Regionen und Länder

 

Anlässlich des Antikriegstages am 01. September laden die Kriegsdienstverweigerer der Türkei zum Reistag ein. Am Sonntag, den 05. September, sollen sich all diejenigen versammeln, die sich in den letzten 15 Jahren öffentlich dem Kriegsdienst verweigert haben. Sie sind nach Ankara eingeladen, vor einem Soldatenheim das Reisgericht zu essen, das bei Ehemaligentreffen traditionell gereicht wird.

Wie bei der Militurizm-Tour am 15. Mai gehen die AntimilitaristInnen wieder an einen Ort, der vom Militär dominiert ist. Sie durchbrechen damit die gesellschaftliche Normalität, die die Soldatenheime bisher in der türkischen Öffentlichkeit darstellen: Zonen, in denen die Hegemonie der Militärs so unantastbar ist wie in einer Kaserne. Die Verweigerer aber sagen: Es gibt eine andere Haltung und wir sind trotz aller drohenden Repression an dieser Stelle und sagen gerade hier: Verweigert, widersteht, sagt nein, beugt Euch nicht dem Militär.

Die Aktionsform soll den Staat zwingen, endlich zu einem wachsenden Problem Stellung zu beziehen: Öffentliche Kriegsdienstverweigerungen werden vom Staat nicht akzeptiert. Eine rechtliche Lösung wird nicht diskutiert, auch wenn sie mit einer möglichen Aufnahme in die EU immer zwingender wird. Derzeit werden die Verweigerer nicht aktiv gesucht und sollten sie zufällig aufgegriffen werden, werden sie nicht zum Kriegsdienst gezwungen. Der Staat vermeidet die Zuspitzung, um (internationale) Öffentlichkeit zu verhindern.

Beim Reistag vor dem Soldatenheim werden sich mindestens fünf Männer als neue Verweigerer öffentlich erklären. Wir werden sehen, wie der Staat auf diese Provokation reagiert.