Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 

Regionen und Länder

Rundbrief Nr. 7

Izmir, den 24.09.2000

Liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Verwandte und andere Interessierte,

Nach langen erholsamen Ferien sind wir wieder in Izmir und die politische Sommerpause ist beendet. Im ISKD haben die Kerngruppe und die Frauengruppe "antimilitaristische Feministinnen" (anfem) ihre Arbeit wieder aufgenommen. Das Training für TrainerInnen geht dem Ende entgegen und es stellt sich die Frage, wie die Teilnehmenden das Gelernte in die Praxis umsetzen. Eine Gelegenheit gibt die folgend beschriebene Entwicklung:

ISKD goes Plattform

Anfang September gründete sich in Izmir die "Initiative gegen das globale Kapital." Die Plattform ist eine von vielen Bündnissen, die auf der ganzen Welt in Folge des "mächtigen" Widerstandes gegen das Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle im Herbst 1999 entstehen. Der breit angelegte Widerstand von Basisgruppen in Seattle konnte den Ablauf der WTO-Konferenz erheblich stören. Aktueller Anlass für die Plattform sind die geplanten Aktionen gegen das Treffen von IWF (Internationaler Währungsfonds) und Weltbank in Prag vom 26.-28.09. Das im wesentlichen gewaltlose Aktionskonzept von Seattle soll nun auf Prag übertragen werden.

In Izmir beteiligen sich Gewerkschaften, politische Vereine und StudentInnengruppen. Anders, als bei anderen Plattformen, die von Gewerkschaften und Parteien dominiert werden, soll hier "der Geist von Seattle" Einzug halten. Arbeit an einem gemeinsamen Ziel auf gleichberechtigter Grundlage und ohne dogmatische Grundsatzstreitereien. Der ISKD sieht daher eine gute Chance, alternative, gewaltfreie Methoden einzubringen und den Prozess der "Macht von unten" zu unterstützen. Wir werden der Plattform Trainings und Seminare zu Kampagnenplanung, gewaltfreier Kommunikation und Entscheidungsfindung in Gruppen sowie der gewaltfreien, direkten Aktion anbieten.

Die Frauengruppe "antimilitaristische Feministinnen" kurz: anfem, beteiligte sich an der Frauenplattform, die u.a. die Demonstration zum 8. März und öffentliche Veranstaltungen organisiert. Die Kooperationen verlaufen allerdings recht mühsam; die Teilnehmerinnen sehen sich im wesentlichen als Delegierte ihrer Partei oder Gewerkschaft. So sind die Treffen immer wieder davon bestimmt, "Macht"-Politik zu betreiben und eben keine vertrauensvolle Auseinandersetzung. Anfem wird sich an den Vorbereitungen zum 8. März wieder beteiligen und versuchen einen anderen Politikstil einzubringen.

Der ISKD und anfem legen Wert darauf, mit anderen Izmirer Gruppen zusammenzuarbeiten und so eine gemeinsame Kraft zu entwickeln.

BEWEGUNGSÜBERGREIFENDER KONGRESS

Seit Beginn des Projektes beschäftigt uns die Frage, ob es gelingen kann, einen Kongress zum Thema: Neue Soziale Bewegungen: Praxis und Ideologie zu veranstalten. Wir sprachen mit Aktiven von verschiedensten Gruppen, denn sie sollen die Teilnehmenden und die ReferentInnen sein. Die Antwort war immer die gleiche: Ein bewegungsübergreifender Kongress ist eine tolle Idee, aber wird Euch der Staat das machen lassen? Unsere Antwort: Wir wissen es nicht. Im letzten Monate wurde der Helzinki Citiziens Assembly (HCA) ein Sommercamp, was die vergangenen Jahre problemlos stattfinden konnte, in letzter Minute verboten.

Natürlich haben viele nach der Entscheidung von Helsinki eine Veränderung erhofft und der IHD, ein Menschenrechtsverein in der Türkei, konnte auch feststellen, dass die Zahl der unaufgeklärten Morde aus politischen Motiven von 130 auf 73 zurückgingen. Die Zahl der aussergerichtlichen Hinrichtungen, Tod unter Folter oder im Polizeigewahrsam blieb mit 102 Fällen (Vorjahr 109) hingegen fast gleich. Statt 116 wie im Vorjahr, wurden in diesem Jahr nur 40 Vereine geschlossen und einer Vereinsschliessung geht in der Türkei nicht eine so ausführliche Diskussion voraus, wie einer möglichen Schliessung der neofaschistischen NPD.

Nach einer Analyse des IHD gehen die Veränderungen allerdings nicht auf die Entscheidung von Helsinki, sondern auf den immer noch einseitigen Waffenstillstand der PKK zurück. Im Westen der Türkei bleiben die Zahlen unverändert. Eine grundsätzliche Verbesserung gibt es also nicht und ein Unterfangen wie das unsere kann daher in allerletzter Stunde verboten werden. Bei geplanten 150 Teilnehmenden und einem Finanzvolumen von 80.000,-- DM war es keine leichte Entscheidung, mit der Arbeit zu beginnen. Aber wir glauben, das jetzt der Zeitpunkt ist, in dem politische Gruppen von der Basis sich stärker selbst organisieren, Erfahrungen austauschen und so öffentlich wie möglich ihren Politikansatz von unten propagieren sollten. Die politischen MitstreiterInnen haben wir in der Türkei und mit der WRI (War Resisters International) gefunden. Jetzt suchen wir mutige FinanzgeberInnen, die uns diese Arbeit ermöglichen.

