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Regionen und Länder


Bei der Sicherung seiner Energieversorgung kommt Peking Washington zunehmend
in die Quere, insbesondere in Südamerika, Afrika und im Mittleren Osten.

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junge Welt vom 29.01.2005





Thema


Jahrhundertdeal mit Iran


Bei der Sicherung seiner Energieversorgung kommt Peking Washington zunehmend
in die Quere, insbesondere in Südamerika, Afrika und im Mittleren Osten


Rainer Rupp 





Die Wirtschaft der Volksrepublik China expandiert seit über zwei Jahrzehnten
mit jährlichen Wachstumsraten von rund sieben Prozent. Wenn eine
Volkswirtschaft von kontinentalem Ausmaß und einer Bevölkerung von 1,3
Milliarden Menschen in einem solchen Tempo wächst, ist die Bereitstellung
ungeheurer Mengen von Rohstoffen die notwendigste Voraussetzung.
Insbesondere die Energiefrage könnte sich als Engpaß auf Chinas steilem
Wachstumspfad erweisen, weshalb die Führung in Peking der langfristigen
Sicherung der Energieversorgung höchste Priorität beimißt. Dabei kommt China
notgedrungen dem US-amerikanischen Hegemon zunehmend in die Quere. 

Die in längeren Zeiträumen denkenden Strategen im Pentagon wissen um Chinas
ungeheures Militärpotential. Nicht in Rußland, sondern in China sehen sie
eine reale Gefahr für ihre Hegemonialpläne. 

Die Chinesen machen sich über die Ziele Washingtons keine Illusionen, zumal
William Kristol, neoliberaler Chefideologe und Advokat der US-Weltherrschaft
durch Präventivkriege, die Kriegsfalken in der Bush-Regierung offen
auffordert, »auf den Sturz der kommunistischen Partei-Oligarchie in China
hinzuarbeiten«. Zugleich kommt Peking mit der Umsetzung seiner
Energiestrategie Washington ins Gehege, das rund um die Welt alles
daransetzt, die Schlüsselregionen mit der strategisch wichtigen Ressource zu
kontrollieren. 

So stoßen die Rohstoff- und Ölinteressen Chinas und der USA bereits jetzt
frontal aufeinander, in Südamerika und insbesondere in Venezuela, in Afrika
und dort insbesondere im Sudan, in der Region vom Persischen Golf bis
Zentralasien und dort insbesondere im Iran und nicht zuletzt im umstrittenen
Archipel der Spratley Islands im Südchinesischen Meer. Aber anders als
Washington ist Peking vorerst nicht in der Lage, seine militärische Macht
über die Grenzen des Landes hinaus zu projizieren. Auf viele Jahre hinaus
wird China im pazifischen Raum und erst recht nicht global eine ernsthafte
Herausforderung für das US-Militär darstellen. 

Auf Importe angewiesen 

Da China zwar über riesige Kohlevorkommen, aber nicht über ausreichende Öl-
und Gasvorräte verfügt, ist das Land auf Öl- und Gasimporte aus weit
entfernten Produzentenländern angewiesen, die zumeist in Krisenregionen
liegen. Aber nicht nur Energie muß China vermehrt importieren, sondern auch
andere Rohstoffe, obwohl viele davon auch in China vorkommen. Aber oftmals
liegen diese Rohstoffe in den unerschlossenen, menschenleeren
westchinesischen Wüstengebieten Tausende Kilometer von den industriellen
Zentren des Landes entfernt. Da die Industriezentren entweder küstennah oder
von der Küste schnell und günstig zu erreichen sind, ist es für China noch
immer vorteilhaft, Rohstoffe über den Seeweg zu importieren und die riesigen
Infrastrukturkosten für die Erschließung der eigenen Vorkommen zu sparen. 

