Regionen und Länder

 

Generalunternehmer CIA vergab Folteraufträge.

(von Rainer Rupp)

 

Daß die CIA als Resultat der nationalistischen Kriegshysterie in Folge der Terroranschläge vom 11. Sept. per Beschluß des US-amerikanischen Kongresses wieder straflos im Ausland foltern und morden darf, ist bereits hinlänglich bekannt. Aber auch während der Zeiten der offiziellen Mord-, Kidnapping- und Folterverbote hatte die CIA ihre verbrecherischen Operationen nicht eingestellt. Ebenso, wie nun die US-amerikanische Justiz des Terrorismus verdächtige, ausländische Gefangene an befreundete Folterstaaten zwecks Erpressung von Geständnissen ausliefert, und dort auch hinrichten lässt, so hat die CIA in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich ihre blutigen Aufträge an befreundete Geheimdienste übertragen, etwa so wie ein Generalunternehmer bestimmte Aufgaben an seine Subunternehmer vergibt. Dies geht aus einem Artikel hervor, der letzten Freitag in dem „Zentralorgan“ der amerikanischen Hochfinanz, im Wallstreet Journal erschien. (“CIA operation had torture links, By ANDREW HIGGINS and CHRISTOPHER COOPER, The Wall Street Journal, Friday, November 23, 2001) Das Journal, das über jeglichen Verdacht der Linkslastigkeit erhaben ist, schildert in einem ausführlichen Artikel den schmutzigen Krieg, den die CIA während der 90er Jahre mit Hilfe von anderen Geheimdiensten als Stellvertretern im albanischen Untergrund gegen islamische Fundamentalisten und mögliche Al Kaida Mitglieder geführt hat.

 

“Als Ahmed Osman Saleh im Juli 1998 in der albanischen Hauptstadt aus einem Minibus/Taxi stieg, sollte er für die nächsten drei Tage das Tageslicht nicht mehr erblicken. Während Saleh den Fahrer bezahlte streifte ein albanischer Geheimagent ihm einen weißen Stoffsack über den Kopf, fesselte ihn mit Platikstreifen und stieß in ein Auto. Kontrolliert wurde die ganze Operation von amerikanischen CIA-Agenten, die das Geschehen von einem in der Nähe geparkten Wagen aus beobachteten. Saleh's albanische Entführer rasten zu einer still gelegten Luftwaffenbasis im Norden Tiranas. Dort wurde nach Aussage eines alabnischen Geheimdienstmannes, der an der Operation beteiligt war, der bärtige und sich selbst als Terrorist bezeichnende Saleh in einem fensterlosen Waschraum auf den Boden geworfen. Nach einem zwei Tage langen Verhör durch die CIA, das nur durch sporadische Brutalitäten der albanischen Wächter unterbrochen wurde, verfrachtete die CIA Saleh mit einem gecharterten Flugzeug nach Kairo.“ Mit dieser Schilderung beginnt der Artikel im Wallstreet Journal.

 

Im Gefängnis in Ägypten sei Saleh dann das Opfer schwerer „Mißhandlungen und Folter“ durch die ägyptische Staatsschutzpolizei gewesen, der es im September 1998 gelang, ein umfassendes Geständnis von ihm zu erpressen, das an die CIA-Beobachter weiter gegeben wurde. 18 Monate nachdem er im albanischen Tirana entführt worden war und nach vielen weiteren Misshandlungen und Folterungen sei Saleh schließlich in einem Gefängnishof in Kairo gehängt worden.

