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Neta Golan - Portrait

(von Rainer Rupp)

Seit 1967 haben etwa 3.000, meist aus den USA stammende, fundamentalistisch zionistische Siedler mit kaum zu beschreibender Brutalität und mit Unterstützung der israelischen Armee den Palästinensern ungefähr 40% ihres Bodens im Gaza-Streifen geraubt. Inzwischen leben 1,2 Million Palästinenser eingepfercht auf den verbliebenen 60% ihres Landes. Dieser Landraub wurde auch nicht durch das Abkommen von Oslo gebremst, sondern er ging – von der Regierung und dem größten Teil der Bevölkerung Israels wohlwollend verfolgt - unaufhaltsame weiter. Lediglich einige kleine aber um so mutigere Gruppen israelisch-jüdischer Bürgerinnen und Bürger kämpfen offen gegen dieses himmelschreiende Unrecht an.

 

Eine dieser couragierten Frauen ist Neta Golan, die – nach ihren eigenen Worten - «ihre privilegierte jüdische Haut» dafür einsetzt, ihre palästinensischen Mitmenschen vor israelischem Staatsterror und faschistoiden, schießwütigen Siedlern zu schützen. So berichtete die Londoner Times, wie sie sich ganz bewusst in die Schusslinie zwischen den jüdischen Schützen in der Siedlung auf der Anhöhe und den palästinischen Bauern des 3.500 Einwohner zählenden Dorfes Hares gestellt hat, um Bauern zu ermöglichen, unterhalb der Siedlung ihre Oliven zu pflücken. Für ihren Einsatz für das Menschenrecht der Palästinenser ist Neta Golan schon öfters von Siedlern und israelischen Sicherheitskräften verprügelt und mit dem Tode bedroht worden.

 

Im ihrem gerechten Kampf für die Menschlichkeit machen Neta Golan und ihre wenigen Kolleginnen und Kollegen jedoch unbeirrt weiter. Ihr kürzlich veröffentlichter Bericht, wie Frau Golan in einem israelischen Soldaten den Killer Mohammeds erkennt, den Mörder eines 15 jährigen, geistig etwas zurück gebliebenen palästinensischen Kindes aus Hares, dessen sie sich besonders angenommen hatte, ist ein erschütterndes Dokument über die menschenverachtende Politik der israelischen Regierung., das die „junge Welt“ mit freundlicher Genehmigung von „Media Monitors“ nachfolgend in deutscher Übersetzung bringt.                  Sbg. den 13.1.02

 

Mohammeds Mörder

(Von Neta Golan – Aus dem Englischen übersetzt von Rainer Rupp)

Ich hatte den Tag mit den Dorfbewohnern von Dir Istiya verbracht. Wir hatten Bäume auf dem Land gepflanzt, auf das die (zionistischen, Anm. RR) Siedler von Yakir schon lange ein begehrliches Auge geworfen haben. Ich war auf dem Weg nach Hause.

 

Zwei Soldaten erkannten mich und fragten auf hebräisch: "Neta, wie geht es Ihnen?

Für sie war ich eine Kuriosität. "Du glaubst nicht, mit wem wir gerade sprechen“, sagte einer der beiden in sein Mobiltelephon. "Die Neta von <Frieden Jetzt>" (Ich bin zwar nicht von der Organisation <Frieden Jetzt>, aber etwas was noch weiter links ist als <Frieden jetzt> konnten sie die beiden scheinbar nicht mehr vorstellen).

 

Wir unterhielten uns. Bis auf einmal einer der Soldaten sagte: „Wenn ich einen Terroristen sehe, wie er in seinem eigenen Blut auf dem Boden liegt, dann gibt mir das richtig Appetit". Er zögerte, bevor er fortfuhr. Offensichtlich wollte er mir etwas mitteilen, auf das er stolz war.

 

"Vor einiger Zeit in Hares (ein palästinensisches Dorf in der Nähe, Anm. RR) wollte doch jemand einen riesigen Felsbrocken auf mich werfen. Weißt Du, was ich getan habe?“ fragte er.

