Regionen und Länder

Friedensfacharbeit in der Türkei

Artikel für die Gewaltfreie Aktion Nr 1 /2000 von Ann-Kristin Kröger und Jörg Rohwedder

”Ich verweigere die Zusammenarbeit mit dem existierenden System. Ich bin entschlossen, mich jeder Art von Gewalt zu enthalten. Ich verweigere die Zusammenarbeit mit der von Staaten organisierten Gewaltinstitution Armee. Ich werde keine Waffen tragen, Menschen töten, Befehle befolgen und nach Bedarf sterben.” Mit diesen Worten erklärte Timuçin K?z?lay in Istanbul seine Kriegsdienstverweigerung anläßlich des 15ten Mai 2000, dem internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung.

Erste öffentliche KDV seit Jahren

Er zitterte dabei am ganzen Leibe, stand er doch vor sechshundert BesucherInnen eines antimilitaristischen Festivals und der zahlreich anwesenden Presse. Neben zwei weiteren Kriegsdienstverweigerern beendete Timuçin K?z?lay eine mehrjährige Phase, in der seit 1996 keine Kriegsdienstverweigerung mehr öffentlich erklärt wurde. Zum Erstaunen der AktivistInnen durchbrachen zwei Zeitungen die seit 1995 “auferlegte Selbstzensur”1 und berichtete in längeren Interviews über die Motive der drei, ihren Kriegsdienst zu verweigern. Das erste Mal seit 1994 sah sich auch der Generalstab gezwungen, zu einem Thema Stellung zu nehmen, welches er bisher zu ignorieren versuchte. In seiner Erklärung vom 21. April konstatierten die obersten Militärs, dass es das Konzept der KDV in der Türkei nicht gebe und auch nicht geben könne, solange die Türkei weiter von Feinden von innen und außen bedroht sei.

Langjährige Kooperationen

Seit Anfang der neunziger Jahre2 kooperieren AntimilitaristInnen aus Deutschland, Frankreich, Grossbritanien und den Niederlanden mit denen in der Türkei. Kriegsdienstverweigerung war dabei der Schwerpunkt für die Unterstützung, der sich später auf gewaltfreies Handeln verbreiterte. Aus der Kooperation entstanden eine Vielzahl von Projekten und Besuchen deren Ergebnis u.a. die Entscheidung für die Entsendung von zwei Freiwilligen in Friedensfacharbeit nach Izmir ist. Die dafür notwendigen inhaltlichen Grundlagen konnten bereits 1996 während eines Trainings in der Türkei (Foca) 3 gelegt werden. Eine Bestätigung erhielt diese Grundlage während eines Strategieseminars im Sommer 1998. Seitdem haben der Izmir Savaþ Karsýtlarý Derneði (Verein der KriegsgegnerInnen Izmir, ISKD) und die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion KURVE Wustrow die Arbeit von “Friedensfachkräften” in der Türkei vorbereitet. Im folgenden Artikel sollen die Bedingungen für Friedensarbeit in der Türkei und die konkreten Aufgaben vor Ort vorgestellt werden.

Bedingungen für FriedensakteurInnen4 in der Türkei

Die Atmosphäre innerhalb der unabhängigen und progressiven Kräften hatte sich durch den ”postmodernen Putsch” gegen die Regierung Erbakan am 28. Februar 1997 und die Wahl vom April 1999 mit einem großen Stimmenzugewinn für die faschistische MHP weiter verschlechtert. Insbesondere während der Flucht von Abdullah Öcalan und der folgenden Entführung aus Kenia wurde über die Medien die Stimmung der Bevölkerung aufgeputscht.

Im Zusammenhang mit dem Schauprozeß gegen Öcalan konnten Faschisten verschiedene Male in Büros der prokurdischen HADEP und des Menschenrechtsvereins (IHD) eindringen und ohne ein Eingreifen der Polizei AktivistInnen verprügeln.5 Vorfälle dieser Art und die wachsende Entpolitisierung der Bevölkerung liessen unabhängige Gruppen und Organisationen mit öffentlichen Aktionen vorsichtig werden.

Entscheidung von Helsinki

Die Entscheidung von Helsinki, in der die Europäische Union die Türkei als offiziellen Beitrittskandidaten anerkannte, wird bei vielen als ein wichtiger Schritt auf eine Demokratisierung begriffen. ”Ja, das könne langfristig eine Veränderung der türkischen Menschenrechtspolitik bedeuten”, äußert sich Murat Belge, Kolumnist der Tageszeitung ‘radikal’. ”Wir werden jetzt auf einer anderen Basis arbeiten, aber schnelle konkrete Veränderungen erwarte ich nicht.”6 Am 20. Mai `00 wurde Ahmed Necdet Sezer als erster Jurist zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Die KolumnistInnen in deutschsprachigen Zeitungen nehmen die Hoffnungen ihrer türkischen KollegInnen auf, und Sezer wird mit viel Vorschusslorbeeren bedacht. Sezer steht für die Hoffnung auf eine grundlegende Veränderung. In einer Stellungnahme der Istanbul Antimilitarist Inisiyatif macht Uygar Abaci im Gegensatz dazu deutlich, dass die Herrschaft in der Türkei weiter vom Militär ausgeht. Im Nationalen Sicherheitsrat, der paritätisch mit Militärs und RegierungsvertreterInnen besetzt ist, unterbreitet das Militär “Vorschläge an die Politik”, die dann von der Regierung rasch umgesetzt werden. Erst wenn die Macht des Nationalen Sicherheitsrates in Frage gestellt würde, so Abaci, sei eine tatsächliche Veränderung zu erwarten.

