Regionen und Länder

NACHRICHTEN AUS DER TÜRKEIARBEIT DER KURVE WUSTROW NR. 4

Diese Nachricht hatte Euch am 01. Dezember erreichen sollen. Ein Streik der
Staatsangestellten und folgende technische Probleme haben das verhindert.
Die Aktualität ist aber nicht gänzlich verloren.

01. Dezember. Tag der Gefangenen für den Frieden

Der 01. Dezember wird international als Tag der Gefangenen für den Frieden
begangen. Die War Resisters International veröffentlicht jedes Jahr eine
Liste von Inhaftierten, die sich mit gewaltfreien Mitteln gegen Krieg und
Militarismus und für dauerhaften Frieden eingesetzt haben. Die WRI bittet,
diesen Gefangenen Solidaritätsschreiben zu schicken. Der folgende Artikel
beschreibt, welche Wirkung solche Briefe haben können.

"Du bist nicht vergessen!"

Als Osman Murat Ülke am 14.10.1996 im Militärgefängnis Mamak in Ankara
inhaftiert wurde, setzte rasch eine wahre Flut von Protest- und
Solidaritätsschreiben ein. Der Fall des Kriegsdienstverweigerers Ülke zeigt,
wie wirkungsvoll Briefe an Gefangene für den Frieden sein können. Seine
Verhaftung wurde erwartet und so waren Partnerorganisationen in Westeuropa
(darunter viele WRI Sektionen) und der Türkei vorbereitet. Wenige Tage nach
seiner Inhaftierung erhielt Ülke bis zu 100 Briefe am Tag. "Es war das
Gefühl, die Gefängnismauern einzureissen. Ich war inhaftiert und doch mit so
vielen Menschen im In- und Ausland in Verbindung. Das hat mich sehr
motiviert. Ich habe versucht, auf alle Briefe zu antworten und sass den
ganzen Tag in der Zelle und habe Briefe geschrieben. Ich wusste über meine
Anwältinnen und aus Antworten, das meine Briefe tatsächlich abgeschickt
wurden."

Viele Menschen schreiben kurze Post- und Grusskarten. Auf weihnachtlichem
Motiv steht der ermutigende Satz "Wir wissen von Deinem Schicksal und
wünschen Dir Kraft." "Es ist schon wunderlich, dass ich als Anarchist und
Atheist in einem islamischen Land so viele Weihnachtspostkarten erhalten
habe." sagt Ülke. "Aber jede Karte drückt aus, dass jemand an mich gedacht
hat und das gibt Energie. Besonders motivierend waren Briefe, in denen Leute
auch von sich erzählten. Was denken sie zu den Gründen, aus denen ich im
Gefängnis sitze? Was denken sie zu Kriegsdienstverweigerung, Krieg, Zivilen
Ungehorsam und solchen Themen? Das regte den Geist an und freute mich
besonders. Herausragend ist natürlich, wenn du von einer Person regelmässig
Post oder gar Pakete erhälst. Es gab eine niederländische Englischlehrerin,
die in Frankreich lebte und mir sieben oder acht Pakete schickte. Ihr Sohn
hatte ebenfalls den Kriegsdienst verweigert und mich unterstützte sie mit
Schokolade, Büchern und Zeitschriften."

Natürlich kennen auch die Herrschenden die unterstützende Kraft der
Solidaritätspost und so gelangt sie nicht unbedingt zu den Gefangenen.
Erhielt Osman Murat Ülke in den ersten Monaten täglich mindestens 30 Briefe
und Karten, so wurde ihm später die Post nicht mehr ausgehändigt. Der Verein
der KriegsgegnerInnen Izmir, der die Postaktionen koordinierte, erbat
daraufhin die Post an die Vereinsadresse. So gelangte mit der
Verteidigerpost doch noch so mancher Brief ins Gefängnis.

Aber selbst wenn die Post nicht bei den Gefangenen anlangt, sind sie doch
für die Herrschenden das Signal, dass mit diesen Inhaftierten nicht nach
Belieben verfahren werden kann. Jeder Brief erhöht die Barriere für Folter
und bedeutet Schutz für den Inhaftierten. "Einen Einfluss auf das Strafmass
durch Protestbriefe oder internationale Beobachtungsdelegationen können wir
nur vermuten. Aber z.B. bei der verurteilten kurdischen Parlamentarierin
Leyla Zana konnten wir sehen, dass auch umfangreiche internationale
Solidarität die Gerichte nicht zu einem rechtsstaatlichen Verfahren bewegen
konnte" sagt Hülya Ücpinar, Anwältin und Leiterin des Zentrum für
Menschenrechte und Rechtsforschung in der Rechtsanwaltskammer Izmir.

"Im Militärgefängnis wusste der Direktor natürlich wer ich bin und so gelang
es mir, die im Gefängnis von Mamak mittels Hungerstreik erkämpften Rechte
auch im Militärgefängnis von Eskisehir durchzusetzen. So konnte ich Bücher
und Zeitschriften empfangen. Und der Einfluss war auch an anderer Stelle
sichtbar. Eines Tages wurde ich am Aufenthaltsraum der Wachsoldaten
vorbeigeführt. Dort sassen sechs oder sieben Soldaten um einen Tisch, auf
dem ein Haufen Solipost lag. Die Soldaten lasen sich aus den Briefen vor. Es
war ihre Freizeitbeschäftigung und wer kann sagen, wie es sie beeinflusst
hat." berichtet Osman Murat Ülke, der seit dem 09. März 2000 zwar aus der
Haft entlassen ist, aber als Deserteur gesucht wird.

Weitere Informationen auf der Seite http://www.bundeswehrabschaffen.de

Adressen:
Izmir Savas Karsitlari Dernegi
1468 Sokak No. 6/1
Alsancak, Izmir, Türkei
Fon: 0090-232-4642492
Fax: 0090-232-4640842
Email: iskd@operamail.com

KURVE Wustrow
Kirchstr. 14
29462 Wustrow
Fon: 0049-5843-9871-0
Fax: 0049-5843-9871-11
Email: kurve-wustrow@oln.comlink.apc.org

Spendenkonto:
KURVE Wustrow, Postbank Hannover, Konto Nr. 556633-309, Postbank Hannover,
BLZ 250 100 30. Unbedingt angeben: Stichwort Türkei

Das Projekt "Friedensarbeit in der Türkei unterstützen" wird gefördert von:
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, AGDF; Ausschuss kirchlicher
Weltdienste. AKWD; Bertha von Suttner Stiftung, Bingo-Umweltlotterie -
Niedersächsische Lottostiftung, DFG-VK in Kiel, Hamburg, Buxtehude und in
den Landesverbänden Hamburg/Schleswig-Holstein und Nie-dersachsen/Bremen,
GAL-Hamburg, Hamburger Forum für Völkerver-ständigung und weltweite
Abrüstung, Hans-Böckler-Stiftung, ikm Ham-burg, junge gemeinschaft Hamburg,
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