Regionen und Länder

Rundbrief Nr. 6

 

Izmir, den 17.07.2000

Liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Verwandte und andere Interessierte,

Jetzt haltet ihr den Sommerrundbrief in den Händen oder habt ihn auf dem Schirm. Unsere Rundbriefe werden sich verändern. Wir haben von Euch Rückmeldungen bekommen, die uns dazu veranlassen. Einige von Euch sagten: "Das sind ja immer ausführliche Berichte, aber was ist eigentlich mit der Gruppe, in der ihr arbeitet? Schreibt von denen mal wieder was." Das wollen wir in diesem Rundbrief tun. Und einige von Euch sagten: "Ehrlich gesagt, sind mir die Texte zu lang, um sie auf dem Computer zu lesen. Also noch ehrlicher, ich habs nicht gelesen." Wir werden daher zukünftig die Rundbriefe, die ihr als mail erhaltet kurz halten und stattdessen immer dann, wenn es etwas themenbezogenes zu berichten gibt, "Nachrichten aus der Friedensarbeit in der Türkei" versenden. Wer das alles per Post bekommt, wird kaum einen Unterschied bemerken.

NEUE E-MAIL-ADRESSE

Verwendet bitte zukünftig folgende e-mail Adresse: Ankajoe3@hotmail.com

 

Frauenseminar

Am romantischen Bafa-See bei zeitweise 40 Grad im Schatten haben 21 Frauen aus Deutschland und der Türkei fünf Tage lang diskutiert, lange Kennenlerngespräche geführt und voneinander gelernt. Die Teilnehmerinnen aus insgesamt 9 Organisationen haben jetzt vor, ein Netzwerk zu gründen. Es ist also gelungen, mit dem Seminar eine Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu legen. Themen des Seminares waren Konkurrenz zwischen Frauen, ein Planspiel zu (internationaler) Kommunikation sowie die Frage, wie wir als Frauen politisch arbeiten wollen. Obwohl in der Kürze der Zeit viele Fragen nur angerissen wurden, waren sich alle einig, dass gerade die Themenvielfalt und die Verschiedenheit der Frauen bereichernd waren.

Das Gefühl etwas Grosses auf die Beine gestellt zu haben, hat auch die Frauengruppe des ISKD (An-Fem) sehr motiviert. Bei der Auswertung waren zwar alle erschöpft und müde, aber für den Herbst wurden bereits wieder Pläne geschmiedet. So soll eine Dokumentation entstehen und weitere Trainings folgen. Ein ausführlicher Bericht über das Seminar wird von Ferda aus dem ISKD geschrieben, übersetzt und später verschickt.

Erfolgreiche Reise nach Holland

In den "Nachrichten aus der Friedensarbeit Nr. 1" hatten wir ausführlich von dem Bericht geschrieben, der sich mit Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den türkischen Streitkräften befasst. Dieser Bericht, der von zwei Aktiven des ISKD(Verein der KriegsgegnerInnen Izmir) erstellt wurde, diente jetzt einer niederländischen Parlamentskommission erneut als Grundlage für ihre Entscheidungen. Das Parlament hatte aufgrund des Berichtes vor einem Jahr die Abschiebung kurdischer Kriegsdienstverweigerer ausgesetzt. Allerdings kam es in der Folge zu einem folgenschweren Missverständnis über die Frage von "zweifelhaften Todesfällen" und "Selbstmord". Ein Mitarbeiter der türkischen Menschenrechtsstiftung hatte in seiner Stellungnahme von Selbstmorden bei Soldaten gesprochen. Daraufhin setzte die niederländische Regierung zwei Abschiebungen durch. Beide kurdische Kriegsdienstverweigerer mussten in die Armee und kamen dort unter zweifelhaften Umständen ums Leben. Die Armee deklarierte ihre Tode als Selbstmord.

Ein Vertreter des ISKD reiste nun Mitte Juli nach Amsterdam um der Parlamentskommission zu erläutern, was es mit den zweifelhaften Todesfällen auf sich hat. Er konnte die Ansicht des ISKD darlegen, die sich aus der einjährigen Recherche ergeben hat: Ob Selbstmord oder Mord ist in der Regel schwer sicher festzustellen, da die Leichen oft ohne unabhängige Obduktion beerdigt werden. Wichtiger erscheint es, auch die tatsächlichen Selbstmorde als durch die Umstände in der Armee hervorgerufen zu betrachten und sie somit auch in die Verantwortung der Armee zu stellen. Sie treibt die jungen Männer dazu, sich selbst zu töten. Die Parlamentskommission erkannte in der Versammlung die Bedeutung der "zweifelhaften Todesfälle" an. Ein Abschiebestopp für Kriegsdienstverweigerer wird erneut geprüft werden und hat gute Aussichten auf Erfolg.

