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Regionen und Länder

Leserbrief zum Thema

Der Krieg ist keine Lösung - auch wenn wir ihn gewinnen. Wie es nach dem Sieg der Truppen der freien westlichen Welt im Irak aussieht, darüber berichtete Rainer Rupp in der kommunistischen UZ, ein Bericht, der in den freien Medien der freien westlichen Welt bisher nicht erschienen ist:
 
 
Die dunkle Seite der "Befreiung"
Raub, Mord, und Terror in den besetzten Gebieten

Plündernde Horden, die mit Beute vollgepackt unbehelligt an den schwer bewaffneten neuen Machthebern vorbei durch die Straßen ziehen, bestimmten bis vor kurzem die Bilder aus Bagdad. Das Lumpenproletariat liebt die neue Freiheit, die die Amerikaner gebracht haben. Im Fernsehen immer wieder dieselben wenigen Szenen, in denen Kinder und Halbwüchsige mit Amerikanern auf Tuchfühlung gehen und einige Dutzend erwachsene Iraker - von den Kommentatoren flugs zu "irakischen Massen" umgedichtet - sich wichtigtuerisch vor den Kameras produzieren und ihre "Liebe zu Amerika" und ihre "Dankbarkeit" für die "Befreiung" bekunden. Die irakischen Massen haben derweil keinen Grund zur Freude, denn außer den Toten und Verwundeten und ihren zerstörten Häusern, die viele Familien zu beklagen haben, fehlt es nun erst recht an allen Ecken und Enden. Am schlimmsten aber wiegt die Unsicherheit und die Gefahr, dass sich unter den neuen Machthabern Chaos und Terror auf Wochen und Monate in der Stadt etablieren werden. Andere Städte, die sich bereits länger unter amerikanischer Kontrolle befinden, können ein Lied davon singen.

"Von USA unterstützte Miliz terrorisiert Stadt" titelte die Londoner Financial Times (FT) am 15. April einen Bericht ihres Korrespondenten aus der irakischen Stadt Najaf. Zwar sei die Bevölkerung froh, die Vertreter von Saddam Husseins regierender Ba´ath-Partei los zu sein, aber vor den neuen Herren hätten die Menschen genauso viel, wenn nicht noch mehr Angst, schreibt der Korrespondent der FT. Bei den neuen Herren handelt es sich um eine kaum bekannte Oppositionsgruppe der "Irakischen Koalition der Nationalen Einheit" (ICNU), deren Vertreter nach dem Ende der Kämpfe in Najaf in Begleitung amerikanischer Sondereinheiten angekommen waren und nun - unterstützt von der US-Militärmacht - die Macht übernommen haben. Darunter verstehen die Anhänger der Oppositionsgruppe offensichtlich jedoch nur, dass sie nun ungestraft rauben und plündern und die Bevölkerung terrorisieren können. "Sie stehlen und stehlen … und dann bedrohen sie uns und sagen ´Wir sind mit den Amerikanern und ihr könnt uns gar nichts tun´", zitiert der FT-Korrespondent einen empörten Einwohner der Stadt. Ein anderer erzählt, wie er von ICNU-Leuten aus seinem Haus geholt und verprügelt wurde, nach dem er sich geweigert hatte, ihnen sein Auto zu geben. Das Fahrzeug haben sie dennoch vor seinen Augen gestohlen. Jeder hat eine andere Geschichte. "Wenn das stimmt", heißt es in der FT, "dann werfen die Klagen der Bewohner Licht auf die dunkle Seite der amerikanischen Politik im Irak" denn dann könnten die US-Streitkräfte Gefahr laufen, "den Frieden genau so schnell zu verlieren wie sie den Krieg gewonnen haben".

Zugleich wird berichtet, dass sich die Amerikaner bereits in die parteipolitischen Untiefen der Stadt einmischen. So haben US-Sondereinheiten in der mehrheitlich schiitischen Stadt Najaf die dortigen religiösen Führer daran gehindert, im Rahmen islamischer Hilfslieferungen Lebensmittel zu verteilen, wegen deren guten Beziehungen zum Iran. Allerdings haben die US-Kräfte es immer noch nicht geschafft, die Trinkwasserversorgung wieder in Gang zu setzen, sodass viele Menschen gezwungen sind, das Schmutzwasser aus dem Kanal zu trinken, wenn sie nicht verdursten wollen. - Wenn die Financial Times aus altem britisch-amerikanischem Rivalitätsdenken die Unfähigkeit der Amerikaner den Frieden zu organisieren vor ihren Lesern genüsslich ausbreitet, so scheint die Zeitung für ähnlich schlimmes Versagen der britischen Truppen im Südirak blind zu sein. Auch in Basra haben britische Soldaten tatenlos den Plünderungen ganzer Stadtteile zugeschaut. Jetzt will die britische Armeeführung einem Stammesführer aus der Region, der von sich aus auf die Briten zugegangen ist, als zivilen Verwaltungschef unter britischer Kontrolle für die gesamte Provinz Basra ernennen. Auch dies dürfte auf Kosten der Briten nur neue Rivalitäten innerhalb der politischen Landschaft im Südirak und Unzufriedenheit über die neue Unordnung schaffen. Für die arabische öffentliche Meinung wiegen jedoch weitaus schwerer die von islamischen Agenturen verbreiteten Vorwürfe, die Briten hätten in der Hafenstadt Umm Kasr ein Massaker an Hunderten von Irakern angerichtet. Auch hätten die Briten irakische Ärzte und Anwohner daran gehindert, verwundeten Irakern erste Hilfe zu leisten. Um die Beweise zu vernichten, seien die Leichen der Opfer inzwischen in nicht gekennzeichneten Massengräbern in der Wüste verscharrt worden.

Rainer Rupp

 

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Zuletzt geändert: 09.07.2006