Überrascht hat dann der Generalstab, als er vorschlug, den Sicherheitsrat zu vergrößern und den Anteil der MinisterInnen zu erhöhen. Die zivilen VertreterInnen würden damit die Mehrheit stellen. Die Vorschläge verschiedener gesellschaftlicher Kreise werden deutlicher und fordern u.a. die Abschaffung des Sicherheitsrates.7

Die Türkei in der Transformation

Deutlich wird in den Monaten seit Helsinki, dass sich die Türkei in einer Phase der Transformation befindet. Es ist dabei offen, wie sich die Entwicklung für die Zivilgesellschaft und die Menschenrechte auswirken wird. Und noch fehlt es an einer BürgerInnenbewegung, die das Signal, das von dem Kandidatenstatus der Türkei ausgeht, als ihres begreift und versucht, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Sicher, seit einigen Jahren gibt es Bewegungen, die sich auf ein einzelne politische Ziele konzentriert haben und für diese Ziele Bündnisse eingehen konnten. In Deutschland haben die Aktionen gegen den geplanten Goldbergbau in Bergama und das auf einer Erdbebenspalte geplante AKW in Akuyu eine begrenzte Öf­fentlichkeit erlangt. Die Frauenbewegung, bisher ein Anhang an traditionelle Parteien und Gewerkschaften, erarbeitete sich ein eigenes Profil8 und seit 1993 entwickeln sich antimilitaristische Gruppen, deren hautpsächlicher Ansatzpunkt der vergangenen Jahre die konsequente Kriegsdienstverweigerung und eine Kampagne gegen die Militärjustiz war. In der Türkei konnte es dieser recht kleinen Gruppe von Menschen innerhalb von sechs Jahren gelingen, die Begriffe “Gewissensverweigerung” und “Gewaltfreiheit”, für die es keine türkischen Worte gab, in einer progressiven Linken be­kanntzumachen. Über die Konzepte, die dahinter stehen, konnte in Kooperation zwi­schen dem ISKD, der DFG-VK, von patchwork, Study Centre of Turkey (SOT)9 und der KURVE Wustrow Literatur in deutsch und türkisch veröffentlicht werden.10

Vor diesem Hintergrund stellen sich für die Arbeit von zwei qualifizierten FriedensarbeiterInnen verschiedenen Aufgaben, um die Arbeit des ISKD und anderer Gruppen der sozialen Bewegung zu stärken.

Aufgaben vor Ort

Aus der Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen haben sich verschiedene Aufgabenbereiche entwickelt:



Unterstützung der lokalen Gruppe

Wie beschrieben befindet sich die türkische Linke in einer abwartenden, defensiven Haltung, was auch die Atmosphäre im ISKD negativ beeinflusst. Die Energie der Gruppe ist durch eine dreijährige, kräftezehrende Solidaritätsarbeit für Osman Murat Ülke, der als Kriegsdienstverweigerer in einem Militärgefängnis inhaftiert war, fast aufgezehrt. Innerhalb des oppositionellen Teils der Gesellschaft werden die AktivistInnen des ISKD durch die konsequente Kriegsdienstverweigerung zwar respektiert, zu einer Übernahme ihrer Forderungen oder einer intensiveren Beschäftigung mit den zugrundeliegenden Konzepten kommt es aber bisher nicht..

Allein die Tatsache, dass wir vor Ort leben, die Sorgen der Gruppe teilen und eine verlässliche Arbeitskraft sind, wird als Unterstützung wahrgenommen. Je länger wir hier leben, umso deutlicher müssen wir aber die Marginalität und die damit verbundenen Schwierigkeiten des kleinen Vereins anerkennen.

Eine wichtige Aufgabe für von aussen kommende UnterstützerInnen ist deshalb -ob gute oder schlechte Zeiten- auf die Atmosphäre und die Beziehungen in der Gruppe zu achten. Gruppen können durch Marginalisierung, repressive politische Bedingungen und schwierige Lebensbedingungen (u.a. hohe Arbeitslosigkeit, kein staatliches soziales Netz) ohnmächtig und handlungsunfähig werden. Wir erleben viele AktivistInnen –auch ausserhalb unserer Gruppe- nahe am burn-out. Sie haben wenig Zeit und Geld, sich etwas “Gutes zu tun” oder eine Pause zu gönnen. Mit unserem Abstand und unserem leichteren Alltagsleben, sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns um liebevolle Gesten, Spiele, etwas Gutes zu Essen und andere “Kleinigkeiten” zu kümmern: Wir stehen unter einem geringeren Druck und können die Rolle des ”JOKERS” übernehmen.