Besuch aus Griechenland

Im Mai hatte der ISKD Besuch von einer Gruppe GriechInnen aus Thessaloniki. Auf den Spuren ihrer Vorfahren, die 1923 aus der Region Izmir vertrieben worden waren, streiften sie durch Izmir und besuchten daneben noch die bekannten Organisationen der Menschenrechtsarbeit. Dies ist nicht die erste Reise dieser Art, aber es ist die erste, die die Gäste so nachhaltig beeindruckte, dass sie versprachen, bald wiederzukommen. So kommen einige von ihnen dann Ende Juli nach Alibey im Norden von Izmir zurück. Auf die Halbinsel Alibey waren in den zwanziger Jahren des Jahrhunderts TürkInnen, die ursprünglich auf Kreta ansässig waren, umgesiedelt worden. Mit diesen griechischstämmigen TürkInnen wird eine Begegnung organisiert. Über die verschiedenen Vertreibungsgeschichten und ihre Folgen soll gesprochen werden:

Reise nach Oxford

In Oxford trifft sich die War Resisters International zu ihrem jährlichen Ratstreffen. Da die antimilitaristischen Gruppen der Türkei im kommenden Jahr das Ratstreffen beherbergen wollen, wird ein Vertreter des ISKD nach Oxford reisen.

Diese Reise steht auch im Zusammenhang mit der Netzwerkarbeit, die wir betreiben und von der bisher noch nicht ausführlich berichtet haben. Wir reisen viel und treffen verschiedene Gruppen, daraus sind bisher vier Treffen entstanden, die dem gemeinsamen Ziel dienen, im kommenden Juni einen Kongress unter dem Titel "Neue soziale Bewegungen: Praxis und Ideologie" zu veranstalten. Mit dieser Entwicklung sind wir zufrieden, aber es hält wenig, was sich "vorzeigen" lässt. In einem späteren Rundbrief folgt eine ausführlichere Darstellung von dem was, wer, wie und wohin.

Eine unechte Sommerpause

Ab Anfang Juli bis Ende August legt der ISKD eine Sommerpause ein. Das Thermometer klettert gegenwärtig auf fröhliche 40°C im Schatten. In einigen Landesteilen sollen sogar 45°C erreicht werden. Das bringt viel des öffentlichen Lebens zum Erliegen und verschafft dem ISKD die Gelegenheit, eine verdiente Pause einzulegen. Mit dem Besuch aus Griechenland, dem Frauenseminar, der Reise nach Oxford und einigen Büroarbeiten ist das aber eine "unechte" Sommerpause. Aber vor allem die regelmässigen Treffen fallen aus und wir sind gespannt, mit welcher Stimmung es im September wieder losgehen wird.

Geld? Geld!

Von den Veranstaltungen in der Gemeinde in Raisdorf und von Brot und Rosen in Hamburg haben Ann-Kristin, Hilal und Aysegül großzügige Spenden mitgebracht. Der Ausschuss für kirchliche Weltdienste, Mama Cash (NL) und der AStA der FU Berlin, die AGfJ, die DFG-VK in Bielefeld und das Bildungswerk der DFG-VK NRW haben die Aktivitäten der Frauen unterstützt und die finanzielle Grundlage geschaffen.

Die Soli-Schicht im Café Knallhart, die die U-Gruppe organisiert hat, erbrachte DM 600,--. Und nach vielen "kleinen" guten Nachrichten kam dann eine grössere. Die japanische Friedensstiftung NIWANO honoriert unsere Arbeit mit einem Zuschuss von 700.000 Yen, was ungefähr DM 12.500 ergibt. Damit haben wir für die kommenden Monate ein gutes Polster, bleiben aber immer noch auf die vielen Einzelspenden von Euch angewiesen und für dieses Jahr fehlen uns noch einige tausend Mark. Wir bemühen uns weiter um Zuschüsse, bitte helft uns weiter mit Euren Spenden.

NEUE E-MAIL-ADRESSE

Verwendet bitte zukünftig folgende e-mail Adresse: Ankajoe3@hotmail.com

 

Viele Grüße von Ann-Kristin, Jörg und Katharina

 

P.S.: In Hamburg läuft eine Kampagne, die vor allem für HamburgerInnen von Interesse sein dürfte: Wer mag, der/die schaue unter www.atomstromboykott.de

Postadresse:

Ann-Kristin Kröger, Jörg Rohwedder

1803/2 Sokak, No. 11 Müge Apt. Daire 10

Bostanlı, Izmir, Türkiye, 0090-232-3627590

Spendenkonto: Nr. 55 66 33-309, Postbank Hannover, BLZ 250 100 30. Stichwort Türkei

Wir danken: Bertha von Suttner Stiftung, DFG-VK in Kiel, Hamburg, Buxtehude und in den Landesverbänden Hamburg/Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen, GAL-Hamburg, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung, Hans-Böckler-Stiftung, ikm Hamburg, junge gemeinschaft Hamburg, NIWANO, Quäker-Hilfe, Stiftung Gewaltfreies Leben sowie vielen Einzelpersonen.