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Regionen und Länder: Israel/Palästina

Kinder des Krieges

02.09.2007

Von Gideon Levy
Übersetzt von Ellen Rohlfs
Ha'aretz / ZNet Deutschland
http://zmag.de/artikel/kinder-des-krieges


Schon wieder Kinder. Innerhalb von acht Tagen wurden fünf Kinder im Gazastreifen getötet. Die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Mord kann die Tatsache nicht verschleiern, dass die IDF einen Krieg gegen Kinder führt: über die letzten drei Morde wurde z.B. nur am Rand der Seite 11 in Yedioth Ahronot berichtet – das alleine ist schon unerträglich. Vor einem Jahr während der „Operation Sommerregen“ im Gazastreifen waren ein Fünftel der Opfer Kinder; während der letzten Wochen stellten sie von den 21 Getöteten ein Viertel dar. Wenn - Gott bewahre – Kinder in Sderot verletzt würden, sollten wir uns daran erinnern, bevor wir ein Höllenspektakel machen.

Die IDF erklärt, dass die Palästinenser die Kinder hinausschicken, um sich bei den Qassem-Abschussrampen zu versammeln. Doch in diesem Fall wurden die Kinder nicht bei den Abschussrampen getötet. Die beiden ersten wurden getötet, während sie Früchte des Johannesbrotbaums sammelten und die anderen drei spielten – nach eigenen Nachforschungen der IDF … Doch selbst wenn wir die Behauptung der IDF akzeptieren würden, dass es einen Trend gibt, die Kinder zu den Abschussrampen zu senden (Was nicht bewiesen wurde), dann sollte man dahin kommen, dass dorthin nicht mehr geschossen wird, wo sich Kinder versammeln.
Aber die IDF kümmert sich nicht darum, ob ihre Opfer möglicherweise Kinder sind. Tatsache ist, dass sie auf Gestalten schießen, die sie als verdächtig betrachten aber – nach ihrer eigenen Behauptung - mit voller Kenntnis, dass es möglicherweise Kinder sind . Deshalb sind die IDF, die auf „launcher collectors“ schießen eine Armee, die auch auf Kinder schießt, ohne dies verhindern zu wollen. Dies ist dann nicht eine Reihe unglücklicher Zufälle, wie es dargestellt wird, sondern zeigt nur die Verachtung der Armee für das Leben palästinensischer Kinder und ihre erschreckende Gleichgültigkeit für ihr Schicksal.

Eine Gesellschaft, die ethische Erwägungen hoch schätzt, sollte sich wenigstens fragen: Ist es zulässig, auf jemanden zu schießen, der sich einem „launcher“ nähert, selbst wenn wir wissen, dass einige dieser Leute kleine Kinder sind, die sich noch kein Urteil bilden können und deshalb auch nicht strafbar sind? Oder heben wir alle Einschränkungen bei unseren Kriegsoperationen auf? Selbst wenn wir die Behauptungen der IDF akzeptieren , dass ihre raffinierten Sichtapparate nicht in der Lage seien, zwischen einem 10-Jährigen und einem Erwachsenen zu unterscheiden, kann sich die IDF nicht ihrer Verantwortung für diese kriminelle Tat entziehen. …
Kein Kind in Sderot wird als Folge dieses Tötens sicherer sein – im Gegenteil.

Jeder, der einen ehrlichen Blick auf die Ereignisse der letzten zwei Monate wirft, wird entdecken, dass die Qassams einen Kontext haben. Sie werden fast immer nach IDF-Mord-Operationen abgefeuert - und davon gibt es viele. Die Frage, wer angefangen hat, ist keine kindische Frage in diesem Kontext. Die IDF ist zu Liquidationen zurückgekehrt – in großem Ausmaß. Und als Folge davon hat sich auch das Abfeuern von Qassams vermehrt.

Das ist die Wahrheit – und diese wird vor uns verborgen. Als Gabi Askenasi und Ehud Barak ihre Stellung antraten, wurden die Zügel gelockert. Wenn Barak ein Vertreter der politischen Rechten wäre, würde es vielleicht schon einen öffentlichen Aufschrei gegen die wilden Aktionen im Gazastreifen gegeben haben. Aber Barak ist alles erlaubt – und selbst dass die Opfer Kinder sind, berührt ihn nicht – weder ihn noch die israelische Öffentlichkeit.

Ja, die Kinder des Gazastreifens versammeln sich rund um die Qassams . Es ist praktisch die einzige Abwechslung, die sie in ihrem Leben haben. Es ist tatsächlich ihr Unterhaltungspark. Diejenigen, die ihren Eltern arrogant predigen, sie möchten doch auf ihre Kinder aufpassen, haben nie Beit Hanun besucht. Dort gibt es nichts außer schmutzige Gassen und kärgliche Wohnungen. Selbst wenn es wahr wäre, dass diejenigen, die die Qassams abfeuern, die Gegenwart dieser armen Kinder ausnützen (was erst zu beweisen wäre), so sollte dies keinen Einfluss auf unsere Moral haben. Doch ist es immer erlaubt, Vorsicht und Zurückhaltung zu üben. Es ist keineswegs immer notwendig, zu reagieren, besonders wenn die Re-Aktion mit Mord an Kindern endet.

Die Art und Weise, das Abfeuern von Qassams zu beenden, geschieht nicht durch willkürliches Töten. Jeder, der Qassams abschießt, kann ersetzt werden. Der Beginn des Schuljahres lässt nichts Gutes ahnen – weder für sie noch für uns. Jeder , der wirklich versucht, das Abfeuern der Qassams zu beenden, sollte mit der augenblicklichen Regierung im Gazastreifen ein Waffenstillstandsabkommen erreichen. Das ist der einzige Weg und der ist möglich. Die Liquidationen, das Bombardieren und das Töten von Kindern wird genau in die entgegengesetzte - als die beabsichtigte - Richtung führen.

Und in der Zwischenzeit schaue man sich das an, was aus uns und unserer Armee geworden ist.

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Zuletzt geändert: 07.01.2008