Da China aufgrund seines Exportbooms in der Leichtindustrie über erhebliche
Währungsreserven verfügt, kann es sich Peking auch leisten, die Rohstoffe im
Ausland zu Weltmarktpreisen zu kaufen. Inzwischen gibt es kaum noch einen
Anrainerstaat rund um das pazifische Becken, wo Vertreter der chinesischen
Wirtschaft nicht für aufsehenerregende Rohstoffdeals gesorgt hätten,
angefangen bei wertvollen Edelhölzern über Erze bis hin zu Öl und Gas.
Während jedoch Länder wie Australien oder Indonesien den Aktivitäten eher
mißtrauisch gegenüberstehen, werden die Chinesen in Südamerika, Afrika und
im Mittleren Osten mit offenen Armen empfangen. 

»China ist auf dem Sprung, das US-Vakuum in Lateinamerika zu füllen«,
lautete die Überschrift eines Artikels, in dem die russische Prawda vom 17.
November 2004 die chinesischen Vorstöße in diese Region analysierte. Während
US-Präsident George W. Bush im Mittleren Osten »festsitze« und Lateinamerika
vernachlässige, »wo neue, nach links tendierende politische Führungskräfte
die US-freundlichen Regierungen der 90er Jahre abgelöst haben«, habe China,
»als die im Entstehen begriffene Supermacht die Länder der Region als ihre
strategischen Partner entdeckt«, die bei der Deckung seiner dringend
benötigten Rohstoffe von Sojabohnen bis Erdöl eine wichtige Rolle spielten. 

Mit Ausfuhren im Wert von sechs Milliarden Dollar ist China 2003 zu
Brasiliens drittwichtigstem Exportmarkt aufgestiegen. 2004 erreichten
Brasiliens Exporte nach China bereits im September einen neuen Rekord von
6,6 Milliarden Dollar. Und als Venezuelas Präsident Hugo Chavez Ende
Dezember 2004 seine dritte Reise seit seinem Amtsantritt 1999 ins Reich der
Mitte unternahm, stand der weitere Austausch venezolanischer Energie gegen
chinesische Technologie im Mittelpunkt der Gespräche. 

Wie ein Retter in Lateinamerika 

Inzwischen hat China in 70 Unternehmen in Brasilien investiert,
hauptsächlich im Rohstoffsektor, und brasilianische Unternehmen haben in
über 300 Projekte in China investiert. Ähnliche Entwicklungen sind in
Argentinien und anderen südamerikanischen Ländern zu beobachten. Geradezu
wie ein Retter Lateinamerikas wurde der chinesische Präsident Hu Jintao
Mitte November letzten Jahres bei seiner Reise durch Brasilien, Argentinien
und Chile gefeiert, insbesondere nachdem er in seiner Rede vor
brasilianischen Geschäftsleuten angekündigt hatte, daß Peking plane,
innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu 100 Milliarden US-Dollar in den
Schlüsselstaaten Südamerikas zu investieren. Ein indirekter politischer
Gewinn von Chinas wirtschaftlicher Präsenz und Kooperation mit den
wichtigsten Ländern Lateinamerikas dürfte zudem im besseren Schutz Kubas vor
weiteren US-Aggressionen bestehen. 

In Afrika, von wo es 25 Prozent seiner Ölimporte bezieht, hat China
inzwischen Handelsabkommen mit 40 Ländern. Während der Handel Afrikas mit
westlichen Ländern in den letzten Jahren zunehmend problematisch wurde, ist
Chinas Warenaustausch mit dem »vergessenen Kontinent« explosionsartig
gestiegen. Eine besondere Rolle spielt der Sudan, dem China mit großen
Investitionen dazu verholfen hat, aus einem Ölimporteur zu einem Ölexporteur
zu werden. In Vorbereitung auf zukünftige globale Rohstoffengagements will
China bis zum Jahr 2020 laut Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua
vom 17.11.2004 sukzessive über 100 Beobachtungssatelliten ins All schießen.
Neben militärischen Zwecken sollen diese Satelliten vor allem China bei
seiner weltweiten Suche nach Bodenschätzen helfen. 

