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Pentagonberater empfiehlt Gas-Einsatz gegen Bin Laden Festung

(von Rainer Rupp)

 

In Afghanistan konzentriert sich derzeit die Aufmerksamkeit auf das Kampfgeschehen um die im Süden Afghanistans in den Weißen Bergen gelegene, unterirdische Bergfestung Tora Bora, in der sich eine größere Anzahl von El-Kaida-Kämpfern verschanzt hat. Zwar hatten anti-Taliban-Kräfte wiederholt gemeldet, sie hätten den Höhlen- und Bunkerkomplexes bereits erfolgreiche eingenommen, aber im nachhinein stellte sich das stets als Übertreibung oder Teilerfolg heraus. Und trotz weiterhin oft widersprüchlicher Nachrichten, sieht es nun doch danach aus, als ob zumindest der größte Teil der in Tora Bora von lokalen anti-Taliban-Kräften eingeschlossenen und von der US-Luftwaffe weiterhin bombardierten Bin Laden Anhänger zur Kapitulation bereit sind. Entsprechende Verhandlungen habe es bereits gegeben und ein Ultimatum sei gestellt worden, meldeten die Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Nach Ablauf des Ultimatums ihrer Belagerer hätten die El-Kaida-Kämpfer jedoch Bedingungen für ihre Kapitulation gestellt.

 

Den Kampfeswillen der Eingeschlossenen haben offensichtlich die massiven Luftangriffe gebrochen, die die US-Air-Force unter Einsatz von Spezialwaffen und der als „Daisy Cutter“ oder BLU-82 bekannten Bombe pausenlos gegen die Höhlen, Bunker und Abwehrstellungen der Al-Kaida-Kämpfer geflogen hat. Bei der umstrittenen BLU-82 Bombe handelt es sich um die mächtigste Bombe im US-Arsenal unterhalb der Atomwaffenschwelle. Es handelt sich um eine 7,5 Tonnen schwere Aerosol-Bombe, die alles Leben im Umkreis von 600 Metern auslöscht. Ein Entrinnen gibt es nicht. Die auch als „Vakuum Bombe“ bekannte Waffe wird über die rückwärtige Laderrampe einer niedrig fliegenden C-130 Hercules-Transportmaschine abgeworfen und versprüht über eine große Fläche Benzin, das sich mit dem Sauerstoff der Luft zu einem leicht entzüdbaren hochexplosiven Gemisch verbindet. Während des US-Aggressionskrieges in Vietnam wurden mit der Bombe im Handumdrehen Helikopterlandeplätze in den dicksten Dschungel gesprengt.

 

Ihre wirklich dämonische Wirkung zeigt die Bombe aber erst beim Einsatz gegen „Weichziele“, wie wir Menschen in der militärischen Fachsprache genannt werden. So töteten z.B. während des Golfkrieges 1991 die US-Streitkräfte mit einer einzigen, auf eine Truppenkonzentration abgeworfenen BLU-82 um die 4.500 irakische Soldaten.

 

In einer britischer Tageszeitung wurde unlängst ein Waffenexperte der britischen Armee zitiert wie folgend zitiert: "Innerhalb des Explosionsradius der BLU-82 ist die tödliche Wirkung auf Menschen 100%, d.h. jeder der von der Explosion erfasst wird, stirbt.“ Durch die Explosion des Aerosolgemischs entsteht eine unvorstellbare Druckwelle. Jeder der erfasst wird, wird entweder verbrannt oder seine Lungen werden durch das zur gleichen Zeit im Umfeld entstehende Vakuum zerrissen. "Soldaten im Inneren des Explosionskreises werden ausgelöscht” erklärte der Militärexperte, “Soldaten, die am Explosionsrand erfasst werden, sterben auf Grund von internen Verletzungen, zerquetschte Organe, zerfetzte Lungen, schwere Gehirnerschütterungen und möglicherweise Blindheit. "Es ist eine schreckliche und sehr schmerzhafte Art zu sterben“, fügte er hinzu. (“No escape for Taleban from the “Daisy Cutter” by Tim Ripley, The Scotsman, 2001/11/07)Hier stellt sich nur die Frage, was diese Art der amerikanischen Kriegsführung von der völkerrechtlich verbotenen chemischen Kriegsführung unterscheidet?

 

Als „ideale” Ziele für die BLU-92 gelten u.a. auch Bunker, Höhlen und Befestigungsanlagen, in die das Aerosol-Gemisch vor der Explosion eindringen kann. Unter diesen Umständen war es nur eine Frage der Zeit, bis der Widerstand in der Tora Bora Festung zusammenbrach. Der überwiegende Teil der dort Eingeschlossenen sind Araber. Trotz BLU-92 wollen sie sich jedoch nur Vertretern der Vereinten Nationen ergeben. Sie verlangen, dass Diplomaten aus ihren Heimatländern bei der Kapitulation anwesend sein müssten. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

 

Scheinbar wollen aber nicht alle aufgeben. Unter ihnen wird auch Bin Laden vermutet, die sich in die tieferen, bombensicheren Schichten der unterirdischen Festung zurückgezogen haben. Derweil überlegt man im Pentagon, wie man auch sie ohne eigene Verluste am besten auslöschen könnte. Im amerikanischen Fernsehen ABC-NEWS kann daher ein Professor dem US-Militär den Einsatz von Kampfgas empfehlen. Jack Shroder, ein Geographieprofessor an der Universität von Nebraska, der wegen seiner intimen Kenntnisse der afghanischen Höhlen derzeit als Berater des Pentagon fungiert, spricht von zahllosen unterirdischen Verstecken und geheimen Notausgängen, die in von Büschen und Wald bewachsenen Berghängen in der Nähe der Grenze zu Pakistan münden. Als einzige effektive Art, die Leute aus ihren unterirdischen Verstecken herauszutreiben, empfiehlt Prof. Schröder daher dem Pentagon den Einsatz von Gas, denn es sei unwahrscheinlich, daß die unterirdischen Kammern luftdicht gemacht werden könnten. (“Bombs may not reach fighters hunkered deep within caves at Tora Bora”, ABCNEWS, The Associated Press, 11.12.01)

 

Sbg., den 12.11.01