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Regionen und Länder: Israel/Palästina

Die wichtigsten Ergebnisse des Winograd-Reports

30.4.07

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Libanon/winograd-report.html
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/winograd.html
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/winograd2.html

Die Hauptverantwortung für alle Fehler und Mängel liegen bei Ministerpräsidenten Ehud Olmert, Verteidigungsminister Amir Peretz und Generalstabschef Dan Halutz. Gleichwohl gibt es noch viele andere Väter der kritisierten Beschlüsse und Zustände.

Nur begrenzte Chancen

Zu den Entscheidungswegen heißt es: Der Beschluss, mit einem sofortigen und intensiven Militärschlag (auf die Angriffe der libanesischen Hisbollah-Miliz) zu reagieren, war nicht auf einem detaillierten, umfassenden und autorisierten Militärplan begründet, nach einer eingehenden Prüfung der Komplexität der libanesischen Arena. Da hätte sich nämlich ergeben, dass es nur begrenzte Chancen gab, mit militärischen Erfolgen bedeutsames politisch-internationales Gewicht zu erlangen. Ein Militärschlag würde unausweichlich Raketen auf den Norden Israels ziehen.

Für solche Raketenangriffe gab es keine effektive militärische Antwort denn eine längere Militäraktion mit der Eroberung jener Gebiete, von denen aus die Raketen abgeschossen wurden. Das aber hätte hohe und damit unpopuläre Verluste bedeutet. Diese Schwierigkeiten wurden den Politikern nicht unterbreitet, rechtzeitig vor ihrer Entscheidung, einen Kriegsgang zu beschließen. Der Regierung wird "mangelndes strategisches Denken" bescheinigt, wenn sie nicht alle Alternativen von Zurückhaltung bis zu unterschiedlichen Methoden der Eskalation bedacht hat.

Unklare Ziele

So stimmten die Minister für "vage Vorstellungen". Sie befürworteten den Beginn einer Militärkampagne, ohne zu bedenken, wie man sie beendet. Die Kriegsziele waren unklar formuliert oder unerreichbar. Die Armee zeigte keine Kreativität, alternative Wege aufzuzeichnen oder den Politikern die Diskrepanz zwischen vorgeschlagenen Szenarien und genehmigten Militäraktionen aufzuzeigen. So habe die Armee nicht rechtzeitig eine Mobilisierung und Training der Soldaten gefordert. Und selbst als den Politikern diese Mängel klar geworden waren, passten sie ihre hochstrebenden Ziele nicht der Wirklichkeit am Boden an.

Die Hauptverantwortlichen für dieses "ernsthafte Versagen" sind Olmert, Peretz und Halutz. Jeder einzelne hätte durch Fragen und Einwände den Weg ändern können. "Olmert handelte hastig, ohne dass ihm ein detaillierter Militärplan unterbreitet worden wäre und ohne dass er danach gefragt hätte." Die Kommission schließt: "Das alles ergibt ein ernstes Scheitern im Urteilsvermögen, der Verantwortung und der Vorsicht."

Dem Verteidigungsminister bescheinigt die Kommission fehlendes Wissen und Erfahrungen beim Militär, in der Politik und in Regierungsgeschäften. Er habe nicht einmal die grundlegenden Prinzipien des Einsatzes militärischer Kraft zwecks Erreichen politischer Ziele gekannt. Er habe keine Experten befragt, die Bereitschaft der Armee nicht geprüft und keine strategischen Optionen sehen wollen. "Der Verteidigungsminister scheiterte beim Erfüllen seines Amtes." Peretz habe Israels Fähigkeit behindert, sich während des Krieges den Herausforderungen zu stellen. Ähnlich scharfe Kritik wurde auch über den Generalstabschef laut.

Doch gab es noch andere "Partner" für die Mängel und den Kriegsausgang. So befand sich die komplexe Szene im Libanon außerhalb der Kontrolle Israels. Die Fähigkeit der Hisbollah, auf der Grenze zu Israel zu sitzen und sich aufzurüsten, habe sich nach dem Rückzug aus Südlibanon im Mai 2000 erhöht.

Die Mängel bei den Vorbereitungen der Armee, das Fehlen von Operationsplänen und geeigneter Kampfdoktrin reicht weit in die Zeit vor der jetzigen Regierung zurück. Die Kommission entdeckte Schwächen in der Struktur der Entscheidungswege, im Wissen der Minister, deren Fähigkeit, die Vorgänge zu verstehen und entsprechend verantwortungsvoll abzustimmen. Die Kommission empfahl dringende Korrekturen, darunter auch ein striktes Verbot, vorzeitig Informationen an die Presse durchsickern zu lassen. Künftig sollte auch mal das Außenministerium in Beschlüsse mit politischen wie diplomatischen Auswirkungen einbezogen werden.

