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Regionen und Länder


Ein lange geplanter Krieg

Mathias Bröckers 02.11.2001

The WTC Conspiracy IXX

Verschwörungstheorien sind laut Robert Anton Wilson immer
"Spaghetti-Theorien": egal welchen Faden man herauszieht, man macht
sich die Finger schmutzig. Da aber das Menü bei McMedia zu den
Hintergründen des WTC-Falls seit sechs Wochen immer nur denselben
abgenagten Knochen anbietet, müssen wir wohl weiter in den
Spaghetti-Topf greifen - heute: al Olio.

US-Ölkonzerne wollen eine Pipeline vom Kaspischen Meer nach Pakistan
bauen. Die Route durch Afghanistan ist wegen der amtierenden Regierung
ungesichert, also werden die Taliban in einem Krieg beseitigt, der
vermeintlich gegen den Terror, eigentlich aber ums Öl geht. So weit, so
logisch, und wenn wir die Öl-Brille schon mal aufhaben, entdecken wir
auch gleich noch, dass der letzte Chef der Firma [1] Halliburton, die
den Milliardenjob für Bau und Versorgung der Pipeline übernehmen will
und eine Expertise darüber erstellt hat, zufällig Vizepräsident wurde
und [2] Dick Cheney heißt.

Die kaspischen [3] "Pipedreams" der Öl-Multis existieren nicht erst
seit vorgestern: Schon bei der Installation des Taliban-Regimes durch
Pakistan und die CIA waren die "Schüler des Islam" als Wächter der
Pipeline auserkoren und verhandelten darüber auf höchster Ebene mit den
Amerikanern. Erst als Menschrechtsorganisationen und die amerikanischen
Grünen bei der Clinton-Administration massiv auf die frauenverachtende
Terrorpolitik in Afghanistan aufmerksam machten, sahen sich die
Ölmänner der texanischen [4] UNOCAL genötigt, ihre Verhandlungen mit den
Taliban abzubrechen - [5] 1998 wurde der Pipelineplan offiziell auf Eis
gelegt.

Inoffiziell aber wurde, wie [6] Jane's Security berichtet, schon damals
beschlossen, die Situation nicht einfach hinzunehmen und eine Allianz
mit Indien und Russland zu suchen, um die Taliban mit militärischen
Mitteln unter Druck zu setzen: der Angriff, der Ende September
eingesetzt hat, war seit Jahren geplant !!!

Nur welcher US-Bürger hätte einem Krieg zugestimmt, um die privaten
Ölgeschäfte des Präsidenten und seines Vize zu betreiben ? Bei einem
"Krieg gegen den Terror" freilich sieht das anders aus: Wer da nicht
zustimmt und auf die schnöden Geschäftsinteressen verweist, gilt quasi
automatisch als unpatriotischer Unmensch.

Weil der Imperativ des billigen Öls die US-Außenpolitik seit vielen
Jahrzehnten diktiert, hatten wir schon vor einigen Wochen [7] vermutet,
dass bei den Ermittlungen des WTC-Anschlags sicher bald "Spuren"
auftauchen, die auf den Irak weisen. Und [8] siehe da: der Terrorpilot
Atta soll sich in Prag mehrfach mit einem Konsul der irakischen
Botschaft getroffen haben und dabei, so der tschechische Geheimdienst,
könnte auch Anthrax übergeben worden sein.

Ist es ein Zufall, dass diese "Spur" jetzt auftaucht und groß gemeldet
wird, während die wirklich sensationelle Enthüllung der "Times of
India", dass Atta vom pakistanischen Geheimdienst Geld erhalten hat -
also im Auftrag des engsten amerikanischem Verbündeten agierte -
keinerlei Widerhall in den Medien gefunden hat ([9] Manus Manum Lavat -
Money Money Lavamat? Wird demnächst "eindeutig" nachgewiesen, dass
irgendeiner der Briefe mit Milzbrand-Erregern aus eben jenem Stamm
bestückt war, den man seinerzeit dem netten Hurensohn Saddam verkaufte?
Der wird sich an vergiftete Briefe im übrigen noch gut erinnern, denn
Anfang der 60er war er als Offizier an der Operation beteiligt, mit der
die Amerikaner den sowjet-freundlichen Machthaber General Kassem
beseitigen wollten. Während die CIA Saddams Ba'aht-Partei mit Adressen
von "Kommunisten" versorgte, die dann von Killerkommandos erledigt
wurden, ließ ihr Chef-Chemiker Sydney Gottlieb - der berüchtigte Leiter
des Drogen- und Gehirnwäsche-Projekts MK ULTRA - ein mit Sporen
vergiftetes Taschentuch an die Privatadresse des Generals senden. Wenn
auch ohne direkten Erfolg - Kassem wurde erst bei dem späteren Putsch
erschossen.