Gigantische Dimensionen 

Nicht kleckern, sondern klotzen. Das scheint die Devise der Pekinger Führung
zu sein, wenn es um die Energiesicherheit des Landes geht. Mitte 2004 wurde
das China-Kasachstan-Pipeline-Abkommen mit einem Investitionsvolumen von 3,5
Milliarden US-Dollar abgeschlossen, welches das verstärkte Engagement Chinas
in den zentralasiatischen, um das Kaspische Meer gelegenen Öl- und
Gasstaaten untermauerte. 

Dieser Zug war zwar in westlichen Fachkreisen erwartet worden, aber das
riesige Finanzvolumen dieses ersten Schrittes war dann doch eine
Überraschung und sorgte in einschlägigen Fachjournalen für »besorgte«
Kommentare über den chinesischen Vorstoß in »westliche« Interessensphären.
Der Mega-Erdgas-Deal zwischen Peking und Teheran im Wert von 100 Milliarden
US-Dollar wurde in westlichen Medien zu recht als »Jahrhundertabkommen«
bezeichnet, zumal es um zusätzliche Gaslieferungen im Wert von weiteren 50
bis 100 Milliarden US-Dollar ergänzt werden soll. Laut Berichten aus
Fachkreisen werde derzeit zwischen Iran und China über einen Öldeal
ähnlichen Ausmaßes verhandelt. Selbst für die gerne in großen Zahlen
rechnenden Amerikaner erreicht das chinesisch-iranische Energieabkommen
gigantische Dimensionen. 

Das chinesisch-iranische Gasabkommen sieht jährlich den Export von zehn
Millionen Tonnen iranischen Flüssiggases (LNG) vor – für die Dauer von 25
Jahren. Zugleich hat sich die chinesische Industrie in lukrativen und
langfristigen Kooperationsprojekte im Iran engagiert, ohne Konkurrenz aus
den USA oder Europa befürchten zu müssen, denn insbesondere Washington
versucht, den zum »Schurkenstaat« erklärten Iran durch die zum Gesetz
erhobenen wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen des »Iran-Libya Sanctions Act«
zu isolieren und zu schwächen. Laut dem vom US-Kongreß verabschiedeten
ILSA-Boykottgesetz muß nämlich die US-Regierung alle ausländischen
Unternehmen bestrafen, die mehr als 20 Millionen Dollar in die Öl- und
Gasindustrie Irans investieren. Obgleich die genaue Höhe der chinesischen
Direktinvestitionen in den iranischen Energiesektor noch nicht bekannt ist,
dürften sie die 20-Millionen-Dollar-Grenze um ein Vielfaches übersteigen und
somit eine direkte Herausforderung an die Amerikaner darstellen. 

Von Washington unbeeindruckt 

Pekings Abkommen mit Teheran umfaßt eine weitreichende Beteiligung von
Chinas staatlichem Ölkonzern sowohl an der Suche und Erforschung von neuen
Lagerstätten und Bohrungen als auch am Ausbau der petrochemischen Industrie,
an der Pipeline-Industrie und dem Öl- und Gas-Servicesektor. Da für den
Export von LNG Spezialtanker benötigt werden, investiert Iran derzeit
Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner noch kleinen LNG-Tankerflotte.
Einer Aussage des Chefs des Iranian-Tanker-Konzerns, Mohammad Souri,
zufolge, sieht sich Iran gezwungen, zusätzlich zu den bereits in jüngerer
Zeit erworbenen zehn LNG-Tankern bis zum Jahr 2010 noch weitere 87 solcher
Großschiffe zu kaufen, um dem Transportbedarf für die zunehmenden Exporte
nachkommen zu können. 

Die iranischen Gasreserven, von denen sich etwa die Hälfte in
Off-shore-Zonen in Küstennähe befindet, werden auf 26,6 Billionen Kubikmeter
geschätzt und wären damit die zweitgrößten der Welt. Laut Abkommen wird
China an der Ausbeutung des Yad-Avaran-Ölfeldes beteiligt, dessen Reserven
auf 17 Milliarden Fässer geschätzt werden. Gleiches gilt für das gigantische
South-Pars-Gasfeld, das Iran sich mit Katar teilt und das etwa acht Prozent
der Welterdgasreserven enthält. 

