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 Diplomatische Anerkennung für Chef der Mörderbande

 

(von Rainer Rupp)

 

Mit Hilfe der NATO hat der mazedonische Ableger der UCK eine steile Karriere auf dem internationalen diplomatischen Parkett gemacht.  Hatten die politischen Führer der NATO noch vor drei Monaten die UCK-Kämpfer in Mazedonien als “Terroristen" und "Mörderbande in den Bergen“ beschimpft, so steht nun Ali Ahmeti, der Chef eben dieser Mörderbande nicht nur im Zentrum der Aufmerksamkeit der westlichen Medien, die aus ihm einen ihrer „Darlinge“ gemacht haben, sondern die NATO hat ihm de facto die diplomatische Anerkennung verschafft.  Noch schlimmer aber sei die Tatsache, - so jetzt das amerikanische Time-Magazin – dass die NATO der UCK „in einer hochexplosiven Lage die politische Initiative überlassen“ hätte.  Auch die Los Angeles Times wunderte sich jetzt über dieses Vorgehen der der westlichen Allianz, insbesondere wieso Ali Ahmeti, “der in Mazedonien als Verbrecher gesucht wird und der auf der Einreiseverbotsliste der USA steht, mit Hilfe der NATO-Verhandlungstaktik als politischer Faktor legitimiert wurde.“  („Rebel Leader No Longer Persona Non Grata”,  By ALISSA J. RUBIN, LA Times, 24. 8..01)

 

Als er seinem jüngsten 45-Minuten dauernden Interview vor den Kameras der Weltpresse in dem von der UCK gehaltenen mazedonischen Bergnest Sopkovica präsentierte sich Ahmeti bereits ganz als Staatsmann.  Für das Interview war er aus Prizren, in der von deutschen Soldaten kontrollierten Zone im Kosovo, wo er wohnt, von der NATO unbehindert über die Grenze nach Mazedonien eingereist.  In der zu seinem Hauptquartier umgewandelten Dorfschule in Sopkovica posierte er vor einer mit vier Flaggen drapierten Wand, der Flagge der NATO, der USA, der EU und der Republik Albanien.  Das Fehlen der Flagge Mazedoniens, auf dessen Territorium sich die ganze Show abspielte, schien ihn nicht weiter zu stören, was jedoch anwesende Journalisten zur Frage provozierte, ob Großalbanien nicht doch das eigentliche Ziel der UCK sei.

 

Gegenüber ausländischen Journalisten und in Communiqués lässt der politische Chef der mazedonischen UCK, Ali Ahmeti gerne verlauten, „seine Guerilla kämpfe für die Gleichberechtigung der Albaner in Mazedonien, die auf demokratischem Weg nicht zu verwirklichen sei, schrieb kürzlich die renommierte Neue Züricher Zeitung..  Der «New York Times» hätte er aber indessen „seinen politischen Traum eröffnet, alle Albaner in einem Staat zusammenleben zu sehen.“, so die NZZ. („Unterstützung für die UCK aus der Schweiz“, NZZ, ahn. Skopje, 9. April 2001)

 

In den letzten Wochen und Monaten haben Vertreter der NATO mit Ahmeti mindestens so intensiv verhandelt als mit der mazedonischen Regierung.  Auch hat sich der Kommandant der britischen Truppen in Mazedonien, General Barney White-Spunner, bereits mit Ahmeti in Prizren im Kosovo zu Gesprächen getroffen.  Wie eng die Zusammenarbeit der NATO mit der „Mörderbande in den Bergen“ Mazedoniens inzwischen geworden ist, zeigt der jüngste Disput über die Zahl der von der UCK an die NATO abzugebenden Waffen.  Dabei hat die NATO die Autorität der mazedonischen Regierung unterminiert und zugleich die der UCK erhöht.  

 

Am 23 August hatte die UCK die Zahl ihrer Waffen mit nur 2.000 angegeben.  Die mazedonische Regierung schätz sie dagegen auf 85.000.  Am 24. August erklärte die NATO nachdem sie mit der UCK verhandelt hatte, dass die verbindliche Zahl 3.300 Waffen sei.  Kurze Zeit später ließ die NATO erklären, dass die mit der UCK vereinbarte Zahl „non-negotiable“ sei.  („Nato sets weapons target”, BBC, Friday, 24 August, 2001, 13:59 GMT 14:59 UK)  Das heißt, dass die NATO/UCK-Zahl nicht mehr verhandelbar ist, auch nicht mehr für die mazedonischen Regierung.  Da bleibt dem mazedonischen Ministerpräsident Ljubco Georgievski nur noch der Protest.  „Ich denke, es ist lächerlich, von 3.500 Stück ein halbes Jahr nach Beginn der Krise zu sprechen“, sagte der Regierungschef. „Wenn es bei der Zahl bleibt, werden wir gar nichts erreichen.“  So viele Waffen hätten die Regierungstruppen sonst bei einer einzigen Razzia erbeutet.

 

Nichts kann die wahre Politik der Westallianz gegenüber Mazedonien deutlicher machen als dieser Schlag der NATO ins Gesicht der demokratisch gewählten Regierung der souveränen Republik Mazedonien.  Während die NATO die Schätzung der mazedonischen Regierung vollkommen mißachtet nimmt sie statt dessen das Wort der UCK-“Mörderbande in den Bergen” als nicht mehr zu verhandelbare Grundlage für die abzuliefernde Zahl der Waffen.  Da mag die mazedonische Regierung noch so viel schimpfen.  Offensichtlich legt die NATO in enger Zusammenarbeit mit der UCK nun auch in Mazedonien die Spielregeln fest.  Schließlich hat es im Kosovo für die NATO auf diese Weise bisher auch ganz gut funktioniert. Vor diesem Hintergrund dürfte es dann auch kaum mehr eine Rolle spielen,  daß “nach Erkenntnissen der militärischen Nachrichtendienste der NATO bereits neue Waffenlieferungen aus dem Kosovo für die UCK in Mazedonien unterwegs sind”, wie die britische Tageszeitung „The Independent“ am Wochenende gemeldet hat.  („Uneasy peace greets British troops in Macedonia”, By Justin Huggler in Poroj, Macedonia, The Independent, 25 August 2001)

 

Sbg., den 26.8.01


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Zuletzt geändert: 09.07.2006