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Regionen und Länder

 
„Im Irak können wieder Geschäfte gemacht werden“

(von Rainer Rupp)

 

Am Montag starben im Irak vier amerikanische Soldaten und sechs weitere wurden teils schwer verletzt. Seitdem US-Präsident Bush am 1. Mai das Ende aller „größeren Kampfhandlungen“ verkündet hatte, sind im Irak 28 Soldaten gestorben. Einige sind vom irakischen Widerstand getötet worden, aber die meisten sind durch Unfälle ums Leben gekommen, zumindest heißt es so in den offiziellen Meldungen des Pentagon. Während der Kriegstage waren 139 US-Soldaten getötet worden, womit die Todesrate der Amerikaner mit drei Toten pro Tag etwa drei Mal so hoch ist als in den derzeitigen höchst prekären „Friedenszeiten“. Bei einem Angriff auf einen US-Armeekonvoi nordwestlich von Bagdad haben unbekannte Schützen am Montag einen amerikanischen Soldaten erschossen und einen zweiten schwer verletzt. Am gleichen Tag wurden in der Nähe des Flughafens von Bagdad ein US-Soldat bei einer Explosion getötet und drei weitere verletzt, als ihr Fahrzeug über eine Mine fuhr. Zugleich starben bei einem Bade- und einem Verkehrsunfall zwei weitere US-Soldaten. Bei einem Feuergefecht an einem US-Checkpoint in der Stadt Fallujah wurden am Dienstag zwei US-Soldaten getötet und neun verletzt, während zwei Iraker von US-Truppen erschossen und sechs festgenommen wurden. Seitdem US-Soldaten am 28. und 30. April in eine demonstrierende Menge geschossen und dabei mindestens 18 junge Iraker getötet und 78 verletzt hatten, kommen die US-Besatzer in der Stadt nicht mehr zur Ruhe.

 

Das Wiederaufflammen der Guerillaaktivitäten, begleitet von andauernden Plünderungen und Gewalttätigkeiten in den Städten zeigt, daß die US-Besatzer das Land noch längst nicht im Griff haben. Und mit der unsensiblen Arroganz des Vertreters der einzigen Supermacht tut Washingtons neuer Prokonsul im Irak, Paul Bremer, alles, um in der irakischen Bevölkerung neues Protest- und Widerstandspotential zu mobilisieren. Dazu gehört auch Bremers Dekret, die irakische Armee aufzulösen, wodurch nicht nur 400.000 Soldaten plötzlich ohne Halt und Zukunft auf der Straße sitzen, sondern auch weitere 600.000 Menschen arbeitslos werden, die in dieser oder jener Form für die irakischen Streitkräfte gearbeitet haben und sich dabei ihr karges aber gesichertes Brot verdient haben. Inzwischen haben irakische Offiziere mit landesweiten Demonstrationen und Selbstmordaktionen gegen die US-Armee gedroht. Um so eiliger haben es die Amerikaner, die irakische Bevölkerung bis zum 14. Juni zu entwaffnen.

 

Trotz hoher Strafandrohungen dürfte das eine unmögliches Ansinnen sein, nicht nur weil die Iraker Waffennarren sind sondern auch weil noch kurz vor dem Krieg Saddam Hussein zehn Tausende von Waffen an die Bevölkerung hatte verteilen lassen. Erschwerend kommt für die US-Besatzer hinzu, daß sie zwischen verschiedenen Volksgruppen Unterschiede machen. So sollen die Kurden z.B. sogar ihre schweren Waffen behalten dürfen, während Araber und Schiiten auch ihre leichten Waffen abliefern sollen. Das schürt nur zusätzliches Misstrauen gegen die Amerikaner, das insbesondere in schiitischen Kreisen virulent ist. Auch die auf 15.000 Mann geschätzten schiitischen Kämpfer der Badr Brigade steht auf der Liste der Gruppen, die Bremer entwaffnen will. Das ist aber nicht einmal Saddam Hussein gelungen.

 

Die Kämpfer der Badr Brigade waren lange Zeit die Einzigen, die in kleinen Operationen über die iranische Grenze hinweg im Irak bewaffneten Widerstand gegen Bagdad geleistet haben. Es ist illusorisch zu glauben, daß sie ihre Waffen nun kampflos den amerikanischen Besatzern übergeben werden. Dennoch gab sich Prokonsul Bremer am Montag vor der internationalen Presse amerikanisch-optimistisch und erklärte die erste Phase als erfolgreich beendet. Die Streitkräfte der Besatzungsmächte hätten viel getan, um Irak wieder zu stabilisieren und die Wirtschaft zu beleben. „Eine freie Wirtschaft und ein freies Volk gehen Hand in Hand“ unterstrich Bremer sein kapitalistisches Glaubensbekenntnis für das Land und verkündete: “im Irak können wieder Geschäfte gemacht werden“.[i]

Sbg. den 27.5.2003

 

 

 



[i] U.S. Administrator Reports Iraq Progress,  By THE ASSOCIATED PRESS, NYT,  Filed at 4:18 p.m.

 

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Zuletzt geändert: 09.07.2006