"Nach 25 Jahren ohne Krieg, erlebte Israel einen anderen Krieg. Der Krieg brachte uns zurück zur Hauptbühne kritischer Fragen, die Teile der israelischen Gesellschaft lieber verdrängt hat." Ohne auch nur ein einziges Mal den Zweiten-Libanonkrieg als Fehler oder Irrtum zu bezeichnen, beschwor Winograd die Notwendigkeit, die Schwächen bei der Kriegsführung und den Vorbereitungen zu untersuchen, jenseits der Identifikation von Schwachpunkten (und Stärken) bei Beschlüssen während des Krieges.

"Es geht um Fragen im Kern unserer Existenz hier als jüdischer und demokratischer Staat", sagte Richter Winograd. "Es wäre ein schwerer Fehler, sich nur auf die offengelegten Mängel zu konzentrieren und nicht die Grundfragen anzupacken." (APA)

Quelle: Der Standard (online), 30. April 2007

Summary of the Winograd Committee interim report
1. On September 17th 2006 The Government of Israel decided, under section 8A of The Government Act 2001, to appoint a governmental commission of examination "To look into the preparation and conduct of the political and the security levels concerning all the dimensions of the Northern Campaign which started on July 12th 2006". Today we have submitted to the Prime Minister and the Minister of Defense the classified interim report, and we are now presenting the unclassified report to the public.

2. The Commission was appointed due to a strong sense of a crisis and deep disappointment with the consequences of the campaign and the way it was conducted. We regarded accepted this difficult task both as a duty and a privilege. It is our belief that the larger the event and the deeper the feeling of crisis - the greater the opportunity to change and improve matters which are essential for the security and the flourishing of state and society in Israel. We believe Israeli society has great strength and resilience, with a robust sense of the justice of its being and of its achievements. These, too, were expressed during the war in Lebanon and after it. At the same time, we must not underrated deep failures among us.

3. This conception of our role affected the way we operated. No-one underestimates the need to study what happened in the past, including the imposition of personal responsibility. The past is the key for learning lessons for the future. Nonetheless, learning these lessons and actually implementing them are the most implication of the conclusions of the Commission.

4. This emphasis on learning lessons does not only follow from our conception of the role of a public Commission. It also follows from our belief that one Israeli society greatest sources of strength is its being a free, open and creative. Together with great achievements, the challenges facing it are existential. To cope with them, Israel must be a learning society - a society which examines its achievements and, in particular, its failures, in order to improve its ability to face the future.

5. Initially we hoped that the appointment of the Commission will serve as an incentive to accelerate learning processes in the relevant systems, while we are working, so that we could devote our time to study all of the materials in depth, and present the public with a comprehensive picture. However, learning processes have been limited. In some ways an opposite, and worrying, process emerged - a process of 'waiting' for the Commission's Report before energetic and determined action is taken to redress failures which have been revealed.

6. Therefore we decided to publish initially an Interim Report, focusing on the decisions related to starting the war. We do this in the hope that the relevant bodies will act urgently to change and correct all that it implies. We would like to reiterate and emphasize that we hope that this Partial Report, which concentrates on the functioning of the highest political and military echelons in their decision to move into the war will not divert attention from the overall troubling complete picture revealed by the war as a whole.

7. The interim report includes a number of chapters dealing with the following subjects:
a) The Commissions' conception of its role, and its attitude to recommendations in general and to recommendations dealing with specific persons in particular. (chapter 2): We see as the main task of a public commission of inquiry (or investigation) to determine findings and conclusions, and present them - with its recommendations - before the public and decision makers so that they can take action. A public commission should not - in most cases - replace the usual political decision-making processes and determine who should serve as a minister or senior military commander. Accordingly, we include personal conclusions in the interim report, without personal recommendations. However, we will reconsider this matter towards our Final Report in view of the depiction of the war as a whole.
b) The way we balanced our desire to engage in a speedy and efficient investigation with the rights of those who may be negatively affected to 'natural justice' (chapter 3): The special stipulations of the Commissions of Inquiry Act in this regard do not apply to a governmental commission of Examination, but we regard ourselves, naturally, as working under the general principles of natural justice. The commission notified those who may be affected by its investigation, in detailed letters of invitation, of the ways in which they may be negatively affected, and enabled them to respond to allegations against them, without sending "notices of warning" and holding a quasi-judicial hearing before reaching out conclusions. We believe that in this way we provided all who may be negatively affected by our report with a full opportunity to answer all allegations against them.
c) The processes and developments in the period between the withdrawal of the IDF from Lebanon until July 11, 2006 which contributed to the background of the Lebanon War (Chapter 4): These processes created much of the factual background against which the decision-makers had to operate on July 12th, and they are thus essential to both the understanding and the evaluation of the events of the war. Understanding them is also essential for drawing lessons from the events, whose significance is often broader than that of the war itself.

