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Regionen und Länder

Bonner Afghanistanabkommen fällt auseinander

(von Rainer Rupp)

 

Die Tinte unter dem mit großen Fanfaren begrüßten UN-Afghanistan-Abkommens vom Bonner Petersberg ist noch nicht recht richtig trocken und schon bestehen etliche der wichtigsten afghanischen Kriegsherren, alle mit einer großen Streitmacht, daß das Abkommen neu verhandelt wird. Gestern (Dienstag) wurde der UNO-Sondergesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, in Kabul erwartet, um dort die zunehmenden Differenzen auszubügeln. Die Tatsache, daß des Bonner Abkommen auf Betreiben der USA die Macht in Kabul einer Gruppe von jungen, dem Westen wohl gesonnenen, meist fließend englisch sprechenden Anführern der zweiten Kategorie zugeschustert hat, erweist sich nun als schwerer Fehler. Denn die alte Garde der Nordallianz, die in vielen Fällen nach die vor die Fäden der Macht in  der Hand hält, will nicht so ohne weiteres von der Bühne abtreten und verteidigt ihre im Krieg eroberten neuen Pfründe, ebenso wie andere, Bonn überhaupt nicht repräsentierte mächtige Kriegsherren außerhalb der Nordallianz.

 

Der stärkste Streit herrscht allerdings innerhalb der aus fünf Parteien bestehenden Nordallianz. Hauptsächlich geht es dabei um die Verteilung der drei sogenannten Machtministerien: das Verteidigungs-, das Außen- und Innenministerium. Alle drei wurden einer einzigen Partei zugeschanzt, der “Jamiat-e-Islami“ des derzeitigen Präsidenten Burhanuddin Rabbani, der von der UNO-Konferenz in Bonn in einem kalten Coup praktisch abgesetzt wurde. Statt ist der US-Schützling und royalistische Paschtunenfürst Hamid Karzai als nächster Präsident vorgesehen.

 

Trotz anderslautender Berichte, wonach der mächtige usbekisch Kriegsherr Rashid Dostum in Masar-i-Sharif durch eine bedeutende Dollarzuwendung ruhig gestellt worden, hat auch der sich am Montag wieder zu Wort gemeldet. Über Satellitentelephon sagte er AP letzten Montag in einem interview, daß er (noch) nicht vorhätte gegen die neue Regierung in Kabul Krieg zu führen aber er bestand auf Neuverhandlungen über die Machtverteilung. Der wichtigste Schiitenführer, Karim Khalili, der der Hezb-e-Wahadat Partei der Hasars vorsteht, hat ebenfalls erklärt, daß er zwar keinen Krieg gegen die Regierung führen wird aber das neue Regime auch nicht unterstützen wird. Und in Westafghanistan beschwert sich der mächtige Stammesfürst Ismail Khan über das Bonn-Abkommen, weil er fünf Provinzen kontrolliert aber nicht in der Regierung in Kabul vertreten ist. Schon gibt es unter westlichen Diplomaten Gerüchte, daß die Kriegsherren Khalili, Khan and Dostum insgeheim gegen die neue Regierung intrigieren und ihre Kräfte zusammen tun. ("Backtrack Seen On Afghan Pact”, CBS from KABUL, Afghanistan, Dec. 10, 2001) Als besonders gefährlich werden Berichte aus dem Norden gewertet. Dort soll General Dostum Talibankämpfern, die kapituliert haben, ihre Waffen zurückgeben, nachdem sie ihm Gefolgschaft geschworen haben. Kein guten Aussichten für ein friedliches Afghanistan.

 

Um in dieser kritischen Lage die westfreundliche, in Bonn geschaffene, neue afghanische Übergangsregierung zu schützen soll möglichst schnell eine mit dem Segen der UNO ausgestattete aber nicht unter ihrer Kontrolle stehende, hauptsächlich aus NATO-Soldaten bestehende und von Briten geführte Stabilisierungstruppe nach Kabul verlegt werden. Sowohl die Briten als auch die Deutschen drängen auf ein „robustes Mandat“ für die Truppe. Diese Hoffnungen wurden von General Muhammad Fahim, dem Verteidigungsminister in der Übergangsregierung zunichte gemacht, als er am Montag britischen Offizieren klar machte, daß die avisierte Truppe lediglich als Objektschutz für einige Gebäude, wo sich die neue Regierung in der Hauptstadt trifft, fungieren könnte. Deshalb würden auch nicht Tausende von ausländischen Soldaten sondern nur Hunderte benötigt. Im Rest der Hauptstadt würden eigene Soldaten für die Sicherheit sorgen. (“British troops' duties in Kabul to be restricted, BY MICHAEL EVANS, DEFENCE EDITOR, The Times , TUESDAY DECEMBER 11 2001)

 

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Zuletzt geändert: 09.07.2006