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Regionen und Länder

 

Breiter Konsens der Kriegsdemokraten

(von Rainer Rupp)

 

Der Tötung des britischen Soldaten in Mazedonien durch eine NATO-feindliche Jugendgruppe hat die Regierung Blair wegen ihrer federführenden Rolle bei der NATO-Operation in den Brennpunkt landesweiter Kritik gerückt.  Die immer wiederkehrende Frage: Was haben wir dort unten eigentlich zu tun?  Außer dem üblichen, auch in Deutschland aus rot-grünen Mündern hinlänglich bekannten polit-humanitärem Gefasel, hatte Außenminister Jack Straw als Rechtfertigung für die dritte NATO-Intervention wenig zu bieten.  Also appellierte er an die alte, latent immer noch vorhandene imperiale Nostalgie der Briten.  Sie „müssten doch verstehen, daß der Balkans Europas und Großbritanniens Hinterhof ist“.  Und deshalb muß dort unten für Ruhe und Ordnung gesorgt werden, für Marktwirtschaft und Demokratie und das Menschenrecht der internationalen Investoren auf unbegrenzten Profit und Gewinntransfers. 

 

Da die neuen Großdeutschen den Hinterhof Balkan auf gar keinen Fall den anderen überlassen wollen, versteht sich von selbst.  Berlin darf auch bei diesem Abenteuer nicht abseits stehen.  Deshalb appellierte der Deutschland-ist-die-Führungsmacht-Europas Kanzler Schröder an die „große Verantwortung“ der Mitglieder des Bundestages und drängte auf eine schnelle Entsendung der deutschen Truppe.  Dabei hatte Berlin ursprünglich eine deutsche Beteiligung bei der NATO-Ernte-Operation verschlafen.  Das NATO-Hauptquartier hatte ohne Deutsche geplant.  Erst auf massives Drängen aus Berlins wurde nachträglich eine Rolle für 500 deutsche Krieger in die Operation eingebaut.  Auf diese Weise stieg die Zahl der an der NATO-Waffenernte-Operation in Mazedonien beteiligten Soldaten von ursprünglich 3.000 auf 3.500, die allerdings mittlerweile auf fast 5000 Mann weiter ausgeweitet wurde. 

 

Damit diese harte Arbeit der rosa-grünen Regierung in Sachen Beteiligung am nächsten Balkankrieg nicht umsonst war, beschwor Großkanzler Schröder auch intensiv die sich noch immer zierende CDU.  Schließlich hätten die deutschen Soldaten „ein Recht darauf“, nur mit einer großen Mehrheit im Bundestag in einen Krieg geschickt zu werden.  Dahinter steckt jedoch weniger die Sorge um das geistige Wohlergehen „unsere Soldaten“.  Schließlich hat sowohl die politische als auch die militärische Führung der Bundeswehr bisher nicht einmal um ihr gesundheitliches Wohlergehen gesorgt.  Um ihre von Radar tödlich verstrahlten Techniker, um ihre von Asbest verseuchten Matrosen oder um ihre von Uran-Munition bedrohten Rückkehrer aus dem Kosovo hat sich die Bundeswehr erst nach massivem öffentlichen Druck gekümmert.  Bis dahin konnten die ehemaligen Soldaten ohne Hilfe verrecken.

 

Auch der breite „Konsens der Demokraten“, mit dem die jungen Leute per Bundestagsbeschluß nun in den mazedonischen Bürgerkrieg geschickt werden, dient nicht dem Wohlergehen der Soldaten sondern lediglich den verantwortlichen Politikern.  Sie wollen sich den Rücken freihalten und für den Fall der Fälle Verantwortung von sich schieben.  Denn wenn die NATO-Operation schief geht, wenn „unsere Jungs“ in Plastiktüten nach Hause geschickt werden, dann kann keiner direkt dafür verantwortlich gemacht werden.  Außer dem „breiten Konsens der Kriegsdemokraten“ war es keiner gewesen.

 

RWR

Sbg.,den 29.8.2001

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Zuletzt geändert: 09.07.2006