8. The core of the interim report is a detailed examination of the decisions of senior political and military decision-makers concerning the decision to go to war at the wake of the abduction of the two soldiers on the morning of July 12th. We start with the decision of the government on the fateful evening of the 12th to authorize a sharp military response, and end with the speech of the Prime Minister in the Knesset on July 17th, when he officially presented the campaign and its goals. These decisions were critical and constitutive, and therefore deserve separate investigation. We should note that these decisions enjoyed broad support within the government, the Knesset and the public throughout this period.

9. Despite this broad support, we determine that there are very serious failings in these decisions and the way they were made. We impose the primary responsibility for these failures on the Prime Minister, the minister of defense and the (outgoing) Chief of Staff. All three made a decisive personal contribution to these decisions and the way in which they were made. However, there are many others who share responsibility for the mistakes we found in these decisions and for their background conditions.

10. The main failures in the decisions made and the decision-making processes can be summed up as follows:
a) The decision to respond with an immediate, intensive military strike was not based on a detailed, comprehensive and authorized military plan, based on careful study of the complex characteristics of the Lebanon arena. A meticulous examination of these characteristics would have revealed the following: the ability to achieve military gains having significant political-international weight was limited; an Israeli military strike would inevitably lead to missiles fired at the Israeli civilian north; there was not other effective military response to such missile attacks than an extensive and prolonged ground operation to capture the areas from which the missiles were fired - which would have a high "cost" and which did not enjoy broad support. These difficulties were not explicitly raised with the political leaders before the decision to strike was taken.
b) Consequently, in making the decision to go to war, the government did not consider the whole range of options, including that of continuing the policy of 'containment', or combining political and diplomatic moves with military strikes below the 'escalation level', or military preparations without immediate military action -- so as to maintain for Israel the full range of responses to the abduction. This failure reflects weakness in strategic thinking, which derives the response to the event from a more comprehensive and encompassing picture.
c) The support in the cabinet for this move was gained in part through ambiguity in the presentation of goals and modes of operation, so that ministers with different or even contradictory attitudes could support it. The ministers voted for a vague decision, without understanding and knowing its nature and implications. They authorized to commence a military campaign without considering how to exit it. d) Some of the declared goals of the war were not clear and could not be achieved, and in part were not achievable by the authorized modes of military action.
e) The IDF did not exhibit creativity in proposing alternative action possibilities, did not alert the political decision-makers to the discrepancy between its own scenarios and the authorized modes of action, and did not demand - as was necessary under its own plans - early mobilization of the reserves so they could be equipped and trained in case a ground operation would be required.
f) Even after these facts became known to the political leaders, they failed to adapt the military way of operation and its goals to the reality on the ground. On the contrary, declared goals were too ambitious, and it was publicly states that fighting will continue till they are achieved. But the authorized military operations did not enable their achievement.

11. The primary responsibility for these serious failings rests with the Prime Minister, the minister of defense and the (outgoing) Chief of Staff. We single out these three because it is likely that had any of them acted better - the decisions in the relevant period and the ways they were made, as well as the outcome of the war, would have been significantly better.

12. Let us start with the Prime Minister.
a) The Prime Minister bears supreme and comprehensive responsibility for the decisions of 'his' government and the operations of the army. His responsibility for the failures in the initial decisions concerning the war stem from both his position and from his behavior, as he initiated and led the decisions which were taken.
b) The Prime Minister made up his mind hastily, despite the fact that no detailed military plan was submitted to him and without asking for one. Also, his decision was made without close study of the complex features of the Lebanon front and of the military, political and diplomatic options available to Israel. He made his decision without systematic consultation with others, especially outside the IDF, despite not having experience in external-political and military affairs. In addition, he did not adequately consider political and professional reservations presented to him before the fateful decisions of July 12th.
c) The Prime Minister is responsible for the fact that the goals of the campaign were not set out clearly and carefully, and that there was no serious discussion of the relationships between these goals and the authorized modes of military action. He made a personal contribution to the fact that the declared goals were over-ambitious and not feasible.
d) The Prime Minister did not adapt his plans once it became clear that the assumptions and expectations of Israel's actions were not realistic and were not materializing.
e) All of these add up to a serious failure in exercising judgment, responsibility and prudence.