Die Chinesen haben mit ihrem Iran-Energiedeal gezeigt, daß sie sich von
Washingtons imperialen Regeln nicht beeindrucken lassen. Ausgerechnet in der
Region, die nach den ständig wiederholten Erklärungen wechselnder
US-Regierungen »von vitaler Bedeutung« für die nationale Sicherheit der USA
sei, hat Peking sich massiv über die US-Embargopolitik gegen Teheran
hinweggesetzt. Zugleich gewinnt Iran durch den Jahrhundertvertrag auch ohne
formelle militärische Beistandsverträge in China einen mächtigen
Verbündeten. Überdies muß Washington jetzt befürchten, daß Regierungen
anderer Länder, die bisher kein ausreichendes Vertrauen in Teheran hatten
oder denen die Lage dort zu unsicher war, nun dem Beispiel Chinas folgen
werden. Daher wäre es für Washington geradezu verheerend, wenn der
Iran-China-Deal in den europäischen Staaten, in Japan, Indien und Rußland zu
einem Umdenken in bezug auf das Geschäftsrisiko im Iran führen würde. Das
könnte zum Beispiel damit beginnen, daß das 1993 unterzeichnete Memorandum
of Understanding zwischen Indien und Iran zum Bau einer 2 670 Kilometer
langen Pipeline reaktiviert würde. Auch die Türkei, die bereits mit Iran ein
25 Milliarden Dollar umfassendes Gas-Lieferabkommen geschlossen hat, könnte
zu weiteren Abschlüssen mit Teheran ermuntert werden. 

Die Rolle Rußlands 

Für Teheran scheint sich das Gewicht des China-Deals positiv auf seine
Beziehungen zu Rußland auszuwirken. Moskau, das im letzten Jahr in der
iranischen Nuklearfrage zeitweilig die Tendenz erkennen ließ, sich auf die
Seite der USA und der EU zu schlagen, will nicht riskieren, im Iran durch
China als wichtigstes Lieferland von Technologie ersetzt zu werden. Vor
diesem Hintergrund wäre es durchaus möglich, daß der russische Gasriese
Gasprom seinen bisherigen Widerstand gegen eine Zusammenarbeit mit der
iranischen Energieindustrie fallen läßt. 

Dennoch dürfte es für Rußland auf dem iranischen Markt schwieriger werden.
Seitdem Moskau Anfang der 90er Jahre beim Bau von Irans erstem
Atomkraftwerk, des 1 000-Megawatt-AKW in der Nähe von Buschehr, geholfen
hatte, besaßen russische Unternehmen quasi das Monopol auf dem iranischen
Markt für die zivile Nutzung der Atomtechnologie. Bisher hat Moskau stets
alle US-amerikanischen Aufforderungen, den europäischen Ländern zu folgen
und den Export von Nukleartechnologie in den Iran zu unterlassen, weil
Teheran diese Technologie angeblich zur Entwicklung einer A-Bombe nutze, mit
dem Hinweis zurückgewiesen, daß es keine Beweise für derartige Behauptungen
gibt. Nun droht Moskau entweder von China oder den westeuropäischen Ländern
verdrängt zu werden: von China, wenn es sich dem US-EU-Boykott gegen Iran
anschließt, und von Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die Teheran
zivile Atomtechnologie angeboten haben, wenn es seine angeblichen Versuche
zur Entwicklung von Atomwaffen stoppt. 