Zusätzliche Arbeitskraft

In unserer Arbeit mit unserer Partnerorganisation wird deutlich, dass viele AktivistInnen mehr Ideen und Ansprüche, als Ressourcen (Zeit, Personen, Geld, Kraft) haben, um diese umzusetzen. Aus dieser Lücke zwischen Anspruch und Realität resultiert Frustration. Ein auch aus Deutschland bekanntes Phänomen, dass sich unter Repressionsdruck und schwierigeren Lebensbedingungen verschärft. Wir sehen hier unsere Aufgabe darin,

das real Erreichte sichtbar zu machen. Hohe Ideale und schier unüberbrückbare Hindernisse verstellen den Blick auf das Erreichte der vergangenen sechs Jahre. Wir versuchen in Trainngs und in der Moderation von Entscheidungsprozessen auf diese Erfolge hinzuweisen und daran anzuknüpfen.

die Ansprüche an die Realität anzugleichen. Zu Beginn unserer Arbeit z.B. bestand in der Gruppe Unklarheit darüber, wie die Ansprüche an eine aktive Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung fortgesetzt werden kann. Wir haben einen Entscheidungsprozess moderiert an dessen Ende die Entscheidung stand, Kriegsdienstverweigerung nicht mehr konfrontativ, also auf den Staat und die Öffentlichkeit zugehend, zu behandeln. Der politische Anspruch wurde an die Kräfte der Gruppe angepaßt.

die Lücken durch unsere Arbeitskraft zu schliessen und auf diese Weise Erfolge sichtbar zu machen und gleichermassen, an einer langfristigen Lösung für die ständige Frustrationsquelle mitzuwirken.

Wir haben einen deutschem Paß und bleiben für eine begrenzte Zeit. Daher lastet der Druck einer möglichen Sanktion nicht so hoch auf uns und wir bringen mehr Energie mit, als AktivistInnen, die bereits jahrelang in der Türkei kämpfen. Eine Freiwillige in Friedensfacharbeit kann allein dadurch Dynamik in eine Organisation bringen, weil sie Arbeitszeit, Wissen und Motivation mitbringt. Versuchen wir aber, die Lücke zwischen Anspruch und Realität allein durch unsere Arbeitskraft zu schliessen, entstehen die typischen Probleme zwischen Vollzeitbeschäftigten und Ehrenamtlichen. Allein durch ein Mehr an frei verfügbarer Arbeitszeit haben wir ein starkes Gewicht einzubringen, auf der anderen Seite sind wir durch unsere (langsam wachsenden) Sprachkenntnisse begrenzt. Wir stehen im Spannungsverhältnis zwischen der “Unterstützung”, d.h. einen Gruppenprozeß vorsichtig und zurückhaltend zu begleiten und der “Mitarbeit”, in der wir als gleichberechtigtes Mitglied unsere Wünsche einbringen und für unsere Ideen werben.

Wir diskutieren dieses Spannungsverhältnis mit Einzelnen und versuchen, es der Gruppe transparent zu machen. Wir erbitten Rückmeldung, bis wir eine “sichere” Position gefunden haben. So konnten wir bisher der Gefahr vorgebeugen, eine politische Struktur aufzubauen, die nach unserer Abreise nicht getragen wird.

Als unterstützend sehen wir ausserdem unsere Beratung an, z.B. bei Fundraising, Abrechnung von Projekten oder in Lebensfragen. Und die Weitergabe von Know-how über Konflikte, Moderation oder Gruppendynamik, das wir in sozialen Bewegungen und Trainingsarbeit in Deutschland gewonnen haben.

Die Beschreibung unseres ersten Aufgabenbereiches mag die Frage aufwerfen, warum wir mit einer marginalisierten und erschöpften Gruppe zusammenarbeiten und nicht eine florierende NGO aussuchten, in der auf den ersten Blick breitere Schichten für Friedensarbeit erreicht werden können?

Zunächst verbindet uns eine gemeinsame 6-jährige Geschichte, in der inhaltliche Grundlagen aufgebaut werden konnten. Inhalte, Ideale und Ziele decken sich in den Organisationen, sind zum Teil gemeinsam entwickelt. Unsere Unterstützung kommt damit nicht ganz von “aussen”. Das hat auch das Gefühl von Solidarität und Verantwortung wachsen lassen.

Die vergangenen Aktivitäten haben die Gruppe in bestimmten Bereichen auch stärker werden lassen. Sie verfügt über Erfahrungen aus Training und Aktion, aus langfristiger politischer Kampagnenarbeit und gewaltfreiem Handeln. Der Verein ist, wie wir in der Vernetzungsarbeit erleben, bekannt und anerkannt und in der jetzigen Situation scheint es richtig, genau das zu nutzen, um damit andere Gruppen zu stärken, und Wissen und Erfahrungen weiterzugeben.

Trainings zu gewaltfreiem Handeln

Seit Anfang 2000 führen wir das erste Training für TrainerInnen zu gewaltfreiem Handeln des ISKD durch. Es ist ein langgehegter, gemeinsamer Plan, einen grösseren Personenkreis für die Ideen gewaltfreier Konfliktaustragung und deren methodische Vorschläge für Gruppen zu erschliessen. In den Jahren 1998 und 1999, vor unserer Ankunft, gab es eine AG zu diesem Thema, die zwei Tagestrainings veranstaltete. Danach verlangte die Tagespolitik nach anderen Schwerpunkten und sowohl die Energie als auch das Wissen und das Selbstbewusstsein, Trainings anzuleiten, erschöpften sich.

Mit dem Training für TrainerInnen füllt sich eine Lücke zwischen Anspruch und Realität und macht unsere Arbeit nachhaltig: Für die TrainerInnen, die wir jetzt fortbilden, gibt es die ersten Anfragen. Wir planen, sie noch in enger Kooperation durchzuführen, damit die neuen TrainerInnen Erfahrungen sammeln können und später das Selbstbewusstsein haben, allein Trainings anzubieten. Eine erste Gelegenheit bietet das Frauenseminar im Juli 2000, das in einem gemischten Team geleitet werden wird.

