Regionen und Länder

Bush und seine »Bösen«
Im Auftrag Gottes und der Geschichte

Rainer Rupp

Als US-Präsident George Bush im vergangenen Monat seinen Kampf gegen das »Böse« mit Berufung auf die »Geschichte« und »Gott« legitimierte, war das kein einmaliger Ausrutscher eines Größenwahnsinnigen. Der Wahn hat vielmehr Methode. Wie sich auch am Montag in Milwaukee zeigte, als Bush, der sonst dafür bekannt ist, daß er in freier Rede keinen Satz aussprechen kann, ohne dessen Sinn und Syntax hoffnungslos zu verdrehen, erneut vom »Auftrag der Vereinigten Staaten« vorlas, Iran, Irak und Nordkorea »zu stoppen«. Bereits in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar machte Bush deutlich, daß er und die amerikanische Nation von höchsten Autoritäten zum Kampf gegen das »Böse« beauftragt wurden: »Die Geschichte hat Amerika und seine Verbündeten in den Kampf gerufen. Gott ist nah.«

Präsident Bush sieht also die amerikanische Nation im biblischen Sinne als das von der Geschichte und Gott auserwählte Volk, dem die Bürde auferlegt wurde, gegen das Böse zu kämpfen. Dafür bekam er von der amerikanischen Bevölkerung eine einmalig hohe Zustimmungsquote von 85 Prozent. Das Ganze als christlichen Fundamentalismus abzutun, der lediglich andere Fundamentalismen bekämpft, wäre jedoch zu kurz gegriffen. Auch die zunehmend lauter werdende Erkenntnis vieler Europäer, daß Bush auf der Behandlungscouch eines Psychiaters besser aufgehoben wäre als am Steuer der mächtigsten Nation der Welt, hilft im konkreten Fall nicht weiter. Denn hinter der Fassade des Kampfes gegen das »Böse« sind die alten Machtzentren der Vereinigten Staaten bemüht, ihr Ziel der globalen Herrschaft zu verwirklichen.

Washington bemüht sich seit langem darum, eine Position zu erreichen, von der aus es andere Länder unbesehen bestrafen kann, ohne selbst für Gegenschläge verletzbar zu sein. Nur unter dem Schutz dieser militärischen Dominanz lassen sich anschließend ungehemmt die wirtschaftlichen und anderen »amerikanischen Werte« durchsetzen. Denn diese sind – auch das hat Bush deutlich gemacht – von universeller Gültigkeit: Die amerikanische Interpretation von »Freiheit und Gerechtigkeit ist richtig und wahr und sie gilt unveränderlich überall für alle Völker«. So folgt der militärischen und wirtschaftlichen Hegemonie der Anspruch auf die kulturelle Weltherrschaft.  Als Feinde der USA werden dagegen alle ausgemacht, die der allein richtigen amerikanische Lebensart im Wege stehen.  Abweichungen vom »richtigen« Weg werden als latente Bedrohung der amerikanischen Wahrheit wahrgenommen. Weshalb Bush in Milwaukee warnte, daß er »Iran, Irak und Nordkorea nicht erlauben« würde, »unsere Lebensart zu bedrohen«. Dabei sind diese Länder weder verrückt genug noch überhaupt dazu fähig, die USA zu bedrohen. Schließlich gibt Washington mittlerweile soviel für die Rüstung aus wie alle anderen Länder der Welt zusammengenommen.


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