13. The Minister of Defense is the minister responsible for overseeing the IDF, and he is a senior member in the group of leaders in charge of political-military affairs.
a) The Minister of Defense did not have knowledge or experience in military, political or governmental matters. He also did not have good knowledge of the basic principles of using military force to achieve political goals.
b) Despite these serious gaps, he made his decisions during this period without systemic consultations with experienced political and professional experts, including outside the security establishment. In addition, he did not give adequate weight to reservations expressed in the meetings he attended.
c) The Minister of Defense did not act within a strategic conception of the systems he oversaw. He did not ask for the IDF's operational plans and did not examine them; he did not check the preparedness and fitness of IDF; and did not examine the fit between the goals set and the modes of action presented and authorized for achieving them. His influence on the decisions made was mainly pointillist and operational. He did not put on the table - and did not demand presentation - of serious strategic options for discussion with the Prime Minister and the IDF.
d) The Minister of Defense did not develop an independent assessment of the implications of the complexity of the front for Israel's proper response, the goals of the campaign, and the relations between military and diplomatic moves within it. His lack of experience and knowledge prevented him from challenging in a competent way both the IDF, over which he was in charge, and the Prime Minister.
e) In all these ways, the Minister of Defense failed in fulfilling his functions. Therefore, his serving as Minister of Defense during the war impaired Israel's ability to respond well to its challenges.

14. The Chief of Staff (COS) is the supreme commander of the IDF, and the main source of information concerning the army, its plans, abilities and recommendations presented to the political echelon. Furthermore, the COS's personal involvement with decision making within the army and in coordination with the political echelon were dominant.
a) The army and the COS were not prepared for the event of the abduction despite recurring alerts. When the abduction happened, he responded impulsively. He did not alert the political leaders to the complexity of the situation, and did not present information, assessments and plans that were available in the IDF at various levels of planning and approval and which would have enabled a better response to the challenges.
b) Among other things, the COS did not alert the political echelon to the serious shortcomings in the preparedness and the fitness of the armed forces for an extensive ground operation, if that became necessary. In addition, he did not clarify that the military assessments and analyses of the arena were that a military strike against Hizbullah will with a high probability make such a move necessary.
c) The COS's responsibility is aggravated by the fact that he knew well that both the Prime Minister and the Minister of Defense lacked adequate knowledge and experience in these matters, and by the fact that he had led them to believe that the IDF was ready and prepared and had operational plans fitting the situation.
d) The COS did not provide adequate responses to serious reservation about his recommendations raised by ministers and others during the first days of the campaign, and he did not present to the political leaders the internal debates within the IDF concerning the fit between the stated goals and the authorized modes of actions.
e) In all these the Chief of Staff failed in his duties as commander in chief of the army and as a critical part of the political-military leadership, and exhibited flaws in professionalism, responsibility and judgment.

15. Concomitantly we determine that the failures listed here, and in the outcomes of the war, had many other partners.
a) The complexity of the Lebanon scene is basically outside Israel's control.
b) The ability of Hizbullah to sit 'on the border', its ability to dictate the moment of escalation, and the growth of its military abilities and missile arsenal increased significantly as a result of Israel's unilateral withdrawal in May 2000 (which was not followed, as had been hoped, by The Lebanese Army deploying on the border with Israel.
c) The shortcomings in the preparedness and the training of the army, its operational doctrine, and various flaws in its organizational culture and structure, were all the responsibility of the military commanders and political leaders in charge years before the present Prime Minister, Minister of Defense and Chief of Staff took office.
d) On the political-security strategic level, the lack of preparedness was also caused by the failure to update and fully articulate Israel's security strategy doctrine, in the fullest sense of that term, so that it could not serve as a basis for coping comprehensively will all the challenges facing Israel. Responsibility for this lack of an updates national security strategy lies with Israel's governments over the years. This omission made it difficult to devise an immediate proper response to the abduction, because it led to stressing an immediate and sharp military strike. If the response had been derived from a more comprehensive security strategy, it would have been easier to take into account Israel's overall balance of strengths and vulnerabilities, including the preparedness of the civil population.
e) Another factor which largely contributed to the failures is the weakness of the high staff work available to the political leadership. This weakness existed under all previous Prime Ministers and this continuing failure is the responsibility of these PMs and their cabinets. The current political leadership did not act in a way that could compensate for this lack, and did not rely sufficiently on other bodies within and outside the security system that could have helped it.
f) Israel's government in its plenum failed in its political function of taking full responsibility for its decisions. It did not explore and seek adequate response for various reservations that were raised, and authorized an immediate military strike that was not thought-through and suffered from over-reliance on the judgment of the primary decision-makers.
g) Members of the IDF's general staff who were familiar with the assessments and intelligence concerning the Lebanon front, and the serious deficiencies in preparedness and training, did not insist that these should be considered within the army, and did not alert the political leaders concerning the flaws in the decisions and the way they were made.

