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Teheran im US-amerikanischen Schwitzkasten
Obwohl Iran sich kooperativ im »Antiterrorkrieg« zeigte, gehört es nun zu Bushs »Achse des Bösen«

Von Rainer Rupp

 

Obwohl sich Iran im Kampf gegen die Taleban durchaus willig zeigte, hat USA-Präsident Bush das Land nunmehr der »Achse des Bösen« zugeordnet.  
Überrascht hat Bushs Bannstrahl viele diplomatischen Beobachter. Denn Irans Regierung unter Führung des als gemäßigt geltenden Präsidenten Khatami hat sich gegenüber Washington bereits erstaunlich kooperativ gezeigt. Schon vor den US-Angriffen auf Afghanistan hatten sich hochrangige Regierungsvertreter beider Seiten getroffen, wobei Washington Teheran für ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen die Taleban gewinnen wollte.
Der Ausgangspunkt war die Tatsache, dass es drei Jahre zuvor fast zu einem Krieg zwischen Iran und Afghanistan gekommen wäre. Die Regierung des hauptsächlich schiitischen Iran hatte bereits 200000 gefechtsbereite Soldaten an die Grenze zu Afghanistan verlegt, nachdem fanatisierte Taleban-Gruppen Massaker unter der schiitisch-afghanischen Minderheit angerichtet hatten. Taleban hatten die iranische Botschaft gestürmt und neun Diplomaten ermordet. Folglich – so die Überlegung im Washingtoner Außenministerium – müsste es möglich sein, eine gemeinsame Grundlage für eine Unterstützung der USA-Operationen durch Teheran zu finden. In der Tat zeigte sich Teheran denn auch zu einer begrenzten Zusammenarbeit, zum Beispiel bei der Suche und Rettung abgestürzter USA-Piloten, bereit. Teheran erlaubte auch USA-Schiffen, ihre für Afghanistan bestimmte Fracht in iranischen Häfen zu entladen, von wo sie per Lkw quer durch Iran nach Afghanistan befördert wurden.
Eine weitergehende Zusammenarbeit oder gemeinsame militärische Operationen gegen Taleban oder Al Qaida scheiterten jedoch am Widerspruch der in Iran immer noch sehr starken Fraktion, die in den USA nach wie vor den »Großen Satan« sieht. Trotzdem hatte noch eine Woche vor der Rede Bushs zur Lage der Nation Außenminister Powell die »konstruktive Rolle« Irans öffentlich gelobt.
Das diplomatische Korps des USA-Außenministeriums, das zumindest bemüht ist, bei seiner Politikplanung den komplizierten Zusammenhängen der real existierenden Welt gerecht zu werden, hatte jedoch gegen die in Gut-Böse-Kategorien denkenden, gewaltbesessenen Fundamentalisten in der Bush-Regierung keine Chance. Während Powell Iran noch lobte, beschuldigte etwa zur gleichen Zeit an einem anderen Ort in Washington die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, Condoleezza Rice, Iran des Terrorismus. »Die direkte Unterstützung des regionalen und globalen Terrorismus durch Iran und seine aggressiven Bemühungen, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen, strafen alle unmittelbar nach dem 11.September demonstrierten guten Absichten Lüge«, erklärte sie laut Washington Post Service.
Als Begründung für die Verhärtung nennt die Bush-Regierung unter anderem das von den Israelis im Roten Meer aufgebrachte Schiff, das, aus Iran kommend, mit Waffen für die Palästinenser voll gestopft war. Doch bereits zuvor hatte Bush Teheran vor Versuchen gewarnt, die Übergangsregierung in Kabul zu schwächen, sonst würde Teheran dafür von den USA bestraft. Damit wurde Iran ultimativ aufgefordert, seinen traditionellen Einfluss auf die schiitischen Stämme entlang der gemeinsamen Grenze aufzugeben. Da dies bisher nicht zur Zufriedenheit Wa-
shingtons geschah, wird Teheran seither beschuldigt, in Afghanistan befreundete Warlords mit Waffen, Geld und Material zu versorgen, um sie gegen die USA-hörige Zentralregierung in Kabul aufzustacheln.
Noch schwerer wiegt jedoch für Wa-
shington, dass trotz intensivster Anstrengungen die US-Sicherheitsdienste seit über einem Monat die Spur von bin Laden und seinen Leuten verloren haben. Da jemand anders für dieses Versagen verantwortlich sein muss, hat USA-Verteidigungsminister Rumsfeld die Regierung in Teheran als die Schuldigen entlarvt und sagte laut AFP, dass es für ihn »außer Frage steht, dass die Al Qaida in Iran Zuflucht gefunden hat«, und die USA entschlossen seien, alle »Staaten zu stoppen, die Terroristen Zuflucht gewähren. Es gibt viele Wege, das zu tun.«
Inzwischen hat das zunehmend nervöse Teheran sich wegen der offenen USA-Drohungen Hilfe suchend an die UNO gewandt und zugleich Washington aufgefordert, Beweise vorzulegen. Da die Iraner aber genau wissen, dass es unter der Würde der USA-Regierung ist, etwas beweisen zu müssen, haben sie jetzt Washington eingeladen, doch gemeinsam mit iranischen Sicherheitskräften Al-Qaida- und Taleban-Flüchtlinge im Land zu suchen.

(ND 07.02.02)

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Zuletzt geändert: 09.07.2006