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US-Geheimwaffen gegen Irak – Koffer voll Geld

(von Rainer Rupp)

 

Trotz vieler direkter Hinweise der USA auf angebliche Produktionsstätten von Massenvernichtungswaffen, haben die UN-Waffeninspekteure im Irak bisher nicht die geringsten Beweise dafür gefunden. In der von ihr geforderten „aggressiveren Vorgehensweise“ der Inspektoren gegenüber den irakischen Wissenschaftlern sieht die Bush-Regierung nun einen Weg, ihre zunehmend stark angeschlagene „Glaubwürdigkeit“ doch noch zu retten. Wie das geschehen soll, darüber gibt ein jüngst in New York fehlgeschlagener Versuch der US-Geheimdienste Auskunft. Wie die Washington Post am Freitag berichtete, sollten dabei drei führende irakische Wissenschaftler, die zur Koordinierung der UN-Inspektionen nach New York zum UNO-Hauptquartier gekommen waren, von Agenten der CIA mit Koffern voll Dollar und großzügigen Versprechen zum Überlaufen und den von der Bush-Regierung gewünschten Aussagen verleitet werden[i].

 

So war Jaffar Dhia Jaffar, der allgemein als Vater des irakischen Atomforschung gilt, bereits am 1. Mai dieses Jahres bei seiner Ausreise über Jordanien von amerikanischen Agenten in der US-Botschaft in der jordanischen Hauptstadt Amman stundenlang festgehalten und „befragt“ worden, so daß er erst mit einem Tag Verspätung in New York bei der UNO ankam. Als zweiten hatten die Amerikaner General Amir Saadi im Visier. Der Berater Saddam Husseins gilt auch als Schlüsselfigur der irakischen Waffenentwicklung. Die dritte Person, die sich nach Angaben der Washington Post „mit Koffern voll Bares“ gezielten amerikanischen Abwerbungsversuchen ausgesetzt sah, war Mehdi Labidi, ein technischer Experte der mittleren Ebene. Vor diesem Hintergrund kann die Ankündigung vom letzten Donnerstag des Chef der irakischen Waffenkontrollbehörde, General Hossam Mohamed Amin, bereits in in "zwei bis drei Tagen" eine Liste der irakischen Spezialisten, die an früheren Waffenprogrammen mitgearbeitet haben, an die UN-Überwachungs-, Verifikations- und Inspektionskommission (UNMOVIC)zu übergeben, nur als besonders mutig gewertet werden. Die Gefahr, daß die US-Geheimdienste unter den Wissenschaftlern doch Individuen finden, die für Geld alles wiederholen, was Washington von ihnen vorsagt, ist groß. Auch Amin würde es daher lieber sehen, wenn die irakischen Wissenschaftler zu Hause von der UNO befragt wurden. Dennoch sagte er, daß die Wissenschaftler frei seien, das Angebot der UNO, das Land zu verlassen, anzunehmen oder zurückzuweisen[ii].

 

Zugleich ist es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kurz vor Jahresende wegen Irak doch noch zu einem Eklat zwischen Rußland und den USA gekommen. Am Donnerstag hatte der stellv. russische Außenminister Juri Fedotov es gewagt, die Behauptung Washingtons, Beweise dafür zu haben, daß Bagdad Massenvernichtungswaffen versteckt, öffentlich zurück gewiesen. „Niemand kann den geringsten Beweis dafür liefern”, sagteFedotov[iii], der damit die Vertreter der USA und Großbritanniens indirekt der Lüge bezichtigte. In Bagdad hatte derweil Präsident Saddam Hussein in einer Ansprache an die irakische Bevölkerung betont, daß das Ergebnis der UN-Inspektionen “für die USA ein großer Schock sein wird, denn alle amerikanischen Lügen werden aufgedeckt werden, wenn die Dinge (die Inspektionen) weiterhin ohne versteckte Zielsetzungen mit technischer und professioneller Expertise durchgeführt werden.“ (3300 Zeichen)

 

In Israel versucht inzwischen die rechtskonservative Scharon-Regierung aus der Krise Vorteile zu schlagen. Einerseits schürt er kräftig den geplanten US-Krieg gegen Irak, um zugleich auch Syrien mit der abenteuerlichen Beschuldigung, Irak habe seine Massenvernichtungsmittel über die Grenze auf syrisches Hoheitsgebiet transferiert und dort versteckt, in den Krieg zu verwickeln. Syrien, derzeit das einzige arabische Land im UNO-Sicherheitsrat, hat vorgestern (Donnerstag) die Beschuldigungen Scharons, als „lächerlich“ und „vollkommen unbegründet“ zurückgewiesen. Ein Sprecher des syrischen Außenministeriums warf statt dessen Scharon vor, daß dies nur ein weiterer Versuch sei, „von Israels eigenem Arsenal an chemischen, nuklearen und biologischen Waffen abzulenken.“

(Mit Kasten: 4100 Zeichen)

Sbg. den 27.12.02

 

 

 



[i] (“U.S. Courted Top Iraqi Official for Defection”, By Colum Lynch, Washington Post Staff Writer, Friday, December 27, 2002; Page A01)

[ii] („Inspektoren können Massenvernichtungswaffen nicht nachweisen – Bagdad, dpa, Meldung vom 26.12.2002 19:38 Uhr)

[iii] („Russia in Iraq row“, Herald Sun, 27.12.02, erscheint in Victoria, Australien)

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Zuletzt geändert: 09.07.2006