Regionen und Länder: Israel/Palästina "Die Zivilbevölkerung von Gaza befindet sich unter dauernder Belagerung"

21.11.07

Erklärung der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden / European Jews for a Just Peace (EJJP) - Statement
AG Friedensforschung an der Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/ejjp.html


Im Folgenden dokumentieren wir eine Erklärung des Exekutivkomitees der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden (European Jews for a Just Peace) zur immer bedrückender werdenden Lage der Bevölkerung im Gazastreifen im englischen Original und einer deutschen Übersetzung.

Die kollektive Bestrafung der Bevölkerung von Gaza muss aufhören!
Als jüdische Mitglieder der europäischen Zivilgesellschaft und FriedensaktivistInnen, die Europäischen Juden für einen gerechten Frieden (EJJP) verurteilen aus tiefster Überzeugung die derzeit stattfindende kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes im Gazastreifen durch die israelische Regierung. Diese Aktionen stehen nicht nur in vollständigem Widerspruch zur Genfer Konvention sondern steigern sich zu Kriegsverbrechen.

Die Zivilbevölkerung von Gaza ist praktisch eingesperrt worden und befindet sich unter dauernder Belagerung, einer Belagerung, die von der Besatzungsmacht Israel auferlegt wurde. Sie hat unter beschwerlichen Sanktionen, Boykott, wirtschaftlicher Strangulierung, totaler Beraubung und Armut besonders nach den demokratischen Wahlen gelitten, die in den besetzten Gebieten im Januar 2006 durchgeführt wurden und die Hamas an die Macht brachten. Die ständigen und brutalen Angriffe der israelischen Armee auf die Zivilbevölkerung, die eingesperrt und ohne die Möglichkeit, sich zu verteidigen, ist und von der fast die Hälfte Kinder sind, stellt eine direkte Verletzung der Menschenrechte dar.

Gegen die kürzlich erfolgte Entscheidung der israelischen Regierung, die elektrische Energie und Brennstoffversorgung von Gaza abzuschalten, die 1,5 Millionen Menschen betrifft, wurde von israelischen und palästinensischen Menschenrechtsorganisationen in einer Petition an den Israelischen Höchsten Gerichtshof protestiert. Scharfe Kritik an der mutwilligen Zerstörung von Gesundheits- und Wohlfahrtseinrichtungen für die gesamte palästinensische Bevölkerung ist ständig von führenden internationalen Menschenrechtsorganisationen, den Vereinten Nationen und prominenten Persönlichkeiten ausgedrückt worden. Israels willkürliche und grausame Verweigerung der Ausreise für Kranke in kritischem Zustand über den Grenzübergang Erez (zurzeit die einzige Ausreisemöglichkeit aus Gaza) unter dem Vorwand von Sicherheitsvorkehrungen, wie in Presseaussendungen in letzter Zeit von der israelischen Menschenrechtsgruppe, „Ärzte für Menschenrechte“ veröffentlicht, ist nicht zu entschuldigen.

Die Europäischen Juden für einen Gerechten Frieden glauben ganz stark, dass die EU darauf bestehen muss, dass der Grenzübergang Rafah wieder geöffnet wird und dass Israel den Zugang zum Grenzübergang durch Monitoren der EU garantieren müsse, deren Aufgabe es ist, das Funktionieren dieses Grenzüberganges zu überwachen.

Sollte Israel der EU die Erlaubnis zur Durchführung dieser Verpflichtung verweigern – zu der alle Parteien, einschließlich Israel ihre Zustimmung gegeben haben – dann sollte die EU die Vorzugsbedingungen für den Handel außer Kraft setzen, die Israelis für die Ausfuhr von Gütern in die EU genießen, ein Handelsübereinkommen, das Bedingungen für die Verpflichtung zur Einhaltung von Menschenrechten enthält, die Israel derzeit unfähig oder in der Tat nicht willens ist einzuhalten. Wir ermutigen auch zu Schritten wie Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen gegen die Besatzung.

Den Europäischen Juden für einen gerechten Frieden sind die Freiheit und die Sicherheit der Israelis und PalästinenserInnen gleichermaßen ein großes Anliegen. Wir glauben fest, dass die Regierung von Israel auf ihre Selbstzerstörung zugeht, sofern sie ihren derzeitigen Kurs nicht ändert.

(übers.: Gerhilde Merz, 18. November 2007)

Exekutivkomitee der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden:
Dror Feiler, Vorsitz (Schweden), Dan Judelson, Sekretariat (Großbritannien), Max Wieselmann , Schatzmeister (Niederlande), Paula Abrams-Hourani (Österreich), Judith Bernstein (Deutschland), Paola Canarutto (Italien), Sonia Fayman (Frankreich), Dorrie Iten (Schweiz), Ulla Jessing (Dänemark), Adi Raz (Belgien)

EJJP – European Jews for a just Peace
Collective punishment of Gaza population must end!
As Jewish members of European civil society and peace activists, European Jews for a Just Peace (EJJP) profoundly condemn the ongoing collective punishment by the Israeli government of the Palestinian people in the Gaza Strip. These actions are not only in complete contravention of the Geneva Convention but also amount to crimes of war.

The civilian population of Gaza has been virtually imprisoned and under constant siege, a siege imposed by the occupying power, Israel. It has suffered arduous sanctions, boycott, economic strangulation, total deprivation and poverty, especially after the democratic elections held in the Occupied Territories in January 2006 that brought Hamas into power. The constant and brutal attacks by the Israeli army on a civilian, captive and defenseless population, almost half of which are children, constitute a direct violation of human rights. The Israeli government’s recent decision to cut electricity and fuel supplies to Gaza, affecting its 1.5 million people, has been protested in a petition to Israel’s Supreme Court, submitted by Israeli and Palestinian human rights organizations. Harsh criticism of the deliberate destruction to the health and welfare of the entire Palestinian population has constantly been expressed by leading international human rights organizations, the United Nations and prominent individuals. Israel’s arbitrary and cruel refusal to permit the exit of critically ill patients via the Erez crossing (currently the only exit from Gaza), under the guise of security precautions, as outlined in recent press releases from the Israeli human rights group, Physicians for Human Rights, is indefensible.

European Jews for a Just Peace strongly believe that the EU must insist that the Rafah crossing is reopened and that Israel guarantees access to the crossing for the EU monitors who have the responsibility of overseeing the running of this border crossing.

Should Israel refuse to permit the EU to fulfill these commitments – agreed by all parties, including Israel - the EU should suspend the preferential terms of trade that Israeli goods exported to the EU enjoy, an agreement which includes conditions regarding human rights obligations which Israel is currently unable or indeed unwilling to meet. Boycott, divestment and sanctions against the occupation are also steps we encourage.

European Jews for a Just Peace is deeply concerned for freedom and security of Israelis and Palestinians alike. We firmly believe that unless the government of Israel changes its present course, it is headed for self-destruction.

* Dror Feiler, Chair (Sweden)
* Dan Judelson, Secretary (UK)
* Max Weiselmann, Treasurer (Netherlands)
* Paula Abrams-Hourani, EJJP Executive (Austria)
* Judith Bernstein EJJP Executive (Germany)
* Paola Canarutto, EJJP Executive (Italy)
* Sonia Fayman, EJJP Executive (France)
* Dorrie Iten EJJP Executive (Switzerland)
* Ulla Jessing EJJP Executive (Denmark)
* Adi Raz, EJJP Executive committee (Belgium)