Regionen und Länder

Globaler Rundumschlag der US-Militaristen

(Von Rainer Rupp)

 

Der Krieg in Afghanistan ist noch nicht zu Ende und schon sieht sich die Bush-Regierung nach weiteren Ländern um, die sie bombardieren könnte. Unter Berufung auf hochrangige Quellen veröffentlichte zum Wochenende die Los Angeles Times die “ Bomben- Hit- Liste” der US-Regierung für die zweite Phase des „Krieges gegen den Terrorismus“, wie der derzeitige blindwütige militärische US-Rundumschlag genannt wird. Gemäß L.A. Times haben die US-Nachrichtendienste eine detaillierte Liste mit sogenannten “Terror-Zielen” rund um den Globus erstellt. (“Battlefield Clues Key to Bush's Next Step”, By BOB DROGIN and PAUL WATSON, LA-TIMES, 9.12.01) So berichtete der britische Guardian gestern von diskreten Razzien der US-Special Forces gegen Al-Kaida Zellen auf dem Balkan. Im muslimisch kontrollierten Teil Bosniens seien über ein Dutzend Verdächtige gefangen genommen worden. Auch in den Philippinen ist in den letzten Tagen ein Voraustrupp von 15 amerikanischen Soldaten angekommen. Mit massiver US-Luft- und Seeunterstützung soll die philippinische Regierung in die Lage versetzt werden, die separatistischen muslimischen Rebellen ausrotten, die einige entlegene Inselgruppen kontrollieren.

 

Als US-Ziele auf der Hitliste gelten auch angebliche Ausbildungslager für Terroristen in der indonesischen Provinz Aceh (ein sezessionistischer Teil der indonesischen Insel Sumatra), in der Hadramawt-Region im Jemen ebenso wie in Ras Komboni, eine Region in Süd-Somalia in der Nähe der Grenze zu Kenia. Angeblich wurden die Terrorbasen auf der „Hit-Liste“ auf Grund der Aussagen von gefangenen Kämpfern und deren Papieren erstellt. Um die Regierungen der entsprechenden Länder zum gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen die angeblichen Terroristen dazu zu bewegen, benutzt Washington weiterhin die bereits hinlänglich bekannten Erpressung: Wer die USA im Kampf gegen die Terroristen nicht unterstützt ist selbst ein Terrorist und wir entsprechend behandelt. Während diese diplomatische Gangstermethode der USA die meisten Regierungen in die Knie zwingt, stellt sich dieses Problem in Somalia überhaupt nicht erst, denn dort gibt es seit dem Bürgerkrieg keinerlei zentrale Regierungsstrukturen mehr.

 

Walter Kansteiner, stellv. US-Außenminister für afrikanische Angelegenheiten, behauptete sogar letzten Freitag, daß Leute mit engen Verbindungen zu Osama bin Laden Teil einer Gruppe sei, die derzeit in der somalischen Hauptstadt Mogadischu versuchte, die Regierungsmacht zu übernehmen. („Terror hit list drawn up by US“, Matthew Engel in Washington, The Guardian, Monday December 10, 2001) Daher mehren sich die Anzeichen, daß die US-Regierung erneut direkt im Sudan zu intervenieren gedenkt, zumal aus amerikanischer Sicht dort noch eine Rechnung zu begleichen ist. Nicht vergessen ist, daß sich die USA während ihrer letzten Militärintervention in Somalia eine blutige Nase geholt haben. Nachdem lokale Kämpfer über ein Dutzend amerikanischer Elitesoldaten getötet und anschließend vor den Fernsehkameras der westlichen Welt nackt durch die Straßen der Hauptstadt geschleift hatten, wuchs der politische Druck zu Hause derart, daß sich das US-Militär aus Somalien zurück ziehen musste. Unter Berufung auf Somalia-Kenner und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichtete die britische Tageszeitung the Guardian gestern dagegen, daß das Ausbildungslager bei Ras Komboni längst nicht mehr benutzt wird.

 

Unverändert richtet sich aber die Hauptstoßrichtung der nächsten größeren US-Militärintervention weiterhin gegen Irak. Nachdem sich letzte Woche zehn führende Vertreter der Republikaner und Demokraten im US-Kongreß in einem Brief an US-Präsident Bush ebenfalls für einen Krieg gegen Irak ausgesprochen hatten, forderte gestern der US-Vizepräsident Dick Cheney in einem Fernseh-Interview ebenfalls einen Angriff auf das Land, denn die Beweise seien „ziemlich eindeutig“, daß Präsident Saddam Hussein Terroristen beherberge und über ein „robustes Programm zum Bau von chemischen und biologischen Waffen verfüge, die er auch bereit sei einzusetzen. Die Warnungen international bekannter amerikanischer Irak-Kenner, sowohl von Scott Ritter, ein ehem. Offizier der US-Marines und Leiter eines UN-Waffenkontrollteams mit 30 Einsätzen im Irak, als auch von Edward Peck, dem ehem. US-Botschafter in Bagdad während der Carter-Regierung, die jegliche Verwicklung Iraks in die Terroranschläge vom 11. September bestreiten und auch keine Gefahr vom Irak ausgehen sehen, können offensichtlich nichts gegen den massiven Kriegswillen der US-Regierung anhaben. (“U.S. experts on Iraq warn of new Vietnam”, Claude Salhani, The Washington Times Published 12/8/2001)

 

Sbg. den 10.12.01