 

Salehs Entführung sei nur eine von fünf weiteren derartigen Operationen in Albanien gewesen, die von amerikanischen Agenten entworfen und kontrolliert worden seien. Im Verlauf dieser Operationen seien im Jahre 1998 etliche Mitglieder der militant-fundamentalistischen Organisation „Ägyptischer Jihad“ vom Balkan nach Kairo entführt worden. Diese Operationen seien vor dem Hintergrund der Vereinigung des “Ägyptischen Jihad” mit Bin Ladens „Al Kaida Netzwerk“ gelaufen, die zu diesem Zeitpunkt statt gefunden habe. US-amerikanische Behörden hätten die Al-Kaida-Zelle in Tirana für eine der gefährlichsten, anti-amerikanischen Terrorgruppen in Europa gehalten. Die Darstellungen in dem Artikel des Journal werden von Fatos Klosi, dem Chef des albanischen Geheimdienstes SHIK bestätigt. Albanien habe der CIA in der Vergangenheit als “Labor für Anti-Terror-Taktiken gedient, die in anderen Ländern Westeuropas abgelehnt werden, die sich z.B. weigern, der CIA zu viel Freiraum zu geben oder Verdächtige in Länder auszuweisen, in denen es die Todesstrafe gibt”, heißt es im Journal.

 

 

Die CIA hat diese Operation von 1998 auf dem Balkan offiziell nie bestätigt. Inoffiziell aber rühmen US-Regierungsbeamte – so das Wallstreet Journal - die Entführungen als „eine der erfolgreichsten anti-Terroroperationen in den Annalen der CIA“. So hätten z.B. die Verhöre der fünf Zellenmitglieder aus Tirana durch die ägyptischen Folterknechte 20.000 Seiten Geständnisse erbracht. Offensichtlich seien die Geständnisse mit Gewalt erpresst worden, „was insbesondere die Selbstbeschuldigungen der Angeklagten in Zweifel zieht“, merkt das Wallstreet Journal an.

 

Shawki Salama Attiya, einer der fünf Entführten hatte vor seiner Hinrichtung die Gelegenheit seinem Rechtsanwalt Hafez Abu-Saada zu erzählen, was mit ihm während der Verhöre angestellt wurde. “Elektroschocks an seinen Genitalien, an seinen Gliedern aufgehängt, mit dem Gesicht wurde er über den Boden gezogen und er mußte Stunden lang bis zu den Knien in einer Fäkalienbrühe stehen“. Bei einem anderen Gefangenen mit dem Namen Naggar waren die Spuren der Folter offensichtlich. Neben den anderen Misshandlungen, die er erdulden musste, hatten Sadisten im Polizeidienst ihm auch noch die Gesichtknochen gebrochene. "Sie haben mein Gesicht verändert”, klagte er während des Prozesses in Kairo. Zugleich zitiert das Journal den Pressesprecher der CIA, Bill Harlow, der jede Unterstellung, daß "die CIA entweder an Folterungen teilnimmt oder diese für gut heißt“ als absolut falsch zurückweist.

 

Am 5. August 1998, als die CIA-Operation in Albanien so gut wie beendet war, wurde in einer in London publizierten, arabischen Zeitung ein Brief veröffentlicht, der von der „Internationalen Islamischen Front für den Jihad“ unterzeichnet war. Der Brief versprach den Amerikanern Rache für das, was sie in Albanien getan hatten und zwar „in einer Sprache, die sie verstehen“. Zwei Tage später fanden die Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia and Tansania statt, bei denen 224 Menschen starben.

 

Der Prozeß gegen die aus Tirana entführten Jihad-Mitglieder fand 1999 in Kairo vor einem Militärgericht statt, zusammen mit einer Reihe von anderen meist lokal aufgegriffenen Verdächtigen. Insgesamt waren 107 Menschen angeklagt. Naggar and Saleh wurden gemeinsam mit anderen zum Tode verurteilt und im February 2000 gehängt. Attiya wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Vor Militärgerichten gibt es keine Berufung. Auf den Vorwurf der massiven Folterungen angesprochen erklärte der Pressesprecher des ägyptischen Präsidenten Nabil Osman, lapidar „Vergessen sie doch die Menschenrechte für eine Weile. Wir müssen die Sicherheit der Mehrheit schützen“.

Sbg., den 28.11.01