16. As a result of our investigation, we make a number of structural and institutional recommendations, which require urgent attention.
a) The improvement of the quality of discussions and decision making within the government through strengthening and deepening staff work; strict enforcement of the prohibition of leaks; improving the knowledge base of all members of the government on core issues of Israel's challenges, and orderly procedures for presentation of issues for discussion and resolution.
b) Full incorporation of the Ministry of Foreign Affairs in security decisions with political and diplomatic aspects.
c) Substantial improvement in the functioning of the National Security Council, the establishment of a national assessment team, and creating a center for crises management in the Prime Minister's Office.

17. We regard it is of great importance to make findings, reach conclusions and present recommendations on the other critical issues which emerged in this war. We will cover them in the final report, which we strive to conclude soon. These subjects include, among others, the direction of the war was led and its management by the political echelon; the conduct of the military campaign by the army; the civil-military relationship in the war; taking care of Israel's civilian population under missile attack; the diplomatic negotiations by the Prime Minister's office and the Ministry of Foreign Affairs; censorship, the media and secrecy; the effectiveness of Israel's media campaign; and the discussion of various social and political processes which are essential for a comprehensive analysis of the events of the war and their significance.

18. Let us add a few final comments: It took the government till March 2007 to name the events of the summer of 2006 'The Second Lebanon War'. After 25 years without a war, Israel experienced a war of a different kind. The war thus brought back to center stage some critical questions that parts of Israeli society preferred to avoid.

19. The IDF was not ready for this war. Among the many reasons for this we can mention a few: Some of the political and military elites in Israel have reached the conclusion that Israel is beyond the era of wars. It had enough military might and superiority to deter others from declaring war against her; these would also be sufficient to send a painful reminder to anyone who seemed to be undeterred; since Israel did not intend to initiate a war, the conclusion was that the main challenge facing the land forces would be low intensity asymmetrical conflicts.

20. Given these assumptions, the IDF did not need to be prepared for 'real' war. There was also no urgent need to update in a systematic and sophisticated way Israel's overall security strategy and to consider how to mobilize and combine all its resources and sources of strength - political, economic, social, military, spiritual. cultural and scientific - to address the totality of the challenges it faces.

21. We believe that - beyond the important need to examine the failures of conducting the war and the preparation for it, beyond the need to identify the weaknesses (and strengths) in the decisions made in the war - these are the main questions raised by the Second Lebanon war. These are questions that go far beyond the mandate of this or that commission of inquiry; they are the questions that stand at the center of our existence here as a Jewish and democratic state. It would be a grave mistake to concentrate only on the flaws revealed in the war and not to address these basic issues.
We hope that our findings and conclusions in the interim report and in the final report will not only impel taking care of the serious governmental flaws and failures we examine and expose, but will also lead towards a renewed process in which Israeli society, and its political and spiritual leaders will take up and explore Israel's long-term aspirations and the ways to advance them.

Quelle: THE JERUSALEM POST, Apr. 30, 2007


Regierungskrise nach Zwischenbericht
Winograd-Kommission: Israels Streitkräfte müssen wieder kriegsfähig werden

Mit Regierungsbeschluß vom 17. September 2006 wurde eine Kommission eingesetzt, die den am 12. Juli begonnenen Libanon-Krieg – nach Einschätzung vieler Experten die erste militärische Niederlage Israels in seiner Geschichte – untersuchen soll. Sie ist nach ihrem Vorsitzenden, dem Richter Elijahu Winograd, benannt.

Am Montag dieser Woche, dem 30. April, legte die Kommission einen Zwischenbericht in zwei Versionen vor. Zunächst eine Fassung für die Regierung, anschließend eine unter Geheimhaltungsgesichtspunkten bereinigte Version zur Veröffentlichung. In der Einleitung heißt es, die Winograd-Kommis­sion habe darauf gehofft, in ihren Bericht auch schon die umfassenden Lehren aus diesem Krieg integrieren zu können. Es habe sich aber gezeigt, daß Politik und Militär bisher kaum Lehren gezogen, sondern offenbar das Erscheinen des Berichts abgewartet hätten. Deshalb habe sich die Kommission zum jetzigen Zeitpunkt für die Präsentation eines Zwischenberichts entschieden, um den überfälligen Lernprozeß anzustoßen. Der jetzt veröffentlichte Report beschäftigt sich im wesentlichen nur mit der Entscheidung zum Krieg, nicht mit dessen Verlauf. Ein vollständiger Bericht wird im August erwartet.

