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Regionen und Länder

Arbeitsunfälle
Tote Bundeswehrsoldaten machen Kriegstreiber nervös
                           Rainer Balcerowiak

Die Statistik weist 825 tödliche Arbeitsunfälle in Deutschland für das Jahr 2000 aus. Weitere 22678 verursachten schwere Verletzungen, die zur teilweisen oder vollständigen Berentung der Opfer führten. Ursachen sind in der Regel grobe Verletzungen der Arbeitsschutzbestimmungen oder menschliches Versagen.  Die meisten dieser Fälle tauchen - wenn überhaupt - nur in den Statistiken der Berufsgenossenschaften auf. Lediglich einige spektakuläre Havarien bringen es auf die »Vermischtes«-Spalten der Tagespresse.

Wenn jedoch zwei deutsche Soldaten in Kabul durch eine Explosion von Raketentreibstoff zerfetzt werden, ist alles anders. Von »Helden« ist da die Rede und von »nationaler Trauer«. Nicht wenige Kommentatoren fühlen sich sogar bemüßigt, mal wieder einen Sinn im Sterben für höhere Werte zu entdecken. Auch hohe und höchste Repräsentanten der Bundesrepublik versichern den Familien der Verschiedenen mit tränenerstickter Stimme ihr Mitgefühl, und für die ausreichende Alimentation der Hinterbliebenen dürfte in diesem Fall, anders als bei »normalen Arbeitsunfällen«,  auch gesorgt sein.  Hinter den patriotisch-sentimentalen Aufwallungen steckt natürlich auch die Sorge der herrschenden Politiker und ihrer Hofschreiber, daß »im Einsatz gefallene« deutsche Soldaten die ohnehin recht verhaltene Kriegsbegeisterung im Lande noch weiter dämpfen könnte. Und so beeilten sich die oberste grüne Soldatenmutter Angelika Beer und ihre Kollegen Kriegspropagandisten in den anderen Parteien, unmittelbar nach der Tränendrüsennummer mit entschlossener Miene Durchhalteparolen zu deklamieren. Es gebe keinerlei Anlaß, erneut über den Afghanistan-Einsatz zu debattieren, das wäre sogar ausgesprochen kontraproduktiv, hieß es unisono. Soldat sei nunmal ein gefährlicher Beruf. 

Das ist zweifellos richtig. Allerdings sterben zur Zeit noch wesentlich mehr Bau- und Gleisarbeiter als Bundeswehrsoldaten während der Ausübung ihres Dienstes. Das wird sich in den nächsten Monaten und Jahren sicherlich ändern. Doch darum geht es nicht. Außer der politischen und propagandistischen Verwertung gibt es nämlich einen wesentlichen Unterschied zwischen  »normalen« Arbeitsunfällen und den toten und verletzten Soldaten in Kabul. Bei letzteren handelt es sich in erster Linie um Täter und nicht um Opfer. Wer sich als bezahlter Söldner an einem imperialistischen Kreuzzug für die Durchsetzung der Ziele der  »westlichen Wertegemeinschaft« beteiligt, ist im Besitz einer staatlichen Lizenz zum Töten und muß halt auch in Kauf nehmen, daß es ihn selbst erwischt.


Den Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2002/03-08/002.php

(c) Junge Welt 2002
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Zuletzt geändert: 09.07.2006