In den Tagen nach dem Anschlag wunderte ich mich, warum in den Medien
soviel von möglichen Folgeattacken durch Biokampfstoffe wie Anthrax die
Rede war. Als dann zwei Wochen später die ersten Fälle auftauchten,
schien mir die Panikmache dann wie eine "selfullfilling prophecy".
Hatte man damit nur ein paar irre Trittbrettfahrer und Angehöriger
rechtsradikale Milizen, die in der Vergangenheit schon Anschläge mit
dem Milzbranderreger ausgeführt hatten, animiert? Oder war die
Anthrax-Hysterie eine psychologische Operation, mit der zum einen vom
völligen Versagen der Behörden bei der Verhinderung und Aufklärung des
WTC-Anschlags abgelenkt und ein Angstklima zur Durchsetzung von
Überwachungs- und "Homeland Security"-Gesetzen geschaffen werden sollte
- und zum anderen eine Spur auf den nächsten Gegner im geopolitischen
"Great Game" vorbereitet werden sollte?

Wenn Bagdad demnächst tatsächlich wegen Anthrax in die Schusslinie
geraten sollte, können wir davon ausgehen, dass es sich bei den
mysteriösen Anthrax-Briefen nicht um Sendungen von "Al Qaida" handelt,
sondern um "black valentine"-Grüße aus der CIA-Giftküche.

Dass es sich bei der Bombardierung Afghanistans nicht um eine
Polizeiaktion zur Ergreifung von Terroristen handelt, wird mit jedem
Tag deutlicher. Die Ausdehnung des Kriegs auf den Irak allerdings würde
in der gegenwärtigen Situation zu einem sofortigen Bruch der ohnehin
instabilen "Anti-Terror"-Allianz führen. Erst nach einem weiteren
schrecklichen Anschlag oder einem Attentat auf einen hochrangigen
Staatsmann sähe das anders aus. Da die US-Öffentlichkeit das
stumpfsinnige Bombardieren afghanischer Hütten nicht weitere drei
Wochen klaglos hinnehmen wird, müsste dieser bald erfolgen -
möglicherweise, um die "Allianz" zusammenzuschweißen, nicht in den USA,
sondern in Europa. Wenn dabei dann "Beweise" auf irakische
Mittäterschaft auftauchen, wäre es wirklich höchste Zeit, einen
bestimmten "harbor of terrorists" wenn nicht unter Beschuss, so doch
unter allerstrengste Observation zu nehmen: das Hauptquartier der
Central Intelligence Agency in Langley.

Auch die indische Autorin Arundhati Roy, deren freundliche Erwähnung
Ulrich Wickert fast den Job gekostet hätte, spart in einem weiteren
fulminanten Aufsatz im [10] Guardian nicht mit Kritik an der CIA und
ihrem unrühmlichen pakistanischen Partner ISI. Und sie vergisst auch
nicht, die Carlyle-Group zu erwähnen, eine der größten
US-Investmentgruppen im Militärbereich, in der nicht nur die Bush- und
die Laden Familie aufs engste verbandelt sind, sondern auch noch einige
andere Köpfe der US-Administration Windfall-Profite vom
Afghanistan-Krieg erwarten dürfen. Hier vermutet Roy auch den Grund,
warum Bush seine Ankündigung, "nicht mit 2-Mio.Dollar-Raketen auf
10-Dollar-Zelte zu feuern und ein Kamel in den Hintern zu treffen",
seit Wochen Lügen straft.

