Regionen und Länder

"Reistag der Kriegsdienst- und Totalverweigerer"

Am vergangenen Sonntag haben sich 70 AntimilitaristInnen in einem Park neben
dem Sihhiye Soldatenheim in Ankara versammelt, um den ersten "Reistag
der Kriegsdienst- und Totalverweigerer zu feiern. Es waren
AktivistInnen aus Istanbul, Izmit, Izmit, Denizli, Iskenderum,
Deutschland, Israel und Slowenien anwesend.

Das Reisessen wurde von Zivilpolizei beobachtet, aber zunächst nicht
gestört. Die Presseerklärung konnte verlesen werden, worauf die
Polizei die Personalien des Aktivisten aufnahm. Das Transparent mit
der Aufschrift "Reistag der Kriegsdienst- und Totalverweigerer" konnte
trotz Einwendungen der Polizei aufgehängt werden. Levont Duranyan
erklärte sich öffentlich als Kriegsdienstverweigerer und die Erklärung
von sechs Verweigerern aus Izmir, die persönlich nicht anwesend sein
konnten, wurden verlesen. Die Aktion wurde ohne weitere Zwischenfälle
beendet.

Antikriegstag - Weltfriedenstag in Istanbul

am 01. September, dem internationalen Antikriegstag trafen sich in
Istanbul 25 Personen zur öffentlichen Presseerklärung in der belebten
Einkaufsstrasse im Herzen der Stadt. Unter Beachtung der Presse wurde
eine Erklärung verlesen und der Generalstabschef Hilmi Özkök und der
Kommandeur der Landstreitkräfte Yasar Büyükanit wurden zum "Reisessen"
der Kriegsdienstverweigerer nach Ankara eingeladen. Die Polizei griff
nicht ein.

Im folgenden ist die Presseerklärung aus Istanbul wieder gegeben:

Es ist wieder Friedenstag…
Und wieder weinen die Landschaften dieser Welt Blut - (türkisch
wörtlich)
Und wieder ist die Erde dieser Welt mit Blut getränkt

Auch in dem Land, in dem wir wohnen, wird intensiviert sich der Krieg
wieder und die Menschen wollen es nicht wahr haben. Wir lesen jeden
Tag zwischen den Zeilen und noch dazu in Form von chauvinistischen
Bekanntmachungen über neue bewaffnete Auseinandersetzungen und das
auch nur, wenn im Boulevardjournalismus Platz übrig bleibt.

Auf der einen Seite abgeschnittene Ohren, mit Minen gespickte
Dorfstraßen, Dorfräumungen ohne Anklage und Verhör; Morde durch
unbekannte und bekannte Täter, beabsichtige Behinderung von
Grundrechten und Freiheiten; eine Sprache, die nicht gesprochen werden
darf, eine Kultur, die der Assimilation unterworfen ist; (Und vor der
gleichen Kultur signalisiert der Staat scheinbaren Respekt, wenn er
die "Ehren"morde an Frauen schuldmindernd als regionale Tradition
bezeichnet.) Menschen, die aufgrund ihrer ethnischen Herkunft
unterschiedlich behandelt werden.

Auf der anderen Seite hierarchische Organisationen, die geleitet von
der Devise Gewalt müsse mit Gewalt begegnet werden, ihren Widerstand
gewalttätig gestalten und sich dabei in das Abbild des Gegenübers
verwandeln.

So wird Frieden nicht zu erreichen sein. Diejenigen, die im Namen des
Friedens reden und agieren sind leider sehr weit vom Frieden entfernt.
Der Weg zum Frieden kann nur mit friedlichen Mitteln gegangen werden.

Als AntimilitaristInnen verfluchen wir alle Kriege und wollen weder
Objekt in einem Krieg sein, noch einer Seite angehören. Wir haben uns
hier versammelt, um diese Botschaft beharrlich zu wiederholen und
unseren Aufruf in die Gesellschaft zu tragen.

In den vergangenen Tagen hat es von militärischer Seite zwei
Erklärungen gegeben: Zitat 1: "Soldaten haben genau wie ihre Uniformen
philosophisch uniform zu sein" und Zitat 2: "Es gibt marginale
Gruppen, die die Kraftquellen der türkischen Streitkräfte zermürben
wollen. Sie sollten unsere Geduld nicht übermäßig strapazieren."

Wir werden nach dieser Presseerklärung zur Post gehen und den Chef des
Generalstabs und den Kommandeur der Landstreitkräfte zum Reisessen der
Totalverweigerer und der Kriegsdienstverweigerer einladen. Den ersten,
um ihm auseinanderzusetzen warum seine Erklärung (Zitat 1)
problematisch ist und den zweiten, von dem Zitat 2 ist, damit er
sieht, das seine Bedenken berechtigt sind und das wir mit unseren
Aktionen weiter so beharrlich sein werden.

Vereinheitlichung, Uniformierung und unbedingter Gehorsam, eine der
"Kraftquellen" des Militärs, raubt den Menschen ihr Talent selbst zu
denken und macht sie blind. Ein Blick auf die Konzentrationslager der
Nazis, die Lager in Palästina, den Krieg im Irak und all die anderen
Regionen dieser Erde, die durch Krieg bestimmt werden, reicht aus, um
sich zu vergegenwärtigen, was Menschen zu Stande bringen, wenn sie
gehorchen, ohne zu hinterfragen.

Wir verweigern uns der Verblendung und werden der Armee in keiner
Weise als "Kraftquelle" dienen. Wir werden niemandes Soldat sein.

AntimilitaristInnen

Quelle: Istanbul Antimilitarist Inisiyatif, Ankara Anarsi Inisiyatifi


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