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US-General: Deutsche Soldaten bei Kampfeinsätzen in Afghanistan beteiligt

(Von Rainer Rupp)

 

Vor der neu eröffneten US-Botschaft in Kabul sei in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag letzte Woche eine schwere Bombe explodiert, meldete gestern die seriöse britische Tageszeitung “The Guardian” unter Berufung auf britische Quellen vor Ort. Damit habe der Es sei der erste Anschlag gegen die zunehmende internationale Präsenz in der afghanischen Hauptstadt gewesen. Allerdings sei niemand verletzt worden. Als US-Wachmannschaften am nächsten Morgen das festungsartige Gebäude der Botschaft verließen, um den Grund der Explosion zu inspizieren, hätten sie um die Botschaft herum eine Reihe von Sprengfallen entdeckt, die sie entschärft hätten. (“Bomb goes off at American embassy”, Helicopter crash and warnings of attack on a major installation add to the air of menace in Kabul, Ian Traynor in Kabul, The Guardian, Monday January 21, 2002) Bereits letzte Woche war ein vom US-Stützpunkt Kandahar startendes amerikanisches Flugzeug unter Beschuß gekommen. Auch hatten US-Soldaten dort außerhalb ihres Camps ein offensichtlich neu angelegtes Waffenversteck mit Minen und Explosivstoffen, das bei früheren Kontrollgängen noch nicht da war.

 

Die Warnungen westlicher Diplomaten, Vertretern der UNO und verschiedener Hilfsorganisationen vor einem bereits in den nächsten Tagen erwarteten Angriff auf eine bedeutende Einrichtung in Kabul tragen derzeit nicht zum Abbau der allgemeinen Verunsicherung vor Ort bei. Auch Verteidigungsminister Scharping hat am Sonntag in Berlin die Warnung wiederholte. So war das mittlerweile vollständige, fast 300 Mann starke deutsche Vorauskommandos am Wochenende mit dem Ausheben von Schützengräben und der Befestigung ihrer Unterkünfte gegen mögliche motorisierte Selbstmordattentäter beschäftigt. Am gleichen Wochenende starben zwei US-Marines beim Absturz ihres Hubschraubers in den Bergen südöstlich von Kabul. Fünf weitere Marines wurden verletzt davon zwei schwer. Berichte, daß der Hubschrauber abgeschossen wurde, hat das Pentagon verneint und auf einen angeblichen mechanischen Fehler. Dagegen berichten Korrespondenten vor Ort, daß westliche Fugzeuge und Hubschrauber beim Start und Landeanflug sogenannte „Flares“ ausstoßen, die dazu benutzt werden, um hitzesuchende Flugzeugabwehrraketen von ihrem Ziel abzulenken.

 

Die vielen Warnungen von bevorstehenden Angriffen, die Bombe vor der US-Botschaft und der Hubschrauberabsturz haben sicherlich nicht dazu beigetragen, das in Kabul vorherrschende Gefühl der Bedrohung und Unsicherheit zu beruhigen. Zugleich wurde bekannt, daß die Vereinten Nationen einen Plan zur Blitz-Evakuierung ihres gesamten Personals aus Afghanistan ausgearbeitet haben. Nach Einschätzung von UN-Mitarbeitern habe sich die Sicherheitslage in Kabul letzte Woche weiterhin verschlechtert. Daran hätten auch die Patrouillen der ISFA-Truppe, (der Internationalen Stabilisierungstruppe für Afghanistan) nichts geändert, denn dies würden auf den Straßen kaum in Erscheinung treten. Ohnehin floriere in Kabul wieder das Verbrechen. Der Korrespondent der konservativen britischen Tageszeitung „The Telgraph“ in Kabul berichtete jetzt, daß in den letzten Wochen in Kabul über 80 Menschen bei Raubüberfällen ermordet worden sind. (“Soaring crime has Afghans in the grip of fear”, By Alex Spillius in Kabul, The Telegraph, Filed: 20/01/2002)  Das unter den Taliban so gut wie verbrechensfreie Kabul sei zur einem Paradies für Gangster aller Art geworden, während die Polizeioffiziere aus der Zeit vor den Taliban lediglich damit beschäftigt seien, ihre alten lukrativen Positionen wieder zu bekommen und mit Hilfe aller möglicher Intrigen zu sichern. Obwohl die Polizei in Kabul seit Monaten nicht bezahlt wurde, sei der Job eines Polizisten wegen der zum Lohn hinzu gezählten Bestechungs- und Schutzgelder äußerst attraktiv.

Derweil wurde bei der internationalen Geberkonferenz in Tokio am Wochenende Afghanistan eine Finanzhilfe in Höhe von rund 1,5 Milliarden Dollar versprochen. Zuvor hatte der Chef der Übergangsregierung von Amerikas Gnaden, Hamid Karsai, die Verterter von rund 60 Staaten gewarnte, daß Afghanistan wieder ins Taumeln zu geraten drohe. Die Finanzzusagen müssten schnell erfüllt werden. Dahinter steht die Überlegung, daß nur wenn die neue Regierung in Kabul über die notwendigen Milliarden verfügt, werden sich die regionalen Kriegsherren unterordnen, um so auch etwa aus dem großen Topf zu bekommen. Wie schnell und wie viel von den Finanzversprechen tatsächlich war gemacht werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Das Bespiel Serbien, dessen neuem Ministerpräsidenten Djinjic für die Unterwerfung unter westliche Politikziele ebenfalls Milliarden für den Wiederaufbau versprochen worden waren, der aber letztlich doch nur Millionen bekam, lässt nicht hoffen.

In Afghanistan geht derweil die Jagd nach Bin Laden und Mullah Omar und Anhänger mit kleinen Spezialeinheiten weiter. An diesen Kampfeinsätzen seien auch, entgegen anders lautender Versicherungen der Regierung Schröder, auch deutsche Kampfeinheiten beteiligt, so die New York Times von gestern. Sie bezieht sich auf eine Pressekonferenz des US-Oberbefehlshabers für Afghanistan, General Tommy Franks, vom letzten Freitag, wonach “amerikanische und alliierte Truppen, einschließlich Spezialeinheiten aus der Türkei, Großbritannien und Deutschland ihre Suche nun auf weniger als ein Duzend Gebiete eingeschränkt haben.“ (“2 Marines Killed and 5 Injured as Helicopter Crashes Near Base”, By MARK LANDLER, NYT, January 21, 2002)

 

Sbg. den 21.1.02

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Zuletzt geändert: 09.07.2006