Bundeswehr abschaffen

- Die größte Umweltkatastrophe der Geschichte

Zum Abschluß der Ausstellung „Offenes Kriegsatelier des Verbandes der bildenden Künstler Serbiens“ hatte die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdientgegnerInnen Frau Professor Dr. med. Stojanka Aleksic zu einem Vortrag in die Stadtbücherei Flensburg eingeladen.

Nach Vietnam und Irak haben NATO-Staaten erstmals ein industrialisiertes Land mit einem Umweltkrieg angegriffen und zerstört. Industriestaaten sind als Kriegsschauplatz ungeeignet und militärisch nicht zu verteidigen. Die Existenz von Pharmazeutischer, Erdöl- und Chemieindustrie macht aus jedem konventionellen Geschoß eine mögliche chemische Bombe, die überwiegend die am Krieg unbeteiligte Zivilbevölkerung trifft.

Frau Aleksic referierte über die ökologischen Langzeitfolgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien. Dabei habe die NATO Waffensysteme eingesetzt, die nach internationalen Kriterien verboten sind: Cassettenbomben, Uranmunition, Karbonfaserbomben. Es seien gezielt solche Objekte zerstört worden, die bleibende Umweltschäden verursachten. „Zu Beginn des Krieges haben jugoslawische Umweltschutzverbände eine Liste erarbeitet, auf denen die nichtmilitärischen Produktionsstätten, Düngemittel-, pharmazeutische und Chemiefabriken verzeichnet waren, die nicht bombardiert werden dürfen. Dieses sei sehr naiv gewesen, denn die NATO hätte genau die auf dieser Liste verzeichneten, besonders gefährlichen Objekte zerstört,“ so Frau Aleksic. Die Bombardierung einer Chemiefabrik mit konventioneller Munition hat für die Bevölkerung dieselben Folgen wie der Einsatz der nach internationalem Recht verbotenen Chemiewaffen. Die NATO führte einen chemischen, radioaktiven und biologischen Krieg. Er ist die größte Umweltkatastrophe der Geschichte.

Während es vor dem NATO-Krieg in der Stadt Belgrad durchschnittlich täglich unter 70 Todesfälle gegeben hätte, sei die Zahl mit über 200 jetzt verdreifacht. Es treten Erkrankungen auf, die vorher unbekannt wären: allergische- und Hauterkrankungen, Immunschwäche und Krebs. Nahrungsmittel sind chemisch vergiftet, würden jedoch trotzdem gekauft und gegessen, weil es keine anderen gibt, als Folge des Boykottes. Auch die psychische Traumatisierung durch den Krieg forderte ihre Opfer: Die Zahl der Selbstmorde in Belgrad ist von monatlich 17 auf über 250 gestiegen.

Allein durch die Bombardierung einer petrochemischen Fabrik in Pancevo seien etwa 80.000 Tonnen Erdöl ins Erdreich geflossen. (Die Menge reicht aus, um ganz Flensburg einen Winter lang zu beheizen). Bei der Zerstörung einer Düngemittelfabrik wurden 250 Tonnen Ammoniak freigesetzt. Das verschmuzte Erdreich abzutragen und zu deponieren ist unbezahlbar. Unbelastetes Trinkwasser gibt es nicht mehr. Frau Aleksic zeigte Bilder, aus denen hervorging, daß die NATO gezielt die Chemietanks zerstörte. Wenn es nur darum gegeangen wäre, die Produktion auf Jahre lahmzulegen, hätte man die Produktionsanlagen zerstören können und die Chemikalientanks verschonen, die von der NATO eingesetzten Waffensysteme haben jedoch zielgenau die Tanks zerstört. Nachdem die NATO-Strategie des Umweltkrieges erkennbar wurde, wurden schlimmere Katastrophen verhindert: rechtzeitig vor dem Angriff hatte der Direktor einer Chemiefabrik angeordnet, den Inhalt der Chlorgastanks zu Salz zu neutralisieren und der Ammoniaktanks in Güterwagen umzufüllen und abzutransportieren. In Jugoslawien sind durch den NATO-Krieg eine halbe Million zivile Arbeitsplätze vernichtet worden.

Die Bundesrepublik Jugoslawien hat etwa 10 Millionen Einwohner und etwa eine Million Flüchtlinge. Der NATO-Krieg wurde mit dem Ziel geführt, Flucht und Vertreibung aus dem Kosovo zu beenden. Seit September 1999 sind 345.380 Menschen aus dem Kosovo geflüchtet, darunter auch Kosovalbaner vor dem Terror der UCK. Die Aufhebung des Embargos und humanitäre Hilfe, Städtepartnerschaften, Schulpartnerschaften könnten die katastrophalen Folgen ein wenig mildern. Kontakte können über die DFG-VK Flensburg vermittelt werden.