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Kriegsdienst verweigern

Berufungsgericht bestätigt Verurteilung britischen Verweigerers des Afghanistankrieges zu neun Monaten Haft

Connection e.V., DFG-VK Hessen und IVAW Europe

Berufungsgericht bestätigt Verurteilung von Joe Glenton zu neun Monaten Haft

Britischer Afghanistankriegs-Verweigerer weiter in Haft

Nach Informationen der britischen Organisation Payday verwarf der High Court in London gestern die Berufung des britischen Verweigerers des Afghanistankriegs, Joe Glenton, und bestätigte die Verurteilung zu neun Monaten Haft wegen Unerlaubter Abwesenheit. Connection e.V., die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hessen und Iraq Veterans Against the War (IVAW) Europe sehen seine Bestrafung als Maßnahme, um Kritik im Militär zu unterdrücken. „Seit 2003“, so Rudi Friedrich vom Kriegsdienstverweigerungsnetzwerk Connection e.V., „verließen nach Angaben des britischen Kriegsministeriums mehr als 17.000 Soldaten unerlaubt die britische Armee. Das ist eine klare Abstimmung mit den Füßen: Gegen die auch in Großbritannien stark kritisierten Kriegseinsätze im Irak und Afghanistan.“ Chris Capps, Sprecher von IVAW Europe ergänzte: “Sie nahmen sich Joe Glenton vor, weil er das ausgesprochen hatte, was so viele Soldaten denken. Es sollten die verurteilt werden, die den Krieg angezettelt haben und ihn führen, nicht die, die ihn verweigern.“

Die Organisationen weisen zugleich darauf hin, dass seit 2009 die Militäreinheiten von USA, Großbritannien, Deutschland und anderer Alliierter in Afghanistan massiv aufgestockt wurden. „Der Krieg wird ausgeweitet,“ so Gernot Lennert von der DFG-VK Hessen, „in den Süden Afghanistans und auch nach Pakistan. Die von einem deutschen Befehlshaber angeordnete Bombardierung von zwei Tanklastern in der Nähe von Kundus, bei der mehr als 100 Menschen starben, zeigt, wer von der Verschärfung des Krieges in erster Linie betroffen ist: Die größten Opfer erleidet die Zivilbevölkerung.“

„Joe Glenton hat die richtige Entscheidung getroffen“, so Rudi Friedrich heute. „Er entzog sich einem Krieg, der Zerstörung und Leid bringt. Die Bundeswehr und alle ausländischen Truppen müssen abgezogen werden. Ein Bruchteil des für den Krieg aufgewendeten Geldes (allein 3 Mrd. Euro aus Deutschland) würde ausreichen, um durch Unterstützung beim zivilen Aufbau wirklich die Lage der Not leidenden Bevölkerung zu verbessern.“

Joe Glenton verließ 2007, traumatisiert durch einen siebenmonatigen Einsatz in Afghanistan, seine Einheit und entzog sich damit einem erneuten Kriegseinsatz. Zwei Jahre später stellte er sich und machte seine Verweigerung bei einer Demonstration in London öffentlich. Dem britischen Verteidigungsminister hatte er am 30. Juli 2009 geschrieben: „Der Krieg in Afghanistan reduziert nicht den Terrorismus. Weit entfernt davon, das Leben der Afghanen zu verbessern, bringt er Tod und Verwüstung in ihr Land. Großbritannien hat dort nichts zu suchen.“ Er ist damit einer der ersten Afghanistanverweigerer, der an die Öffentlichkeit gegangen ist. Das Militär ging wegen seiner öffentlichen Äußerungen scharf gegen ihn vor und drohte ihm bis zu zehn Jahren Haft an.

Seine Verteidiger wiesen im Berufungsverfahren darauf hin, dass Joe Glenton am 5. März 2010 vom Militärgericht verurteilt worden sei, obwohl der Gutachter Lars Davidsson posttraumatische Störungen festgestellt hatte, die Glenton aufgrund seines Einsatzes in Afghanistan erlitt. Er habe sich damit an seine Vorgesetzten gewandt, die ihn jedoch brüsk zurückwiesen, eine Behandlung verweigerten und ihn als Feigling und Simulanten bezeichneten.

Im Gefängnis wurde er misshandelt: Nach Beschwerden, dass ihm Bücher nicht ausgehändigt wurden, die ihm Unterstützer geschickt hatten, wurde Joe Glenton von der Gefängnisleitung beschuldigt, einen Offizier beleidigt zu haben - was er bestreitet. Er soll Stiefel tragen, obwohl er einen gebrochenen Zeh hat. Zudem wird ihm eine Behandlung seiner durch den Einsatz in Afghanistan erlittenen posttraumatischen Stressstörung (PTSD) verweigert.

Connection e.V., DFG-VK Hessen und IVAW Europe bitten weiter um Unterstützung von Joe Glenton. Solidaritätsbriefe und Postkarten können ihm geschickt werden über die Website www.Connection-eV.de/aktion-gb.php, oder an Joe Glenton, Military Corrective Training Centre, Berechurch Hall Camp, Colchester CO2 9NU, Großbritannien.

gez.
Rudi Friedrich
Gernot Lennert
Chris Capps

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Zuletzt geändert: 29.04.2010