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Regionen und Länder

Terroropfer unter sich

(von Rainer Rupp)

 

Gestern trafen amerikanische Opfer der Terroranschläge vom 11. September in Kabul zivile afghanische Opfer des bereits über Hundert Tage dauernden amerikanischen Bombenterrors gegen das geschundene Land. So erfuhr z.B. die 70 Jahre alte Amerikanerin Rita Lasar, deren Bruder im World Trade Center umgekommen ist, von der 36 Jahre alten, immer noch schwer verletzten Afghanin Najiba Shakar Pardes, wie ihr Haus von einer amerikanischen Bombe zerstört wurde. Sie wurde sie unter dem Schutt begraben und ihre drei ebenfalls anwesenden Kinder überlebten wie durch ein Wunder. Beide Frauen stützten sich gegenseitig und konnten ihre Emotionen nicht länger zurückhalten. Während im Hintergrund die Fernsehkameras surrten. Als beide Frauen weinten wurde das Unbehagen der anwesenden amerikanischen Diplomaten schier unerträglich, meldete der Korrespondent einer britischen Zeitung. Die Sorgen der amerikanischen Diplomatie sind verständlich, hatte sie doch bisher erfolgreich darauf geachtet, daß Photos von sogenannten menschlichen „Kollateralschäden“ der US-Bombenangriffe aus den US-Medien verbannt blieben.

 

Kein Wunder, daß die Nachricht von den Besuchsabsichten von vier amerikanischen WTC-Opfern in Kabul die “Kriegspatrioten” in Gottes eigenem Land auf die Barrikaden getrieben hatte. Aber trotz aller regierungsnahen Intrigen konnte der von der „radikalen“ Menschenrechtsorganisation „Global Exchange” organisierte Flug nach Kabul nicht mehr gestoppt werden. Vor Ort erklärten wo die Besucher ihren afghanischen Gastgebern, daß sie gekommen sind, um sich für das schreckliche Unrecht zu entschuldigen, das ihr Land, die USA, den Afghanen angetan hat. Für die Kriegstreiber in Washington hätte es nicht schlimmer kommen können, denn Berichten aus Kabul zufolge soll das internationale Medieninteresse an der Global Exchange Gruppe enorm sein, weshalb sie auch vom afghanischen Interimpräsidenten Hamid Karzai, dem in Kabul zu Besuch weilenden US-Aussenminister Powell und einer Reihe von ebenfalls eingeflogenen Mitgliedern des amerikanischen Kongresses empfangen werden sollen.

 

Daß dies ausgerechnet jetzt geschieht, wo man sich bereits auf die nächste Phase im globalen Kriegs gegen den Terror mit Angriffsplänen gegen weitere Länder vorbereitet, kommt Washington äußerst ungelegen. Aber noch ist nichts verloren. Die Frage, ob die aufrührenden und herzergreifenden Bilder über das Treffen der New Yorker Terroropfer mit den zivilen afghanischen Opfer des amerikanischen Bombenterrors tatsächlich über die heimischen Bildschirme flimmern werden, – auch in Deutschland - wird ein deutliches Indiz dafür sein, wie sehr unsere „unabhängigen“ Medien bereits zur vierten Waffengattung der globalen Kriegspartei geworden sind.

Sbg. den 16.1.02

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Zuletzt geändert: 09.07.2006