"Du hast ihn erschossen."

 

"Genau“, sagte er und lächelte selbstzufrieden.

 

Ich kenne die zwei Kinder und den jungen Mann und Vater, die im Laufe der letzten fünfzehn Monate durch israelische Soldaten in Hares ermordet wurden. Deshalb fragte ich ihn, an welchem Tag das passiert war? Auf Grund seiner Antwort wurde mir auf einmal klar, daß der Soldat, der da vor mir stand, der Mörder meines Freundes Mohammed Daud war.

 

"Laß mich erklären, wen Du da umgebracht hast“, sagte ich.

„Das interessiert mich nicht die Bohne.

"Ich weiß, daß Dir das egal ist, aber ich will, daß Du trotzdem weißt, wen Du da umgebracht hast. Sein Name war Mohammed Daud. Er war fünfzehn Jahre alt und geistig zurück geblieben. Und ich hatte ihn sehr. sehr lieb.“

 

Ich erzählte ihm alles, was mir über Mohamed und seine Familie einfiel. Er wollte nichts davon wissen. "Ich weiß, wo er gestanden hatte“, sagte ich. „Ich habe sein Blut auf dem Boden gesehen. Von da, wo er gestanden hat, kann er Dich unmöglich mit einem Stein getroffen haben. Das war viel zu weit weg. Und schon gar nicht mit einem dicken Felsbrocken. "

 

"Du warst nicht dabei“. Er schrie mich jetzt an.

„OKAY. Aber Du warst dabei. Also, dann erzähl mir, wie es war. Wie weit konnte er diesen Felsbrocken geworfen haben?“Wie weit, denkst Du, hat er diesen Felsbrocken werfen können? Drei Meter? 10 Meter? Selbst wenn wir annehmen, daß es menschenmöglich ist, den Brocken 100 Meter weit zu werfen, kann er Dich nicht getroffen haben. Du hast über 300 Meter von ihm weg gestanden.“

"Du warst nicht dabei"

"Das stimmt, ich war nicht dabei. Aber Du warst da. Deshalb erkläre mir doch bitte, wie weit Du von ihm entfernt warst, als Du ihn ermordet hast?“

Er versuchte immer wieder, mich zu stoppen. Das war alles, was ich tun konnte. Und die Tatsache, daß er mich stoppen wollte, war der einzige Hinweis darauf, daß irgendwo, tief im Inneren dieses jungen Mannes vielleicht doch noch ein Stück Menschlichkeit vorhanden war.

Nachdem sie weg waren, hatte ich zum Glück einige Freunde bei mir, der mich fest hielt, als ich weinte.

Das Treffen mit seinem Mörder öffnete wieder die Wunde, die der Verlust meines Freundes hinterlassen hatte, eine Wunde, die nie heilen würde. Mir wurde klar, wenn überhaupt ein Mensch böse war, dann war es dieser Soldat, mit dem ich gerade gesprochen hatte. Aber auch er war nur ein Junge, ein dummer, unwissender Junge, dem man nie die Macht über Leben und Tod hätte geben dürfen.

 

Er hätte niemals seinen Fuß in irgendein (palästinensisches) Dorf setzen dürfen, nie eine Gewehr in die Hand gedrückt bekommen. Aber junge Soldaten, von denen viele so sind, wie Mohammeds Mörder, kontrollieren jeden Aspekt der Lebens von Millionen von Palästinensern in den besetzten Gebieten. Unwissende Jungen wie sie haben die Macht über Leben und Tod der Palästinenser, egal ob jung oder alt. Das kann und darf nicht so weiter gehen. Um dieses Unrecht zu stoppen, brauchen wir Hilfe.

Helft uns.

 

Wer mit Neta Golan in Verbindung treten möchte, ihre e-mail Adresse ist: neta_golan@hotmail.com

Sbg.,  den 13.1.02

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Zuletzt geändert: 09.07.2006