Methoden aus gewaltfreier Aktion und dem Arbeiten von Gruppen können wir auch bei den regelmässigen Gruppentreffen des ISKD, der Frauen- und der Theatergruppe anwenden. Zu Beginn unseres Aufenthaltes standen sowohl für die Arbeit der Frauengruppe als auch für die Kriegsdienstverweigerer Entscheidungen an, für die wir unser Wissen über Konfliktanalyse und Gruppenprozesse zur Verfügung stellten. Wir versuchten, die Moderation von Entscheidungsprozessen jeweils gemeinsam mit einer AktivistIn des ISKD vorzubereiten, um Wissen weiterzugeben.

Der Aufbau von Netzwerken sozialer Bewegungsgruppen

Lange Jahre war KDV das Thema im ISKD, was zu einer “klassischen” Geschlechtsrollenverteilung führte: Ein Mann ist im Gefängnis und viele Frauen unterstützen diesen Kampf von draussen. Die Aktionsform erforderte von den Frauen, ihre Rolle in Verbindung zu einem aktiven Mann zu definieren. Nach der Freilassung entwickeln die Frauen jetzt frauenspezifische Aktionsformen gegen Militarismus und Krieg und verändern und stärken ihre Position innerhalb des Vereins. Eine Begegnungswoche im Herbst des letzten Jahres (s.u.) war Anlass für die Frauen, auch in anderen Frauengruppen und Organisationen nachzufragen, was es bedeutet, als Frau in einer Organisation zu arbeiten, die allgemeinpolitische Ziele verfolgt. Diese, nach längerer Zeit von dem ISKD wiederaufgenommenen Kontakte, bieten eine Chance, sich weiter zu vernetzen. Und Vertreterinnen der Frauengruppe versuchen an der Plattform der Izmirer Frauengruppen teilzunehmen. Leider klafft auch hier eine Lücke zwischen Anspruch und Realität, da im ISKD nicht die notwendigen Ressourcen vorhanden sind, Vernetzungsarbeit zu leisten. Und tatsächlich stellt sich die Frage, wann Gruppen stark genug sind, Kooperationen mit anderen zu betreiben. Ist das schliesslich nicht nur eine Quelle von Kraft und Ideen, sondern auch eine Anfrage an die eigenen Ziele und Arbeitsweisen.

So auch die Vernetzungsarbeit zum Eingangsbeispiel, das zeigt, dass zu Kriegsdienstverweigerung jetzt die Istanbuler antimilitaristische Initiative mit dem Staat in Konfrontation gegangen ist. Diese Gruppe braucht die Unterstützung aller aktiven Gruppen. Auf gemeinsame Initiative hin wurden Anfang des Jahres die Vernetzungstreffen antimilitaristischer Gruppen aufgenommen, die seitdem alle sechs Wochen stattfinden. In diese Treffen versuchen wir, stärkere Strukturen und Kommunikationsweisen einzuführen, was nur sehr langsam geht, da es starke Vorbehalte gegen “westliche Methoden” gibt. Wichtig für die Gruppen ist zunächst auch nur, dass es die Treffen gibt, es zu einem Informationsaustausch und einer gemeinsamen Diskussion um politische Inhalte kommt. Mit gemeinsamen Handeln waren die Gruppen bisher überfordert.

Über dieses kleine, antimilitaristische Netzwerk hinaus, bauen wir gerade an einem weiteren. Seit Anfang des Jahres besuchen wir Gruppen in Istanbul und Ankara und forschen danach, was die kleinen Basis- und Bewegungsgruppen verbindet. Dabei haben wir eine Vielzahl von Übereinstimmungen gefunden und ein breites Interesse, Erfahrungen und Wissen auszutauschen. So nimmt die Idee, einen Kongress zum Thema “Neue soziale Bewegungen. Praxis und Ideologie” im Sommer 2001 zu veranstalten, immer konkretere Formen an. Der Kongress soll in Workshops, offenen Angeboten und Vorträgen eine breite Möglichkeit geben, sich von Problemen und Erfolgen zu berichten und bereits miteinander erste gemeinsame Schritte zu unternehmen. Angesprochen haben wir Gruppen aus fünf Bereichen: Anti-Atom-Gruppen, feministische Gruppen, Gruppen von Schwulen und Lesben, Gruppen aus der Menschenrechtsarbeit und die antimilitaristischen Gruppen. Auf drei Vorbereitungstreffen in Izmir und Istanbul sind wir jetzt soweit gekommen, dass wir Mitte Juli weitere Bewegungsgruppen ansprechen und um Kooperation bitten wollen. Bisher umfasst das Netz Gruppen aus dem Westen der Türkei, aber es sollen auch aus dem Osten AktivistInnen gewonnen werden.

Schnittstelle zwischen Bewegung in Deutschland und in der Türkei

Anläßlich des “Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen” am 25. November wurde eine Begegnungswoche in Izmir organisiert. Daran nahmen sechs Frauen aus Deutschland (DFG-VK Bildungswerk NRW, IPPNW, KURVE Wustrow) und die Frauengruppe des ISKD teil. In Gesprächen mit anderen Frauengruppen und innerhalb der Begegnungsruppe wurde der Zusammenhang zwischen Militarismus und Gewalt gegen Frauen in der Familie und durch Staatsorgane diskutiert. Die normale patriarchiale Gewalt gegen Frauen verschärft sich im Krieg, da verschiedene Formen von Gewalt öffentlich immer wieder legitimiert werden.11

Neben der inhaltlichen Arbeit wurde die bisherige Zusammenarbeit ausgewertet und auf dieser Basis für Juli 2000 ein Seminar unter dem Titel: “Frauen in antimilitaristischen Organisationen: interkultureller Vergleich und Erfahrungsaustausch.” vereinbart. Wir wollen die Zusammenarbeit mit Männern und zwischen Frauen in politischen Gruppen vergleichen und besprechen, wie wir Probleme lösen und Frauen stärken können.

