckten Verbündeten der afghanischen Nord Allianz
gegen die Taliban.  Allerdings waren auch die Taliban schon einmal
Verbündete Washingtons.  So lange ist es noch nicht her, dass die
religiös-fanatischen Taliban von Washington mit insgesamt etwa 5
Milliarden US Dollar unterstützt und als Freiheitskämpfer gegen das
kommunistische "Reich des Bösen" heroisiert wurden.  Heute sind sie in
Ungnade gefallen und US-Präsident Bush möchte sie als Inkarnation des
"Bösen" vernichtet wissen. 

Zur Durchsetzung dieses Zieles ist Washington auch diesmal wieder
bereit, mit den übelsten Banden und
Verbrecherorganisationen zusammen zu arbeiten.  Den verschiedenen in der
Nord Allianz zusammen
gewürfelten und untereinander zerstrittenen Gruppen dürfte dennoch egal
sein, dass sie nur Mittel zum Zweck sind, Kanonenfutter für die
westliche Wertegesellschaft.  Sie fühlen sich vielmehr geschmeichelt,
daß nun das Auge Amerikas, ja der gesamten "freien und zivilisierten
Welt" auf ihnen ruht.  Das bedeutetet nicht nur eine unerhoffte
politische Aufwertung, sondern verspricht auch eine Verbesserung der
Geschäfte.  Und das Hauptgeschäft der Nord Allianz ist nach UNO-Angaben
der Drogenhandel.  Das aber passt nicht ins politische Bild das die
Regierenden der westlichen Wertegemeinschaft gerne dem gemeinen Volk
zeichnen.

Also schloß Premierminister Tony Blair von Großbritannien messerscharf,
dass nicht sein kann, was nicht sein darf und - unterstützt von der
US-Regierung in Washington - schob Blair letzten Donnerstag in einem
Papier flugs den Taliban und Osama bin Laden die Hauptverantwortung für
den Drogenhandel aus Zentralasien zu, von dem beide angeblich gemeinsam
profitierten.  Wen kümmert da schon, dass UNO-Beamte und selbst
amerikanische Drogenexperten in der jüngsten Untersuchung des UNO-Büros
für Drogenkontrolle und Verbrechensvorbeugung in Wien darauf hinweisen,
dass die Opium-Produktion in den von den Taliban
kontrollierten Gebieten Afghanistans (etwa 90%) nach einem von den
Taliban ausgesprochenen Anbauverbot
radikal zurück gegangen ist.  Pino Arlacchi, der Direktor des Büros,
erklärte letzte Woche, dass auf Afghanistan in der Vergangenheit 71
Prozent der weltweiten Produktion von Schlafmohn entfallen sei.  Nach
dem Anbauverbot durch die Taliban sei die afghanische Produktion dieses
Jahr dramatisch um 91 Prozent gefallen. Produziert würde jetzt nur noch
in den Gebieten der Nordallianz, die zum Hautlieferant von Opium aus
Afghanistan geworden sei.  Wie viel genau die Nord Allianz an den Drogen
verdient weiß auch im Wiener UNO-Büro niemand.  Ein Kilo Rohopium kostet
in Afghanistan etwa 700 US Dollar.  Zu Heroin verarbeitet wird das Kilo
in den Hauptstädten der ehemaligen Sowjetrepubliken der Region bereits
für 25.000 US-Dollar gehandelt.  Von dort tritt das weiße Pulver dann
seinen langen Weg über die Südroute via Türkei, über Kosovo und Albanien
nach Westeuropa und in die USA an. 

Nach Angaben von Europol und des BKA ist der größte Teil dieses
Heroinschmuggels am westeuropäischen
Ende des Verteilernetz fest in Händen ethnisch-albanischer krimineller
Banden, maßgeblich der UCK.  Hier
schließt sich denn auch der Kreis.  Denn nirgendwo war bisher die
politische, militärische und ökonomische Zusammenarbeit der westlichen
Wertegemeinschaft mit ethnischen Terroristen und Drogenschmugglern
deutlicher geworden, als beim NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien.  Nun
arbeiten die selbsterklärten Fackelträger der westlichen Zivilisation
nicht mehr nur mit dem europäischen Verteilernetz des internationalen
Drogenhandels (UCK) zusammen, sondern auch mit den Produzenten der Nord
Allianz im fernen Afghanistan.
In der westlichen Wertegemeinschaft heiligt der deklamierte gute Zweck
halt eben doch alle Mittel; solange nur die anderen sterben.

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Zuletzt geändert: 09.07.2006