Die Entscheidung, nach der Entführung mehrerer israelischer Soldaten sofort einen großen Krieg gegen die Hisbollah zu eröffnen, habe zunächst breite Unterstützung innerhalb der Regierung, im Parlament und in der israelischen Öffentlichkeit gefunden, konstatiert die Kommission. Trotzdem liege die Hauptverantwortung für die Fehlentscheidungen aber bei Premierminister Ehud Olmert, Verteidigungsminister Amir Peretz und dem inzwischen zurückgetretenen Generalstabschef Dan Halutz.

Wörtlich heißt es im Winograd-Report: »Die Entscheidung, mit einem sofortigen, intensiven Militärschlag zu antworten, gründete nicht auf einem detaillierten, umfassenden und autorisierten Plan als Ergebnis einer sorgfältigen Untersuchung der komplexen Wesenszüge des Schauplatzes Libanon. Eine gründliche Untersuchung dieser Wesenszüge hätte Folgendes ergeben: Die Fähigkeit, militärische Ziele von erheblichem politisch-internationalen Gewicht zu erreichen, war begrenzt. Ein israelischer Militärschlag würde unvermeidlich zum Abschuß von Raketen auf zivile Ziele in Nordisrael führen. Auf solche Angriffe gab es keine andere wirksame Antwort als ausgedehnte und langwierige Bodenoperationen, um die Gebiete einzunehmen, aus denen die Raketen abgeschossen wurden. Das aber wäre sehr ›kostspielig‹ geworden und hätte keine breite Unterstützung gehabt. (…) Bei ihrer Entscheidung, den Krieg zu eröffnen, ließ die Regierung die Gesamtbreite der Optionen außer acht. Dazu gehörte die Möglichkeit, die Politik der ›Eindämmung‹ fortzusetzen. Oder die Verbindung politischer und diplomatischer Reaktionen mit militärischen Schlägen unterhalb des ›Eskalationsniveaus‹. Oder militärische Vorbereitungen ohne sofortige Aktion. Dadurch hätte Israel seine volle Bandbreite möglicher Antworten auf die Entführung behalten.«

Important
It is important
To examine
What came out
Of the war.

But it is more important
To examine why
They went into it
In the first place:

Because they were not ready
To check the alternative:
To talk with
The Lebanese, the Syrians
And the Palestinians.

Wochenanzeige der israelischen Friedensorganisation Gush Shalom, erschienen am 4. Mai 2007 in "Haaretz"

 

Die Hauptverantwortung für die fehlerhafte Entscheidung liege bei Olmert, heißt es im Winograd-Bericht. Er habe sich seine Meinung »überhastet« gebildet, obwohl ihm kein detaillierter Kriegsplan vorgelegt wurde und er einen solchen auch nicht angefordert habe. Der Premierminister habe »ohne systematische Beratung mit anderen, insbesondere auch außerhalb der Streitkräfte« entschieden, »obwohl er in außerpolitischen und militärischen Angelegenheiten keine Erfahrung besaß«. Noch vernichtender fällt das Urteil über Verteidigungsminister Peretz von der sozialdemokratischen Arbeitspartei aus: Neben vollständiger militärischer Ahnungslosigkeit wird ihm auch fehlende Kenntnis und Erfahrung »in politischen und Regierungsangelegenheiten« bescheinigt. Das war aber auch schon vor dem Libanon-Krieg allgemein bekannt.

Wesentlich für die Zukunft dürfte die Einschätzung im Schlußteil des Berichts sein: »Israels Streitkräfte waren für diesen Krieg nicht bereit.« – Einer der Gründe dafür sei, daß Teile der politischen und militärischen Eliten Israels zur Schlußfolgerung gekommen seien, Israel habe das Zeitalter der Kriege hinter sich. Es habe genug militärische Stärke und Überlegenheit, um andere davon abzuschrecken, Israel den Krieg zu erklären.