Die Freiwillige aus Deutschland bildete während der Vorbereitung des Seminares eine ”Kommunikationsbrücke” zwischen der deutschen und der türkischen Gruppe. Denn es entstanden einige Probleme, weil das Seminar über e-mail, Fax und Telefon, sowie ein face-to-face-Treffen in Hamburg vorbereitet wurde, in der türkischen Gruppe nur eine Person englisch spricht, und der Anspruch bestand, das Seminar in einem gemischt-kulturellen Team durchzuführen.

Den gegenseitigen Frust über falsch verstandene mails abzufedern, und dabei jeweils die Situation der anderen Seite zu erklären, war ein wichtiger Beitrag der Freiwilligen als Kommunikationsbrücke. Zu diesem Gelingen hat v.a. beigetragen, dass die Freiwillige sowohl zu den Frauen in Deutschland, als auch zu denen in der Türkei ein persönliches Verhältnis hatte. Deshalb konnten ihr offen Enttäuschungen anvertraut werden. Die Basis, auf der die Frauen aus der Türkei und aus Deutschland ihre Missverständnisse selbst entwirren können, muss erst wachsen.

In der inhaltlichen Entwicklung des Seminares entstanden Fragen zu der Situation in der Türkei und in Deutschland. Ein interkulturelles Seminar zu veranstalten, versprach interessant zu werden, war aber inhaltlich nicht leicht zu füllen. Hier als “Kulturbrücke” zu fungieren und Ideen einzubringen, die die jeweils andere Seite aufgrund ihrer Unkenntnis gegenüber der anderen Kultur gar nicht haben kann, war wichtig für die Seminarentwicklung.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass die konkreten Aufgaben einer Friedensfachkraft immer eng an die lokale Partnerorganisation und deren Stärken und Schwächen gekoppelt sind. Die Schwerpunkte der Partnerorganisation beeinflussen auch die Ideen, die vor der Ausreise entwickelt worden sind. Auch wenn es eine langjährige Zusammenarbeit gibt und Vorklärungen über die Aufgaben der Freiwilligen stattgefunden haben, müssen diese Ideen laufend den sich ändernden Bedingungen angepaßt werden.


Wir haben in unserem Beitrag Begriffe verwendet, die in der friedenspolitischen Szene einer gültigen Definition noch harren. Darunter “gewaltfreie Konfliktaustragung” und “Freiwillige in Friedensfacharbeit”. Wir möchten unseren Beitrag durch einen kurzen Definitionsteil ergänzen und am Ende die Projektstandards darstellen, die Grundlage unserer Arbeit in der Türkei sind.


Gewaltfreie Konfliktaustragung und Friedensfacharbeit

Die Begriffe “zivile Konfliktbearbeitung” und “Friedensfacharbeit”, die in Deutschland in den vergangenen Jahren eine Bedeutung erhalten haben, spielen für die Arbeit des ISKD eine untergeordnete Rolle. Allerdings wird auch dort über Professionalisierung von Arbeit in sozialen Bewegungen disktuiert.

Im Sprachgebrauch der Organisationen, die für “zivile Konfliktbearbeitung” werben, bedeutet “zivil” in der Regel “zivilgesellschaftlich.” Es schließt gewaltvolles staatliches Handeln aus und hat seine Perspektive auf AkteurInnen aus regierungsunabhängigen Organisationen, Gruppen und Personen der unteren und mittleren gesellschaftlichen Ebene. Ziel einer ”zivilen Konfliktbearbeitung” ist es ”Menschen und Bürgerrechte zu schützen, zivilgesellschaftliche Strukturen zu stärken und Menschen zur gewaltfreien Vertretung ihrer Interessen zu befähigen.”12 Diese Erklärung deckt sich mit dem Verständnis von ”gewaltfreier Konfliktaustragung,” in der wir uns am Ziel einer herrschafts- und gewaltfreien Gesellschaft orientieren und im wesentlichen mit Gruppen der Graswurzelebene kooperieren.

Wir unterscheiden zwischen den Begriffen “Konfliktaustragung” und “Konfliktbearbeitung.” Konfliktbearbeitung kennzeichnet “die Perspektive der sog. >Dritten Partei< (also des Mediators, Konfliktberaters, Konfliktmanagers oder Supervisors), die zu Hilfe gerufen wird oder sich aus eigenem Antrieb einschaltet, um beiden Konfliktparteien (gelegentlich auch einer Partei) beizustehen (…).”13- Diese Dritte Partei sollte kein eigenes Interesse in dem Konflikt und für den Konfliktausgang besitzen und sich für die Interessen aller Konfliktparteien einsetzen, also allparteilich sein.14 Von Konfliktbearbeitung wird auch gesprochen, wenn “Konfliktparteien in einer Schlußphase eines Konflikts nach einer für beide Seiten erträglichen Art und Weise der Konfliktbeendigung suchen, oder wenn sie einen weiter zurückliegenden, nicht mehr akuten (…) gleichwohl bedeutsamen Konflikt aufarbeiten (…)”15 Dieses Verständnis findet sich in der praktischen Umsetzung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wieder, das den Schwerpunkt der von ihm geförderten Projekte des zivilen Friedensdienstes auf die Prävention und die Nachsorge legt.16