"Präsident Bush sollte wissen, dass es in Afghanistan keine Ziele
gibt, die dem Geldwert seiner Raketen entsprechen. Vielleicht sollte
er, zum Ausgleich der Bilanzen, ein paar billigere Raketen entwickeln,
für die billigeren Ziele und billigeren Leben in den ärmeren Ländern
der Welt. Aber dies würde dann ein nicht so gutes Geschäft für die
Waffenproduzenten der Koalition bedeuten. Es würde zu Beispiel
keinerlei Sinn für die Carlyle Group machen, die im "Industry Standard"
als "weltgrößte private Investitionsbank" beschrieben wird und 13
Milliarden Dollar verwaltet. Carlyle investiert im Rüstungssektor und
verdient sein Geld mit kriegerischen Konflikten und Waffenausgaben.
Carlyle wird von Männern mit hervorragenden Referenzen geleitet:
Geschäftsführender Direktor ist der frühere Verteidigungsminister Frank
Carlucci - ein College-Freund von Donald Rumsfeld. Weitere Partner sind
der ehemalige Minister James Baker, George Soros und Fred Malek (der
Kampagnen-Manager von Bush senior). Der "Baltimore Chronicle"
berichtet, dass Bush sr. Investitionen für Carlyle auf den asiatischen
Märkten akquiriert und für seine "Präsentationen" nicht unerhebliche
Geldsummen erhält."

Bemerkenswert ist, wie der "Spiegel online", der Roys
"Guardian"-Artikel mittlerweile [11] übernommen hat, den oben ziemlich
wortgetreu übersetzten Abschnitt für die deutsche Leserschaft
wiedergibt:
"Präsident Bush sollte wissen, dass es in Afghanistan keine Ziele
gibt, die den Preis seiner Raketen wert sind. Vielleicht sollte er ein
paar billigere Raketen für billigere Ziele und billigere Leute in den
armen Ländern der Welt bauen, und wäre es nur für den Etatausgleich.
Doch das erschiene am Ende den Waffenherstellern der Koalition als
nicht sehr vernünftig, geschäftlich gesehen."

Das wars. Die entscheidende Passage, wer die Geschäfte macht - Bush
sen. und seine alte Clique, also genau das, was die überbezahlten
Journalisten beim "Spiegel" noch viel genauer und im Detail zu
recherchieren hätten - ist ersatzlos gestrichen. Warum? Platzgründe
können es nicht gewesen sein, Zufall ist es aber auch nicht. Es muss
wohl damit zu tun haben, dass eine Erwähnung dieser Namen auf die
deutsche Solidarität mit Bushs Kolonialkrieg unter Umständen
wehrkraftzersetzend wirken könnte. Und da greifen die kleinen
völkischen Beobachter beim "Spiegel" dann doch lieber zur
vorauseilenden Zensur …

Bisher hatten wir bei der entscheidenden Frage "Cui bono?" auf der
Gewinnerseite nur Bush jr. und die amerikanischen Geheimdienste
gelistet, die mit riesigen Image- bzw. Etat-Gewinnen von der
Katastrophe profitiert haben. Die Rüstungsindustrie und freundliche
Familienunternehmen wie Carlyle können nun ebenfalls als direkte
Profiteure namhaft gemacht werden - außer ihnen nützen die irrsinnigen
Bombardements keinem Menschen auf der Welt.

"Dieser Krieg ist ein Betrug!" titelt denn auch mittlerweile schon der
konservative britische [12] Mirror eine flammende Reportage seines
Chefkorrespondenten - und verweist unter anderem darauf, dass der
größte Abnehmer britischer Waffen Saudi-Arabien ist, der
Hauptunterstützer des Jihad, und dass es nicht um die Ergreifung der
vermuteten Terroristen geht, von denen keiner aus Afghanistan stammt,
sondern um die Eroberung einer neuen "Öl-Kolonie".

Die Stimmung an der ideologischen Heimatfront kippt. Um die Seelen
weiter in Angst zu halten und die Herzen für den "war on terror" zu
begeistern, braucht es bald einen neuen psychologischen Push. Wenn
dieser Krieg so lange geplant war, wie es scheint, sollte er jetzt an
einem ausbleibenden Terroranschlag nicht scheitern.

Links

[1] http://www.halliburton.com/
[2] leider nicht mehr vorhanden
[3] http://www.guardian.co.uk/waronterror/story/0,1361,579169,00.html
[4] http://www.unocal.com/
[5] http://www.unocal.com/uclnews/98news/centgas.htm
[6] leider nicht mehr vorhanden
[7] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9631/1.html
[8] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,164902,00.html
[9] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9905/1.html
[10] http://globalresearch.ca/articles/ROY110A.html
[11] http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,165236,00.html
[12] leider nicht mehr vorhanden

Artikel-URL:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/11026/1.html

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Zuletzt geändert: 09.07.2006