Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 

Regionen und Länder

Imperialer Eroberungskrieg


IPPNW warnt zwoelf Jahre nach Beginn des zweiten Golfkriegs vor Folgen eines neuen Angriffs auf Irak

Jana Frielinghaus


Eine "boeswillige Irrefuehrung und eine Beleidigung des aerztlichen Berufes" sei die Wortschoepfung "Chirurgischer Krieg", empoert sich Ulrich Gottstein von der deutschen Sektion der Organisation "Internationale Aerzte fuer die Verhuetung eines Atomkrieges, Aerzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW). Insgesamt achtmal war Gottstein nach dem letzten Golfkrieg im Irak und hat das ganze Ausmass der Zerstoerungen und des Leides der Zivilbevoelkerung erlebt. 170000 Kleinkinder und Saeuglinge seien allein durch die Verseuchung des Trinkwassers infolge der Zerstoerung von Wasserwerken und Klaeranlagen an Cholera, Typhus und Brechdurchfaellen gestorben, so Gottstein. Am Donnerstag erinnerte IPPNW in Berlin an den Beginn des ersten Angriffs der USA auf den Irak unter der Regierung von George Bush sen.

Am 17. Januar 1991 hatte der Krieg mit der "Operation Wuestensturm" begonnen, nachdem der Irak zuvor Teile des Nachbarlandes Kuwait besetzt hatte. IPPNW hat mit Hilfe allgemein zugaenglicher Daten der Welternaehrungsorganisation WHO, der UNO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, die wesentlichen Fakten ueber die unmittelbaren und die Spaetfolgen des Krieges gegen den Irak wie auch ueber die Folgen des nach Ende des zweiten Golfkriegs verhaengten Wirtschaftsembargos fuer die irakische Bevoelkerung zusammengetragen und veroeffentlicht.

Horst-Eberhard Richter, wie Gottstein IPPNW-Ehrenvorstandsmitglied, nutzte den Jahrestag zu einem erneuten dringlichen Appell an die Bundesregierung, alles in ihren Kraeften Stehende zur Verhinderung eines weiteren Waffengangs am Golf zu tun. Er konstatierte, die Regierung tue zwar in dieser Hinsicht nicht genug, sei aber "weiter als viele europaeische Nachbarregierungen". Gleichzeitig kritisierte Richter die Berichterstattung der Medien, die kaum die Meinung der Mehrheit der Bevoelkerung widerspiegeln wuerden. Dabei seien wie bereits im Kosovo-Krieg und im Krieg in Afghanistan die meisten Menschen gegen diesen Einsatz militaerischer Gewalt. In der Bundesrepublik lehnen einer Forsa-Umfrage vom 11. Januar zufolge 81 Prozent den drohenden Irak-Krieg ab, in Spanien, der Tuerkei und Italien sind es nahezu 90 Prozent. Selbst in den Zentren der medialen Mobilmachung, in den USA und in Grossbritannien, sind 42 bzw. 47 Prozent der Menschen gegen den Kriegskurs ihrer Regierungen.

Trotzdem, so Richter, kaemen etwa in den deutschen Medien Aktivitaeten und Aeusserungen von Kriegsgegnern fast nicht vor. Statt dessen bestaetige sich, was das schwedische "Institut fuer psychologische Verteidigung" im Auftrag der Stockholmer Regierung im Zusammenhang mit der Berichterstattung ueber den Kosovo-Konflikt konstatiert, naemlich, dass sich die Medien "eher wie eine vierte Waffengattung benommen" haetten. Dies, obwohl hinter den Aeusserungen von US-Praesident George W. Bush den Irak betreffend immer offensichtlicher die "eigentliche Absicht des imperialen Eroberungskrieges" hervortrete, so Richter.

Judith Cook von der britischen IPPNW-Sektion MedAct fasste die Analyse der Organisation zu den Gesundheits- und Umweltkosten des Krieges im Irak von 1991 und zu den Kosten der wahrscheinlich bevorstehenden Aggression zusammen. Demzufolge wuerde ein neuer Krieg noch mehr als der vorige zu Massensterben und Zerstoerung als unmittelbare Folge der Kriegshandlungen, aber auch als Resultat sich anschliessender Buergerkriege und Hungersnoete fuehren. Weiter warnt MedAct vor der mit Kriegsbeginn wachsenden Gefahr des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen von seiten des Irak, auch gegen Israel. Dies wiederum koenne die Israelis zu einem Vergeltungsschlag mit Atomwaffen veranlassen. Der Krieg gegen den Irak berge mithin das "groesste Risiko einer Eskalation bei der Verwendung von Massenvernichtungswaffen seit der Kuba-Krise vor 40 Jahren", so Cook.


Den Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2003/01-17/011.php

(c) Junge Welt 2003
http://www.jungewelt.de

Druckansicht
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 
Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Zuletzt geändert: 09.07.2006