Konfliktaustragung umfaßt dagegen “den gesamten aktuellen Konfliktprozeß aus der Perspektive der Betroffenen, also in der Regel der Konfliktgegner oder –partner (…).”17 Die Perspektive der “gewaltfreien” Konfliktaustragung ist die derjenigen, die sich für eine emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft einsetzen. “Gewaltfreie Konfliktaustragung” soll helfen, daß AkteurInnen an Handlungsfähigkeit und Stärke gewinnen. Als KURVE Wustrow verfolgen wir in der Regel mit unseren Projekten einen parteilichen Ansatz und verstehen uns, von Ausnahmen abgesehen, nicht als allparteiliche Dritte Partei wie oben definiert, sondern als parteiliche Dritte Partei. Wir beziehen mit unseren Partnerorganisationen gemeinsame Position und stellen eine Verbindung zwischen den politischen Herrschaftsverhältnissen in jeweils beiden Ländern her. Dabei bleibt es das Ziel, nicht mit den Herrschenden einer ungerechten Ordnung zu kooperieren, sondern sie zu einer Aufgabe ihrer Herrschaftsposition zu bewegen.18



Friedensfacharbeit im Konzept der gewaltfreien Konfliktaustragung bedeutet, daß eine Aufgabe im Rahmen gewaltfreier Konfliktaustragung übernommen wird,

Friedensfacharbeit erfordert

In der deutschen Diskussion befinden sich verschiedene Standards für eine Qualifizierung zur Friedensfacharbeit, wobei ein Vorschlag des ´Gesprächskreises Ausbildung` in der Plattform zivile Konfliktbearbeitung den Weg für einen Konsens geebnet haben dürfte.

In der KURVE Wustrow wird anhand der Projektanforderungen und der gewünschten Standards mit jeder Kandidatin und jedem Kandidaten im Einzelfall geprüft, welche Qualifikationen bereits vorliegen, welche vertieft oder neu erworben werden müssen. Die Qualifikationen können dann bei verschiedenen Anbietern erworben werden.

Für unsere Vorbereitung hat es sich als vorteilhaft erwiesen, daß sich der Qualifizierungsprozeß über einen Zeitraum von über einem Jahr verteilt hat. So blieb Zeit, die neuen Anregungen in den Seminaren in die Vorbereitung zu integrieren und eigenen Fragen nachzugehen.

In der praktischen Arbeit zeigt sich aber, daß nicht die Qualifizierung ausschlaggebend ist, sondern unsere Erfahrungen aus gewaltfreier Aktionen in Deutschland und der Arbeit in verschiedenen (Bewegungs-) Organisationen.

Als unerlässlich für die Arbeit hat sich ein Gerüst erwiesen, dass aus der Projektkoordination, der Projektgruppe und der Unterstützungsgruppe und den PatInnen besteht.

Die Projektkoordination bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen unserer Arbeit in der Türkei, den anderen Arbeitsbereichen der KURVE Wustrow und denjenigen Organisationen und Personen, die an gewaltfreier Konfliktaustragung und an dem Projekt interessiert sind. Die Projektkoordination sollte zwanzig Wochenstunden umfassen, um v.a. vier Arbeitsbereiche abzudecken:

Die Finanzierung unseres Projektes lies bisher nur zehn bezahlte Wochenstunden zu, die wir in Zukunft auf die Administration kürzen werden müssen. Ein Teil der Arbeit wird unter Projektpartnern, den Freiwilligen und der Unterstützungsgruppe aufgeteilt.

Eine Projektgruppe soll idealtypisch aus ca. sechs Personen bestehen, die die Arbeit im Projekt fachlich begleiten, die politischen Inhalte in Deutschland vertreten und strategische Fragen aus dem Projekt diskutieren. In enger Zusammenarbeit mit der Projektkoordinatorin können dabei Initiativen in der Öffentlichkeitsarbeit, im Fundraising, in der Vertretung des Projektes innerhalb der wachsenden Strukturen der KURVE-Wustrow und der gemeinsamen inhaltlichen Projektarbeit ergriffen werden.

Für die Türkeiarbeit besteht eine solche Projektgruppe nicht. Die fachliche Begleitung wird durch die Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der DFG-VK NRW, patchwork, der DFG-VK Berlin und Frankfurt, Connection e.V. einigen Einzelpersonen und der Projektkoordinatorin gewährleistet.

In einer Unterstützungsgruppe organisieren sich Freundinnen und Freunde der Freiwilligen. Bereits vor der Ausreise fanden erste Treffen statt, in denen über die Projektentwicklungen berichtet und über die Funktionen der Gruppe diskutiert wurde. Die Funktionen einer Unterstützungsgruppe können vielfältig sein und hängen von den Fähigkeiten und Interessen ihrer Mitglieder ab. Für uns haben sich die psycho-soziale und die praktische Funktionen als sehr hilfreich erwiesen.