Unter diesen Voraussetzungen sei die Notwendigkeit nicht mehr gesehen worden, die Bereitschaft für einen »echten« Krieg aufrecht zu erhalten und Is­raels »umfassende Sicherheitsstrategie« kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die Lehre aus dem Libanon-Krieg besteht also dem Winograd-Report zufolge jenseits des persönlichen Schicksals von Ehud Olmert vor allem darin, die militärische Effektivität der israelischen Streitkräfte, die seit einem Vierteljahrhundert keinen »echten« Krieg mehr geführt hatten, wiederherzustellen.

Quelle: Von Knut Mellenthin, junge Welt, 4. Mai 2007


Die Logik des Krieges
Noch widersteht Ministerpräsident Ehud Olmert dem Druck von Strasse und Parlament. Doch eigentlich hat das Land noch grössere Probleme.

Von Zvi Schuldiner, Jerusalem *

Ein politisches Erdbeben in Israel? Stürzt die Regierung? Oder ist etwas Schlimmeres passiert? Die Winograd-Kommission hat ihren Bericht über den Libanonkrieg vom letzten Sommer veröffentlicht, und Israel windet sich in Zuckungen: Die politische Szene wird von Demonstrationen und von Debatten über das Schicksal der Regierung und jenes von Ministerpräsident Ehud Olmert dominiert.

Dabei ist das Problem viel gravierender. Am 12. Juli letzten Jahres, nur Stunden, nachdem die libanesische Hisbollah zwei israelische Soldaten entführt und einige andere getötet hatte, war klar, dass Israels Regierung militärisch reagieren würde. Über achtzig Prozent der Bevölkerung befürworteten den Krieg. Die ersten Kriegstage waren euphorisch: Es erfolgte ein massiver Schlag der Luftwaffe gegen den Libanon. Die Zerstörungen waren riesig, viele ZivilistInnen kamen um - aber aus der Sicht der israelischen Armee und einer Mehrheit in der israelischen öffentlichen Meinung war es eine saubere Operation: Es traf keine Israelis.

Doch dann gab es ein Problem: Die Hisbollah begann, den Norden Israels intensiv zu beschiessen, Hunderte von Raketen bedrohten täglich die Zivilbevölkerung. Dabei stellte sich bald her­aus, dass diese sich mit Schutzräumen und Sozialdiensten begnügen musste, die im Rahmen der neoliberalen Politik der vergangenen Jahre vernachlässigt worden waren. Eine Mehrheit der Israeli konnte sich aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Krieg zum Fehlschlag werden könnte. So wurden nach Kriegsende Mitte August Proteste laut, und die Regierung Olmert sah sich im September gezwungen, eine Untersuchungskommission einzusetzen - benannt nach ihrem Präsidenten, dem ehemaligen Richter Eliahu Winograd.

Der Winograd-Bericht

Der Bericht der Winograd-Kommission ist von grosser Bedeutung. Zwar konzentriert sich die Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit nun dar­auf, welche Einzelpersonen aufgrund des Berichts für das Versagen der Regierung verantwortlich gemacht werden können. Wichtiger sind jedoch die ungestellten Fragen des Berichts.

Zuallererst: Die Kommission stellte sich nie die Frage, ob die Logik des Kriegs die einzig mögliche gewesen war. Sie stellt viele Betrachtungen über einen «rationalen politischen Entscheidungsprozess» und die in dessen Rahmen zu stellenden Fragen und zu folgenden Prozeduren an.

Aber der Bericht verliert keinen einzigen Gedanken an die Frage, ob die Politik der Macht und Gewalt die richtige war. Anstatt Details des Entscheidungsprozesses akribisch aufzulisten, müssten einige zentrale Fragen im Zusammenhang mit der tiefen Krise der israelischen Demokratie gestellt werden. Es wäre für Israel vielleicht an der Zeit, die seit Jahrzehnten dominierende Logik des Krieges hinter sich zu lassen und die Rolle der Armee in einem angeblich demokratischen Staat zu hinterfragen. Doch diesen Fragen weicht die Kommission aus, obwohl einige ihrer Erkenntnisse diesen Kern des Problems knapp streifen.

So zeigt der Winograd-Bericht, wie die Armee die PolitikerInnen manipuliert hat. Jahrelang waren es nur vereinzelte Stimmen, die den massiven Einfluss der Armee auf die israelische Politik analysierten und kritisierten. In der Vergangenheit gab es dafür etliche Beispiele, doch sie wurden nie untersucht. In vielen Fällen - und dies nicht nur in den Jahren unter Ministerpräsident Ariel Scharon - hat die Armee das Ergebnis von politischen Prozessen mit ihren Aktionen bestimmt. Die «einzige Demokratie» im Nahen Osten ist zutiefst von der Armee und von deren Kriegspolitik beherrscht.