ANGEFANGENES SOLL NICHT LIEGEN BLEIBEN

Anfang November geht unser erstes Jahr im Projekt "Friedensarbeit in der Türkei unterstützen" zu Ende. Wir haben uns entschieden, für eine weitere Zeit in der Türkei bleiben. Ann-Kristin plant bis April und Jörg bis Oktober 2001 in Izmir zu bleiben. Das hat vor allem inhaltliche Gründe: im Herbst/Winter sollen Seminare zu verschiedenen Themen stattfinden, die von uns zusammen mit den jetzt ausgebildeten TrainerInnen angeleitet werden. Ein zweites Training für TrainerInnen ist ab dem Winter geplant, im März wird Ann-Kristin eine Studienreise von Kirchenasyl-Engagierten aus Deutschland mit dem UMBRUCH Bildungswerk für Friedenspolitik und gewaltfreie Veränderung organisieren und der Kongress "Neue soziale Bewegungen: Praxis und Ideologie," den Jörg mitplant, soll im September 2001stattfinden.

PROJEKTKOORDINATORIN AUF NEUEN WEGEN

Katharina Schulz, die das Projekt in Hamburg koordiniert hat, tritt am 1.Oktober eine Stelle in Köln an. Wir verabschieden uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge von ihr: die Zusammenarbeit mit Katharina war sehr gut und hat uns grossen Spass gemacht! Aber eine wertvolle Stelle kostet auch Geld, das wir nur mit entsprechender Mühe zusammenbekommen haben. Das gute Angebot aus Köln, unsere Finanzsituation und die der KURVE Wustrow gaben den Ausschlag dafür, dass Katharina aufhört und wir die Stelle nicht wieder besetzen. Wir wünschen Katha viel Erfolg und alles Gute im Rheinland.

Die notwendig zu erledigende Arbeit wird von der Unterstützungsgruppe und der Finanzreferentin der KURVE Wustrow, Ulrike Kauber übernommen. Dafür danken wir Euch!

FINANZEN

Mit der Antragstellung für das Frauenseminar im Juli, Anträgen für die allgemeine Arbeit des ISKD und einer Spendenkampagne in Holland, England und Kanada geben wir unser Wissen über Fundraising an einige Aktive des ISKD weiter und versuchen, unabhängige Quellen für den ISKD zu etablieren. Allerdings liegen die Quellen in Ländern, deren Sprachen im ISKD nur von wenigen gesprochen werden. Um einen Antrag an eine deutsche Stiftung zu stellen, bedarf es des Deutschen, in Ausnahmen des Englischen. So wissen jetzt zwar zwei Frauen von anfem, was wie gemacht werden muss, ob sie aber alleine die sprachliche Hürde überwinden, bleibt fraglich.

Die KURVE Wustrow ist in den vergangen Monaten in einer schwierigen Situation gewesen. Der Notspendenaufruf konnte einen grossen Teil des Defizits decken. Personalkündigungen geben eine finanzielle Entlastung und eine Schliessung der KURVE Wustrow konnte abgewendet werden.

Die Spenden für das Türkeiprojekt wurden und werden komplett zweckgebunden verwendet. Spendengelder an uns sind nicht im Defizit verschwunden. Im Sommer waren wir in der KURVE Wustrow und haben den Spendenstand für das Türkei-Projekt ermittelt. Im Jahr 1999 erhielten wir für unsere Arbeit von 55 Personen, Gruppen oder aus Veranstaltungen knapp 15.000,-- DM, bis einschließlich Juni 2000 spendeten 59 Personen fast 21.000,-- DM. Wir danken allen UnterstützerInnen! Ihr habt rund 60% unserer Kosten getragen und das Projekt erst ermöglicht.

Da wir unseren Aufenthalt hier verlängern, bitten wir Euch, Eure Daueraufträge, Einnahmen aus Flohmarktverkäufen und Einzelspenden weiter an uns fliessen zu lassen. Wir können es weiter gut gebrauchen.

BERICHTIGUNG

Im letzten Rundbrief schrieben wir, der Bericht des ISKD über Menschenrechtsverletzung in der türkischen Armee habe mit dazu geführt, dass der niederländische Staat im vergangenen Jahr zeitweise Abschiebungen von kurdischen Kriegsdienstverweigerern ausgesetzt habe. Guido van Leemput vom Study Center on Turkey (SOT) in Amsterdam berichtigt leider, dass nicht einmal zeitweise Abschiebungen ausgesetzt worden sind. Es kommt lediglich in einem Fall zu einer Einzelfallprüfung.

NEUE E-MAIL-ADRESSE

Verwendet bitte zukünftig folgende e-mail Adresse: ankajoe3@hotmail.com

Es grüssen Euch herzlich

Ann-Kristin und Jörg

Postadresse:

Ann-Kristin Kröger, Jörg Rohwedder

1803/2 Sokak, No. 11 Müge Apt. Daire 10

Bostanlı, Izmir, Türkiye, 0090-232-3627590

Spendenkonto: Nr. 55 66 33-309, Postbank Hannover, BLZ 250 100 30. Stichwort Türkei

Wir danken: Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, AGDF; Ausschuss kirchlicher Weltdienste. AKWD; Bertha von Suttner Stiftung, DFG-VK in Kiel, Hamburg, Buxtehude und in den Landesverbänden Hamburg/Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen, GAL-Hamburg, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung, Hans-Böckler-Stiftung, ikm Hamburg, junge gemeinschaft Hamburg, NIWANO Peace Foundation, Quäker-Hilfe, Stiftung Gewaltfreies Leben sowie vielen Einzelpersonen.

Druckansicht
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 
Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Zuletzt geändert: 09.07.2006