Neuauflage des »Großen Spiels« 

Zugleich zeigt sich Iran zunehmend interessiert, dem »Schanghai
Kooperationsabkommen« beizutreten, wo neben Tadschikistan, Kasachstan,
Kirgisien und Usbekistan auch China und Rußland sicherheitspolitisch
zusammenarbeiten. Insbesondere die letzten beiden Länder gelten für viele in
der Region als die Hauptpfeiler gegen den zunehmend alle völkerrechtlichen
Normen mißachtenden Superschurkenstaat USA. Selbst wenn an eine formelle
Allianz zwischen China, Rußland und Iran derweil nicht zu denken ist, so
gleichen sich – was die Rolle der USA betrifft – die Bedrohungsanalysen
dieser Länder. Das Vordringen der USA nach dem 11. September 2001 in den an
Öl und Gas reichen zentralasiatischen Raum wird sowohl von Rußland und China
als auch von Iran mit tiefem Mißtrauen gegen Washingtons Politik verfolgt.
Moskau und Teheran sehen diese Region als ihren ureigenen »Hinterhof« an, in
dem China als zuverlässiger Abnehmer und – anders als die USA – nicht als
Hegemon auftritt. Peking wiederum sieht in dieser Region eine wichtige
zusätzliche Quelle zur langfristigen Sicherung seiner Energieversorgung und
ist um deren Stabilität besorgt. 

Washington wiederum hat mit einer Reihe zentralasiatischer Länder
(Aserbaidschan, Tadschikistan, Kirgisien und Usbekistan) eigene bilaterale
Militär- und Sicherheitsabkommen abgeschlossen. Zugleich stärkt Washington
die sogenannte Guuam-Gruppe, zu der auch Aserbaidschan und Georgien gehören,
die entlang der BTC-, der Baku-Tbilissi-Ceyhan-Pipeline als Gegengewicht zum
russischen Einfluß in Zentralasien dienen sollen. 

Bollwerk gegen Hegemon USA 

Allerdings versucht auch Teheran, seinen Einfluß in der Region zu
verbessern, um so der Bedrohung durch die Pax Americana besser
entgegenwirken zu können. Dazu gehört auch das iranische Militärabkommen mit
Turkmenistan im Jahre 1994. Laut wiederholter Erklärungen ist die
Bush-Regierung angetreten, dem Mittleren Osten notfalls mit militärischen
Mitteln »Freedom and Democracy« zu verordnen, und den Erfordernissen des
US-Marktes anzupassen. David Tucker, stellvertretender Direktor im Büro des
Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium, zuständig für
Sonderoperationen und Konflikte unterhalb der Kriegsschwelle, hatte bereits
im Sommer 1998 deutlich gemacht, daß »das Gebiet um den Persischen Golf,
nördlich bis zum Kaspischen Meer und östlich bis nach Zentralasien« die
einzige Region ist, für die es sich für die USA »wirklich lohnt zu kämpfen«,
denn dort seien »etwa 75 Prozent der Weltölreserven und 33 Prozent der
Welterdgasreserven beherbergt«. 

Mit seinen Abkommen mit Kasachstan (zur Erschließung der Energieressourcen
im kaspischen Becken) und mit Iran (zur Erschließung der Energieressourcen
im Persischen Golf) hat China deutlich gemacht, daß es nicht gewillt ist,
dieses Gebiet widerstandslos Washington zu überlassen. Zugleich zeigt die
Entwicklung, daß die derzeitige Neuinszenierung des »Großen Spiels« weitaus
breiter und umfassender angelegt ist, als das noch bei der Erstaufführung
gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Fall gewesen war. Diesmal geht es nicht
mehr allein um die Kontrolle der zentralasiatischen Energiereichtümer,
sondern um die ganze Großregion vom Persischen Golf bis zum Kaspischen Meer,
die von den USA inzwischen als Greater Middle East bezeichnet wird. Zugleich
wird zunehmend deutlich, daß sowohl China als auch Rußland in dem
»Frontstaat« der Islamischen Republik Iran ein wichtiges Bollwerk gegen die
US-amerikanischen Hegemoniebestrebungen sehen. Moskau und Peking scheinen zu
einer gemeinsamen Front dagegen bereit. Am 27. Dezember letzten Jahres
überraschte der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow mit der
Ankündigung gemeinsamer Militärmanöver auf chinesischem Hoheitsgebiet im
Herbst dieses Jahres.





———————-- 
Adresse: http://www.jungewelt.de/2005/01-29/004.php
Ausdruck erstellt am 30.01.2005 um 10:27:19 Uhr





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Zuletzt geändert: 09.07.2006