- Psycho-soziale Funktion- In unserer Vorbereitungszeit haben wir erlebt, wie schwer es für eine relativ kleine Organisation ist, Projekte und vor allem deren Vorlaufzeit finanziell abzusichern. Eine Schwierigkeit, die zeitweise das Projekt als undurchführbar erscheinen ließ. Demotivierend war auch das Mißtrauen von potentiellen UnterstützerInnen gegenüber Friedensfacharbeit. Nur wenige sind über die Idee gewaltfreier Konfliktaustragung informiert und trauen Friedensfacharbeit eine Effektivität zu. Unsere Unterstützungsgruppe, die sich regelmässig unsere Schwierigkeiten anhörte und Befürchtungen kommentierte, hat uns entlastet.

-Praktische Funktion – Eine Unterstützungsgruppe kann sich viele Arbeiten, wie die Organisation von öffentlichen Veranstaltungen oder Flohmärkte und Solischichten in Cafes geben, um das Projekt finanziell zu unterstützen und in die Öffentlichkeit zu tragen. In einer Gruppe befinden sich immer auch Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten, so z.B. jemand der sich mit Computern auskennt, ins Englische übersetzen kann oder ein Flugblattlayout übernimmt.

Koordination, Projekt- und Unterstützungsgruppe sind Teil eines Projektes und tragen die Friedensarbeit ebenso, wie die ausreisenden Freiwilligen.

In der Vorbereitung haben wir begonnen, PatInnen für das Projekt zu werben, die

FreundInnen luden aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu einem Treffen ein. Dort haben wir das Projekt mit einem Diavortrag vorgestellt und für Patenschaften geworben. Nach einem ähnlichen Verfahren wird Tupper-Ware vertrieben und so übernahmen wir den Namen “Tupper-Party”. Leider zeigte unsere Erfahrung, dass zu “Tupper-Partys” mit einem politischen Thema vor allem Personen mit persönlichem Bezug kamen. Die Hoffnung, neue Kreise zu erschliessen, erüllte sich kaum. Das Projekt konnte also in einem erweiterten Bekanntenkreis bekannt gemacht werden.

Vor allem die letzten beiden Punkte (Finanzen, Öffentlichkeit) werden durch PatInnen abgedeckt. Aus sechs “Tupper-Partys” haben wir 40 PatInnen gewonnen, die 2.200,-- DM monatlich spenden und damit das Projekt überhaupt erst ermöglichen. Aus Stiftungsquellen haben wir leider weit weniger Geld erhalten.

Ein Projekt in Friedensfacharbeit soll mindestens ein Jahr dauern, um den Anspruch nach Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit einzulösen. Die Erfahrungen aus der Entwicklungszusammenarbeit geben zwei bis drei Jahre als die optimale Dauer vor. Über einen solchen Zeitraum soll qualifiziertes Personal ein dem Land, der Qualifizierung und den Projektanforderungen angemessene Entlohnung erhalten. Die finanzielle Grundlage für die Projektarbeit soll gesichert sein. Für unsere Arbeit können wir das leider nicht sagen. Wir haben die Ausreise forciert, obwohl eine angemessene Entlohnung und vor allem eine auf Dauer gesicherte Finanzierung nicht sichergestellt war und auch immer noch nicht sichergestellt ist. Aus diesem Grund sprechen wir von uns nicht als FriedensfacharbeiterInnen sondern als “Freiwillige in Friedensfacharbeit.”

Eine intensive Verbindung zwischen Gruppen in Deutschland und im Ausreiseland ist für Friedensarbeit u.E. wichtig. Internationale Friedensarbeit soll keine Einbahnstraße sein, in der (reiche) Deutsche in Konfliktgebiete entsendet werden. Es soll nicht nur mit der Partnerorganisation vor Ort gearbeitet werden, sondern in einer internationalen Kooperation von Organisationen.21 Zudem ist Friedensfacharbeit in dieser Form noch ein neues Feld und umso mehr wird die kritische Begleitung und das das Wissen vieler Fachleute gebraucht. Nicht zuletzt soll der Austausch die Rückkehr aus dem Projekt erleichtern, da die Erfahrungen kontinuierlich (mit)geteilt wurden.

Ein Instrument sind Artikel, in denen wir über die politische Situation unterrichten und über die Projektentwicklungen informieren. Dieser wichtige Informationsfluß droht rasch einseitig zu werden, da es auf Berichte, Artikel und Rundbriefe in der Regel zwar ermutigende, aber inhaltlich nur kurze Rückmeldungen gibt.

Weitere Möglichkeiten, die es AktivistInnen in Deutschland ermöglichen, sich an Diskussionen über Ziele, Strategien und Methoden zu beteiligen, sind:

Die Friedensarbeit in der Türkei ist auf die politische und finanzielle Solidarität vieler Menschen angewiesen. Strukturen von gewaltfreier Konfliktaustragung brauchen Zeit und Geld, um errichtet zu werden. Wir bitten für das Projekt “Friedensarbeit in der Türkei unterstützen” um steuerabzugsfähige Spenden auf das Konto 55 66 33-309 der KURVE Wustrow Postbank Hannover, BLZ 250 100 30. Stichwort: ”Türkei” SpenderInnen und PatInnen werden in das Alarmnetz aufgenommen. Weitere Informationen sind erhältlich bei: KURVE Wustrow, Kirchstr. 14, D-29462 Wustrow, Tel. 05843-9871-0, Fax: 9871-11

1 Zensur wird vom Staat unmittelbar und mittelbar ausgeübt. Im mittelbaren Prozess werden bestimmten Themen auf Pressetreffen des Großen Generalstabs zum Tabu erklärt. In der Folge übt die Presse zu diesem Thema Selbstzensur. Von befreundeten JournalistInnen weiss der ISKD, dass ein solches Tabu gegen antimilitarisitsche Themen im Laufe des Jahres 1995 verhängt wurde.

