Regionen und Länder

USA fordert NATO-Vorbereitung auf nächsten Krieg

(von Rainer Rupp)

 

Beim alljährlichen Winter-Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel gab es nichts sensationell Neues. Wie zu erwarten, nutzte der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld die Gunst der Stunde und versuchte seine europäischen Kollegen auf die „Planung des Kampfes gegen das Unerwartete“ einzuschwören, wobei selbstredend Washington die Definitionshoheit darüber hat, wie den jeweiligen amerikanisch Interessen entsprechend, „Das Unerwartete“ definiert wird. Rumsfeld führte weiter aus, daß das, was die westliche Öffentlichkeit zuvor bestenfalls als abstrakte Bedrohung wahrgenommen habe, seit dem 11. September plötzlich für alle zu einer realen Gefahr geworden sei. Damit die Angstmache auch bei der europäischen Öffentlichkeit so richtig zur Geltung kommt, malte Rumsfeld anschließend Bilder der Verwüstung aus, als „er sich die Zerstörung vorstellte, die nukleare, chemische und biologische Waffen in New York oder London oder Paris oder Berlin verursachen würden.“ (“Rumsfeld asks NATO to wide fight against Terror”, by Tom Shanker, NYT, 19.12.01)

 

Um diesen Horrorvisionen vorzubeugen müsste der globale Krieg gegen den Terrorismus auch wirklich global werden und entsprechend ausgeweitet werden, weshalb Rumsfeld die NATO-Verbündeten aufforderte, „sich für den nächsten Krieg vorzubereiten“. Gegen welches Land sich dieser nächste Krieg richten wir, darüber ließ sich Rumsfeld jedoch nicht aus und er rügte nach der Tagung einen vorlauten deutschen NATO-Diplomaten, der nur das nachgeplaudert hatte, was am Rande der Tagung bereits alle Nachrichtenagenturen von den Dächern gepfiffen hatten, daß ein Angriff auf Somalia ganz oben auf der Kriegsliste der westlichen Wertegesellschaft stünde.

 

Statt sich auf ein bestimmtes Land fest zu legen, umschrieb US-Verteidigungsminister Rumsfeld die nächsten Ziele wie folgt: ersten, alle Länder die direkt oder indirekt Bin Laden und Al-Kaida oder andere anti-amerikanische Terrorgruppen unterstützen, und zweitens, alle Länder, die Programme zur Herstellung von chemischen, biologischen und atomaren Waffen und ihrer Trägersystem unterhalten oder planen. Auch auf Fragen von Journalisten ließ sich Rumsfeld nicht zur Nennung Iraks verleiten. Auf den Hinweis, daß sowohl die meisten der NATO-Verbündeten als auch der anderen Alliierten im „Krieg gegen den Terrorismus“ gegen einen Krieg gegen Irak sind, gab er zu Antwort, daß die jeweilige Koalition zur Verfolgung von Schuldigen durch die Mission bestimmt werde und nicht umgekehrt. Mit anderen Worten: er gab den NATO-Mitgliedern zu verstehen, daß die USA nicht daran denken sich von der NATO die Hände binden zu lassen und daß Washington auch nicht interessiert ist, ob nun alle NATO-Mitglieder bei nächsten Krieg an Bord sind oder nicht. Die US-Regierung wird sich je nach ihrer Interessenlage jeweils wechselnde Koalition gegen bestimmte Gegner zurecht basteln. Bei so viel amerikanischer Arroganz befleißigte sich der britische NATO-Generalsekretär Lord Robertson natürlich sofort, seine früheren, auch laut geäußerten Bedenken gegen einen neuen US-Krieg gegen Irak über Bord zu werfen und seinem amerikanischen Herren Rumsfeld penetrant nachzuplappern. „In einer sich verändernden Welt gibt es einen Bonus für politische und militärische Gelenkigkeit“, sagte er und forderte die anwesenden Verteidigungsminister auf, „auf die neuen Herausfordeungen entsperchend zu antworten“, was im Klartext eine Aufforderung ist, sich vor den Karren der weltumspannenden neuen amerikanischen Kriege spannen zu lassen.

 

Da das Militär dazu da ist. „zu kämpfen und Krieg zu gewinnen“ – so Rumsfeld – will der amerikanische Verteidigungsminister in Übereinstimmung mit seinem Präsidenten Bush verhindern, daß „wertvolle NATO-Kampftruppen“ weiterhin auf dem Balkan „Polizeiarbeit“ leisten, „während sie im Krieg gegen den Terrorismus für dringende Aufgaben gebraucht werden. Zwar schloß Rumsfeld weiterhin einen einseitigen Rückzug der USA aus dem Balkan aus, aber die amerikanische Truppenstärke von derzeit 3100 Mann in Bosnien sollen schon bald deutlich reduziert und die Lasten dort an die Europäer verteilt werden.

 

Sbg. den 20.12.01