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Zivilisten oder nicht? Einfach den Abzug gedrückt

(von Rainer Rupp)

 

Dem Hollywood-Mythos zufolge sind sie amerikanischen Krieger tapfer, ehrlich und hilfsbereit, die Besten der Welt. Beim fortdauernden Einsatz im Irak springt jedoch zunehmend der Lack von dem auf Hochglanz polierten Image der amerikanische Helden ab und darunter erscheint die häßliche Fratze einer arroganten Soldateska, die voller Verachtung für die Kultur und die Menschen des fremden Landes, in das sie gerade eingefallen sind, sich nicht scheut, auch auf Zivilisten zu schießen, wenn diese ihnen im Weg stehen. Denn in den amerikanischen GIs wachsen Wut und Ärger darüber, daß sie nach dem glorreich gewonnen Krieg nicht schon längst wieder in der Heimat sind, wie ihnen das von ihrer politischen und militärischen Führung versprochen worden war.

 

Statt zu Hause am Pool mit einem kühlen Bier schwitzen die GIs nun in der irakischen Gluthitze unter ihren Kilo schweren Schutzwesten, immer auf der Hut, nicht Opfer der rapide zunehmenden Anschläge zu werden. Dabei richtet sich die Wut der GIs gegen alle Iraker und der Wunsch sie zu bestrafen wächst, weshalb zunehmend Zivilisten oder verwundete Gegner erschossen werden. Damit haben die GIs bereits große Erfahrung aus Interviews hervor geht, welche der Korrespondent des Londoner „Evening Standard“, Bob Graham, mit namentlich genannten amerikanischen Soldaten in Bagdad geführt und jetzt veröffentlicht hat[i]. Sergeant First Class John Meadows erzählte z.B. daß seine Kameraden unschuldige Zivilisten ebenso erschießen wie Guerillakämpfern in ziviler Kleidung. “Du kannst nicht unterscheiden zwischen denen, die dich umbringen wollen und jenen, die nichts tun”, sagte er. Um nach Hause zu kommen „musst Du Dich darauf konzentrieren, so viele Leute wie möglich zu töten“ erzählte Meadows von seinen Kampferfahrungen im Irak.

 

Auch Specialist (Corporal) Michael Richardson, 22 Jahre alt, gestand, „kein Problem“ damit gehabt zu haben, „auf Leute zu erschießen, die keine Uniform trugen. Ich habe einfach abgedrückt“, sagte er. Und Specialist Anthony Castillo fügte hinzu: "Wenn Zivilisten da waren, dann haben wir die Mission erfüllt, die wir tun mussten. Wenn sie (Zivilisten) da waren, dann sie am falschen Ort und wir haben sie als Feinde betrachtet.“ Schließlich habe man in umkämpften Zonen vorher immer Flugblätter abgeworfen, welche die Zivilbevölkerung aufforderte, den Ort zu verlassen, rechtfertigte sich Castillo und fügte hinzu: „Jeder, den wir dann dort noch angetroffen haben, war für uns ein Kombattant.” Ihr Haß auf die Iraker ist so stark, daß sie lieber einen verwundeten Gegner erschießen als zu helfen. „Das Schlimmste ist doch, zuerst einen zu verwundenden und dann hinzugehen, um ihm zu helfen“, sagte der 34 Jahre alte Sergeant Meadows. Und Sergeant Adrian Pedro Quinones, 26 Jahre alt, warf ein: "In einer solchen Situation bist Du sehr böse, Du siehst rot. Die haben gerade auf meine Männer geschossen und jetzt liegen sie da und ich soll ihnen helfen. Corporal Richardson pflichtete ihm bei: “Ich habe keinem der Fucker geholfen. Die einen hast Du sterben lassen und den anderen hast Du einen Doppel-Stubs gegeben“, sagte Richardson, wobei er zwei Mal mit der Zunge klickte und seine Hand so nach unten gerichtet hielt, als würde er ein Gewehr abfeuern. „Du willst doch keine Kriegsgefangen machen“, fügte er hinzu.

 

Am 17 Juni hat denn auch die in Washington beheimatete nicht staatliche Menschenrechtsorganisation “Human Rights Watch” die US-amerikanischen Streitkräfte beschuldigt, in mindestens zwei Fällen im April “exzessive Gewalt” gegen Zivilisten angewendet zu haben und damit ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. In einem Fall hatten die GIs in Falluja in eine Menge zumeist jugendlicher Demonstranten geschossen und dabei 20 Menschen getötet und mindestens 86 verletzt. Nach einer Untersuchung vor Ort durch Vertreter von „Human Rights Watch” habe sich die Behauptung der US-Army, dass ihre Soldaten aus der Menge heraus beschossen worden seien, als falsch erwiesen. Auch die über 100 Einschußlöcher in Gebäuden hinter den Demonstranten bewiesen, so die Menschenrechtsorganisation, daß die Soldaten nicht wie behauptet mit “präzisem und gezielten Feuer” auf die angebliche Bedrohung reagiert, sondern ungezielt in die Menge geschossen haben. Daher fordert “Human Rights Watch” den sofortigen Beginn einer Untersuchung gegen die Soldaten von der 82sten Luftlandedivision „wegen Verstoßes gegen das internationale Menschenrecht“.

 



[i] 'I just pulled the trigger'
By Bob Graham, Evening Standard, in Baghdad

19/06/03 - News and city section

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Zuletzt geändert: 09.07.2006