Darüber hinaus ist die israelische Armee seit 1967 hauptsächlich eine Besatzungsarmee. Spätestens seit dem sogenannten Jom-Kippur-Krieg von 1973, als Syrien und Ägypten Israel angriffen, hat die israelische Armee vor allem gegen die Zivilbevölkerung und gegen bewaffnete Gruppen, Guerillas oder Terroristen gekämpft, nicht aber gegen reguläre Armeen. Im Libanonkrieg von 1982 geschahen einige Fehler genau dann, als die israelische Armee gegen jene Syriens zu kämpfen hatte. Die militärische Karriere vieler israelischer Offiziere gründete auf ihrer Fähigkeit, Steine werfenden Kindern in besetzten palästinensischen Städten nachzurennen.

Der politische Krieg

In kurzer Zeit ist die Regierung von Ehud Olmert zu einer der unbeliebtesten seit Jahrzehnten geworden. Korruption sowie Untersuchungen gegen den Premierminister selbst und gegen altgediente Minister höhlen das Vertrauen aus, und schliesslich kam noch der Misserfolg im Libanonkrieg hinzu. Dabei erhofften sich Premierminister Olmert wie auch Verteidigungsminister Amir Peretz gerade von einem siegreichen Feldzug so viel - und jetzt befinden sie sich am Rand des politischen Untergangs.

Nun sieht der rechte Flügel der Koalition - der den Krieg vollumfänglich unterstützt hat - seinen Moment gekommen. Ausgerechnet Benjamin Netanjahu, der in den letzten Wahlen vor allem wegen der von ihm als Finanzminister verfolgten Wirtschaftspolitik eine Niederlage einstecken musste und dessen Likud-Partei bedeutungslos geworden ist - dieser zwischenzeitlich äusserst unpopuläre Politiker wird nun wieder als Hoffnungsträger gehandelt.

Dass Netanjahu und der gesamte rechte Flügel wieder ins Rennen kommen, beruht auf der in der israelischen Bevölkerung verbreiteten Angst. Der verlorene Libanonkrieg, die Äusserungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und die Bedrohung durch islamische Fundamentalisten - all dies bedeutet Angst, und Angst führt zu einer wachsenden Unterstützung für ExtremistInnen und RechtsaussendemagogInnen, die eine Lösung durch Gewalt und Stärke versprechen und die Massen mit Lügen beruhigen. So füttern sich muslimische und jüdische FundamentalistInnen gegenseitig.

Während einige Stimmen den Rücktritt von Olmert aus der Regierung fordern, bleibt die Vermeidung von vorgezogenenen Wahlen das Hauptziel. Für die verschiedenen Parteien der Koalitionsregierung bedeuten Wahlen eine Gefahr. Netanjahu kann nur mit dem Gewinn von Parlamentssitzen Erfolg haben, die seine Partei der Koalition abnehmen kann. Die beliebte Aussenministerin Tsipi Livni von Scharons Kadima-Partei wird zwar gerne als mögliche Nachfolgerin Olmerts an der Regierungsspitze gehandelt. Doch sie hat kaum die Führungsqualitäten, die zur Übernahme der gesamten ­Koalition nötig wären.

So heisst denn eine mögliche Lösung für die zusammenbrechende Koalition zur grossen Überraschung und einmal mehr - Shimon Peres. Der nicht wirklich junge, aber wirklich bekannte Staatsmann ist im Alter von 84 Jahren der Hoffnungsträger für den Fall, dass die verschiedenen Gruppen zum Schluss kommen, dass ihre Koalition neu aufgemischt und Olmert seines Amtes enthoben werden müsse. Peres schafft das. Peres vermag all jene zu beruhigen, die sich derzeit um Olmerts Nachfolge bemühen. Denn die hoffen, dass Peres bei ordentlichen Wahlen in zwei Jahren nicht mehr antreten wird.

Zudem wird Peres als Premierminis­ter die Opposition für eine Weile ruhigstellen. Seine Erfahrung wird der Bevölkerung ein bisschen Vertrauen einflössen. Peres kann seine Beruhigungsshow für eine Demokratie in kritischem Zustand abziehen. Eine Demokratie, die über drei Millionen PalästinenserInnen ohne jegliche politische Rechte herrscht. Eine Demokratie, in der das Schüren von Angst das sicherste Erfolgsrezept ist.

* Zvi Schuldiner ist Dekan des Fach­bereiches Politik und Öffentliche ­Verwaltung am Sapir College in Aschkelon (Israel).

Aus: Die Wochenzeitung WOZ, 10. Mai 2007

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Zuletzt geändert: 07.01.2008