2 In der GA Nr. 117/188 ausführlich beschrieben worden. Die Kooperation wird getragen von verschiedenen Gruppen in der DFG-VK, patchwork, Connection e.V., Kampagne gegen Wehrpflicht Zwangsdienste und Militär, Study Centre of Turkey (SOT), der KURVE Wustrow, dem ISKD, der Istanbul Antimilitarist Inisiyatif IAMI und einigen Einzelpersonen.

3 Aus Ergebnissen des Trainings entstand das Buch ”Aufstehen gegen Kulturen der Gewalt”, KOMZI Verlag, 1997, Hrsg.: DFG-VK Bildungswerk NRW, KURVE Wustrow und der ISKD.

4 Wir verstehen unter AkteurInnen Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen, die sich aktiv und zielgerichtet für Frieden einsetzen.

5 Özgür Bakýþ, 26.11.1999

6 Nur in wenigen Medien wird diskutiert, daß es vor allem ökonomische und geostrategische Interessen sind, die einen EU Beitritt der Türkei und in der Folge eine befriedete Lösung für den ”Krieg niedriger Intensität” in den kurdischen Gebieten erfordern. Mit der Fertigstellung von Staudämmen, die das Wasser von Euphrat und Tigris regulieren, sollen die kurdischen Gebiete industriell-landwirtschaftlich genutzt werden. Krieg steht dem genauso im Wege wie der Öl- und Gaspipeline, die aus dem Kaukasus über Georgien ans Mittelmeer führen soll. Die Pipeline umgeht Russland und den Iran und ermöglicht es, Öl auf kurzem Weg in Türkei und damit im Herrschaftsbereich der NATO zu transportieren. Einen ungefährdeten Nutzen erbringt diese Strecke aber nur, wenn die Region befriedet ist.

7 Das ist kein Widerspruch zu den oben genannten verschlechterten Bedingungen für die politische Arbeit. Vorsichtige Artikel dieser Art gibt es schon seit Jahren und der türkische Staat hat in den vergangenen Jahren Menschenrechtsverletzungen auch nicht geleugnet, sondern entweder deren Unabänderlichkeit im Kampf gegen den Terrorismus behauptet oder sofortige Abhilfe versprochen. Die allerdings läßt weiterhin auf sich warten.

8 vgl. Womens Movements in Turkey: A Brief Overview, Pinar Ilkkaracan, Istanbul, 1997

9 Die Armee in der Türkei und Menschenrechtsverletzungen, Mai 1999, Study Centre on Turkey, Postbus 94802, 1090 GV Amsterdam, sot@antenna.nl, fax 0031204284062. Das Buch dokumentiert Menschenrechtsverletzungen der türkischen Armee im Jahre 1998. Sie ist auf türkisch, wird ins deutsche übersetzt und soll im März 2000 in Deutschland erscheinen

10 Aufstehen gegen Kulturen der Gewalt, KOMZI-Verlag, 1997, Hrsg: Bildungswerk der DFG-VK NRW, ISKD, KURVE Wustrow u.a.

11 Die aus den Gesprächen gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Grundlage für ein Bildungsmaterial für Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Anwältinnen, die in Deutschland mit geflüchteten Frauen arbeiten. Es wurde vom DFG-VK Bildungswerk, NRW erarbeitet.

12 Aus dem Entwurf vom 10.11.1999 über die Qualifizierung von Friedensfachkräften, AG `Gesprächskreis Ausbildung` in der Plattform zivile Konfliktbearbeitung.

13 Maringer, Eva und Steinweg, Reiner, Konstruktive Haltungen und Verhaltensweisen, Berlin, 1997, S. 11-12, Hervorhebungen im Original

14 Besemer, Christoph: Mediation – Vermittlung in Konflikten, 1995

15 ebenda

16 Aus dem Schriftwechsel zwischen dem BMZ, dem DED, EIRENE und der KURVE Wustrow im Herbst 1999.

17 ebenda, S. 12

18 Strittig ist in den Projekten der KURVE Wustrow z.B., ob die Fortbildung von Polizisten zu Deeskalation und dem angemessen Umgang mit Menschenrechten legitim ist? Bisher werden solche Fortbildungen nicht angeboten.

19 Müller, Harald, Feststellung des Bedarfs von Friedensfachkräften bei der AGDF, in Friedensfachdienst ist nötig, Bonn, 1998, S. 6

20 Im Rahmen der AG ´Gesprächskreis Ausbildung` in der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung werden in diesen Monaten Standards für eine Qualifizierung zur Friedensfachkraft erarbeitet.

21 Siehe hierzu die Broschüre ”Sich gegenseitig Dolmetscher sein” Ein Gespräch über internationale Friedensarbeit und die Rolle von gegenseitigen längeren Aufenthalten. Hrsg.: Istanbul Antimilitarist Inisiyatif (IAMI) und Bildungswerk der DFg-VK NRW e.V., Oktober 1999. In diesem Artikel kann nicht über die vielfältigen Aktivitäten zum Thema KDV in der Türkei berichtet werden, die in Deutschland seit Jahren unternommen werden.