Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 

Regionen und Länder


- Friedensarbeit und Kriegsdienstverweigerung in der Türkei

Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)
Landesverband Berlin-Brandenburg
Karl-Kunger-Str. 18
12435 Berlin
Tel. 030-61 07 44 11
Fax 030-61 07 44 10
info@bamm.de
www.bamm.de

Sehr geehrte Damen und Herren,
nachfolgend verbreiten wir eine Presseerklärung der UnterstützerInnengruppe
für Mehmet Tarhan, eines in der Türkei verhafteten Kriegsdienstverweigerers.

—————————-
Presserklärung zur Verhaftung des Kriegsdienstverweigerers Mehmet Tarhan in
der Türkei

Berlin, den 23.04.05

Mehmet Tarhan wurde am 8. April 2005 verhaftet. Schon 2001 erklärte er seine
Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen auf einer Pressekonferenz des
Menschenrechtsvereins IHD öffentlich. Er soll am 28.4.2005 dem
Militärgericht in Sivas vorgeführt werden. Die Anklage lautet "anhaltender
Widerstand um sich dem Militärdienst zu entziehen", ihm drohen bis zu 4
Jahre Haft. Nach Verbüßung der Haftstrafe, kann er erneut einberufen werden.
Die Verhaftung von Mehmet Tarhan passiert in einem von Nationalisten
angeheizten Klima der Repression gegen vermeintliche "Vaterlandsfeinde".

Der Anarchist Mehmet Tarhan engagiert sich seit Jahren in der
schwullesbischen und der antimilitaristischen Bewegung. Seine Verhaftung ist
also auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass er sich in den letzten Jahren
aktiv an verschiedenen antimilitaristischen Kampagnen beteiligte und seine
Verweigerung öffentlich mit den Worten "Der Weg den Krieg zu beenden, ist es
ihm die menschlichen Ressourcen zu entziehen" begründete. Diese Aussage
führte zu einer Anklage wegen "Distanzierung des Volkes vom Militär", was
nach Art. 318 des türkischen Strafgesetzbuches mit einer Mindeststrafe von 6
Monaten verfolgt wird. Das Ergebnis dieser Anklage steht noch aus. Dieses
Vorgehen, wie auch die aktuelle Verhaftung von Mehmet Tarhan sind als
Repression gegen Menschen, die gegen den Krieg im In- und Ausland oder das
Militär Öffentlichkeit herstellen wollen, zu sehen. Inzwischen haben in der
Türkei mehr als 50 Menschen ihre Totalverweigerung erklärt, was einer Zahl
von ca. 350.000 Deserteuren gegenübersteht. So kommen auch viele junge
Männer, um ihren Militärdienst zu umgehen, nach Deutschland. Allerdings gilt
Kriegsdienstverweigerung nicht als Asylgrund.
In der Türkei gibt es, wie in Deutschland kein Recht auf
Kriegsdienstverweigerung, allerdings auch keinen Zivildienst. Die einzige
Möglichkeit sich dem Militärdienst zu entziehen, ist es sich als "krank
ausmustern zu lassen. Diese Definition von Krankheit, gilt auch für das
Schwulsein. Mehmet Tarhan widersetzt sich dagegen aufgrund seiner
Homosexualität als wehruntauglich eingestuft zu werden. Seine Situation ist
in den letzten Tagen weiter eskaliert, er wurde zwangsweise in das
Militärkrankenhaus von Sivas gebracht, um dort entgegen seiner Weigerung
"auf Homosexualität" untersucht zu werden. Diese Untersuchung wird mit
Gewalt durchgeführt und ist deshalb, wie seine AnwältInnen auch betonen,
als Folter anzusehen. Er wurde dort gezwungen sich auszuziehen und mit
Gewalt in eine Uniform gesteckt. Die Armee will sich damit der lästigen
Frage eines Totalverweigerers aus Gewissensgründen entledigen, indem sie ihn
pathologisieren.
In der türkischen Gesellschaft wird der Militärdienst als wichtiger Schritt
zum "Mannwerden" angesehen. Deswegen sieht sich, wer sich auf die eine oder
andere Art dem Dienst an der Waffe entzieht sozialen Ausgrenzungsmechanismen
ausgesetzt, hat Probleme eine Wohnung zu finden, in den Staatsdienst
übernommen zu werden, oder als Schwiegersohn akzeptiert zu werden. Mehmet
ist auch Angriffen seiner Mitgefangenen ausgesetzt, die aufgestachelt durch
das Gerücht ein "Terrorist" sei da, gegen Mehmet vorgingen.

Vor 6 Jahren war es möglich den Totalverweigerer Osman Murat Ülke aufgrund
von massiven internationalen Protesten nach insgesamt zweieinhalbjähriger
Inhaftierung freizubekommen Es kann auch dieses Mal funktionieren die
Freilassung von Mehmet Tarhan zu erwirken und über diesen Weg das Thema
Kriegsdienstverweigerung in die Öffentlichkeit zu bringen.


UnterstützerInnengruppe Berlin


Kontakt für Presseanfragen:

unterstuetzerinnengruppe@hotmail.de

für direkte Anfragen in die Türkei und Interviews:

Osman Murat Ülke: gezz@gawab.com (Anfragen auf Deutsch möglich)
ugur@savaskarsitlari.org
0090 - 536 - 8959290 (Anfragen auf Englisch
möglich)


Es werden dringend Spenden benötigt, um den Besuch von Mehmet durch
Verwandte und FreundInnen zu ermöglichen. Außerdem muss Geld für die
AnwältInnen und die politische Kampagne aufgebracht werden. Deswegen rufen
wir hier zu Spenden auf folgendes Konto auf:

Postbank Berlin
E. Schönefeldt
Stichwort: Mehmet
KtoNr. 190 500 109
BLZ: 100 100 10

Druckansicht
Broschüren/Artikel    Regionen/Länder    NATO/EU    Öffentliche Meinungen   
 
Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Zuletzt geändert: 09.07.2006